Der Nydam-Bogen - eine Kombiwaffe?

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von El Quijote, 10. September 2012.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ist es nicht so, dass die eine Sehnenschlaufe im unteren Nock festgezurrt ist, während die andere locker am Bogenstab hängt, bis der Bogen dann gespannt wird? Wenn man die Spitze dann nämlich zum einfädeln benutzen würde, wäre die Sehne viel zu schlaff.
     
  2. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    maleonn, oder Du jagst Dir die Spitze in die Hand.
    Nein, der Bogenstab mit der deutlich erkennbaren Spitze, weiter oben verlinkt, hat am anderen Ende einen Nagel auf dem Bogenrücken. Sowas ist bei historischen Bögen öfter zu finden, denn durch einen solchen Nagel rutscht das Sehnenohr/die Schlinge nicht den ganzen Bogenstab runter, sondern bleibt in der Nähe der Nockkerbe. Macht aber nur Sinn, wenn am anderen Ende ein Knoten ist. Den macht man allerdings auch in einer Kerbe, sonst rutscht der.

    Will man jetzt den Bogen spannen, setzt man das Ende mit dem Knoten auf die Erde/steckt ihn in die Erde, Knie auf den "Griff", Bogen biegen und "Schlaufe " einhängen.

    Ist da jetzt "unten" an dem Bogen kein Schutz ist der Bogen da bald zerstört, denn Eibensplint verträgt schlecht Druck "von Oben"
     
  3. Wsjr

    Wsjr Aktives Mitglied

    Von dieser Überlegung, dass die Spitze eine Behelfswaffe sein könnte habe ich auch schon gehört.

    Prompt habe ich mal mit meinen ungespannten Bögen; Eschenflachbogen ca.40 lbs und EschenELB selbe Zugstärke (beide selbstgenaut) ein bischen am Boxsack "rumgestochen". Die Befürchtung dass durch den Set des Bogens dieser beim Zustechen brechen könnte, kann ich nicht bestätigen. Erstens würde der Bogen sich nur in Biegerichtung biegen und zweitens ist die Biegung gar nicht so stark, bzw. kaum vorhanden auch wenn man mal abrutsch und nicht richtig sticht.
    Eibe verhält sich zwar ein wenig anders als Esche, kann aber bei ähnlichen Zugstärken jetzt nicht komplett anders sein. Hätt ich große Mengen für Jux und Dollerei zur verfügung würd ich mal sowas auch mal richtig ausprobieren. Dummerweise ist Eibe aber ziemlich teuer Heutzutage.

    Bezüglich der Sehne die man erst mal abspannen müsste. Es ist sicherlich die einfachste Möglichkeit, wenn man sich wirklich seiner Haut erwehren müsste, einfach die Sehne durchzuschneiden.

    Technisch denke ich das es durchaus möglich ist, aber ich frage mich ob es wirklich der Einsatzzweck gewesen ist, oder es nicht viel einfacher geht indem man sich mit einem Schwert, Speer oder nem bloßen Knüppel verteidigt.
     
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  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das habe ich auch schon überlegt, habe es aber nicht geschrieben, weil ich mich frage, was passiert, wenn man bei einem gespannnten Bogen die Sehne einfach durchschneidet. Schockt der dann nicht?

    Schwert ist teuer, Speer irgendwie unhandlich, wenn man schon den Bogen schleppen muss und den Knüppel muss man erst mal finden. Den Bogen hat man aber eh bei sich.
     
  5. Wsjr

    Wsjr Aktives Mitglied

    Es würde schon reichen wenn man den Bogen an den Wurfarmen festhält dass es nicht zu sehr zurückklatscht. aber ich habs ehrlichgesagt noch nie gemacht, also bloße Theorie.

    Man muss schon mal ein paar Unbequemlichkeiten über sich ergehen lassen wenn man sein Leben schützen will.:D Einen Knüppel oder Keule kann man ja auch als Schütze Problemlos an der Seite tragen, gleiches gilt für ein Sax
     
  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ob diese Spitzen nun die Nutzung als Stichwaffe ermöglichen sollte oder lediglich ein Schutz oder gar ein Gegengewicht sein sollte, bleibt wohl reine Spekulation.

    Ich möchte aber auf etwas hinweisen: Der Bogen ist uns, im Vergleich zu anderen prähistorischen Waffen, recht gut bekannt, da er als Waffe bis vor relativ kurze Zeit verwendet wurde und als Sportgerät bis heute. Im Forum gibt es offensichtlich viele, die das Bogenschiessen praktizieren oder früher getan haben und einige die sich eigene Bogen gebaut haben.

    Bei den Nydambögen, die alle aus einer konkreten und weit zurückliegenden Zeit stammen, sind nun einige Bögen mit dieser Spitze versehen, sonst ist mir das von keinem Naturvolk bekannt das mit dieser Waffe jagt oder kämpft (Während es auf Neuguinea z.B. bajonettartige Spitzen an Blasrohren gibt) noch aus keiner historischen Darstellung westlicher oder östlicher Kämpfer und es wird in keinem mir bekannten Text erwähnt.

    Sollte es den vermuteten Zweck gedient haben, dann war es ein Fehlschlag, denn es wurde schnell verworfen und niemand hat es je wieder aufgegriffen.
     
  7. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das ist m.E. kein Argument.

    Die englischen Bogenschützen schleppten einen Holzpfahl mit sich, der in den Boden gerammt wurde um die Reiterei auf Abstand zu halten so wie einen Fäustel um ihn einzurammen plus irgend eine Kurzwaffe (Falchion, Axt, Dolch o.Ä.).

    Die genuesischen Armbrustschützen (so wie auch andere vom Kontinent) schleppten ihre Pavese mit sich.

    Die osmanischen, persischen und indischen (Mughal) Bogenschützen trugen neben den Bogen ein Schwert und zu späteren Zeiten sogar gleichzeitig eine Arkebuse und Pfeil und Bogen.

    Die Chinesen und Mandschus trugen m.W. Bogen und Lanze.
     
  8. Ilhuicamina

    Ilhuicamina Neues Mitglied

    Die Manchuarmeen zu ihrer Blütezeit waren etwas komplexer bewaffnet. Bei der Kavallerie war ursprünglich die Hauptwaffe der Bogen, dazu kam ein Schwert (Peidao) und manche Einheiten führten auch noch eine Lanze. Später wurden dann auch Musketen und Bogen getragen. Die Infanterie hatte als primäre Waffen entweder Bogen, Muskete oder Lanze, dazu kam wieder ein Schwert. (Quelle: The Manchu Way. The eight banners and ethnic identity in late imperial China. M.C. Elliott, Stanford University Press, 2001).

    Diese Ausrüstung sieht man ganz gut bei File:Emperor qianlong blue banner.jpg - Wikipedia, the free encyclopedia, in der ersten Reihe die 'lancers', dahinter die Musketiere und zum Schluss die Bogenschützen.

    Schwerter der Mandschu werden beschrieben unter metmuseumDOTorg/pubs/journals/1/pdf/1513063.pdf.bannered.pdf

    Wenn Du Giuseppe Castiglione googelst, findest Du weitere Bilder von Mandschu, u.a., File:Ayusi Assailing The Rebels with a Lance.jpg - Wikipedia, the free encyclopedia
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Nydambögen sind völkerwanderungs-/vendelzeitlich.
     
  10. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das weis ich. Ich habe nur drauf hingewiesen, dass weder aus vorgeschichtlicher noch geschichtlicher Zeit andere Beispiele bekannt sind (so weit ich darüber informiert bin). Wenn es also als Waffe dienen sollte, so hat es offenbar keine Nachahmer gefunden.

    Schliesslich sind die Bögen ja erhalten geblieben weil sie im Moor geopfert wurden. Ihre Träger werden das Experiment "Sekundärwaffe" vermutlich nicht überlebt haben.
     

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