Der Buchdruck und die Kirche: Bulle von Papst Alexander VI.

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von JoJo21, 3. April 2011.

  1. JoJo21

    JoJo21 Neues Mitglied

    Hallo,

    die Erfindung des Buchdrucks stieß ja bei der Geistlichkeit auf Widerstand, sodass die Kirche das Drucken und den Besitz von Büchern, die gegen den katholischen Glauben gerichtet waren, verbot.
    Papst Alexander VI. schrieb dazu in einer Bulle 1501: "Da wir erkannt haben, dass durch die Buchdruckkunst sehr viele Bücher [...] gedruckt worden sind, welche viele Irrtümer und verderbliche, ja selbst der christlichen Religion feindliche Lehren enthalten, so verbieten wir [...]allen Buchdruckern [...]in Zukunft Bücher [...] drucken zu lassen [...].

    Meine Frage zu diesem Abschnitt lautet, was genau mit Irrtümer und verderbliche, der christlichen Religion feindliche Lehren gemeint ist.

    Später wird ja von den Reformatoren der Handel mit Ablassbriefen kritisiert, ebenso wie die Simonie. Sind diese Punkte bereits die, die die katholische Kirche als feindliche Lehren bezeichnet? Und wenn ja, welche nach Meinung der Kirche "feindlichen Lehren" und Irrtümer werden in dieser Zeit noch erhoben?

    Wäre über Informationen sehr dankbar.

    JoJo
     
  2. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Dir ist bewusst, das das nicht die erste Bulle zum Buchdruck ist? Es gibt noch eine weitere von Innozenz VIII., auf der Alexander VI. quasi aufsetzt. Zudem wurde das Thema nochmal auf dem 5. Laterankonzil behandelt, da die päpstlichen Bullen wenig Erfolg zeigten.

    Grob gesagt, alle Lehren (nicht nur theologische!), die nicht deckungsgleich mit dem theologischen Mainstream der christlichen Kirche sind.

    Nein, die Reformatoren bezichtigten doch die Kirche der Simonie und des Ablasshandels. Vielmehr wären die Reformatoren die Irrlehrenden. Aber auch ein Galilei, ein Kopernikus...
     
  3. Gegenkaiser

    Gegenkaiser Gesperrt

    Die Haltung der Kirche zum Buchdruck muß man differenziert betrachten. Was du beschreibst, sind Versuche der kirchlichen Zensur. Aber das ist nur die eine Seite.

    Die andere Seite ist: Die Päpste riefen deutsche Drucker nach Subiaco und Rom, den ersten Druckorten in Italien. In zahlreichen Klostern wie etwa Kloster Zinna wurden bereits im 15. Jahrhundert Druckerpressen aufgestellt und die Mönche beteiligten sich eifrig am Druck christlicher Werke. Die älteste Druckerei der Welt steht im Kloster Montserrat in Spanien.Übrigens stammt der älteste Augenzeugenbericht von Gutenbergs Bibel vom zukünftigen Papst Pius II., der sich begeistert zeigte:


    Es kann also keine Rede davon sein, daß die Kirche dem Buchdruck ablehnend gegenüber stand. Zensur wurde genauso auch von weltlichen Autoritäten ausgeübt. Aber die haben anders als die Kirche den Buchdruck ansonsten wenig gefördert. Ergo muß man der katholischen Kirche eine insgesamt überdurchschnittlich positive Einstellung zur Druckkunst anrechnen.

    Übrigens wurden die ersten Pressen in Japan, Korea, Mexiko, Peru und Namibia auch von katholischen und protestantischen Missionaren gegründet. Insgesamt gehörten gläubige Christen zu den wichtigsten Vertretern und Verbreiter des Buchdrucks.


     
    Zuletzt bearbeitet: 4. April 2011
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  4. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Durch den Buchdruck kamen ja auch viele Pamphlete und Angriffe sowie Schmähschriften gegen den Papst in Umlauf. Alexander VI. ist der berühmte Borgiapapst, dessen Lebenswandel recht ausschweifend war, wogegen in Florenz zum Beispiel Savonarola predigte. Da hatte Alexander neben den von Lili sehr richtig bemerkten Gründen auch schon ein gewisses persönliches Interesse, die Vervielfältigung von Ideen und Meinungen im Auge zu behalten.
     
  5. AntigoneNo2

    AntigoneNo2 Neues Mitglied

    Als es einfach wurde, ein Buch drucken zu lassen, konnten diese Schmähschriften ja auch in "Massen" verbreitet werden. Ansichten und Politische Meinungen konnten einem breiteren Publikum nahe grbacht werden. Allerdings konnten ja auch nur previligierte Schichten Bücher kaufen oder lesen.
     
  6. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Bücher ja. Flugblätter hingegen gingen von Hand zu Hand und wurden oft auch vorgelesen.

    karikatur267.jpg

    Alexander VI Borgia
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. April 2011
  7. AntigoneNo2

    AntigoneNo2 Neues Mitglied


    Es ist schon interessant, welchen Wandel das Medium Buch auch mit vorangetrieben hat und heute, da jeder Hobbyautor sein Buch drucken lassen, wird das Medium auf das Kindl verbannt und wir sollen alle brav auf einem Bildschirm unsere Bücher lesen. (Wikipedia zum Buchdruck)

    Mod an: Werbung ist nicht erlaubt. URL wurde entfernt Mod aus
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 5. April 2011
  8. Afkpu

    Afkpu Aktives Mitglied

    Also kann man sagen, dass die Kirche keinesfalls gegen den Buchdruck per se war sondern gegen "unkontrollierten" Buchdruck der dann auch ungenehme Schriften verbreitete? Hatte man vorher ein Monopol (welches wenn ich das richtig verstand in einigen Regionen durch Klöster bestand) auszubauen oder zu behalten?
     
  9. Afkpu

    Afkpu Aktives Mitglied

    Naja hierüber kann man Streiten. Ich besitze auch einen Reader, aber nur weil ich keine Lust hatte imense Mengen an Pdfs die man im Studium erhält auszudrucken. Und teilweise kommt man elektronisch auch an längst vergriffe Werke oder welche die bei Amazon in gedrucker Form mit "Fantasiepreisen" eingestellt werden.

    Meiner Meinung nach wird das Ebook in seiner jetzigen Form niemals das Buch ablösen. Es ist zwar angenehm zu lesen und leicht aber der "Charme" eines alten Schinkens oder Hardcoverromans der im Regal auch noch einiges zur wohnlichkeit beisteuert wird nicht erreicht werden.

    Außerdem wem unterstellst du den nun, dass man "will" das wir nicht mehr gedruckt lesen? Ok wirtschaftlich gesehen verstehe ich das.. ein Buch ist ja eigentlich ein äußerst widerstandsfähiges Medium. Einigermaßen pfleglich behandelt (und selbst bei losen Seiten und Eselsohren), lässt es sich oft weiterreichen. Was bei digitalen Medien ja schwerer ist. Und ist der Reader kaputt muss man sich einen neuen anschaffen. Aber ob dies (besonders bei der ansteigenden "Produktpiraterie/Raubkopieszene und dem damit einhergehenden (angeblichen) Gewinnverlust), für Verlagsgesellschaften und Vermarkter wünschenswert wäre bezweifle ich doch.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 5. April 2011
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Man muss das wohl so sehen: Im Mittelalter waren Bücher handgeschrieben. Schreibunterlage war Pergament, was teuer war, immerhin handelte es sich dabei um die Haut eines Jungtieres. Entsprechend konnten sich Bücher eigentlich nur die wenigsten leisten. Da in Süddeutschland Papier erst seit dem 13. Jhdt. hergestellt werden konnte, war allein schon der Materialpreis bis dahin sehr hoch.

    Bücher wurden in den Scriptorien der Klöster hergestellt, seltener in den Kanzleien der gehobeneren Adelshöfe.
    Mit der Papierherstellung und schließlich mit dem Buchdruck wurden Bücher also natürlich ökonomischer.
    Mit der allmählichen Entwicklung einer stadtbürgerlichen Schicht und Fernhandel, entwickelte sich eine weitere "Buchproduktion": die Bilanzbücher der Kaufleute, die sich zum Teil - so z.B. das Reisebuch der Nürnberger Kaufmannsfamilie Rieter, welches sich vom Ausgabenprotokollbuch zum Reisetagebuch entwickelte.
     
  11. Fulcher

    Fulcher Aktives Mitglied

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