Das russische Selbstbild

Dieses Thema im Forum "Kultur- und Philosophiegeschichte" wurde erstellt von Kochant, 17. September 2022.

  1. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    @Zoki55

    Siehst du hier:

    Prinz Eugen war aber m.W. nach doch kein feiger Mörder. Und die Ausführungen des serbischen Präsidenten na, die waren nicht so dolle und haben mit der historischen Wirklichkeit nicht viel zu tun. Ich will mal hoffen, das in den serbischen Schulbüchern nicht so ein Unsinn steht.
     
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  2. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    In serbischen Schulbüchern steht jede Menge Blödsinn, ob genau dieser Blödsinn steht weiß ich nicht.

    Princip hat mit seinem Leben bezahlt und ist nicht weggelaufen, außerdem habe ich Eugen mit Mladic und nicht mit Princip vergliechen. Es hatt einen Grund das Ungarn, Slawonien und die Vojvodina erst wiederbesiedelt wurden, das lag an der Kriegsführung sowohl der Österreicher, als auch der Osmanen.

    Zentralserbien erholte sich erst in 100 Jahren und das muslimische Belgrad erreichte nie wieder seine Blüte mit 98.000 Einwohnern, davon 21.000 keine Christen und 365 Moscheen.

    Die Zerstörung war durchaus mit der vom Dreißigjährigen Krieg zu vergleichen.

    Lese Evlija Celebija wie er Belgrad beschreibt.

    Und machen wir eigenes Thema serbisches Geschichtesbild (glaube ich gibt es schon wenn ich mich recht erinnere).
     
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  3. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Du kannst nicht einen Söldner, der Prinz Eugen ja war, mit einem General wie Mladic vergleichen, der mehr als 300 Jahre später Srebrenica-Massaker zu verantworten hatte. In jener Zeit, also 1697, als Prinz Eugen z.B. Sarajevo plündern und niederbrennen ließ, war das so üblich, deswegen wurde 1899 ja die Haager Landkriegsordnung verabschiedet, die aber gleichwohl von den Nazis und eben von Mladic nicht respektiert wurde. Das ist doch das, auf was es ankommt – es wundert mich, dass ich das einem Historiker wie dir sagen muss.
     
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  4. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Stimmt, dann vergleiche ich ihn mit Karadjordje, von dem sollen auch alle Straßen umbenannt werden, ging es nach Sarajevo und vielen politischen Historikern in Novi Pazar.

    Ja Geschichtspolitik hat mit Geschichte halt wenig zu tun.

    Außerdem hatten wir die Diskussion um diesen Sklavenhändler auch so, gut du warst ja auf diesem Standpunkt dir kann ich wenig vorwerfen, dass es damals halt üblich war.
     
  5. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Hätte mich interessiert, aber es ist sehr zu bedauern, das in Serbien den jungen Menschen Blödsinn in Sachen Geschichte vermittelt wird.

    Auf dem Platz in Sarajewo, auf dem Princip 1914 den Mord auf Franz Ferdinand, verübte, werden bald wieder die Fußabdrücke des Mörders stehen.
     
  6. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Turgot ich schaue nach, habe in Serbien durchaus viele dieser SChulbücher da und die Neuen besorge ich mir auch.

    Aber in Sarajewo wundert es mich nicht, immerhin war er ein Gesamtjugoslawischer Held, da ändert sich nicht.

    Ich sage es immer wieder das es Ferdinand wurde, war wahrscheinlich nur Zufall, man wollte jemanden treffen, es tut mir für den Menschen (der scheinbar selbst Probleme mit der Familie hatte und ganz okay war) leid, aber er war wie die Österreicher sagen "Wunderwuzzi".
     
  7. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Aber genau das hatte er gewisser Weise vor, denn er hat versucht sich durch Gift das Leben zu nehmen.
     
  8. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Danke für das Nachschauen.:)
     
  9. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Ja, man kann in ja für wahnsinnig halten (tue ich auch), für einen verblendeten Idioten, für einen Fanatiker, feige war er nicht.

    Erinnert mich an Merkel die von den feigen Taliban sprach als sie glaube ich 4 Bundessoldaten töteten.
     
  10. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied


    Hab aufgeschrieben, nächster Besuch der Familie steht für Winter fest, kann dir nichts versprechen.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dann ist das ja in Ordnung.
     
  12. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Zur Klarstellung Belgrad hatte zur Zeit von Evlija CElebija 98.000 Einwohner davon 21.000 nicht Muslime.

    Nach Celebija ist es Teil des Osmanischen Reichs aber in Belgrad sprechen alle Serbisch als Umgangssprache, aber die Muslime halten sich für Türken. Nur zum Kontext. Er beschwerte sich das in seinem Reich es Gebiete gibt, wo man mit nur Türkisch aufgeschmießen ist, so fühlen sich wohl viele deutschsprachige in Berlin Kreuzberg.

    In Sarajevo hatte er weniger Probleme dort spreche man Bosnisch, Kroatisch, Serbisch (wohl dasselbe), aber auch Türkisch und Venezianisch.

    Aber es steht auch viel Mist dort vor allem wo er nicht war. In Belgrad lebte er Jahre, Zagreb hielt er für ein osmanisches Dorf, dabei war Zagreb nie Teil des Osmanischen Reichs.
     
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  13. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Ja, die Schulbücher sind wichtig, weil sie den jungen, noch formbaren Leuten ein Geschichtsbild vermitteln können, das richtig, aber auch falsch sein kann. Wie das bei uns bzw. in Österreich angesehen wird – hierzu ein Zitat aus einer Diplomarbeit:

    Schulbüchern als Trägern eines staatlich-offiziellen Geschichtsbilds kommt in diesem Kontext eine wesentliche Rolle zu. Sie ermöglichen einen Überblick über jene Inhalte, Werthaltungen und Akzentuierungen, über deren Weitergabe und Vermittlung sich die in Österreich maßgeblichen politischen und gesellschaftlichen Kräfte verständigt haben. Darüber hinaus geben sie Auskunft über die Beschaffenheit des kollektiven Gedächtnisses, sowie geschichtlicher Narrative und deren Kontinuitäten beziehungsweise Brüche über die Jahrzehnte hinweg.

    Fast überflüssig zu erwähnen, dass es hierzulande in den 1950er und 1960er Jahren für die Behandlung von Nazideutschland in den Schulbüchern kaum Raum und in den Schulen regelmäßig keine Zeit gab, weil das, wenn überhaupt, ganz am Ende des Schuljahres drankam, als es oft Schulausflüge und Hitzefrei gab, und u.U. schon vorher dafür gesorgt wurde, dass man keine Zeit mehr hatte, weil man mit den Epochen davor noch nicht fertig geworden war. :(
     
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  14. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Nein, das ist nicht in Ordnung. Und du weißt genau, wie ich das meinte - zumindest habe ich dies mit dem Hinweis auf Haager Landkriegsordnung aus dem Jahr 1899 versucht zu sagen, die ja beschlossen worden ist, um solche Gräuel zu verhindern bzw. im Nachhinein zu verurteilen.

    Aber das war nur der Anfang – ab 1993 ist es auch möglich, die Verursacher vor Gericht zu stellen, was z.B. im Fall des ehemaligen Jugoslawiens auch gelungen ist.
     
  15. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Wobei mir Einfällt was mein großes Idol gesagt hat "Schulbücher schreiben Politiker immer und überall, gute Historiker sind sich nicht einig in allen Dingen, aber erkennen die Argumente der Gegenseite".

    Zwei weitere Historiker meinten, wenn sie sich mit Historikerkollegen treffen und was trinken, geht die Post ab, welche politisch unkorrekten Aussagen sie über die eigene und die anderen Nationen sagen.
     
  16. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    Ich bin eigentlich sehr froh, dass es hier Leute gibt, die gewissermaßen "von innen her" (vom Bauch her) die Befindlichkeiten Osteuropas aufzeigen können, und das, was @Zoki55 zu Serbien sagt, gilt sicher ceteris paribus für Russland auch. Wobei das nicht auf Osteuropa beschränkt ist, sondern sich vieles, was aus dem islamischen Raum kommt, genauso anhört.
    Es ist schwer, bei dem Thema nicht auf Tagespolitik abzudriften, aber es ist so, dass sich der Westen schon seit Jahrzehnten als Moralapostel der Welt aufspielt, seine Werte für die richtigen hält und die der anderen für rückständig bzw. verbrecherisch, und das geht weit über Gender- und Schwulenfragen hinaus. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass diese Arroganz manchem böse aufstößt und ein giftiges Gebräu aus Neid (wirtschaftlicher Diskrepanz, die hinzukommt) und aus moralischem Imperialismus des Westens erzeugt.
     
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  17. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Am 21.09. (diesen Donnerstag) 20.15 lief bei 3Sat eine recht interessante Doku.
    Die Doku stammt von den Korrespondenten des SRF Christof Franzen.

    Beide Doku wurden 2021 und 2022 (2022 nach Beginn des Ukraine Kriegs) gedreht.
    Man bekommt da einen recht interessanten Einblick in die Mentalität der Russen.
    Beide Doku jeweils 50 min.

    https://www.3sat.de/gesellschaft/po...ltikum-und-sein-unheimlicher-nachbar-100.html

    https://www.3sat.de/gesellschaft/po...russland-drei-frauen-in-putins-reich-100.html
     

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