Das "Mongolen-Joch"

Dieses Thema im Forum "Das Mongolenreich" wurde erstellt von captain kirk, 1. März 2009.

  1. captain kirk

    captain kirk Mitglied

    als die mongolen im 13. jahrhundert kiew belagerten wurden die russen von einem mongolischen unterhändler aufgefordert sich zu ergeben.
    die russen schickten den unterhändler ohne kopf zurück...

    1. war das töten des unterhändlers einfach nur rache für die mongolischen greultaten oder wussten die russen das das "tatarenjoch" so schwer war das sie eher den tod im kampf vorzogen?
    2. welches schicksal hatten unterworfene Städte/Länder bei den mongolen? sanken die bewohner auf den status von sklaven herab?
    3. welche tribute mußten entrichtet werden?
    4. mußten auch sklaven gestellt werden?
     
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  2. Wolfsblut

    Wolfsblut Neues Mitglied

    Ich kann nur eines sicher sagen...Dass es ein großes Fehler war den Unterhändler umzubringen
    :D
     
  3. captain kirk

    captain kirk Mitglied

    es erstaunt mich, dass bis jetzt nur einer auf das thema geantwortet hat, obwohl es einige mongolen-experten im forum gibt.
    nichtsdestotrotz konnte ich mir die frage selber beantworten:
    in dem buch "dschingis khan" aus der der reihe rowohlts monographien (Neumann-Hodlitz) steht u.a., daß die bäuerliche bevölkerung der unterworfenen völker durch eine hohe bodensteuer hemmungslos ausgebeutet wurden. sie gerieten in völlige abhängigkeit.
    darüberhinaus wurden viele angehörige der unterworfenen völker als sklaven verschleppt und mußten unter erbarmungslosen bedingungen ihren herren dienen.
    dazu kommt noch die grausame kriegsführung der mongolen mit terror und massakern als psychologische waffe.

    unter diesen gesichtspunkten lässt es sich sehr gut verstehen warum die kiewer damals nicht kapituliert haben, sondern lieber den kampf suchten...
     
  4. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Einen Unterhändler zu töten galt zu allen Zeiten und bei allen europäisch (nur dort?) geprägten Völkern immer als großes Unrecht. Warum also?

    Die Gräul der Sieger im Falle einer mongolischen Eroberung muss den Einwohnern Kiews bekannt gewesen sein. In der Regel wurden Städte die sich freiwillig unterwarfen aber weit glimpflicher behandelt. Nicht immer handelten die Mongolen also so grausam. Kiew jedoch war eine sehr große und mächtige Stadt. Eine einfache Unterwerfung und die Mongolen ziehen mit wenigen "Rücksicherungen" weiter war also nicht zu erwarten, da die Mongolen potentielle Widerstandsnester in ihrem Rücken ungern duldeten. Gewiss stellte sich den Einwohnern trotzdem die Frage ob es nicht besser war sich zu ergeben.
    Die Tötung des Gesandten machte eine einfache Ergebung faktisch unmöglich, da die Rache der Mongolen heraufbeschworen war. Mit solchen Taten zwang man auch widerstrebende Bevölkerungsteile zum Kampf bis zum Äußersten, machte sich also auch selbst Mut.

    So weit ein paar Gedanken zu diesem Punkt.
     
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    So sehe ich es auch! Übrigens war es durchaus kein Charakteristikum der Mongolen allein, eine Stadt, die sich weigerte sich zu übergeben mit Plünderung und Mord zu bestrafen. Bis in die frühe Neuzeit hinein war das üblich. Ein berüchtigtes Beispiel war die Plünderung Magdeburgs im 30 Jährigen Krieg wo Tillys Soldateska übel hauste.

    Festungskrieg war riskant, wenn die Angreifer im Sturmangriff noch einmal ihre Haut zu Markte tragen mussten und sich eine Festung weigerte, zu kapitulieren, gab man sie den Söldnern zur Plünderung frei, sozusagen als Entschädigung.

    Einen Gesandten zu töten, das bedeutete, alle Brücken hinter sich abzubrechen und die Bevölkerung zu fanatischem Widerstand zu zwingen, da sich jeder ausrechnen konnte, was ihn erwartete wenn man überwältigt wurde.
     
  6. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Auf jeden Fall aber war die mongolische Militärwalze für viele betroffene Völker ein nachhaltiges Verhängnis.

    Das Lexikon des Mittelalters sagt dazu:

     
  7. captain kirk

    captain kirk Mitglied

    das lexikon-zitat hörte sich an, als ob man bei einer freiwilligen unterwerfung ein gutes leben gehabt hätte unter netten und liberalen mongolenherrschern (pax mongolica).
    mein obiges zitat (post3) sagt da was anderes. ich glaube die mongolen haben das gefördert was ihrer machtsicherung diente (sichere handelswege...)
    hätten sie ihre religion unterworfenen völkern aufgezwungen, hätten sie damit wahrscheinlich religiöse aufstände provoziert.
    mit der akzeptanz anderer religionen hatten sie an dieser front ruhe und konnten sich weiteren eroberungen widmen.
     
  8. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das ist nur die halbe Wahrheit. Zunächst richteten mongolische Kriegszüge katastrophale Verheerungen an, um Städte und Reiche zur Unterwerfung zu zwingen. Ziel aller Eroberer war es jedoch, die unterjochte Bevölkerung zu Tributleistungen zu zwingen und daher tötet man nicht die Kuh, die Milch gibt.

    Das war auch bei den Landstrichen, Regionen und Städten der Fall, die die Mongolen eroberten. Wer seinem Tagewerk nachging, den Boden bestellte und handwerkliche Erzeugnisse ohne Murren fertigte, der blieb nach der einmal erfolgten Unterwerfung unbehelligt - vorausgesetzt, er leistete willig den auferlegten Tribut.

    Nichts anderes besagt der Artikel aus dem Lexikon des MA und so sah die Realität gewiss aus.
     

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