Die griechische Beredsamkeit

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von papayalie, 6. November 2015.

  1. papayalie

    papayalie Gast

    Hallo :)
    ich würde gerne wissen was "griechische Beredsamkeit" in der Antike bedeutete?
    Danke schonmal!
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es handelt sich um eine Zuschreibung. Man schrieb den Griechen zu, dass ihre Rhetorik besonders persuasiv gewesen sei. Denk auch mal in Richtung Rhetorik und Demagogie/Populismus.
     
  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    na ja, die Griechen haben sozusagen die europäische Streitkultur erfunden: These, Antithese, Synthese. Entscheidungen wurden schon bei den homerischen Heldenm in der Regel in einer Volksversammlung besprochen. Kurz bevor es zum Zweikampf zwischen Menelaos und Paris kommt (Homer, Ilias 3. Gesang) beobachten Priamos, Helena und der alte Antenor die Griechen von der Stadtmauer aus und Priamos fragt Helena nach den griechischen Fürsten aus. Nach Odysseus befragt antwortet diese:

    "Das ist Laertes Sohn, der erfindungsreiche, der allerlei Listen weiß und kluge Gedanken" (Ilias 3, 200-205) Antenor erinnert sich an Odysseus Gesandschaft: "Sobald sich erhob der erfindungsreiche Odysseus,
    Stand er und schaute zu Boden, den Blick auf die Erde gerichtet,
    Steif hielt er den Stab in der Hand, einem linkischen Mann gleich,
    Leicht ättest du gesagt, dass er unverständig und stumpf sei.
    Aber sobald er der Brus die gróße Stimme entsandte
    Und die Worte so dicht wie Schneegestöber im Winter,
    Hätte kein Sterblicher sich mit Odysseus gemessen, (Ilias 3, 219-225)

    An anderer Stelle träumt Heeresgruppenchef Agamemnon, dass er Troja auch ohne den Superhelden Achilleus erobern kann, der nicht mehr mitmischt, weil Agamemnon ihm seine Sklavin weggenommen hat.
    Vorher will er prüfen, ob seine Landser auch motiviert sind und hält eine Rede, in der er von den Angehörigen daheim spricht. Das geht nach hinten los, und die Griechen wollen nach Hause segeln, auch hier rettet Odysseus die Situation, indem er eine markige Rede hält, die die Griechen umstimmt.

    In den griechischen Philosophenschulen wurde großer Wert auf gepflegte Rhetorik und logische Argumente gelegt. Sokrates, Platon, Aristoteles, Epikur und Demosthenes galten als Vorbilder logischer Rhetorik, und auch namhafte Römer, die in der Politik etwas werden wollten, studierten in Griechenland von Caesar, Cicero, Sallust bis zu Horaz, Vergil und Juvenal.

    Vielleicht hilft dir das, googlen must du selbst:

    Franz-Hubert Robling, Redner und Rhetorik- Studie zur Begriffs- und Ideengeschichte des Rednerideals
     
  4. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    man sehe in die Protagoras- und Gorgiasdialoge von Platon; im Zuge der ideologischen Auseinandersetzung mit den Vorsokratikern wurden diese der persuasiven Rhetorik verdächtigt, wohingegen natürlich die edle und gute Rhetorik (Kunstfertigkeit, die richtig eingesetzt werden soll (weist auf das vir bonus Ideal voraus)) sokratisch ist ;)
     
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Um Beispiele für Demagogie und Populismus zu finden, wird man auch schon bei Homer fündig. Wenn Odysseus als mehr oder weniger positives Beispiel glänzender Rhetorik erscheint, dem die "geflügelten Worte" wie Schneeflocken aus dem "Gehege seiner Zähne" entfleuchen, so ist Thersites, der schon rein äußerlich überhaupt nicht dem Heldentypus entspricht, ein früher Vertreter eines populistischen Demagogen.
     

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