CH-Banken an Verlängerung 2. WK schuld?

Dieses Thema im Forum "Österreich | Schweiz" wurde erstellt von Gast, 19. Oktober 2008.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo zusammen

    Meine Frage ist:

    Waren die Schweizer Bank direkt oder indirekt schuld an der Verlängerung des 2. Weltkrieges?

    Die Banken kauften den Deutschen ihr Gold, welches sie durch die Feldzüge und Judenvernichtung gestohlen hatten, ab und stellten dafür den Schweizer Franken als Zahlungswährung zur Verfügung. Somit konnten die Deutschen Ihre Rechnungen in CHF an andere Staaten begleichen und kamen nicht in Zahlungsschwierigkeiten.

    Ich hoffe, jemand kann mir diese Frage beantworten oder einen Link geben.

    Besten Dank im Voraus und freundliche Grüsse

    Herr Müller
     
  2. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied

    Der Zahlungsausgleich von deutscher Seite lief nicht nur über die Schweiz.

    Man konnte und hat mW über Spanien, Portugal und die Türkei ebenso
    Zahlungsausgleich betrieben.
    Das die Schweiz einen grossen Anteil Gold abnahm liegt einfach daran , dass
    sie am nächsten lag und die Banken auch bereitwillig business as usual betrieben.
    Da die schweizer Regierung das nicht verwehrte , wieso sollte man hier
    freiwillig Einschränkungen machen.
     
  3. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Ich empfehle die Berichte der Unabhängigen Expertenkommission zu lesen:

    Unabhängige Expertenkommission Schweiz - Zweiter Weltkrieg UEK

    Band 3 befasst sich mit dem Zahlungsverkehr Schweiz-Achsenmächte.

    Findet am im oberigen Link unter Studien und Beiträge oder man kann sich den Schlussbericht durchlesen (den gibt es als PDF Dokument).
     
  4. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Hier einen Auszug aus dem Schlussbericht:

     
  5. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Quelle: Abschlussbericht S. 272 - 277

    http://www.uek.ch/de/index.htm

    Es empfiehlt sich auch die Schlussbetrachtungen und Erkenntnisse durchzulesen, diese findet man auf den Seiten 526 - 532
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Oktober 2008
  6. Gast

    Gast Gast

    Vielen Dank für die ausführliche Antwort!

    Klar ist, dass auf diese Frage, ob die CH-Banken den 2. Weltkrieg Verlängert hätten, keine klare Antwort gegeben werden kann.

    Doch welche Meinung habt Ihr? Schuldig: Ja oder Nein?

    Ich persönlich bin der Meinung, das die CH in einem gewissen Ausmass, ob direkt oder indirekt, an der Verlängerung des 2. Weltkrieg schuld war, dadurch dass die Achsenmächte mit Schweizer Krediten Kriegsmaterial erwerben konnte.
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Worauf stützt Du denn diese Meinung? Der Erwerb von Kriegsmaterial gegen Bezahlung spielte eine untergeordnete Rolle (siehe Beispiel Frankreich).

    Klar ist, dass es einige wirtschaftliche Verbindungen zur Schweiz gab, inkl. Materiallieferungen. Klar ist ebenfalls, dass die schweizer Verbindungen für diverse persönliche oder unternehmerische Bereicherungen genutzt worden sind, siehe Berichte. Das ist aber etwas anderes als eine kriegsverlängernde Wirkung.

    Soweit die deutsche Kriegswirtschaft auf Lieferungen aus dem übrigen Europa angewiesen war, funktionierten diese bzgl. der besetzten Länder über Druck, Verbündete wie Rumänien waren an das Reich gekettet (hier zB Ende 1940/1944), nur bei anderen Drittländern (wie zB Schweden) über Gegenlieferungen und Bezahlungen.

    Soweit in den ersten beiden Fallgruppen in der deutschen "Hegemonialsphäre" (siehe DRZW) Lieferwünsche geäußert wurden, konnte sich dem wohl kaum entzogen werden. Schweden ist ein besonderer Fall, aufgrund der rüstungskritischen Erzlieferungen. Geld spielte dabei eine eher nachrangige Rolle, auch bei Schweden änderte sich die Rollenverteilung erst spät, als die militärische Lage für das Deutsche Reich kritisch wurde (1944).

    Wo soll dann das Geld der Schweiz kriegsverlängernd gewirkt haben? Ich vermag das bisher nicht zu sehen. Soweit es Materiallieferungen der Schweiz angeht, ist auf gegenläufig auf die schweizer Abhängigkeit von Kohlelieferungen etc. des deutschen Machtbereichs hinzuweisen.

    Vielleicht hilft es etwas weiter, wenn Du die Art der Materiallieferungen nennst, die kriegsverlängernd mit Schweizer Franken bezahlt worden sein sollen.
     
  8. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Das kannst du doch nicht mit Ja oder Nein beantworten. :nono:

    Meine Meinung möchtest du wissen, ganz klar Nein. Warum nein, weil man dies nicht isoliert ansehen kann, sondern immer im Kontext der Geschichte zwischen 1933 bis 1945. Alles andere ist unseriös. Siehe die Antwort von Silesia


    Hast du die Literatur und die Quellen dazu alle gelesen? Wenn ja dann bitte ich um eine ausführliche Begründung mit Quellen und Literaturhinweisen. Wenn nein, dann befasse dich doch bitte mit dem Studium der Quellen und Literatur, du kannst ja mit den Bänden der Bergier-Kommission (Link hab ich dir bereits gegeben) beginnen.
     
  9. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Vermutlich auf die Kriegsverlängerungsthese des amerikanischen Unterstaatssekretärs Stuart Eizenstat von 1997. Aufgrund dieser These wurde die Bergier-Kommission ins Leben gerufen, diese Berichte liegen nun ja seit 2001/2002 vor. Damit wurde diese These wissenschaftlich fundiert aufgearbeitet und die Rolle der Schweiz im zweiten Weltkrieg berichtigt. Was nötig war und ich sehr gut finde.
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Man könnte es imho so zusammenfassen: die "Kriegsverlängerungsthese"

    - überschätzt in groteskem Ausmaß die Bedeutung der schweizer Lieferungen für die deutsche Kriegswirtschaft (bei "Verlängerung" würde ich den Betrachtungszeitraum außerdem bis 1943 eingrenzen; ab 1944 hing die Länge des Krieges von den alliierten Zeitplänen, Ressourcen und der Logistik, weniger von deutschen Rüstungsanstrengungen, schon garnicht von schweizerischer Unterstützung ab).

    - überschätzt die Rolle des Geldes bei der Beschaffung/Zulieferung in den deutschen Machtbereich und somit in die Rüstung

    - unterschätzt die Möglichkeiten der Achse bis 1942, sich im Bedarfsfall zu holen, was verweigert wird.

    Das alles ist von den Feststellungen in dem Bericht zu trennen, was die diversen Unterstützungen im übrigen angeht. Hier zum Beispiel diskutiert:
    http://www.geschichtsforum.de/f68/d...zweiten-weltkrieg-1499/index3.html#post307499
     
  11. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Im Februar 1945 bekam die Heeresgruppe Kurland, damals bereits 5 Monate eingeschlossen auf dieser lettischen Halbinsel, eine Lieferung fabrikneuer LKWs, Marke Ford.

    Der weltberühmte "wehrmachtskanister" entwickelt und gebaut mit US-Patenten von der US-Firma Ambi-Budd in Berlin Adlerhorst.
    Es gibt Fachleute, die behaupten der Bewegungskrieg in Afrika und sonstwo wäre nur dank dieses Kanisters möglich gewesen.

    Der Opel-Blitz, der beste Wehrmachts-LKW überhaupt. (Sogar DB musste ihn in Lizenz fertigen, vergessen sie gern in ihrer Firmengeschichte)
    Entwickelt und gebaut von der 100% GM-Tochter Opel.

    Drei Beispiele von vielen.

    Haben die USA den Krieg verlängert?

    Dochwohl nein.
     
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  12. Help!!

    hallo zusammen..

    ich bin zufällig auf dieses Forum gestossen. Ich brauche dringend Hilfe bei meiner hausarbeit.
    Ich schreibe am freitag eine Prüfung über den zweiten weltkrieg. Wir haben eine Chance bekommen unsere Note aufzubessern und müssen nun über diese Frage eine Meinung schreiben(höchstens eine A4-Seite): Goldhandel: Hat die Schweiz mit ihrer Devisen- und Goldhandelspolitik den 2. Weltkrieg verlängert?Begründen Sie Ihre Aussage.

    So lautet die aufgabenstellung. Ich habe keine Ahnung wie ich das machen soll. Ich bin alles andere als ein Ass in Geschichte und wäre froh wenn mir hier jemand helfen könnte. Wie gesagt der Bericht darf nicht mehr als eine A4-Seite handgeschrieben sein.

    Selena:S
     
  13. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

  14. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Vieles scheint sich am Wolfram (portugiesische Lieferungen) und an der Einbindung der Schweiz in den Zahlungstransfer zu orientieren. Dazu wird ein Anteil von 3% am deutschen Rüstungsbedarf genannt, der ist wohl für Portugal zu niedrig, eher 30-40% des Gesamtbedarfs dürfte zutreffen. Wolfram war für die Rüstung /zB panzerbrechende Granaten) ein Schlüsselrohstoff und stets Engpaßfaktor. Das könnte man sich daher gut als Beispiel anschauen:

    einleitend:
    H-Net Review: Michael C. Schneider on Nazigold f�¼r Portugal. Hitler und Salazar

    Vielleicht läßt sich das an dem Beispiel - die 3% oder 30% mal hinten angestellt - genauer betrachten:

    Jonas Scherner
    Bericht zur deutschen Wirtschaftslage 1943/44
    Eine Bilanz des Reichsministeriums für Rüstung und Kriegsproduktion über die Entwicklung der deutschen Kriegswirtschaft bis Sommer 1944
    VfZ 2007, S. 499.

    Die wesentlichen Lieferungen kamen aus Spanien: für 1944 zB td. 900 to. Wolframkonzentrat, etwas weniger aus Portugal (Gesamt 1942: 1920, 1943: 1853 to). Engpass war die Bereitwilligkeit Spaniens und Portugals, überhaupt zu liefern. Diese nahm durch die Kriegslage 1944 schnell ab.

    "In den deutschen Gegenlieferungen nach diesen fünf Ländern spielen insbesondere die Ausfuhren von Kohle, Koks, Eisen, Chemikalien und Waffen (letztere
    insbesondere nach Schweden, Spanien und der Türkei) eine maßgebliche Rolle. Diese Lieferungen belasten Deutschlands Kriegswirtschaft zum Teil erheblich, zumal die deutsche Einfuhr z. T. zu sehr überhöhten Preisen (insbesondere für Wolfram) bezahlt werden muß." (S. 534). Insbesondere Spanien war bis 1942 wesentlich und aufgrund der Kriegsbehinderungen von deutschen Gegenlieferungen abhängig."

    Die Abwicklung der Zahlungstransfers mag das erleichtert haben, wäre die Schweiz hierfür nicht verfügbar gewesen, ist doch zunächst einmal zu prüfen, ob dann mit anderen wichtigen (Gegen)Lieferungen das Gleiche erreicht worden wäre. Offensichtlich wird die These vertreten, der Ausfall der Schweizer Abwicklungshilfe hätte die Wolfram-Zufuhr versiegen lassen. Das halte ich bis 1943 - wie gesagt - für einen Fehlschluss.

    Es bleibt natürlich die Feststellung, dass hier mitverdient worden ist.
     
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  15. Gast

    Gast Gast

    Ich stütze meine Meinung auf folgende Punkte:

    - die Schweiz kaufte deutsches Raubgold an, welches international von nur ganz wenigen Staaten akzeptiert wurde. Sie mussten annehmen, dass es auch teils von den Juden stammte.

    - schweizer Unternehemen verkauften Kriegsmaterial und Maschine für die Waffenindustrie an die Achsenmächte, und profitierten somit extrem davon. Der Staat erliess keine Exportbeschränkungen.

    - die Schweiz stellte den Deutschen den stabilen und freien Schweizer Franken zur Verfügung. Somit hatten die Achsenmächte gegenüber den Allierten (USD) auch eine sichere und akzeptierete Währung.

    - Der Gotthardtunnel konnten von den Achsenmächten genutzt werden. Nicht für Kriegsmaterial, jedoch für Rohstoffe, Soldaten und Häftlingen.

    - Die Wichtigkeit der Schweiz und des Schweizer Frankens wurde auch von hohen Regierungsmitgliedern der Achsenmächten vermehrt wiederholt.

    Natürlich, was auch selbstverständlich ist, stand der CH-Staat im Vordergrund und wollte "nur das beste für die Schweiz". Der "grossen Bruder" in Norden wollte man keinen Angriffsgrund liefern.

    Jeder darf sich darüber seine eigene Meinung bilden, denn eine "richtige" oder "falsche" Antwort gibt es nicht.

    Ich hoffe, ich konnte meine Meinung besser zum Ausdruck bringen.
     
  16. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Güter wurden durch den Gotthardtunnel transportiert, Soldaten (ausser Schwerverletzte) und Häftlinge wurden nicht durch die Schweiz transportiert. Das gehört zu den Legenden (diese Legenden habe ich von meinen Eltern und Grosseltern auch immer wieder gehört) die immer wieder mal aus der Kiste geholt werden, aber eben nicht stimmt. Dies wurde klar widerlegt.

    Dazu, halt wieder einmal, ein Zitat aus dem Bergier-Abschlussbericht (du solltest vielleicht mal die verschieden sehr interessanten einzelnen Bände lesen, darin wird sehr viel aufgedeckt/erklärt aber eben auch widerlegt):

    Quelle: Schlussbericht 230 bis 232


    Was den Güterverkehr betrifft, wurde bis Februar 1945 Kohle durch die Schweiz transportiert. Hier wurde von Seiten der SBB wenig kontrolliert, hingegen beim Personenverkehr wurde strikt auf die Haager Konvention und auf das Völkerrecht geachtet.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Oktober 2008
  17. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Punkte hast Du zusammen getragen, die Einschaltung in die Zahlungstransfers mit Staaten, die Deutschland belieferten, wäre noch zu ergänzen.

    Der nächste Schritt wäre, die Auswirkungen zu hinterfragen. Nach der Fragestellung geht es um die "Kriegsverlängerung". Wo sollen nun quantifizierbar die Auswirkungen liegen?
     
  18. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Der Zeitpunkt müsste auch noch ergänzt werden.

    Schaut man sich die Zahlen der Ausfuhr von Waffen, Munition und Zündern an ergibt sich für Deutschland folgendes (leider kann ich die Tabelle nicht reinkopieren):
    (Zollpositionen 811–813, 1084, 948a*), 1940–1944, nach Ländern (in 1000 Franken)

    1940: 34 618
    1941: 153 778
    1942: 174 382
    1943: 200 250
    1944: 43 221
    1940–1944: 606 249

    Die Schweiz belieferte neben Deutschland folgende Staaten: Italien, Schweden, Rumänien ,Frankreich, Grossbritannien, Japan, Jugoslawien Finnland, Dänemark ,Türkei, Spanien, Ungarn,Bulgarien, USA, Belgien, Norwegen

    Total Exporte 1940 - 1944: 979 935
    Total Importe 1940 - 1944: 22 628

    Die Tabelle findet man auf Seite 206 des Schlussberichtes. Auf der Seite 207 findet man die Ausfuhrbewilligungen für Kriegsmaterial nach Deutschland
    und anderen Ländern, 1940–1944.

    Ich habe dir die Zusammenfassgungen des 11 Bandes: "Schweizer Rüstungsindustrie und Kriegsmaterialhandel zur Zeit des Nationalsozialismus.
    Unternehmensstrategien – Marktentwicklung – politische Überwachung" und 16 Bandes: "Die Schweiz und die Goldtransaktionen im Zweiten Weltkrieges angehängt.
     

    Anhänge:

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    Zuletzt bearbeitet: 22. Oktober 2008
  19. Gast

    Gast Gast

    hat die schweiz den 2ten weltkrieg verlängert?

    dass man überhaupt darüber diskutieren kann, ob jemand anderer als Deutschland den 2ten Weltkrieg ausgelöst,verlängert und gefördert hat ist mir immer noch schleierhaft.

    Die USA haben mit ihrem Kriegseintritt zu lange gewartet. Haben sie den Krieg verlängert?
    Die Sowjetunion hatten einen Nichtangriffspakt mit Deutschland. Haben sie den Krieg verlängert?

    Findet euch endlich damit ab. Die Deutschen sind "schuld" am 2ten Weltkrieg von anfang bis ende. UND NIEMAND SONST
     
  20. tbi700

    tbi700 Gast

    Entschuldigung, aber wieso kann man Lieferungen von 20mm-FLAB-Kanonen im Wert von 400 Mio. sFr. nicht als "kriegsverlängernd" bezeichnen? Der Faktor mag ja vielleicht nicht gross gewesen sein, aber das die Deutschen (Italiener, Rumänen) damit nicht auf Tontauben geschossen haben dürfte auf der Hand liegen.


    Wenn ich 1dl Öl ins Meer kippe, ist das für das Meer auch "nicht weiter tragisch" ... bin ich deswegen praktischerweise automatisch kein Umweltverschmutzer?


    Wobei ich persönlich als Schweizer kein Problem mit obigem Fakt habe, wär ja nicht so dass die Deutschen ohne die Kanonen komplett hilflos gewesen wären.
     

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