Das Leben als Handwerker im 18. JH

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von FFRRR, 10. Mai 2011.

  1. FFRRR

    FFRRR Neues Mitglied

    Hallo,
    mich würde interessieren, wie die Handwerker unter Ludwig XIV. gelebt haben, wie ihr Arbeitstag aussah und am wichtigsten, wie sie gewohnt haben.
    Vielen Dank im vorraus.
     
  2. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Handwerker ist ein sehr weit gefasster Begriff. Geht es Dir um einen bestimmten Berufsstand?
    Außerdem: Wie meinst Du das, "unter Ludwig XIV."? Die für ihn am Hof gearbeitet haben oder zu seiner Zeit?

    Grüße
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wichtig wäre noch, ob es um Handwerker auf dem Land oder in der Stadt geht.

    Prinzipiell reichen schon allein von daher die Verhältnisse weit auseinander. Handwerker auf dem Land waren haupt- oder nebenerwerblich auch Bauern oder aber sie wohnten sozusagen zur Miete bei Bauern auf deren Höfen. Typische Handwerksberufe auf dem Dorf waren Schmiede, Müller und natürlich alle mögliche Handwerker, die etwas mit dem Hausbau zu tun hatten. Daneben gab es spezielle Handwerker, welche Gefäße oder alles um die Fahrzeuge herstellten oder reparierten (Stellmacher, Sattler z.B.).

    In den Städten sind die Unterschiede zwischen den Lebensumständen der verschiedenen Handwerker noch größer gewesen. Denk nur mal an Handwerker wie Flickschuster und auf der anderen Seite Goldschmiede.
     
  4. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Wenn Du Infos zur Zeit Ludwigs XIV im 18. Jh. suchst, dann betrifft das die Jahre 1700-1715, also die letzten seiner Regierungszeit. Die waren geprägt vom Spanischen Erbfolgekrieg, der das Land fast in den Ruin getrieben und die Staatsschulden in astronomische Höhen getrieben hat.

    Bei den Handwerkern muss man - neben dem, was Brissotin schon geschrieben hat - auch zwischen freien Handwerkern und den in Manufakturen tätigen unterscheiden.

    In Nordfrankreich waren die internen Zollschranken aufgehoben, im Rest des Landes nicht. D.h., dass die nördlichen Handwerker aufgrund geringerer Zölle höhere Gewinne machen konnten.

    Waren es Handwerker aus dem Bereich der Luxusgüter (Parfümhersteller z.B.), dann konnten sie durch den Export ins restliche Europa reich werden.

    Kleiner Tipp: Informiere Dich mal über das Merkantilsystem!

    Gruß Jacobum
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Mich würde interessieren wie realistisch die Abbildungen in der Encyclopédie von Diderot und d'Alembert sind, welche ja oftmals Werkstätten der Handwerker präsentieren? Als Beispiel: Fichier:Encyclopedie volume 1-105.png - Wikisource
    Diese Abbildungen zeigen ja oftmals großzügige Räumlichkeiten, welche man sich wohl in großen Städten wie Paris durchaus vorstellen kann. Die Räume sind bei bestimmten Berufen, welche Licht erforderten wie Tailleur (Schneider für Herren) durchaus lichtdurchflutet, aber hinsichtlich der Ausstattung wie Gemälde etc. an den Wänden recht karg eingerichtet.

    Die Darstellungen sind zwar aus dem 3. Jahrhundertviertel vermitteln m.E. aber auch ein schönes Bild, v.a. freilich von großen Werkstätten mit Meistern und Gesellen etc.. Es sind natürlich immer viele verschiedene Handwerker eines Gewerks auf einem Stich vereinigt, um sie bei den verschiedenen Tätigkeiten nebeneinander zu zeigen, was m.E. aber nicht heißen muss, dass es nicht auch so bisweilen ausgesehen haben mag, wenn an verschiedenen Stücken, z.B. Anzügen für verschiedene Herren zeitgleich gearbeitet wurde.

    Die "Encyclopédie" ist verschiedentlich digitalisiert, u.a. bei Wikipedia natürlich: Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers - Wikisource
     
  6. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Die Weiträumigkeit mit der diese Darstellungen ausgeführt sind, hat mich schon des öfteren verwundert.

    Zufällig kannte ich die Baulichkeiten einer ehemaligen Schuhfabrik aus der Mitte des 19. Jahrhunderts recht gut. Einschließlich Fotos der gesamten Belegschaft vor der "Fabrik". Unvorstellbar wie die in der "Hütte" alle gearbeitet haben sollen.
    Aber auch die Werkstätten soweit sie in Museen erhalten sind, sprechen diese Sprache.

    Ich vermute mal, den Kupferstechern ging es um die Darstellung der Werkzeuge, Vorrichtungen und evt. Maschinen, die sehr akkurat ausgeführt wurden, alles andere wurde als nebensächlich lediglich angedeutet, und hat mit der Wirklichkeit nichts gemein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Mai 2011
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Vielleicht müsste man sich mal in Paris die Häuser der damaligen Werkstätten zeigen lassen. Ich denke mal, dass eine Rose Bertin schon recht komfortabel wohnte.
    Rose Bertin ? Wikipedia
    Das Haus der Rose Bertin (sieht nur irgendwie arg modernisiert auf dem Foto aus): Maison de Rose Bertin à Epinay-sur-Seine
    Oder man denke an den Sticker des Königs Monsieur Charles-Germain de Saint-Aubin (1721-1786), der auch Autor eines Buches über die Stickerkunst war.*

    * St. Aubin: "L'Art du Brodeur" Paris, L. F. Delatour, 1770
    erschienen in der Reihe "Descriptions des arts et métiers, faites ou approuvées par Messieurs de l'Académie royale des sciences", die teilw. in Konkurrenz zur Encyclopédie stand.
     

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