Die brasilianische Armee im Zweiten Weltkrieg

Dieses Thema im Forum "Lateinamerika | Altamerikanische Kulturen" wurde erstellt von Thiago, 23. Dezember 2010.

Schlagworte:
  1. Thiago

    Thiago Neues Mitglied

    Ich bin Brasilianer, und mein Großvater kämpfte im Zweiten Weltkrieg auf Seiten der Alliierten, als Soldat der brasilianischen Armee. Er lebt und erzählt viele Geschichten von Krieg. Brasilien schickte ein paar Soldaten (zwanzigtausend). Sie kämpften in Italien neben den Amerikanern. Ich frage mich, ob diese Tatsache ist allgemein in Deutschland bekannt. Ich denke nicht, da es einen sehr kleinen Teil des Krieges dargestellt.
     
  2. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ich wusste es schon - aber auch nur das, was Du geschrieben hast, nämlich dass Brasilien eine Division nach Italien schickte. Gegen Kriegsende hin erklärten zwar fast alle lateinamerikanischen Staaten Deutschland noch schnell den Krieg, aber Brasilien war das einzige dieser Länder, das tatsächlich einen kleinen Beitrag leistete.
     
  3. Dieter

    Dieter Premiummitglied


    Eine sehr interessante Information, die hier nur historischen Spezialisten bekannt sein dürfte. Allerdings - Ravenik hat's z.B. gewusst ... alle Achtung! ;)
     
  4. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Thiago

    Vielleicht wissen das Militärhistoriker oder stark interessierte Laien, daß sich brasilianische Truppen aktiv an Kämpfen in Europa/Italien beteiligten. Aus meiner Sicht ist der aktive Kampfeinsatz brasilianischer Truppen in Deutschland allgemein nicht präsent.

    Ich denke, daß viele Deutsche nicht einmal wissen, daß sich Brasilien und Deutschland während des II. Weltkrieges im Kriegszustand befanden.

    M.

    P.S.: Meine Vermutung, die ich außer durch meine Meinung und Erfahrung statistisch nicht nachweisen könnte.
     
  5. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Es ist im allgemeinen bekannt, wobei sich in Deutschland hartnäckig das Gerücht hält, Brasilianer hätten bei Monte Cassino mitgekämpft.
     
  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

  7. Repo

    Repo Neues Mitglied

    War das nicht so?
     
  8. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Nein, die Schlacht um Monte Cassino war am 18.5.1944 zu Ende.

    Das FEB (Força Expedicionária Brasileira) trat erst im September 44 in die Kämpfe ein.
     
  9. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die haben so lange gewartet, bis der Krieg fast vorbei war, und statt Kugeln die Küsschen der befreiten Bevölkerung genossen! Ihr seid mir ja schöne Brasilianer! :D
     
  10. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Die brasilianischen Truppen wurden ausschließlich in den Endkämpfen in Italien eingesetzt, ich glaube, an der so genannten Arno-Linie.

    Die alliierten Truppen in Italien waren sowieso ziemlich bunt gewürfelt - an der Seite von Amerikanern und Engländern kämpften Neuseeländer, Polen, indische Ghurkas, nordafrikanische Goumiers, "Freifranzosen"....
     
  11. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Naja, ein Spaziergang war es für das FEB nicht gerade. Dass man sie ausgerechnet im Herbst/Winter im Gebirge (Apennin) eingesetzt hat, war vielleicht nicht so weise.

    Im übrigen sind von den eingesetzten rund 25.000 Mann gut 1.000 gefallen. Hinzu kommen tausende von Kranken und Verwundeten.

    Nach Brasiliens Kriegseintritt erfolgten deutsche und italienische U-Boot-Angriffe vor der südamerikanischen Küste, wobei dutzende Handelsschiffe versenkt und tausende Seeleute getötet wurden.

    Hier noch ein Link (Text in englischer Sprache):

    EIAL VI2 - Brazil and World War II: The Forgotten Ally.What did you do in the war, Z Carioca?
     
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  12. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Ergänzend dazu hat die brasilianische Marine schon seit 1942/43 Operationen im Atlantik ausgeführt. Dazu gehörten auch Geleitschutzaufgaben.

    Von den Brasilianern wurden mindestens 9 deutsche U-Boote versenkt.
     
  13. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ich müsste unter meinen alten Zeitschriften suchen. Irgendwo habe ich einen alten Artikel über das Thema. Eine Anekdote daraus: Als man das Brasilianische Expeditionskorps zusammengestellt hat, wurden US-Amerikanische Uniformen und Material geschickt um sie auszurüsten. Das meiste an Kleidungen und Stiefeln taugte jedoch nicht, da viel zu groß. Der durchschnittliche brasilianische Soldat war viel kleiner als der mittlere Gringo.

    An Landtruppen waren es m.W. auch die einzigen Lateinamerikaner die Teilnahmen, Marinekräfte gab es dagegen von einigen im Einsatz. Ein Kolumbianischer Zerstörer versenkte ein U-Boot und Kubanische See-Flugzeuge ein anderes. Ich meine mich aber zu erinnern, dass auch Luftwaffeneinheiten von Kolumbien oder Mexiko in Europa teilnahmen, ich glaube auch in Italien. Von den Brasilianern gab es eine Thunderbolt-Staffel.
     
  14. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

  15. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Mir nicht, daher danke für die Information; gilt natürlich auch für die anderen Thread-Teilnehmer. :winke:

    Wobei 20.000 Soldaten wohl wirklich nicht kriegsentscheidend ware. ;)
     
  16. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Das ist richtig, es war mehr eine symbolische Handlung.

    Weitaus wichtiger war aus Sicht der Alliierten (vor allem der USA), dass das große Brasilien mit dem faschismusfreundlichen Präsidenten Vargas an der Spitze nach längerem Zögern auf ihre Seite getreten ist. Für die USA sprangen dabei wichtige Marinestützpunkte an der brasilianischen Küste heraus, was für die Überwachung des mittleren und südlichen Atlantik von großer Bedeutung war.
     
  17. Tiradentes

    Tiradentes Neues Mitglied

    Die Expeditionstruppen in Europa


    Nicht alle alliierten Nationen begrüßten die Präsenz der brasilianischen Truppen in den Gefechten in Europa – einerseits, weil man bedenken muß, daß die Truppen des Landes unvorbereitet und schlecht ausgerüstet waren – das war ein Fakt. Das erste Projekt war die Verschickung der brasilianischen Expedition, um in Afrika zu kämpfen. Im August 1943 schuf ein Dekret die Expeditionsstreitkräfte Brasiliens (FEB). Man erwartete, daß sich mehr als 100.000 brasilianische Soldaten in die Rekrutierlisten einschreiben würden. Zu Beginn des Jahre 1944 jedoch, gab es nur 28.000 Soldaten, die bereit waren, in den Krieg zu ziehen – viele von ihnen schwarz, bis hin zu einem ganzen Regiment des Andrade Neves, dessen 300 Angehörige aus den Favelas rekrutiert wurden. Die deutsche Niederlage in Afrika beschleunigte die Veränderung der Pläne der Alliierten in Bezug auf die FEB und folglich wurde dieses Korps nach Italien geschickt. In der Nacht zum 30. Juni 1944, legten 5.000 brasilianische Soldaten an Bord des amerikanischen Schiffes General Mann aus Rio de Janeiro zu einer streng geheimen Operation auf mit unbekannten Ziel ab. Es war das erste Kontingent von 25.334 Männern, die sich unter dem Kommando von General Mascarenhas de Moraes in das 4. Korps des amerikanischen Heeres eingliederten, als Teil der 15. Gruppe der alliierten Armeen.
    Nicht gewöhnt an die amerikanischen Methoden der Führung (schon weil das brasilianische Heer der französischen Schule folgte), litten sie unter dem europäischen Winter, bekamen nur die eiserne Ration, waren gezwungen, sich den „hohen Tieren mit großen Planken und spitzen Stöcken“ (den Skis) anzupassen, damit sich die brasilianischen Soldaten auf den Schlachtfeldern in Italien nicht blamierten. In dem Zeitraum von 239 Tagen des Kampfes (vom 6.9.1944 bis 2.5.1945) war die FEB am Kampf zur Eroberung von Apeninos beteiligt, einer strategisch sehr bedeutenden Bergkette, die den Zugang zu den Flußtälern des Rhein und des Pó eröffneten. Bei der Eroberung der Festung Monte Castelo – welches von drei vorherigen Angriffsversuchen geschwächt war – am 21. Februar 1945, nach 12 Stunden Kampf. Es war der Höhepunkt der brasilianischen Kriegsaktivitäten. Insgesamt beklagte das brasilianische Heer 465 Tote – 444 Soldaten, 13 Offiziere und 8 Offiziere der FAB (Luftwaffe) – und 1.517 Verwundete im Kampf (mehr als 658 „Verunglückte“). Die FEB nahm mehr als 20.000 Deutsche gefangen, eroberte 80 Kanonen und 1.500 Fahrzeuge. Am 18. Juli 1945 kehrten die ersten 4.931 brasilianischen Expeditionisten nach Rio de Janeiro zurück. Beim ihrem Ehrenmarsch auf der Allee Rio Branco wurden sie sehr lobend empfangen. In den folgenden Wochen wiederholte sich diese Zeremonie für fast alle zurückkehrenden Delegationen.

    In den zwei Jahren, während denen Brasilien offiziell im Krieg gegen Deutschland war, veränderte sich der Alltag der Nation, wie es schon in fast allen Ländern der Welt vor sich ging. Eben weil schon vor der offiziellen Kriegserklärung Brasilien schon deutsche Spione aufspürte, seine Schiffe schon versenkt wurden und gezwungen waren, schon einige Produkte zu rationieren. Während vier Jahren war davon vor allem Benzin betroffen. Aus diesem Grund wurden Autos, die im Land herumfuhren, mit »Gasentwicklern« ausgestattet (einem Apparat, der aus verbrannter Kohle brennbares Gas herstellte). Ab August 1942 wurde die Bevölkerung der größten Küstenstädte notgedrungen auf größere `blackouts` vorbereitet: immer wieder wurde zwangsweise das Licht abgedreht. Sirenen surrten und bereiteten so die Städte auf mögliche Bombardierungen vor. In derselben Zeit gab die Entstehung der amerikanischen Militärbasis in Natal und die Allianz mit den Vereinigten Staaten den Anstoß für einen Prozess der Amerikanisierung des Landes, dessen Auswirkungen offensichtlich bis heute zu spüren sind.
    Die nationale Presse wurde aktiver und „amerikanischer“. Es tauchte der berühmte Reporter Esso auf, ein Radio-Nachrichtenreporter, dessen tägliche Sendungen die Nation zum Stillstand brachten. Die Zeitung Das Kreuz machte eine dynamische Serie der Berichterstattung über den Kampf in Europa. Einer der Kriegskorrespondenten war Ruben Braga, der größte brasilianische Chronist. Ein anderer großer Intellektueller der sich in „die Mühen des Krieges“ begab, war der Dichter Guilherme de Almeida, dem Autor des Liedes der Entsandten („So viele Länder ich auch bereise,/ Gott erlaubt nicht, daß ich sterbe/ ohne das ich von dort zurückkehre;/ ohne unser einfaches Kennzeichen/ dieses `V` das den kommenden Sieg bedeutet“). Auf den Schlachtfeldern Italiens kämpften der General Cordeiro de Farias, der einer der Leutnants der Kolonne des Prestes war und der Oberstleutnant Castelo Branco, der Chef des Planungs- und Operationsstabes. Neben dem FEB und war auch die FAB (Brasilianischen Flugwaffe) am Krieg beteiligt, mit über 400 Einsätzen.

    übersetzt freihändig aus Eduardo Buenos Buch zur Geschichte Brasiliens ...

    Abraco (Umarmung)
    "Tirandentes"
     
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  18. Thiago

    Thiago Neues Mitglied

    Danke

    Vielen Dank für alle Antworten. Der Brasilianer gewann Monte Castelo, nicht Monte Cassino. Ich sage Ihnen etwas Interessantes, schwer zu glauben. Mein Großvater ging nach Italien in das erste Gefäß mit der brasilianischen Truppen, und er sagt, dass kein Soldat auf dem Schiff wusste, dass sein Schicksal Krieg war. Nur die höheren Offiziere wussten, dass sie nach Italien gehen. Zu dieser Zeit ist die Information nicht durch die Welt wie heute verbreitet. Das Radio sprach ein wenig über den Krieg, aber es war weit von der Realität Brasiliens. Mein Großvater wurde 1943 eingezogen und ausgebildet für mehrere Monate. Aber niemand sagte, es sei eine Vorbereitung für den Krieg in Europa. Soldaten verstehen dies nur, wenn ihnen gesagt wurde, dass das Schiff würde in Italien in fünf Stunden erreichen. Es ist schwer zu verstehen jetzt, aber damals waren die Dinge im Inneren von Brasilien schwierig. Der Krieg war in Rio de Janeiro diskutiert, aber diese ersten Soldaten kamen aus dem Land.
     
  19. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ja, bei Kriegsende, wo alle sich dem nächsten besten alliiertem Korporal ergaben - Hauptsache er war kein Russe oder Tito-Partisan. :D
    Nur, um dieses krasse Missverhältnis zu den brasilianischen Verlusten mal etwas gerade zu rücken.
     
  20. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied

    Richtig.
    1945 gingen deutsche Verbände in Italien geschlossen in Gefangenschaft-
    mitsamt Bewaffnung und Ausrüstung .
    Und die behielten sie , bis die Lager von starken amerikanischen Verbänden gesichert wurden.
    Die glorreichen Partisanen hielten nämlich überhaupt nichts von der Genfer Konvention oder Haager LKO gegenüber kriegsmüden Deutschen ....

    Quelle: mein alter Herr
     

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