Die Entstehung von Märkten

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von Misantroph, 2. Juni 2016.

  1. Misantroph

    Misantroph Gast

    Hallo,

    laut David Graeber Argumentation in seinem neusten Werk "Bürokratie" sei Münzprägung erfunden worden, um Soldaten zu bezahlen und Märkte usw. entstanden in erster Linie im Rahmen von Truppenbewegungen usw.
    Andererseits habe ich gehört, das Märkte im Mittelalter enstanden, damit die Landbevölkerung Waren umschlagen konnte.
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Und welche Nachweise gibt Graeber zu solchen Hypothesen?
     
  3. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Ich kenne das Buch von David Graeber nicht, im Internet finde ich einige Rezensionen zu dem Buch (David Graeber ?Bürokratie?: Geregelte Herrschaft | Literatur- Frankfurter Rundschau Neues Buch von David Graeber - Was Bürokratie und Gewalt verbindet "Bürokratie": Nur lästig |*ZEIT ONLINE).

    Ich werde das Buch von Graeber nicht lesen, aber möchte kurz den Begriff des Marktes erläutern:

    Markt ist das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage. In frühen Gesellschaften kann das ein Tauschgeschäft sein: so mag z. B. in sehr frühen Jäger- und Sammlerkulturen jemand sich auf das Fertigen von Feuersteinen, Klingen, Waffen spezialisiert haben und hat sie gegen Wildfleisch eingetauscht. Das ist bereits ein Markt, der ohne Geld funktioniert. Das Problem ist, dass Käufer und Verkäufer eine Art Austauschrelation bestimmen mußten und zudem noch beide etwas anzubieten hatten, was der jeweils andere benötigte. Irgendwann wurde ein bestimmtes Gut zu einem allgemeinen Tauschmittel, ein sog. Numéraire, das als allgemeines Transaktionsmittel funktionierte, das erste "Geld". Das konnte ein Block Salz sein, Edelmetalle, Perlen etc.

    Größere Märkte dürften mit der Spezialisierung der Bevölkerung einher gegangen sein als es die ersten Berufsgruppen gab, wie Weber, Schmiede, Töpfer, Landwirte, die den Markt als Ort des Warenaustausches benutzten. Ich gehe davon aus, dass man da bei den ersten Hochkulturen im Zweistromland, Hindustal, alten China und Mesoamerika bereits Märkte mit einem "allgemeinen Tauschmittel" vorfinden dürfte.
     
  4. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Münzen und Handel

    Ich kenne das Buch ebenfalls nicht. Ohne einen besseren Abriss seiner Thesen ist es unmöglich zu substanziell diskutieren zu wollen.
    Ohne mich mit Auftreten und Verbreitung/Durchsetzen von "gemünztem Geld" jemals beschäftigt zu haben ist mir schon mehrfach beim Lesen beiläufig ein Zusammenhang untergekommen. In seinem Aufsatz "Karthagische Münzen" von H.R. Baldus (Im Sammelband Hannibal ad Protas) tauchen die Begriffe Münzgeld und Handel prägnant auf:

     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zu Frühem "Produktivkapital", Tauschmitteln und Tauschfunktionen aus der globalen Sicht ist Glyn Davies, A History of Money, als Überblick sehr zu empfehlen.
     
  6. Hotte143114

    Hotte143114 Aktives Mitglied

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