Die älteste Sau Berlins

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von zaphodB., 24. August 2012.

Schlagworte:
  1. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Passend zum Treffen:
    Bei Ausschachtungsarbeiten stießen Archäologen in Berlin Mitte auf die Fundamentreste eines mittelalterlichen Hauses aus der Zeit um 1174 und dort auf eine skelettierte Schweinehälfte aus dem Mittelalter - und damit wohl die älteste Sau Berlins.
    Die älteste bekannte Berliner Urkunde stammt hingegen erst aus dem Jahr 1237.
    Ungeachtet der Tatsache,daß die Städte am Rhein da schon über 1000 Jahre Kultur und Geschichte hinter sich hatten ,kann jedenfalls keiner mehr behaupten, in Berlin habe vor dem 13.Jahrhundert kein Schwein gewohnt :rofl::rofl::yes:

    Was mich erstaunt ist der relativ lange Zeitraum zwischen mutmaßlicher Erstbesiedlung und erster urkundlicher Erwähnung.Die Stadtgründungen im Osten verliefen doch normalerweise recht planmäßig im Rahmen einer Art kolonisation ,so daß auch Beurkundung normalerweise mit den ersten städtischen Wohnbauten einhergeht. Oder lieg ich da falsch ?
    Und wenn nicht,wieso war das dann hier so ?
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    gab es nicht eine slawische Vorgängersiedlung? weiß man deren Namen? ...in Spätantike und frühem Mittelalter war Berlin halt noch nicht sooo en vogue :still:
     
  3. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Da sind unsere Berliner gefragt.
    Wobei Fundamentreste eines mittelalterlichen Hauses ja schon auf eine städtische Bebauung in Stein und nicht auf die Hütten eines Dorfes hindeuten
     
  4. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Berlin in der Spätantike, ein lohnendes Thema. In der Tat siedelten hier bereits in der Steinzeit und in der Bronzezeit Menschen, und der Name Berlin ist slawischen Ursprungs.
    Der relative Zeitraum zwischen einer Erstbesiedlung und der Urkunde ist also viel größer, und so muß man mit Nachdruck fragen, wieso Berlin nicht schon bei Tacitus ein eigenes Kapitel erhalten hat.
     
  5. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Ach, während ich schreibe, haben schon andere gepostet, daher ediert:

    Weil's so passend zum Treffen ist, habe ich zur Nachlese kurzerhand einmal eine alte Broschüre über Berlin rausgesucht, worin das Datum 1237 auf die urkundliches Erwähnung des Ortes "Cölln" - auf einer Spreeinsel bezogen wird. Wie die etwas wenig ältere Ortschaft "Berlin" am nordöstlichen Ufer, soll auch Cölln "im letzten Drittel des 12. Jhs. als Kaufmannssiedlung - "auf halbem Wege von den Burgen Spandau & Köpenick - an der schmalsten Stelle des Spreetales zu beiden Seiten einer Furt" entstanden sein.

    Das passt auch gut: zum gefundene Schweineskelett aus 1174 und dem Eichenbalken aus 1183 (vgl. Die mittelalterliche Handelsstadt - Berlin.de). Beiden Orten sollen (nach meiner Broschüre) dann schon um 1230* die Stadtrechte erhalten haben, Berlin würde aber erst 1244, als Stadt dann 1251 urkundlich erwähnt.
    Die hier angesprochenen Slawansiedlungen waren übrigens die Burgwälle (Spandau & Köpenick), die der Askanier Albrecht der Bär eroberte.

    *Wikipedia ist vorsichtiger: "spätestens 1240"


    Mich überrascht deine Frage; ich finde es gar nicht nicht "relativ lang[sam]", sondern die Entwicklung eigentlich ziemlich zügig - ein paar Jahrzehte! Hast du vergleichsorte/Städte, bei denen das schneller ("planmäßig[er]") voran ging?
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. August 2012
  6. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Ich frage mich ja schon, wie ernst du das meinst :winke:
    Weißt du genau wo die steinzeit- und bronzezeitlichen Leute ihre Lager an der Spree aufschlugen? Bei Wikipedia lese ich zwar von einer Maske, aber mit der fehlenden Angabe des Materials hat sich wohl auch ein dortige Literaturhinweis erübrigt...:weinen:
    Und in der Eisenzeit waren vielleicht auch einmal ein paar Semnonen (die Tacitus erwähnt) durchs vorberliner Feld gestreift und mutmaßlich etwas später ein paar Burgunder - und das auch nur vorbehaltlich: es wäre die Wikipedia-Angabe auch hier zu überprüfen.
    Auf jeden Fall fände ich es noch etwas verfrüht, schon hier Siedlungskonstinuität anzunehmen.
    Bei den Slawen wird es auf jeden Fall schon greifbarer wegen der besagten Burgen. Und tatsächlich: Berlin - das war der slawische "Sumpf" ("berl-") - Die mittelalterliche Handelsstadt - Berlin.de
     
  7. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    auch ich habe heute noch etwas zur Geschichte Berlins im Radio gehört:
    Das falsche Stadtjubliäum, 12:05: WDR 5

    Neu war für mich, dass eine der Keimzellen Berlins, nämlich Cölln, von Kaufleuten aus dem Rheinland wahrscheinlich gegründet worden sei (im Radiobeitrag ab 0:40 min erwähnt). Namenspatron von Cölln sei die alte Römerstadt am Rhein und die Petrikirche in Berlin trägt den Namen des Namenpatrons des (alten) Kölner Doms.

    Jetzt taucht ja das Wörtchen "wahrscheinlich" in dieser Behauptung auf. Was weiß man denn über rheinische Kolonisten im ma Berlin/Cölln?
     
  8. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    keine Ahnung,das Stadtprivileg erfolgte jedenfalls nach Magdeburger Recht wenn ich recht gelesen habe. Und die Sau muß eigentlich dann ja außerhalb des damaligen Stadtgebietes gelebt haben.
    Wobei rund um Berlin und Cölln damals wohl mehr los war als im eigentlichen Stadtgebiet,Neben Spandau und Köpenik gab es da noch den Tempelhof den die Templer hier wohl spätestens um 1200 zusammen mit den Siedlungen mSiedlungen in Marienfelde, Mariendorf und Rixdorf gründeten.
     
  9. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Von einer Siedlungskontinuität wage ich auch nicht zu sprechen, inwieweit das sporadisch war, läßt sich ja an einem kleinen Grabungsschnitt nicht unbedingt klären.
    Bei derselben Grabung, die nun das Schwein fand, wurden vor kurzem auch eine ganze Menge älterer Strukturen entdeckt. Siehe hier:

    http://www.geschichtsforum.de/f54/berlin-43292/.
     

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