Die Kampfkraft der Kreuzritter

Dieses Thema im Forum "Rittertum und Kreuzzüge" wurde erstellt von Cherusker, 23. August 2004.

  1. Cherusker

    Cherusker Gast

    Das Heer der Kreuzritter war aufgrund seines religösen Fanatismus ein ernstzunehmender Gegner.
    Ein Beispiel hierfür ist der König Balduin, der ständig in Geldnot war und seine Söldner kaum finanzieren konnte. Da der Landkrieg noch nicht entschieden war, griff im Jahre 1101 der fatimidische Wesir Al-Afdal mit seiner ca. 30.000Mann starken ägyptischen Armee Ramla an. König Balduin konnte nur ca. 300 Ritter und 1.000 Fußsoldaten aufbieten. Um die Kampfmoral zu stärken wurde die Kreuzreliquie und eine Rede Balduins herangezogen.
    Durch einen Überraschungsangriff gelang es Balduin die Ägypter in die Flucht zu schlagen, so daß sie ihre Wertsachen und Geräte zurücklassen mußten. Allerdings müssen auch die Kreuzfahrer einige Verluste hinnehmen. Die arabischen Chronisten werten diese Schlacht als Sieg :spinner: .
    Ebenso ergeht es Saladin als er mit seiner ägyptischen Armee im November 1177 gegen Ramla vorgeht. Zu diesem Zeitpunkt herrscht der 16jährige Balduin IV. über den Kreuzfahrerstaat. Da er an Lepra erkrankt ist, scheint der Angriff für Saladin vorteilhaft zu sein. Allerdings verliert Saladin die Schlacht und kann sich nur mit Mühe retten. Die Kreuzritter der christlichen Militärorden haben die Ägypter schwer zugesetzt. Hier beginnt Saladin diese Ordensritter zu hassen. Saladin sammelt in Kairo neue Kräfte und im Juni 1179 gewinnt er die nächste große Schlacht gegen Balduin IV. Aber auch Balduin IV. gelingt die Flucht.

    Diese beiden Beispiele zeigen, daß auch kleine Kreuzritterheere sich gegen eine feindliche arabische Übermacht durchsetzen konnten. ;)
     
  2. flood

    flood Neues Mitglied

    Hallo Cherusker,

    grundsätzlich sicherlich richtig die Darstellung, jedoch fehlt ein bischen der Hintergrund zu diesen partiellen Siegen. Letztendlich kann man diese so kaum bewerten.
    Ein interessantes Buch hierzu wurde mal von einem Mitglied in einem anderen Thread vorgestellt: The great Siege: Malta 1565 von Enrle Bradford. Ist in Englisch, aber gut zu lesen.
    Bradford schildert in dem Buch die Belagerung von vier Festungen auf Malta, die durch die Johanniter gehalten wurden, durch eine Türkische Seemacht. Das Verhältniss der Ordensritter (nur reguläre Truppen) zu der Invasionsarmee, wird mit ca. 1000 zu 40.000 Soldaten angeben.
    Durch weise Vorausplanung, tiefer Glaube, militärisches Geschick sowie auch Glück auf Seiten der Ordensritter, als auch interne Machtkämpfe, falscher Stolz und militärische Fehlurteile auf Seiten der Türken, waren die Ritter in der Lage, diese gewaltige Heer über Monate hinweg zu kontrollieren, bis ein Entsatzheer aus Sizilien landen konnte.
    Die Ritter verloren eine Menge ihrer Kampfkraft und ein Fort, die Türken, nach Schätzungen, ca. 20.-30. Tausend ihrer Kämpfer.
    Allgemein waren die ersten Kreuzzüge, nach meinem Wissen erfolgreich, es kam sogar zu der Bildung von Staaten an der Levante und im heutigen Syrien / Jordanien. Letztendlich wurde diese aber auch wieder zurückerobert.
     
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  3. Cherusker

    Cherusker Gast

    Ich habe die Kampfkraft von den fanatischen Kreuzrittern hier nur einmal veröffentlicht, um den Eindruck zu widersprechen, der hier in anderen Beiträgen (ich glaube bei den "Mongolen") vermittelt worden ist. So wurden die Kreuzritter als unfähige Kämpfer dargestellt. Meine Quelle: Die Kreuzzüge- Krieg im Namen Gottes; Peter Milger, Bertelsmann,1988.
    Darüber gab es auch eine Fernsehreihe bim HR.
    Sicher gab es Siege und Niederlagen der Ordensritter. Allerdings muß man aufzeigen, daß bei einer Einigkeit der Kreuzritterheere, diese unschlagbar waren. Erst als sie sich aufteilten und das Gebiet untereinander zuwiesen, kam es dann zu Niederlagen (oftmals waren die Kreuzritter zahlenmäßig drastisch unterlegen).
     
  4. hyokkose

    hyokkose Gast

    Du meinst vermutlich diesen Pfad:
    http://geschichtsforum.de/showthread.php?p=30616

    Allerdings hat dort niemand die Kreuzritter als unfähige Kämpfer dargestellt. Erwähnt wurden die Kreuzritter nur von Quintus Fabius, der dazu die folgende, durchaus plausible These vertreten hat:

     
  5. Cherusker

    Cherusker Gast

    Mit QUINTUS FABIUS liegst Du schon ganz richtig. Irgendwo in seinen abgeschriebenen Berichten, kam es auch zum Ausdruck, daß europäische Streitkräfte sich nicht gegen feindliche Mächte hätten behaupten können. So wurde in den Beiträgen auch das ägyptische/arabische Heer als einziger würdiger Gegner gegen die Mongolen dargestellt.
    Die Kreuzüge haben doch dargestellt, daß vereinte europäische Mächte sich vor keinen auswärtigen Feind fürchten mußten und auch dieses ägypitsche Heer einige Jahre vorher nicht fürchten brauchten. Der von Dir zitierte Text ist allgemein gehalten und entspricht nur den Tatsachen. Aber bei QUINTUS FABIUS muß man alle Berichte und Diskussionen lesen. Seine damaligen Einwände über die Kämpfe von Römern und Germanen beruhten nicht auf Tatsachen, sondern auf seiner Phantasie.
    Sicher kennt er sich besser in der Geschichte der Mongolen aus, aber seine Einwände dort (über eine Eroberung Europas) gehen auch nur von Vermutungen aus. Deshalb habe ich hier aus anerkannter Literatur über die Kreuzzüge berichtet. :D
     
  6. hyokkose

    hyokkose Gast

    Lieber Cherusker,

    ich habe bislang die Stellen nicht gefunden, wo behauptet wird, "daß europäische Streitkräfte sich nicht gegen feindliche Mächte hätten behaupten können" oder wo "das ägyptische/arabische Heer als einziger würdiger Gegner gegen die Mongolen dargestellt" wird.

    Quintus Fabius' Darstellung scheint mir jedenfalls insofern korrekt zu sein, ald die Mongolen ihre erste bittere Niederlage 1260 gegen die Mamelucken einstecken mußten. Sollten in diesem Zusammenhang anderweitige Fehler zu monieren sein, bitte ich darum, dies auch im Mongolen-Pfad zu tun und dann auch die jeweiligen Stellen zu nennen und nicht pauschal über die - zugegebenermaßen teilweise recht langen - Beiträge herzuziehen.
     
  7. Denn kenn ich doch .....

    Gnäng, Falsch! Nicht allgemein gegen feindliche Mächte sondern ganz konkret gegen die mongolische Armee die zur Eroberung Europas in Ungarn zusammengezogen worden war.

    Und wieder nicht richtig. Nicht das arabisch/ägyptische Heer, ein solches gab es nämlich gegen die Mongolen gar nicht, sondern ganz konkret die Militärsklaven der Mamelucken. Diese rekrutierten sich vor allem aus Kaukasiern und auch Türken, vor allem aus Tscherkessen.

    Nach dem Ende der mongolischen Bedrohung haben die gleichen Mamelucken dann auch mit den Kreuzfahrern recht schnell aufgeräumt, schon 1290 war dann in Akkon Schluß.

    Zwar stammten richtigerweise Saladin und Seine! Tatsächlich ägyptisch/arabischen Heere aus Ägypten, aber die haben die Kreuzritter wie du richtig schreibst ja eben nicht vollständig vertreiben können, obwohl sie zahlenmässig weit überlegen waren.

    Das lag vor allem daran, dass Saladin nur wenige vergleichbar kampfstarke Truppen zur Verfügung standen, es gab damals eine massive Beeinflussung des Islam durch das Rittertum und auch Islamische Ordensritter nach europäischen Vorbild.

    Anbei ist es vielleicht militärhistorisch ganz interessant, dass die Kreuzritter noch nicht mal so sehr ihre Siege dem Ritter als überlegener schwerer Kavallerie verdankten sondern primär ihren herausragenden Befestigungsanlagen und dem großflächigen Einsatz der Armbrust.

    Die Kreuzritter kämpften gegen die Muslime in der Weise sehr erfolgreich: Vorne Pavesen die die Armbrustschützen gegen die muslimischen Bogenschützen deckten, und mit diesen Armbrüsten haben sie die Muslime beharkt, Dahinter! dann die Ritter in Reserve, diese kamen nur zum Einsatz, wenn die Muslime zum Nahkampfangriff gegen die Schützen vorgingen.

    Ein sehr geschicktes Gefecht verbundener Waffen, wo alle Bestandteile der Armee sich ergänzen und gegenseitig decken und Schutz geben, die Armbrüste waren von der Zielgenauigkeit, Reichweite und Durchschlagskraft weit überlegen, die Ritter deckten die Schützen gegen Nahkampfangriffe, die Schützen wiederum die Ritter gegen die leichten Reiter mit Bögen, gegen die die Kreuzritter am Anfang nichts ausrichten konnten.

    Auf der muslimischen Seite gab es dann unter Saladin eine Phase mit starker Beeinflussung durch den Ritterlichen Gedanken so dass die Muslime öfters den offenen Nahkampf suchten, darin waren sie aber immer noch trotz zahlenmäßiger Überlegenheit eben unterlegen und ihre Reiterattacken fielen auch im Armbrustfeuer der Kreuzritter, also eine in manchen Kämpfen totale Umkehrung der anfänglichen Situation.

    Denkfehler 1: Ein vereintes europäisches Heer, schon allein den Gedanken hat es so nicht gegeben, nicht mal auf den Kreuzzügen. Die Eifersüchteleien und Streitereien zwischen den Habsburgern, England (Löwenherz!) und Frankreich führten dazu, dass die Kreuzritter trotz zahlenmäßiger Überlegenheit noch nicht mal Saladin vollständig besiegen konnten.

    Denkfehler 2: Du setzt das ägyptisch/arabische Heer Saladins und die Mamelucken gleich, das sind zwei ganz und gar verschiedene Truppen. Die Mamelucken waren de facto die besten Truppen ihrer Zeit und die Mamelucken haben dann nach dem Sieg über die Mongolen auch die Kreuzritter regelrecht Mühelos aus dem Land geworfen, trotz ihrer Festungen, obwohl die Kreuzritter numerisch sogar einen besseren Stand als gegen Saladin hatten.


    Fazit: Es bezweifelt keiner, dass die Europäer wie alle anderen Menschen auch damals gut kämpfen konnten, es bezweifelt niemand das ein Ritterheer aus Zentraleuropa eine schlagkräftige und sehr starke Truppe war, aber die Kriegstechnologie entwickelt sich immer weiter, und auch die Art und Weise Wie gekämpft wird.

    Die europäischen Ritter und Heere dieser Zeit waren zu individualistisch, zu undiszipliniert und zu klein. Die Kampfweise entwickelte sich weiter und die Disziplin geschlossener Formationen setzte sich (wieder!) gegenüber der Kavallerie durch. So mußten die Ritter ja auch in Europa im weiteren neuen, anderen Formen der Kriegsführung weichen.

    Sowohl die Mamelucken als auch die Mongolen waren schon eine solche neue, andere Form, daher hätte sich ein Ritterheer sehr schwer gegen sie getan, bzw Hat sich gegen sie getan.

    Die russischen Ritter wurden an der Kalka genau so vernichtet wie die Polnischen und Deutschen Ritter oder die Truppen Ungarns. Und so haben auch die Mamelucken die Kreuzfahrer ohne Mühe aus dem Land vertrieben und ohne die Bedrohung durch die Ilkhane wären sie auch nach Kleinasien vorgestoßen.
     
  8. Cherusker

    Cherusker Gast

    Ich habe kein Bock mehr die "Bleiwüsten" durchzukämmen. :fs:
    Ein Hinweis auf die Literatur hätte es auch getan. Oder soll ich hier aus den vielen Germanen- und Keltenbücher seitenweise abschreiben? :king:
    Und ein "Mamelucke"? Das bedeutet doch Sklave oder Leibwächter eines morgenländischen Herrschers. Wurde nicht die ägyptische Armee als Mamelucken bezeichnet? Da war doch was... :confused:
    Und über die fiktive Eroberung Europas gab es sogar Diskussionen zwischen mehreren Forumsteilnehmer.
     
  9. Dabei habe ich extra nur für dich und deine Leseschwäche in ganz kurzen Absätzen geschrieben, seufz, das war dann wohl Platz-Verschwendung.... :rolleyes:

    Und zu den Kreuzrittern würde es doch nur wenig Sinn machen, aus Keltenbüchern abzuschreiben, oder? Wo du doch anerkannte!! Literatur über die Kreuzzüge hast aus der du abschreibst....

    Und wenn du keinen Bock hast, dann laß es doch lieber ganz bleiben....

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mamelucken

    http://de.wikipedia.org/wiki/Baibars

    :teach:
     
  10. Marbod

    Marbod Neues Mitglied

    Hallo Quintus,

    alles richtig was du schreibst, nur eine kleine Anmerkung bezüglich der Kreuzfahrerfestungen hätte ich. Die herrausragenden Festungsanlagen hatten sie ja nich von vornherein sondern verdankten ja deren Entwicklung sozusagen einer Symbiose zwischen abendländischen und morgenländischem Festungsbau. Erst nachdem man erkannte, dass muslimische Festungen mit wesentlich geringerer Mannschaftszahl gehalten werden konnten und man sich dies bei der Planung eigener Festungen zu nutzen machte, erst dadurch konnte man sich, trotz ständig dem Gegner an Zahl unterlegenen eigenen Truppen, in sovielen Festungen halten.


    Gruß

    Marbod
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. August 2004
  11. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Neues Mitglied

    Cherusker, nichts für ungut, aber kann es sein das du hier beginnst eine Privatfehde gegen Quintus Fabius (warum schreibst du seinen Nick in deinem Text oben Groß?) zu führen?

    Die Kampfkraft der Kreuzritter überhaupt zu verallgemeinern scheint mir nicht möglich zu sein, da es sich hier um einen großen Zeitraum und verschiedene Motivationen, verschiedene Strategien und Verläufe handelte.
    Sie haben mal gewonnen, mal verloren, mal hielten sie zusammen, mal nicht...wer will da von DEN Kreuzrittern sprechen?
     
  12. (Laß uns unsere kleinen Streiterein, das hat schon so Tradition, wenns nicht so wäre würde ich glatt was vermissen :) :)

    Zur Frage des Festungsbau, die wohl schönste Festung:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Krak_des_Chevaliers

    1271 wurde sie von den Mamelucken gestürmt.

    Allgemeine Infor zu Saladin:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Saladin

    http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Hattin

    Zur Frage der Heeresgröße:

    Zitat: „Die Truppen bestanden aus 1.200 Rittern, ungefähr 20.000 Fußsoldaten sowie einer großen Anzahl an Turkopolen, welche von Geld bezahlt wurden, das König Heinrich II. von England dem Königreich Jerusalem geschenkt hatte.“

    Also wohl um die 25. 000 bis 30. 000 Mann auf der Christenseite.

    Das ist auch ein sehr interessanter Kämpfer dieser Zeit:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Rainald_de_Chatillon

    Es ist auch interessant zu wissen, dass die christlichen Kreuzritter kurz vor Saladins Angriff im Roten Meer Piraterie betrieben und die Pilgerschiffe nach Mekka überfielen und die erbeuteten Pilger als Sklaven verkauften.

    dZur Frage des Festungsbau, die wohl schönste Festung:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Krak_des_Chevaliers

    1271 wurde sie von den Mamelucken gestürmt.

    Allgemeine Infor zu Saladin:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Saladin

    http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Hattin

    Zur Frage der Heeresgröße:

    Zitat: „Die Truppen bestanden aus 1.200 Rittern, ungefähr 20.000 Fußsoldaten sowie einer großen Anzahl an Turkopolen, welche von Geld bezahlt wurden, das König Heinrich II. von England dem Königreich Jerusalem geschenkt hatte.“

    Also wohl um die 25. 000 bis 30. 000 Mann auf der Christenseite.

    Das ist auch ein sehr interessanter Kämpfer dieser Zeit:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Rainald_de_Chatillon

    Es ist auch interessant zu wissen, dass die christlichen Kreuzritter kurz vor Saladins Angriff im Roten Meer Piraterie betrieben und die Pilgerschiffe nach Mekka überfielen und die erbeuteten Pilger als Sklaven verkauften.

    Diese Aktionen waren der primäre Kriegsgrund, die Muslime wären ohne die fortwährende immer krasser werdende christliche Aggression nämlich sogar bereit gewesen, ein Königreich Jerusalem zu akzeptieren, aber irgendwann haben die Kreuzritter das Faß einfach derart zum Überlaufen gebracht, daß es nur in Krieg und Tot enden konnte, die Schuld liegt da aber meiner Meinung nach primär bei den Christen.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 24. August 2004
  13. Cherusker

    Cherusker Gast

    Da ist ja schon der Widerspruch! :) Erst ist bei Dir Saladin zahlenmäßig überlegen, dann die Kreuzritter...wie geht das denn? :confused:
    Die größte Gefahr für die Kreuzfahrerstaaten ist die gewaltsame Vereinigung der türkischen und arabischen Staaten durch einen muslimischen Machthaber. Die Kreuzfahrerstaaten waren immer auf eine ständige Unterstützung aus Europa angewiesen (die venezianische Flotte verdiente sich dumm und dämlich). Die arabischen Nachbarstaaten und die Muslims in Palästina sehen sich damals wie heute als die rechtmäßigen Besitzer des Landes. Somit haben das heutige Israel und die damaligen Kreuzfahrerstaaten fast das gleiche Problem.
    Erst als die Unterstützung aus Europa verringert wurde und der chronische Geldmangel der Kreuzfahrerstaaten überhand nahm, brachen diese zusammen. In der Kreuzpredigt war die Vernichtung der Muslims gefordert worden. Im Alltag der Kreuzfahrerstaaten spielte diese Forderung keine Rolle. Ganz im Gegenteil, die muslimischen Bauern wurden Untertanen, die auch weiterhin ihre Religion ausüben durften.
    Der Geldmangel der Kreuzfahrerstaaten wurde durch die Feldzüge noch verschlimmert. Jeder Feldzug kostete Geld, da nur ein Teil der Krieger aufgrund von Lehnsverpflichtungen kostenlos zur Verfügung gestellt worden ist. Der andere Teil erhielt Sold. Erst die Militärorden verfügten über ein stehendes Heer. Nach der unentschiedenen Auseinandersetzung zwischen Richard Löwenherz und Saladin und dem geschlossenen Waffenstillstand, bleibt dem Kreuzfahrerstaat nur noch ein schmaler Küstenstreifen zwischen Jaffa und Tyrus und die Stadt Antiochia (alles um 1193). Die Muslims haben Jerusalem wiedererhalten. Dieser kleine Kreuzfahrerstaat kann noch etwa 100Jahre weiter existieren. Die Eroberung des restlichen Kreuzfahrerstaates ist also keine große Leistung! Stattdessen wurde ca.1209 zum Kreuzzug gegen die Katharer aufgerufen.
     
  14. askan

    askan Neues Mitglied

    Ich glaube der Auslöser für die Zerstörung des Kreuzfahrerstaats waren die ewigen Raubüberfälle eines bestimmten Festungskommandanten in der Massadaregion auf die Pilgerzüge nach Mekka. Den Namen des Kommandanten habe ich vergessen, ich weiß nur das er von den Kreuzfahrern zur Strafe in die Wüste versetzt wurde.
     
  15. Cherusker

    Cherusker Gast

    Na ja, nachdem QUINTUS FABIUS seine Pöbeleien wieder losgeworden ist, habe ich einmal nach den Mamelucken Ausschau gehalten:
    Im Jahre 1250 erhebt sich die mamelukische Leibgarde (also lag ich mit Ägypten gar nicht so falsch! :) ) und beendet die Herrschaft der Aiyubiden. Der Süden Palästinas und Ägypten werden von den Mameluckensultane vereinnahmt. 1260 besiegen sie die Mongolen in Galiläa. Der durch einen Bürgerkrieg geschwächte Kreuzfahrerstaat kann keinen organisierten Widerstand mehr leisten. 1266 fällt die Templerfestung Safed. Die gefangenen Templer werden enthauptet und in Galiläa werden die Erwachsenen in kleineren Siedlungen getötet und die Kinder versklavt. 1268 fällt Antiochia und es wird ein Blutbad angerichtet.
    In Europa ist der Kreuzzugsgedanke weitgehend erloschen. Nur der französische König Ludwig IX. setzt 1270 nach Nordafrika über und belagert die Stadt Tunis. Allerdings verstirbt er im Lager und dieser Feldzug wird beendet. Die Kirche ruft vergeblich zu einem neuen Feldzug auf. Die Verwendung der Kreuzzugssteuern und Ablaßgelder für andere Zwecke ist inzwischen auffällig geworden. :motz: Am 18.Mai 1291 fällt mit Akkon die letzte befestigte Stadt. Die Kreuzzüge richten sich jetzt auf die gesamte Eroberung Spaniens. 1492 müssen die Muslime endgültig Granada an die Christen übergeben.
     
  16. Cherusker

    Cherusker Gast

    Ich schreibe den Namen groß, damit man ihn vom Original unterscheiden kann. Mit "QUINTUS FABIUS" meine ich die Person in diesem Forum, wenn ich "Quintus Fabius" schreibe, dann ist der römische Befehlshaber damit gemeint.

    Eigentlich wollte ich mich auch zurückhalten, aber ... :rolleyes: QUINTUS FABIUS braucht mal wieder etwas "Zunder" :) , da drückt er dann vor Schreck gleich mehrmals auf die Tasten. :p

    Es stimmt, man kann es nicht verallgemeinern, da die Kreuzritter immer aus individuellen europäischen Staaten kamen, die verschiedene Pläne beabsichtigten. Auch kann man nicht Kelten und Germanen verallgemeinern, aber trotzdem nennt man sie als Oberbegriff.
     
  17. @cheruskerchen:

    Wüßtet du nur einen Bruchteil dessen was du zweifellos über die Germanen weißt, dann wüsstest du, dass die Armee Saladins den Streitkräften des Königreichs Jerusalem! überlegen war, da dieser Staat nur sehr wenig Truppen besaß.

    Ich sprach von Löwenherz, den Franzosen usw, d.h. vom 3 Kreuzzug. Die Truppen des Dritten Kreuzzuges waren militärisch überlegen, bis sie sich zerstritten haben, wegen dieses Streites wurde dann auch in der Folge Richard Löwenherz ja bei der Heimkehr gefangen genommen.

    Wir sprechen also von zwei unterschiedlichen Zeitpunkten und zwei verschiedenen Armeen, der Armee Saladins die 1187 Jerusalem zurückeroberte und die Kreuzritter bei Hattin schlug war DIESEN Kreuzrittern numerisch überlegen.

    Und erst als Folge!! davon kam dann der 3 Kreuzzug und diesem Kreuzzug war Saladin unterlegen, aber die Kreuzritter haben sich selbst durch ihre Streitereien erledigt.

    Wikpedia scheinst du auch nicht zu lesen: :rolleyes:

    1228 bis 29 fand der sogenannte 5 Kreuzzug statt, in dem dann Friedrich der II durch Verhandlungen mit Sultan Elkamil, einem Brieffreund von ihm Jerusalem, Bethlehem und Nazaretz zurückerhielt. Also wurde Jerusalem sehr wohl wieder christlich nach dem Vertrag von Löwenherz.

    1248 bis 54 fand dann der 6 Kreuzzug statt, der die aufkommende Macht der Mamelucken in Ägypten zerschlagen sollte, geführt von Ludwig dem IX, dem Heiligen, König von Frankreich. Die Mamelucken haben ihn und sein Heer bei Mansura geschlagen und den König selbst gefangen genommen, erst in der Folge dieser Aggression machten sie sich dann daran, die Kreuzfahrer rauszuschmeißen, dies wurde jedoch durch den mongolischen Angriff 1260 unterbrochen.

    Meinst du diesen?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Rainald_de_Chatillon

    Schau mal 8 Beiträge weiter hoch...

     
  18. Cherusker

    Cherusker Gast

    Es stimmt auch nicht alles, was dort veröffentlicht wurde. Ein Beispiel: die Cherusker gehörten nicht zu einem alteuropäischen Nordwestblock. Diese These ist von mehreren Forschern (ich glaube Ende der `60iger Jahre) unabhängig voneinander aufgestellt worden. Sie gingen davon aus, daß die Kelten über Hessen nicht hinauskamen. Aber die neuere Forschung belegt eindeutig, daß es auch Kelten weitaus nördlicher gab. Somit fällt das "kelten- und germanenleere Gebiet" weg. Die These von einem nebulösem unbekannten Volk ist damit widerlegt. :spinner: Auch sollte dieses Volk teilweise einen germanischen Adel gehabt haben.... :confused:

    Also wenn Deine gesamten Kenntnisse nur daher kommen..... :confused: :trost:
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 25. August 2004
  19. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Die Kirche spielt am Ende der Kreuzfahrerstaaten eine der Hauptrollen. Ihr war die Idee der Zurückeroberung wichtiger als die Tat selbst. Als Friedrich II. Jerusalem zurückgewinnt, steht er unter Kirchenbann, der päpstliche Legat ist beim feierlichen Einzug in die Stadt bewußt abwesend. Sodann arbeiten die Päpste bewußt an der politischen Instabilisierung des Heiligen Römischen Reiches, sodass von 1256-1273 keinerlei Zentralgewalt mehr existiert. Wer hätte aus diesem größten europäischen Staat noch einen Kreuzzug anführen sollen? Die folgenden Jahre verbrachte Rudolf von Habsburg erstmal mit der Stabilisierung der Lage im Land, auch in der Zeit konnte der alte Mann keinen Kreuzzug anführen. In der folgenden Zeit ständig wechselnder Dynastien und kurzen Herrschaften war auch kein Kreuzzug mehr möglich. Die Staufer haben sich intensiv und praktisch um die Kreuzzugsidee verdient gemacht. Sowohl Konrad III., Barbarossa (2 mal), Heinrich IV. (vor Antritt verstorben) und Friedrich II. haben Kreuzzüge angeführt. Mit dem Auslöschen dieser Dynastie, war das Ende der Kreuzfahrerstaaten besiegelt.
    Das ist so nicht ganz richtig die große Zeit Reconquista war in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Seit etwa 1264 (Eroberung von Jerez de la Frontera) ruht die Reconquista weitgehend, dem Königreich Granada bleiben noch 200 eher ruhige Jahre. Erst durch die Vereinigung von Aragon und Kastilien 1479 kommt wieder Schwung in die Sache.
     
  20. Konradin

    Konradin Gesperrt

    Das stimmt nicht ganz: auch Edward I. Longshanks befand bis 1273 auf dem 8. Kreuzzug.
    "1268 nahm Eduard das Kreuz und schloß sich dem letzten Kreuzzug Ludwigs des Heiligen 1270 an. Trotz der Niederlage bei Tunis setzte Eduard als einziger der Hauptführer die Kreuzfahrt fort und zog ins Heilige Land. Dort war er gegen Baibars wenig erfolgreich und wurde durch den Mordversuch eines Assassinen verwundet. Nachdem er einige Zeit in der Gascogne verbracht hatte, kehrte er nach England zurück, wo er 1274 gekrönt wurde, da sein Vater 1272 verstorben war." (Lexikon des Mittelalters)

    Somit war es der "Schottenhammer" Edward, der spätere Todfeind von William Wallace, der als letzter vom 8. Kreuzzug zurückkehrte.

    Doch nicht einmal das sollte der letzte von einem König angeführte Kreuzzug ins Heilige Land sein: "Peter I. (König von Zypern 1358-1369) eroberte die türkische Hafenstadt Antalya (1361) und führte Razzien zur See gegen Alexandria (Plünderung 1365) und die syrische Küste durch. Doch geriet er durch harte Fiskalpolitik und Machtmißbrauch in Gegensatz zum Adel und fiel in seinem Palast einem Assasinat zum Opfer." (Lexikon des Mittelalters)

    Danach gab es noch zwei Kreuzzüge gegen des Osmanische Reich: 1396 einen von Sigismund von Ungarn (späterer Kaiser Sigismund) und Johann Ohnefurcht (Sohn des Herzogs von Burgund) angeführter, der in der Schlacht bei Nikopolis - bei der sich Sigismund nur mit knapper Not retten konnte; Johann war bis 1398 in Gefasngenschaft - völlig scheitern sollte, und 1443-1444 ein vom König von Polen und Ungarn, Wladyslaw III., angeführter, der aber in der vernichtenden Niederlage von Warna endete, bei der sowohl der König als auch der päpstliche Legat ihr Leben ließen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. August 2004

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