Bismarcks Stellung in der Geschichte

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von Gast, 21. November 2010.

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  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo ihr Lieben.
    Meine Aufgabe ist es, Bismarcks Stellung und Darstellung in der Geschichte zu analysieren. Und zwar in den Zeiten:
    zu Lebzeit
    im Kaiserreich (nach dem Tod)
    Weimararer Republik
    Nationalsozialismus
    DDR oder BRD (darf ich mir aussuchen)


    Vielleicht kennt ihr ja Quellen außer Wikipedia. Da steht eigtl alles bis auf den esten Punkt, also zu Lebzeiten, drin.
    Bitte helft mir :/
     
  2. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    Spannendes Thema!

    Da würde es sich doch anbieten, erst einmal seine Darstellung in der späteren Geschichte zu schildern und diese dann zu überprüfen.

    Bezüglich seiner Stellung unter den Nazis:

    Ich erinnere mich an ein Plakat der Nazis, auf dem meiner Erinnerung nach die Personen von Wilhelm über Bismarck über Wilhelm II bis Hitler aufgelistet wurden. Jeder der Personen wurde eine Leistung zugeschrieben. Ich erinnere mich aber nur noch an Fetzen:

    Es begann etwa so:

    "Was der ___ (Kaiser?) bewahrte/erschuf/begründete/... vollendete/etc. der Führer.

    Es geht halt darum, dass die Personen der Reihe nach abgebildet sind und Hitler als Vollender der Deutschen Geschichte dasteht.

    Kennt jemand die Abbildung?

    Auf dieser Abbildung wird nämlich auchauf Bismarck verwiesen. Ihm wird eine bestimmte Rolle zugesprochen, die du dann in deiner Arbeit im entsprechenden Kapitel überprüfen könntest.
     
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  3. Skarin Thorsson

    Skarin Thorsson Neues Mitglied

    Hi,

    Zu lebzeiten: Oberbefehlshaber der Armee, Erarbeitung einer ersten Sozialgesetzgebung, Reichskanzler (!!)

    Weimarer Republik: unverändertes hohes Ansehen, da die meisten Politiker in ihrem Herzen immer noch kronloyal waren

    NS-Zeit: verehrt als mächtiger Feldherr und Kanzler, es wurden Parallelen zu Hitler gezogen, Bismarck galt den Wehrmachtsoffizieren als Vorbild.

    BRD: Bismarck wurde nun nur noch anhand seiner Taten beurteilt und nícht mehr nach seiner Person.

    Hoffe ich konnte dir n bisl helfen^^

    LG
     
  4. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Verwechselst du das evtl. damit?
    http://www.stefanjacob.de/Geschichte/Bilder/Marschall.jpg

    Zu der "Ahnengalerie" gibt es einen Thread: http://www.geschichtsforum.de/f58/g...rreichs-1871-anfang-des-deutschen-bels-33777/

    Bismarck war weder Oberbefehlshaber der Armee, noch hatte er sonst eine militärische Kommandogewalt, derentwegen man ihn als "Feldherrn" bezeichnen könnte.
     
  5. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied


    Du meinst sicher das Bild:

    http://www.history.ucsb.edu/faculty...es/FriedBismHindHitlerPostcard1933-400pxw.png
     
  6. Anselm

    Anselm Aktives Mitglied

    Ganz genau! Super! Danke! Das hatte ich gesucht und den Tag über begrübelt^^ Das isses, auch wenns - aus nachvollziehbaren Gründen - ohne Willis auskommt.

    Das Ding passt doch gut, um Bismarcks Einordnung in der Propaganda des Dritten Reichs einzuleiten.
     
  7. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Nun,bevor hier alle Bismarck/Preußen-Fans zu Wort kommen hier mal ein paar kritische Bemerkungen der demokratischen Reaktion;) :

    -Im Innern erfolgte eine Kultivierung des Obrigkeitsstaates, d.h. es wurden oppositionelle Meinungen und Weltanschauungen per Gesetz unterdrückt
    Stichwort: Sozialistengesetze, Kulturkampf

    -in der Reichspolitik forcierte Bismarck den Gegensatz zu Österreich und führte Krieg gegen den Deutschen Bund ,dessen Mitglied Preußen selbst war.
    -selbständige, bis dahin neutrale Länder wie Hannover,Kurhessen-Waldeck,Sachsen, wurden ,nachdem man unannehmbare Ultimaten gestellt hatte ,angegriffen und besetzt.
    -die Annexion von Hannover ,Kurhessen, Nassau und Frankfurt nach dem Krieg gegen Deutschland war schlicht völkerrechtswidrig und zielte auf die Ausbeutung dieser wirtschaftlich bedeutenden Gebiete durch Preußen ab.Der unrühmliche Höhepunkt dieser Entwicklung war ,daß den Welfen nicht nur ihr Land, sondern auch noch ihr Vermögen geraubt wurde. Stichwort "Welfenfond" .Das war schlicht militärische Gewaltherrschaft in reinster Form.

    In der Außenpolitik ist der Angriff auf Dänemark zu nennen sowie die Forcierung und bewußte Herbeiführung des Krieges mit Frankreich 1870/71 durch einen Taschenspielertrick-die Emser Depesche

    -Mittelbar ist er für die Massaker an der Pariser Kommune verantwortlich, denn Bedingung für die Freilassung der gefangenen französischen Armeen im Frankfurter Frieden war die "Pazifierung von Paris" durch diese Armeen, was die dann mehr als gründlich besorgten.


    Zusammenfassend gesagt:
    Der Mann herrschte als Despot im Inneren, ,hat fremde Länder überfallen,besetzt und enteignet, hat drei Kriege vom Zaun gebrochen ,war für eines der großten Massaker in Europa seit der Bartholomäusnacht zumindest mitverantwortlich und schuf einen obrigkeitshörigen Polizeistaat, dessen innere Struktur und Verfassung letztlich mitursächlich für die beiden nachfolgenden Weltkriege war.
     
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  8. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Nun ja, die Annexionen von denen du hier sprichst, sind nach einem Kriege zustande gekommen und diese Staaten haben sich auf der Seite Österreichs gestellt. Annexionen waren zur damaligen Zeit nach einem siegreichem Kriege nicht weiter ungewöhnlich. Und selbst Großbritannien hat sich über das "Schlucken" von Hannover nicht großartig aufgeregt. Es ging auch nicht nur um reine Ausbeutung, sondern so ganz nebenbei auch um die Einigung. Österreich, Frankreich und Russland hatten sich sehr darangewöhnt, in den innerdeutschen Verhältnissen ein gewichtiges Wort mitzureden. Das eine Einigung der deutschen Staaten nicht auf friedlichen Wege zu haben war, das lag auf der Hand. Deiner Meinung kann ich mich so nicht anschließen.

    Dänemark hatte mit der Einverleibung Schleswigs ausdrücklich gegen die Londoner Protkolle von 1852 verstoßen. Es war der Deutsche Bund der sowohl Österreich als auch Preußen mit der Bundesexekution beauftragte.

    Der deutsch-französische Krieg wurde eben nicht von Bismarck herbeiprovoziert. Das ist viel zu undifferenziert. Siehe meine Posts in dem Thread, zu dem Ursachen des deutsch-französischen Krieges hier:

    http://www.geschichtsforum.de/567904-post2.html

    http://www.geschichtsforum.de/569156-post5.html

    http://www.geschichtsforum.de/569294-post7.html
     
  9. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Nun ja, @ Turgot, wenn man ein paar Kleinigkeiten nicht so wertet, scheint es richtig ;-)
    Nur , Schleswig- Holstein ungeteilt, ist eine alte Forderung, und einmarschieren weil altes Recht, Mitherrschaft der Landstände, nicht gewünscht ist......
    (Streit der Sieger gegen Dänemark)
    Das ist " einen Krieg wider das Recht" vom Zaun brechen. Und Hannover hat eben seine Bundespflichten erfüllt, und wurde kurzerhand wie auch Schleswig -Holstein annektiert. Es ging ja um das hehre Ziel der Einigung ;-)!

    Oder vielleicht auch nicht, denn die Autokratie des Königs in Preußen, der gern König von Preußen wäre, war ja durch die anderen Staaten mit ihren geschriebenen Verfassungen und den Mitwirkungsrechten von Bewohnern (demokratische Grundansätze) ständig latent bedroht.
    Und das gefiel dem "ehemaligen Kartätschenprinzen und seinem Junker" ganz und garnicht. Ständig ging der politische Gegner ins Ausland und agierte von da, man konnte diese "Kanaillen" nicht verhaften und einsperren.

    Und nicht nur Hannover wurde annektiert, sondern nach dem Ableben Herzog Wilhelms de facto auch das Herzogtum Braunschweig durch Einsetzen preußenfreundlicher Regenten. Der Erbe wäre der Herzog von Cumberland, ein Welfe , gewesen!

    Also Bismarck als Deutschnationalen darzustellen, ist ein bisschen, naja, geschönt.
    Er war in meinen Augen ein brandenburgischer Machtpolitiker, der das wohl des Königshauses und Brandenburgs im Auge hatte, (und sein eigenes Ansehen)
     
  10. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Die Beschlagnahme des Eigentums der Welfen war eine für Preußen notwendige Maßnahme, da aus diesen Vermögen für die "Befreiung" Hannovers gearbeitet wurde.
     
  11. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Ich verstehe nicht so recht , was du mir mitteilen möchtest. Zu Dänemark ist zu sagen, das es mit der Einverleibung Schleswigs gegen die Londoner Protkolle aus dem Jahre 1852 verstoßen hatte. Es war der Deutsche Bund der Bundesexekution auf die Schiene gesetzt hat. beauftrag wurden mit der Durchführung Preußen und Österreich.

    Und es hilf nicht weiter, Handlungen aus der heutige Zeit heraus zu betrachten. Damal galten ganz andere Moral- und Wertvorstellungen.

    Das "hehre Ziel der Einigung" wie du es so schön formulierst, haben eigentlichen alle Nationalstaaten für sich in Anspruch genommen. Deutschland und Italien waren da etwas reichlich spät dran. Und das die europäischen Mächte dafür Sorge getragen haben, das in Mitteleuropa dieser Zustand im wohlverstandenen Eigeninteresse möglichst lange anhält ist bekannt; zuletzt gerade 1815.
     
  12. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Nicht die Bundesexekution ist das interessante, sondern der Angriff auf Österreich wegen "Streitigkeiten" über die Behandlung der "Beute".
    Das Streben nach Einheit wurde von Bismarck ausgenutzt, er "ritt" auf der Welle, Leute , die anderer Meinung waren über die Form der Einheit, wurden verfolgt.
    Reuter , Hoffmann und andere.
    Andere Moral und Wertvorstellungen galten allerdings, vorallem zwischen Brandenburg und Hannover/ Braunschweig ;-) sowie Schleswig-Holstein und Brandenburg dto.

    Warum sonst hätte die letzte Order des Königs von Hannover den bewaffneten Volksaufstand verboten? Und warum sonst gibt es das Angeler Sattelschwein?

    Imperiale Politik, und DAS ist die bismarcksche, war eben noch NICHT überall als richtig und gerecht empfunden. Und eine Diktatur, wie die preußische Königsherrschaft, war eben nicht mehr die anerkannte Regierungsform.

    Bismarck wollte die Einheit , um die Unabhängikeit und Sicherheit des neuen Preußen, einschließlich der Beute, zu gewährleisten.
     
  13. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Es ist nicht notwendig zu schreien, denn das bedeutet üblicherweise die durchgehende Großschreibung in der schriftlichen Kommunikation in Foren.

    Du tust ja geradeso, als ob Machtpolitk, im vorliegendem Falle die Preußens, zu jener Zeit etwas außerordentlich ungewöhnliches war. Das war sie nicht.

    Zur Sache: Österreich und Preußen waren sich über die Behandlung der Herzogtümer, konkret Schleswig, Holstein und auch Lauenburg, den Begriff Beute finde ich unpassend, nicht einig. Deshalb haben die beiden Mächte den Vertrag von Gastein geschlossen.

    Den Großmächten, namentlich Großbritannien und Frankeich, passte diese Vereinbarung überhaupt nicht, denn sie sahen ihre Interessen berührt.

    Der Krieg von 1866 war im Endeffekt nichts anderes als eine reine Machtfrage, nämlich die, wer die Vormachtstellung im Deutschen Bund inne hat bzw. übernimmt. Es war auch klar, das mit beiden Mächten im Deutschen Bund die Einigung nicht zu haben sein dürfte, da Österreichs Interessen ganz ander lagen als die Preussens. Es ging in der Sache wohl nur vordergründig um irgendwelche Verwaltungsfragen der Herzogtümer und Österreich hat sich hier auch nicht gerade Zurückhaltung auferlegt. Im Gegenteil, durch die Verlagerung dieser Streitikeiten auf die Bundesebene, das war doch eine gezielte Provokation Preussen, wurde der Konflikt massiv eskaliert. Das Ergebnis ist bekannt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. April 2011
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  14. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Entschuldigung, wenn in ein von einem Staat verwaltetes Gebiet eine fremde Armee einmarschiert, kann der Überfallene den anderen nicht mehr provozieren!
    Der hat nämlich schon Krieg angefangen.Das Österreich da Selbstverwaltung wieder einführen wollte und Preußen seinen Teil annektieren wollte, ist für beide Seiten verständlich. Man sehe auf die Landkarte.
    Und den Deutschen Bund dabei anzurufen, ist wohl durchaus richtig, hat der doch die Aufteilung beschlossen, die Preußen nicht gefallen hat.

    Bismarck -Preußen hat hier als Aggressor gehandelt und die ungeklärten Fragen mit Blut und Eisen geklärt. Imperialistische Machtpolitik. Rein zum Schutz preussischer Interessen, wer gewinnt hat Recht.

    Und Land erobern, die eigene Rechtsordnung einführen, Steuern erheben und die ins Kernland transferieren ist "Beute machen". Wer verliert, bezahlt.

    Bismarcks Leistung hinterher war, das ganze erfolgreich als Notwendikeit zum erreichen des "höheren Ziels" Einheit zu verkaufen. Er wollte eben nicht sein Land, Preussen, als Bundesland unter vielen sehen.
     
  15. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Hast du eigentlich gelesen, was ich oben geschrieben habe?

    Ansonsten ist anzumerken, das deine Ausführungen zu kurz greifen.
     
  16. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Interessant in diesem Kontext ist auch, das es Großbritannien gegenüber den Deutschen Bund für erforderlich gehalten hat, eine Warnung hinsichtlich einer Intervention auszusprechen, aber gegenüber den vertragsbrüchigen Dänemark eben nicht.

    Huber, Verfassungsgeschichte
     
  17. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Ebenfalls insteressant ist, das in der ganzen Schleswig-Holstein Problematik ganz entschieden auf die hohe fachliche Kompetenz seines Rates Heinrich Abeken angewiesen war. Dessen Bedeutung in der Zeit bis 1872 wird häufig genug gar nicht erwähnt bzw. gewürdigt. Auch 1870 in Bad Ems und später in Versailles ist seine Rolle nicht zu verachten.


    Als Bismarck den Kulturkampf eröffnete, blieb Abeken loyal, machte aber aus seiner negativen Meinung kein Hehl. Bismarck hat ihn später denn auf einen unbedeutenden Depeschenschreiber reduziert. Er hat wohl auchn dafür Sorge getrage, das dieser keine Dotation nach dem Siege gegn Frankreich erhielt und ersatzweise auch die Erhebung ins Herrenhaus torpediert. Bismarck konnte ein wirklich übler Geselle sein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Juni 2011

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