Bismarck - Demokrat oder Tyrann?

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von Spionkäse, 11. November 2010.

  1. Spionkäse

    Spionkäse Neues Mitglied

    Ich muss gerade zur Zeit in Geschichte eine schriftliche Ausarbeitung zu dem Thema "Bismarck-Demokrat oder Tyrann" machen. Im Internet habe ich noch nichts zu dem Thema gefunden. Hat vielleicht von Euch jemand eine Idee? Wäre sehr dankbar über eine Antwort.:)
     
  2. Balduin

    Balduin Gesperrt

    Dass du nichts gefunden hast, glaube ich dir nicht. Die Themenfrage ist so formuliert, dass du differenzieren musst - er war weder Tyrann noch Demokrat; aber warum war er nicht Demokrat? Welche Bedeutung hatte er für Deutschland?
    Und da du als Schüler die Wikipedia eh kennst: Bismarck: Der Reichskanzler - Google Bücher
     
  3. keiko

    keiko Neues Mitglied

    in der verfassung von 1871 ist die demokratische richtung bismarcks gut zu sehen, zu gleich sieht man in den jahren nach 1871 warum er auch als tyrann gehandelt wurde (wie vorher immer gesagt) - er greift gegen seine feinde strikt durch, am ende vielleicht zu strikt (kulturkampf)

    auf jedenfall kann man da sehr viel schreiben, aber das solltest du selber machen :)
     
  4. de Ponte

    de Ponte Neues Mitglied

    Bismarck-Demokrat oder Tyrann

    Es ist wohl schwierig, das mit den Maßstäben von heute zu messen.Die Festlegung auf solche Begriffe ist für mich fragwürdig.
    Wenn man sich nicht gerade duch die 2 Bände der Biographie von E.Engelberg arbeiten will, wäre auch andere Literatur ganz hilfreich. Ich denke da an das buch über/von Bismarcks Geheimdienstchef Stieber oder Siegfried von Kardorff "Bismarck - Vier Vorträge".
     
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  5. Cliomara

    Cliomara Aktives Mitglied

    Die Fragestellung würde ja in den thread über merkwürdige Themen im Unterricht passen.

    Bismarck war garantiert kein Demokrat. Er war ein konservativer Junker, der langfristig die Machtposition der Krone verteidigen wollte. Seit 1848 war Preußen ein Verfassungsstaat, und Bismarck gehörte zu den Konservativen, die diese Tatsache akzeptierten. Aber schon der preußische Verfassungskonflikt zeigte, dass Bismarck diese Konstitution anders interpretierte als die Liberalen, von den wenigen Demokraten und Sozialisten ganz zu schweigen.

    In der Außenpolitik dachte er vorwiegend machtpolitisch und weniger dynastisch. So hatte er 1866 keine Probleme, dass souveräne Königreich Hannover zu annektieren und die welfische Dynastie abzusetzen.

    In der Innenpolitik arbeitete er zu Beginn der siebziger Jahre aus pragmatischen Gründen mit den Nationalliberalen zusammen, ehe er sich am Ende des Jahrzehnts wieder den Konservativen zuwandte, die sich neu organisiert und ihren Frieden mit dem Reichskanzler gemacht hatten.

    Wie gesagt: ein zuweilen undogmatischer Konservativer oder, um Lothar Gall zu zitieren: Ein weißer Revolutionär".
     
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  6. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Kulturkampf ist ein interessanter Hinweis. Hierzu läßt sich nämlich noch anführen, das Bismarck den Kulturkampf ja nicht nur im inneren führte, sondern sehr darum bemüht war diesen quasi zu internationalisieren. Bismarck hatte sich da absolut keine Hemmungen auferlegt, sich auch in die innenpoltischen Angelgenheiten anderer Staaten einzumischen. Im Endeffekt hat er sich mit seiner extrem kirchenfeindlichen (katholischen) Politik nur geschadet, nicht zuletzt international. Seine Erfolge auf außenpolitischer Ebene, die anderen Mächte ebenfalls zu so einer antikatholischen Politik zu veranlassen waren dann auch praktisch null. Das Zarenreich war gerade dabei sich mit dem Vatikan auszugleichen und hatte kein Interesse. In Österreich hatte man ebenfalls abgewunken. Grorßbritannien sympathisierte zwar anfangs noch mit Bismarcks Politik, das änderte sich dann aber bald.
     
  7. Timo80

    Timo80 Neues Mitglied

    Ich würde Bismarck weder in die Kategorie Demokrat noch Tyrann einordnen. Unter heutigen Gesichtspunkten mögen einige Punkte seiener Politik umstritten sein, doch letztlich hat er es geschafft Deutschland zu einigen. Außerdem verdanken wir ihm das Sozialversicherungssystem, welches bis in die heutige Zeit gehalten hat. Leider verabschieden sich die heutigen Politiker von dem guten system.
     
  8. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Wie würdest du denn den Kampf Bismarcks gegen den Katholizismus im Deutschen Reich (Kulturkampf) qualifizieren?

    Des Weiteren stellt sich auch die Frage wie du sein überaus hartes ,um nicht zu sagen brutales, Vorgehen gegen die Sozialdemokratie (Sozialistengesetz) bewertest? Die Sozialdemorkraten wurden ja auch als "Reichsfeinde" betrachtet.
     
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Bismarck war ein meisterhafter Diplomat, seine Außenpolitik erwarb sich in Europa Vertrauen, ganz im Gegensatz zu Wilhelm II. und Bülow. Seine Sozialgesetze waren vorbildlich, doch wenn man sich Bismarcks Innenpolitik ansieht, wenn man sich den Kulturkampf, die Sozialistengesetze, die rigorose Germanisierungspolitik in Masuren und die Behandlung der Elsässer und lothringer ansieht, stellt sich die Frage, ob Bismarcks Abgang nicht längst überfällig war. Wilhelm II. war mit Sicherheit ebenso anti- demokratisch und reaktionär wie Bismarck, doch wendete sich Wilhelm II. immerhin dagegen, auf streikende Arbeiter notfalls zu schießen, was Bismarck befürwortete.

    Bismarcks vereinigtes Deutschland war ein Obrigkeitsstaat in dem der Reserveoffizier mehr zählte, als ein Dr. phil. Eine parlamentarische verfassung erhielt das Reich nicht.
     
  10. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Also Europa hatte Bismarck im Zuge der "Krieg in Sicht Krise" nicht vertraut, obwohl Bismarck die entsprechenden Zeitungsartikel nicht veranlaßt hatte. Sein Dementi war einfach zu lahm.

    Nur hatte Bismarck im Vorfeld der Krieg in Sicht Krise bedingt durch sein Bemühen den Kulturkampf zu internationalisieren, die offensive Einmischung in die inneren Angelegenheiten Belgiens, die Absage der Reise Wilhelm I. nach Italien so einiges an Misstrauen angehäuft. Europa war sich nicht darüber klar, was Bismarck eigentlich genau wollte. Bismarck galt zu jener Zeit nicht als berechenbar. Gerade bei der Absage der Reise Wilhelms nach Italien, die tatsächlich aufgrund gesundheitlicher Gründe erfolgte, nahmen die europäischen Staatsmänner es Bismarck nicht ab, das er diese Absage nicht veranlasst hatte. Vielmehr glaubte man, dies sei die Retourkutsche dafür, das sich der Kaiser von Österreich-Ungarn, Franz Joseph, mit dem italienischen König in Italien getroffen hatte. Man unterstellte Bismarck schlicht, das könne nicht im sein Sinne sein, denn es könnte ja zu einer katholischen Liga, wohlmöglich noch mit einer späteren Anbindung Frankreichs kommen, die sich gegen das Deutsche Reich richten könnte. Natürlich war Bismarck nicht von diesem Gedanken begeistet, aber es doch doch schon interessant, das man ihm in Europa einfach nicht geglaubt hat. Und dann kam kuze Zeit später die Krieg in Sicht Krise.
     
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  11. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Bismarcks Bewunderer beriefen sich ja gerne darauf, dass der Alte es schon gerichtet hätte, das er vor allem nicht den Rückversicherungsvertrag hätte platzen lassen, und Bismarck selbst hat in seinen, übrigens glänzend geschriebenen Gedanken und Erinnerungen selbst an dieser legende gestrickt, doch es hatte sich eben auch gezeigt, dass Bismarcks Außenpolitik an die Grenzen stieß.

    Nach der Reichsgründung sah man in großbrinnien wohl mit wesentlich mehr Argwohn auf Russland, zumal in Persien und afghanistan schon Briten und Russen aneinandergerieten. Durch den Dreibund und die Unterstützung Österreich- Ungarns auf dem Balkan, das sich 1878 bosnien- herzegowina einverleibte, war abzusehen, dass Russland sich Frankreich annäherte.
     
  12. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    Nach der Reichsgründung war Großbritannien aber nicht bereit, eine weitere Schwächung Frankreichs hinzunehmen. Das gleiche galt für das Zarenreich. Das Deutsche Reich musste bei Führung eines Präventivkrieges gegen Frankreich mit mit der Gegnerschaft dieser beiden Weltmächte rechnen. Das hat die Krieg in Sicht Krise sehr deutlich gemacht.
     
  13. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Die Krieg-in-Sicht-Krise zeigt auch, wie angebliche Krisen von den Großmächten zum eigenen Nutzen missbraucht worden waren.
    Es ist schon eigenartig, das erst der Zeitungsartikel in der Berliner Post vom 09.April 1875 so ein erhebliches Aufsehen erregte. Denn bereits am 05.April 1875 wurde sinngemäß in der Kölnischen Zeitung ein sehr ähnlicher Artikel publiziert. Und auch das war nicht die erste Meldung über das französische Kadergesetz. Es wurde beispielsweise in verschiedenen militärischen Publikationen sehr ausführlich über dieses Gesetz und deren möglichen Folgen für das Deutsche Reich berichtet.


    Der französische Außenminister war von Anfang an bemüht, obwohl er zügig in Erfahrung brachte, das Berlin keine Kriegsabsicht habe, das Säbelrasseln der Militär einmal außer Acht gelassen, die anderen europäischen Mächte dazu zu veranlassen, in Berlin zugunsten Frankreichs zu intervenieren. Zielsetzung war, die französische Isolation aufzulockern.


    Parallel erreichte Im Deutschen Reich der Kulturkampf seinen Höhepunkt. Es galt als sicher, dass das Brotkorbgesetz und die Aufhebung der Artikel 15,15 und 18 der Preußischen Verfassung den Landtag passieren würden. Dies nahm Bismarck vergleichsweise mehr in Anspruch, als die Krieg-in-Sicht-Krise.

    Des Weiteren wirkte Bismarck auf die belgische Regierung ein, dass das belgische Strafrecht verändert wird. Es war kurz davor bekannt geworden, dass ein belgischer Staatsbürger die Absicht hatte, Bismarck zu ermorden. Bismarck forderte, das schon die Absicht strafbar sein müsse.
    Decazes, der französische Außenminister, hatte zunächst kein Erfolg.


    Wilhelm hatte am 15.April 1875 unmissverständlich klargestellt, dass die Zeitungsartikel jeder Grundlage entbehren würden. Die Krise galt zunächst als erledigt.

    Als dann der französische Botschafter in Berlin Gontaut-Biron von seinem Gespräch mit Radowitz Decazes informierte, wurde die Krise wieder hochgekocht. Gontaut-Biron berichtete, das ihm Radowitz seine Beunruhigung über die beschlossenen französischen Rüstungen mitteilte und daraus das Recht zum Präventivkrieg für das Deutsche Reich gegen Frankreich für anerkannte. Was Gontaut-Biron nicht mitteilte, war, das Radowitz als Privatperson sprach und nicht im Auftrag des AA.


    Decazes bemühte sich jetzt in Petersburg erfolgreich um eine Intervention in Berlin. Gortschakow erkannte nämlich die Chance, die deutsch-britische Annäherung zu hintertreiben, in dem er in London massiv Misstrauen gegen Bismarck sähte. Zwischen dem Zarenreich und Großbritannien haben sie Spannungen wegen der russischen Expansion in Zentralsien an Schärfe zugenommen. London wurde nun mit einer Vereinbarung gelockt.


    In London glaubte Victoria fest an einen kommenden deutsch-französischen Krieg und dränge daher ihren Premier Disraeli und Außenminister Derby in Berlin zu intervenieren. In diesem Sinne schreib sie auch an Zar Alexander II. .Das war Gortschakow natürlich hochwillkommen und seine Rechnung ging auf. Die Russen intervenierten in Berlin und Gortschakow hatte danach die Stirn in einem Runderlass an sämtliche Bot- und Gesandtschaften des Zarenreiches zu behaupten, nur durch das Eingreifen Alexanders sei der Krieg verhindert worden. Das hat Bismarck ihm nie verziehen, denn es war eine große diplomatische Schlappe für ihm

    Bismarck war auch, zu recht, über London verärgert. Dort war man eifrig bemüht alles Petersburg in die Schuhe zu schieben. London war bemüht keinen zu großen Schaden entstehen zu lassen, da man das Reich ggf. als Verbündeten gegen das Zarenreich benötigen würde, denn das russische Angebot bezüglich Zentralasiens war aus Londoner Sicht unbefriedigend ausgefallen. Auch ist es London nicht gelungen, Österreich-Ungarn und Italien mit ins Boot hinsichtlich der Intervention in Berlin zu holen. Wäre diese gelungen, hätte London schön im Hintergrund bleiben können.



    Janroschke, Bismarck, Europa und die Krieg-in-Sicht-Krise von 1875
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. April 2011
  14. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Mit dieser ebenso gängigen wie frag-würdigen Bewertung beginnt eine Diskussion über Bismarcks Außenpolitik. Ich finde die sehr interessant und könnte auch Beiträge dazu leisten, durchschaue aber noch nicht, was das für die eingangs gestellte Frage bringen könnte bzw. worin die logische Verbindung zwischen Innen- und Außenpolitik besteht.

    Man könnte diese Verbindung bei der These suchen, dass das Reich - durch Bismarck mit "Blut und Eisen" geschaffen - sich vor allem durch fortdauernde Kriegsbereitschaft auszeichnet, und zwar nach innen und nach außen (siehe Turgot in #6):

    • Nach außen gibt es zunächst den Versuch, den "Erzfeind" Frankreich, dessen Intransigenz man soeben durch die Wegnahme Elsaß-Lothringens betoniert hat, am Wiedererstarken zu hindern; das scheitert jedoch, wie dargestellt, bereits in der Krieg-in-Sicht-Krise 1875.
    • Nach innen legt sich das dominierende Preußen, wie ebenfalls dargestellt, mit dem Katholizismus an und versucht, die entstehende Arbeiterbewegung zu unterdrücken; beides eskaliert und verbraucht immer mehr politische Ressourcen. - Wem "Kriegsbereitschaft nach innen" übertrieben erscheint: Volker Ullrich scheut sich nicht, von einem ersten und zweiten "innnenpolitischen Präventivkrieg" zu sprechen. [1]
    Bismarck als "Tyrannen" zu bezeichnen, passt irgendwie nicht, und ich lasse mal dahingestellt, ob er die äußerste Konsequenz eines Bürgerkriegs gezogen hätte. Aber er wollte und konnte auch kein "Demokrat" sein. Warum nicht? Ich versuche es mal mit einer wüsten, wenn auch nicht eben neuen Spekulation:

    Bismarck ist ein Angstbeißer! Ebensowenig, wie er darauf vertrauen wollte, dass sich das Zweite Reich im Verlauf eines längeren evolutionären Prozesses bildet, glaubt er daran, dieses Reich im Innern unter Anwendung demokratischer Strukturen und Spielregeln leiten zu können. Die Deutschen nämlich sind vom unausrottbaren Virus des Partikularismus befallen; sie sind jederzeit bereit, sich aus nichtigen Gründen gegeneinander zu wenden; sie können "Demokratie" nicht praktizieren, weil sie keine Erfahrung darin haben; sie sind allzuleicht verführbar, wie sich 1848 (und schon 1525) gezeigt hat, usw. Kurzum: B. hat Angst, dass er eine einmal angestoßene demokratische Entwicklung nicht mehr würde stoppen können; seine "Anthropologie des deutschen Demokraten" ist eine negative.

    Irgendjemand hier, der meine ostertägliche Spekulation teilt?

    [1] Die nervöse Großmacht 1871-1918, S. 45 ff., 64 ff.
     
  15. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    Die Londoner Times schrieb 1876 recht passend: „Wir stehen unter dem Eindruck, daß eine ungeheure Macht, die sich zum Guten oder zum
    Bösen entwickeln kann, einigermaßen plötzlich in unserer Mitte aufgetaucht ist, und daher
    bemühen wir uns mit interessierter Aufmerksamkeit darum, ihren Charakter und ihre Absichten auszumachen."

    Für Bismarck galt es das Erreichte zu sichern. Dies versuchte er in Rahmen der drei Monarchien Russland, Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich zu erreichen. Frankreich sollte und wurde über Jahre hinweg isoliert.

    Nur wurde dies im Zeitalter des Imperialismus und des Panslawismus immer schwieriger. Russland forderte vom Reichbeispielsweise nichts Geringeres als Gefolgschaft während Bismarck auf Gegenseitigkeit bestand.

    Bismarck versuchte die Sicherheit des Deutschen Reiches auf diplomatischen Wege zu sichern. Das ist das berühmte Spiel mit dem fünf Bällen.

    Bismarck war im Deutschen Reich sicher die alles dominiernde politische Persönlichkeit und gehörte in Europa neben einen Gortschkow, Salisbury auch zu den maßgeblichen außenpolitischen Männern. Eine Lichtgestalt, eine Heldenfigur oder eine Art Zauberlehrling war Bismrack m.E. nach aber nicht.​

    Hildebrand attestiert Bismarcks Außenpolitik ab 1890 sogar Perspektiv- und Zukunftlosigkeit.

    Bismarcks System der Aushilfen war 1890 jedenfalls am Ende. Sicher hätte Bismarck den Rückversicherungsvertrag verlängert und somit den Draht nach Petersburg erhalten, aber was die Vereinbarung tatsächlich wert gewesen wäre, muss zwangsläufig offen bleiben. Fakt ist jedenfalls, das Bismarck in der Vergangenheit die Beziehungen immer wieder erheblich belastet hatte. Als Stichpunkte mögen hier die Getrreidezölleerhöhungen, aus innenpolitischne Zwängen heraus, und auch das Lombardverbot an der Berliner Börse genannt werden.

    Auch darf man berechtigterweise fragen, ob Bismracks Politik gegenüber Großbritannien ohne jede Alternative war?

    Bismarcks Außenpolitik kann aber nicht ohne die innenpolitischen Zwänge betrachtet werden, auch wenn es kein Primat der Innenpolitik gegeben hat.
     
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  16. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Schon das DreiKaiserbündnis war in Petersburg nicht umumstritten und war auch nur einen beschränkten Personenkreis bekannt.

    Zum Rückversicherungsvertrag ist anzumerken, das es der deutschfreundlichen Fraktion, Giers, Schuwalow etc. erhebliche Mühe bereitet hat, diese überhaupt zu realisieren.

    In Russland gab es zu jener Zeit bedeutende Kräfte, hier ist vor allem u.a. der russische Publizist Katkow, zu nennen, die eine separate Vereinbarung mit dem Deutschen Reich ablehnten. Sie vertraten die Auffassung, das so eine dem Zarenreich keine Vorteile, sondern nur Nachteile bringen würde. Besonders hervorgehoben wurde, das die eigene Handlungsfreiheit, vor allem, auf dem Balkan, eben durch so eine Vereinbarung beschnitten werden würde.
    Die Freundschaft Bismarcks sei ja nichts wert wie jüngst die Ereignisse in Bulgarien gezeigt haben. Bismarck würde nie die Zerstörung Österreich-Ungarns zulassen. Es sei besser ein Bündnis mit Frankreich abzuschließen.
    Katkow hatte auch keinerlei Scheu Alexander III. anzuschreiben um ihm von seiner Meinung zu überzeugen. Katkow nahm auch Kontakt mit einflußreichen französischen Kreisen auf. So ließ beispielsweise Katkow seinen Mann vor Ort in Paris, Cyon,Kontakt mit den Rothschilds herstellen um diese für das Zarenreich zu interessieren.

    Als dies dann in Petersburg den Zaren bekannt wurde, platzte Alexander der Kragen, denn eine "Nebenaußenpolitik" wollte er nicht dulden.

    So kam denn noch einmal das Konzept von Giers zum tragen. Es war das letzte Mal.
     

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