"Blinde Macht", Rudolf Schlichter

Dieses Thema im Forum "Kunstgeschichte" wurde erstellt von Fabuleux, 30. November 2009.

  1. Fabuleux

    Fabuleux Neues Mitglied

    Hallo zusammen :winke:

    Wir sollen für den Geschichtsunterricht das Gemälde "Blinde Macht" von Rudolf Schlichter interpretieren.

    http://kunstmagazinberlin.de/images/events/7001010902ah_DHM_kassandra_0105rgbkh.jpg

    Ich hab mir zwar paar Ansätze überlegt, bin mir aber nicht sicher und würde es gern komplett verstehn.
    Wäre toll wenn ihr mir helfen könntet.

    Meine Überlegungen waren, dass der Krieger Deutschland darstellen soll und dass er römisch ist, weil verdeutlicht werden soll, dass Deutschland zu dieser Zeit eine Militärmacht war.
    Die Monster, die den Krieger zerfressen, könnten die Nazis sein, weil sie mit ihrer Politik Deutschland zerstört haben.
    Die brennende Landschaft im Hintergrund und das Schwert in der Hand des Kriegers könnte den Krieg darstellen.
    Stimmt das soweit? Und was für eine Bedeutung haben der Hammer in der anderen Hand, diese Dreiecke am Arm und die Bücher hinter seiner Schulter?
     
  2. Eohan

    Eohan Gast

    Diese "Dreiecke" sind Maurerwinkel. Könnten interpretiert werden als Arbeit. Genau wie der Hammer. Also dass der Krieger nicht nur kämpfen sondern auch erschaffen kann und ein ehrlicher Arbeiter ist. Die Bücher wiederum dass er belesen ist und nicht nur ein dummer arbeitender Krieger.
    Der Titel selbst sagt ja schon einiges. Die dargestellt Person hat Macht. Eben durch Arbeitskraft, Schwert und Wissen. Er ist aber blind, lebt in zerstörten Ländern und steuert auf den Abgrund zu, weil er vom Helm (dem Krieg?) nichts sehen kann. Soweit in Kürze, muss aber gleich weg, darum nur ne schnelle Idee
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 30. November 2009
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    "Schlichters Bild von einem gesichtslosen römischen Krieger, der mit gespreizten Beinen durch eine in Flammen stehende Welt schreitet, ist eine sehr komplexe Arbeit.[28] Mit Hammer und Schwert in der Hand ist der Soldat die personifizierte "blinde Macht", aber gleichzeitig wird er bei lebendigem Leib von den schrecklichen Monstern gefressen, die sich bei ihm an Brust und Bauch festklammern. Schlichter, dessen kommunistische Einstellung in den dreißiger Jahren in einen extremen Konservatismus umschlug, schien schon vor Ausbruch des Krieges zu erfassen, welche Macht der Nationalsozialismus hatte und dass Deutschland Gefahr lief, sich selbst zu zerstören."
    Politische Symbolik in der deutschen Kunst - Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 20/2006)

    Es sieht so aus, als würde der Krieger an einem Abgrund stehen.
    Außerdem wird er von Geisterwesen aufgefressen, er nährt sie.

    Wenn das Schwert die Macht in seiner linken Hand symbolisiert, könnte man seine rechte Seite mit Naturwissenschaften, den Schriften und möglicherweise den Hammer als Sinnbild des industriellen Potentials verbinden.

    Wenn ich richtig zähle, weist der linke Fuss übrigens 6 Zehen auf.
     
  4. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Mich erinnert das eher an Marx, Lenin, Sozialismus, Kommunismus ... daher auch Hammer, Dreieck, fehlt nur noch ein Zirkel oder eine Sichel ...
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. November 2009
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Da hast Du recht. Vielleicht ein Arbeiter-Krieger, wenn man den Hintergrund von Rudolf Schlichter betrachtet.
     
  6. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Du meinst sicher ...
    und hier vor allem "Die Rote Fahne" ... :winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. November 2009
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  7. Fabuleux

    Fabuleux Neues Mitglied

    Vielen Dank für die Antworten, die bis jetzt kamen. :)
    Daran hatte ich auch zuerst gedacht. Aber soweit ich weiß sollte das Gemälde eine Kritik an den Nazis sein. Dann wäre es ja eigentlich unlogisch wenn er dem Krieger ein Symbol für Kommunismus in die Hand gibt.
     
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  8. simplicissimus

    simplicissimus Neues Mitglied

    @Fabuleux,

    das Bild wurde 1936/37 von Rudolf Schlichter mythologisch verschlüsselt, doch immer noch deutlich gemalt. Das Gemälde "Blinde Macht" entstand - als eine Allegorie der Zerstörung und der Gewalt. Zwei Dreiecke verweisen auf Recht und Ordnung, Hammer und Kurzschwert auf germanische und römische Vernichtungswut. Sechs Todsünden nisten in den Eingeweiden des Kämpfers. Die siebte ist er selbst
    - blind/nichts sehend - vor dem Abgrund. Das Gemälde ist ein Schrei gegen die von den Nazis als entartete Kunst bezeichneten und verbotenen Werke!

    Mit meinen besten Grüßen

    Simplicissimus
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. November 2009
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  9. Mercy

    Mercy unvergessen

    "Weil Rudolf Schlichter es zunächst als ein antidemokratisches Programmbild gegen die Weimarer Republik gemalt hat 1932. Also das waren die Kräfte der Demokratie, die die Nation, den Staat zerfressen. Erst als er selbst für entartet erklärt war, im Gefängnis gewesen war, hat er dieses Bild umgewidmet, umgemalt und es eben zu einem programmatischen Bild gegen den Nationalsozialismus umgedeutet."

    Deutschlandradio Kultur - Fazit - Künstler als Ahner und Mahner

    Das entspricht auch der Biografie des Künstlers.
    Rudolf Schlichter Biografie
     

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