Die Lage der Minderheiten in dem Osmanischen Reich

Dieses Thema im Forum "Das Osmanische Reich" wurde erstellt von Ruthenus, 31. Mai 2011.

  1. Ruthenus

    Ruthenus Neues Mitglied

    Trotzdem ich in die Geschichte des Osmanischen Reichs sich zu vertiefen versuche, immerhin bin ich noch nicht im Stande, die tatsächliche rechtliche Lage der Armenier, Griechen und Juden in zu begreifen.

    Von dem Milletsystem weiß ich schon, und die Entschädigung der Uneinberufbarkeit der Minderheiten durch das höhere Steuerniveau ist mir bekannt.

    1. Was aber waren die Gründe für ihre Vorherrschaft in Finanzbereich und in Handel, für den hohen Anteil der Schreibfähigen?
    2. Und warum stand die Macht diese privilegierte Lage aus? Warum wurde es jahrhundertelang toleriert?
    3. Wie konnten irrgläubige Armenier usw. es zu den persönlichen Baukünstler des Sultans bringen (Balyan), oder wie gelung es ihnen, hohe militärische Ämter zu bekleiden?

    Meiner Meinung nach, solche Lage war der damaligen islamischen Mentalität nicht angemessen, und solche Lage sollte vom Volk sehr kritischhaft aufgefasst werden.
     
  2. maydogdu01

    maydogdu01 Mitglied

    Hallo,

    die Sache mit "damalige islamische Mentalität" habe ich nicht verstanden. Kannst du deutlicher definieren, was du damit meinst?

    Grüsse
     
  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Es ist eine Erfahrung in der Geschichte, dass benachteiligte Minderheiten oft beeindruckende Leistungen vollbringen. Im Osmanischen Reich gelang das den sogenannten Phanarioten. Der Phanar war das alte christlich- orthodoxe Ghetto in Konstantinopel, und seine bewohner, Griechen wurden zu Konkurrenten der osmanen in der verwaltung des Reichs. Als Kaufleute kamen die phanarioten durch ihre kenntnis europäischer gebräuche in Kontakt mit europäern, und als Geschäftsführer des Patriarchats von Konstantinopel erwarben sie sich reiche Erfahrungen im Rechtswesen und der Verwaltung, so dass im Laufe des 18. Jahrhunderts der Einfluss von Phanarioten immer mehr wuchs.
     
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  4. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Da hast du eine falsche Vorstellung, denn der nichtmuslimische Bevölkerungsteil wurde im Osmanischen Reich relativ tolerant behandelt, auch wenn er zusätzliche Abgaben entrichten musste, die in der Regel nicht besonders drückend waren. Bekanntlich mussten die nichtmuslimischen Untertanen dem islamischen Staat eine besondere Personensteuer entrichten, was im Osmanischen Reich durch die Erhebung einer Kopfsteuer (cizye) der arbeitsfähigen männlichen Bevölkerung erfolgte. Bis ins 17. Jh. wurde sie zuweilen von einem ganzen Dorf als Kollektivzahlung eingezogen.

    Diese Steuer wurde von den Betroffenen vielfach als Diskriminierung empfunden, doch handelte es sich im Gegenzug auch um eine Ersatzleistung für den Militärdienst, den in der Regel nur Muslime ableisten mussten. Ein entsprechendes Religionsgesetz bildete die Grundlage dieser Religionspolitik.

    Dass sich der osmanische Staat in dieser Hinsicht relativ tolerant zeigte und keine religiösen Zwangsgbekehrungen zuließ, liegt auch darin begründet, dass er auf die Produktion und Steuerleistung seiner christlichen und jüdischen Untertanen angewiesen war. Ferner sollte die Integration der christlichen Bevölkerung behutsam erfolgen, nicht durch Aufstände, Unruhen oder religiöse Unduldsamkeit zusätzlich erschwert werden.

    Mit Blick auf die Behandlung religiöser Minderheiten im christlichen Europa war die Handhabung im Osmanischen Reich relativ human. Zudem waren die christlichen und jüdischen Religionsgemeinschaften (millet) in Glaubensfragen autonom und ihnen wurde Gerichtsbarkeit über ihre Glaubensbrüder zugebilligt.

    Unterprivilegiert waren Nichtmuslime im Rechtsbereich und konnten vor Gericht nicht gegen Muslime aussagen, was besonders im Wirtschaftsleben ein ernstes Problem war. Häuser von Nichtmuslimen durften nicht höher sein als die Häuser ihrer muslimischen Nachbarn und es konnte geschehen, dass einer Gemeinde die Kirche weggenommen und in eine Moschee umgewandelt wurde.

    Eine bedeutende Stärkung und auch ein sozialer Aufstieg städtischer Nichtmuslime in der Wirtschaft und Verwaltung erfolgte durch die Tanzimat-Reformen des 19. Jh.

    Die christlichen Phanarioten des 18. und frühen 19. Jh. auf dem Balkan und in Konstantinopel waren reiche und auch politisch mächtige Adelsfamilien, doch handelte es sich nur um eine ganz dünne Schicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Juni 2011
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  5. ibgi

    ibgi Neues Mitglied

    Ich habe hier ein Interessanten Artikel dazu gefunden ich zitiere mal eine Stelle davon.

    War der Sultan damals wirklich so wie ein Präsident eines heutigen Staates?
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 27. Juni 2011
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  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Liest sich eher wie Verherrlichung, denn wie eine soziohistorische Analyse.
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    ... zumal jeder Hinweis auf Literatur oder Quellen fehlt.
     
  8. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    (Verspätete) Verlautbarung der PR-Abteilung des Padischahs und Sultans. Dass der sich nicht Kaiser oder Köniig nannte, muss nicht verwundern, da deutsch nicht zu den Amtssprachen im Osmanischen Reich zählte.
    Dass zeitweise die tatsächliche Machtausübung durch die "Hohe Pforte" erfolgte, muss das Regime nicht milder oder demokratischer machen. In der UdSSR hatte auch nicht das offizielle Staatsoberhaupt das Sagen, sondern ein (General-)Sekretär.
     
  9. Schlumpi

    Schlumpi Neues Mitglied

    Albaner und Griechen

    [FONT=&quot]Sultan Abd ül-Hamid II. [/FONT][FONT=&quot](1876-1909) meinte, sein Reich stütze sich auf die zwei Säulen Arabien und Albanien. Die Sultane förderte die seit dem 17. Jh. anhaltende Ausbreitung der Albaner, die „in einem weiten Bogen ihre Dörfer und Besitzungen in Richtung auf die serbische Grenze, Üsküb, Zentral-Mazedonien, Monastir, Janina und den Golf von Arta ausbreiteten.“ Die muslimischen Albaner ersetzten hier die Türken als Staatsvolk gegen die Bulgaren, Griechen und Serben. Die Bindung zum Sultan erfolgte über den Militärdienst in der Leibwache, Heirat an den Hof und Beamtenschaft. Man war freier als die Türken selbst. [/FONT]
    [FONT=&quot]Schanderl, Hanns Dieter: Die Albanienpolitik Österreich-Ungarns und Italiens 1877-1908. 1971. S. 54.[/FONT][FONT=&quot]
    Eine „konsequente türkische Unterdrückungspolitik“ und „strenge Maßnahmen gegen die auch nur ansatzweise Bildung einer albanischen Nationalkultur konstatiert [/FONT] ​
    [FONT=&quot]Behnen, Michael: Rüstung, Bündnis, Sicherheit. Dreibund u. informeller Imperialismus 1900-1908. (Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom. 60). 1985. S. 375. [/FONT]
    [FONT=&quot]Da die Masse der Dienerschaft um 1900 in Istanbul Griechen waren, hatten viele Türken über ihre Kindermädchen entsprechende Sprach- und Kulturkenntnisse.
    [/FONT]
     
  10. Theophano

    Theophano Neues Mitglied

    Man kann zumindest sagen, dass es Juden und Christen unter Muslimen einfacher hatten als Juden und Muslime unter Christen. Klar gab es diese Kopfsteuer bei den Moslems, aber sie war ja auch dazu da, die dhimmis (Ungläubigen) zu schützen. Unter Moslems waren Juden auf jeden Fall nicht so in die Finanzecke (Geldhandel, Pfandleihe) gedrängt (obwohl sie diese Berufe dort auch ausübten, dort war er aber nicht wie unter den Christen aufgrund des Zinsnahmeverbotes so verpönt) wie unter Christen und konnten dort auch in sehr hohe Positionen aufsteigen, was die Vorgeschichte des Massakers von Granada 1066 zeigt, die sich ja zuerst gegen die jüdische Wesirsfamilie gerichtet hat. Juden und Moslems durften auch heiraten, und soweit ich weiß, durfte der jüdische Ehepartner seine Religion weiter ausüben.
    Natürlich gab es auch einige Verfolgungen und Pogrome unter den Muslimen, die gegen Juden und Christen gerichtet waren (wie das schon genannte Massaker von Granada 1066, welches das erste auf europäischem Boden darstellt, oder durch die Almohaden, die die Bedingung Konversion oder Tod stellten).
    Allgemein hatten es die Juden jedoch unter den Moslems einfacher, da sie dort keiner religiös motivierten Abneigung wie bei den Christen ausgesetzt waren. Sie galten zwar als dhimmis, hatten aber dennoch einen (wenn auch niedrigen) Rang in der Gesellschaft und waren durch das Gesetz geschützt.

    Ein Buch, was man zu dem Thema empfehlen kann, ist:

    Mark R. Cohen: Unter Kreuz und Halbmond. Die Juden im Mittelalter. München 2005.
     
  11. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Nein, diese Behauptung in der zitierten Quelle ist völlig falsch. Der osmanische Sultan herrschte absolut und besaß eine viel größere Machtfülle als seine Kollegen im Abendland. Es gab weder Stände, die ein Mitspracherecht hatten, noch ein repräsentatives Adelsparlament wie z.B. der Reichstag im Heiligen Römischen Reich, der bestimmte Dinge verweigern konnte. Solche Begrenzungen königlicher Macht existierten auch in England, Frankreich oder den christlichen spanischen Königreichen und selbst als in Europa die Epoche des Absolutismus anbrach, verfügten absolutistisch regierende Herrscher nicht über die Macht des osmanischen Sultans.
     
  12. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Nach Suleymans Tod wurde es aber lau mit der Macht der osmanischen Padischahs, von denen etliche durch Palastintrigen und Revolten ins Amt gestolpert wurden, die unter Hausarrest aufgewachsen waren und üerhaupt keine Erfahrung in Verwaltung, Diplomatie und Kriegswesen verfügten. War der Padischah schwach oder desinteressiert, so waren der Groswesir und der Aga der Janitscharen die wahren Träger der Macht.

    Die Kriegerkaste der Janitscharen veraltete allerdings sehr bald, ganz ähnlich wie ihre moskowitischen Kollegen, die Strelitzen, und ganz ähnlich wie das der Strelitzen war auch das historische Ende dieser einstmaligen Elitetruppe, als 1824 der Sultan ihre Baracken mit Kanonen beschießen ließ.
     
  13. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das sind willkürliche Usurpationen von Macht. Anders als in den abendländischen Königreichen gab es im Osmanischen Reich jedoch keine verfassungsmäßig festgeschriebenen Institutionen, die ein verbrieftes Mitspracherecht hatten und die Macht des Herrschers einschränkten. Und darum ging es in dieser Diskussion.

    Wollte man Interessengruppen aufzählen, die bei einer schwachen Regierung des Sultans an Einfluss gewannen, so muss man neben dem Großwesir und hohen Offizieren der Janitscharen auch die Sultansgattinnen, Sultansmütter und Haremsdamen nennen, die in einigen Epochen verborgene Macht ausübten. So ist das späte 16. und frühe 17. Jh. als "Zeit der Weiberherrschaft" ein fester historischer Begriff geworden, da die Macht des Harems seit der Zeit Murats III. ständig wuchs und in der ersten Hälfte des 17. Jh. seine größte Machtstellung erlangte. Allerdings lehnt die Osmanistikprofessorin Suraiya Faroqhi diesen Terminus aus verschiedenen Gründen ab.
     
  14. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Eine gute Frage und wie so häufig wenig Differenziert es gibt unterschiede in der Zeit und in den jeweiligen Provinzen die man beachten muss. Dabei ist auch zu bedenken, dass die Möglichkeit des sozialen Aufschwungs nicht die Volkszugehörigkeit sondern die Religion spielte, so gab es in vielen Gebieten des osmanischen Reichs kaum Türken und die Verwaltung wurde von Einheimischen übernohmen, dies war sicherlich einer der Gründe warum das osmanische Reich so lange existierte.

    Es gab Unterschiede in den Epochen und selbst in den Provincen. Im 18. Jahrhundert waren die Christen des Belgrader Pasaluks welches fast vom Großen Türkenkrieg eintvölkert wurde mit sehr hohen Privilegien ausgestatten so das sich eine beachtliche Zahl vorallem serbokroatsichsprachiger und orthodoxer Christen vorallem aus dem bosnischen und skadrischen Pasaluk ansiedelten neben Rumänen und teilweise Bulgaren. Einheimische Dorfälteste verwalteten die Bevölkerung, die Steuerlast war moderat, das Land für Viehwirtschaft sehr geeignet in der eine Reihe von politisch mächtigen und finanziell potenziellen Personen hervorgegangen sind Karadjordje, Obrenovic e.t.c. Die christliche Bevölkerung trug Waffen und kämpften auch gegen Feinde des Sultans. Osman Pazvanto?lu ? Wikipedia
    Als mehrere Agas diese Verhältnisse ändern wollten brach der 1. serbische Aufstand aus. Der bosnische Aufstand war dargegen ein reiner Bewahrungskrieg der muslimischen Bevölkerung um ihre Privilegien zu sichern. Es war ein Aufstand gegen die Tanzimatreformen. Sicher auch ein Grund warum sich ein gesamtbosnisches Zusammengehörigkeitsgefühl nur scheinbar zur Zeit Jugoslawiens gebildet hat.

    Es gab also Zeiten der Toleranz und Zeiten des Konflikts.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. September 2011
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  15. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Dieser Feststellung kann ich nur zustimmen, denn das Osmanische Reich erstreckte sich als Vielvölkerstaat über 3 Kontinente (!), sodass die Situation in den verschiedenen Provinzen zwangsläufig unterschiedlich war, u.a. auch vom Entwicklungsstand der jeweiliegn Bevölkerung abhing.

    Was SO-Europa betrifft, so so kann man sicherlich nicht von einem tyrannischen osmanischen Regime sprechen. Andererseits ist zu bedenken, dass die christlichen Völker des Balkans gewaltsam und erst nach erbitterter Gegenwehr in zahlreichen Schlachten von türkischen Heeren erobert wurden und auch wenn es für die nichtmuslimischen Bevölkerungsgruppen religiöse und nationale Spielräume gab, so bleibt die osmanische Herrschaft dennoch, was sie war: eine Fremdherrschaft.

    Insofern hatte die 500 Jahre währende osmanische Herrschaft tiefgreifende Auswirkungen in gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht und die weitgehende Abschließung der osmanisch beherrschten Balkanvölker vom restlichen Zentral- und Westeuropa verhinderte den Anschluss sowohl an die Industrielle Revolution, als auch an Formen ständischer oder parlamentarischer Mitbestimmung, ganz zu schweigen von den Vorstellungen und freiheitlichen bürgerlichen Ideen der Epoche der Aufklärung.

     
  16. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Ich würde eine Abtrennung der Gebiete des Balkans mit Zentraleuropa nicht so sehen wenigstens für Serbien und Bosnien. Durch die Ansiedlung von stokavischsprechenden Flüchtlingen in Kroatien orthodoxe Serben und katholische Sokcen (Siedler aus Bosnien) und Bunjewatzen (Siedler aus der Herzegovina) ist ein sprachlicher und kultureller Raum entstanden zwischen zwei Staaten Österreich und dem Osmanischen Reich mit sehr engen verwandschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen.

    Gerade die Nationalstaaten im 19. Jahrhundert wie Serbien, Bulgarien oder Griechenland haben eine sehr effektive Europäisierung vorangetrieben. Somit würde ich den osmanischen Machtbereich nicht als abgetrennt sehen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. September 2011
  17. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Der Sultan zur Früh- und Blütezeit des Osmanischen Staates hat absolutistischer geherrscht als die damaligen christlichen Könige, die Rücksich auf Lehnsherrn nehmen mussten. Natürlisch gab es den Diwan, der aber lediglich eine beratende Funktion darstellte. Das letzte Wort hatte der Sultan. Und sein Wort war Gesetz, sofern es dem Religionsgesetz unterworfen war.
    Desweiteren kann man sagen, dass der Osmanische Staat im heutigen Sinne durchaus als Rechtsstaat zu benennen ist, da jeder Untertan egal welcher Konfession sich direkt an den Reichsrat, an das höchste Organ, wenden konnte und direkt dort Einspruch erheben konnte. Dieses Recht ist im Übrigen recht häufig von Christen und Juden in Anspruch genommen worden.
    Man hütete sich vor Adhoc-Entscheidungen und die Präzedens war maßgebend.
    Daraus ist das Zitat zu leiten, welches ibgi zitiert hat.
     
  18. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    In der Spätphase des osmanischen Reichs waren diese Einsprüche in vielen Gebieten überhaupt nicht durchsetzbar.
     
  19. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Gegenüber Europäern wurde in offiziellen Schreiben des Sultans sehr wohl die Bezeichnung Kaiser geführt. Hier der Anfang des Briefes, den Süleiman an den Großmeiser L'Isle Adam nach Rhodos schickte:
    " Süleiman, der Sultan, durch die Gnade Allahs König der Könige, Herrscher der Herrscher, höchster Kaiser von Byzanz und Trapezunt, sehr mächtiger König von Persien, von Arabien, Syrien und von Ägypten, oberster Herr von Europa und Asien, Fürst von Mekka und Aleppo, Herr von Jerusalem und Herrscher des großen Meeres an Phillip L' Isle Adam , Großmeister der Insel Rhodos mit Grüßen." (Quelle : Brandes, Korsaren Christi, Crowley, Entscheidung im Mittelmeer)) klingt nicht sehr präsidial.
    Süleyman sah sich als einzigen legitimen Nachfolger der römischen Kaiser, Karl V. nannte er stets nur König von Spanien niemals Kaiser.
    Mit der Eroberung Konsatantinopels sahen sich die osmanischen Sultane als legitime Nachfolger des römischen Kaisertums.
    Die Regierungsarbeit erledigte der Diwan mit dem Großwesir an der Spitze aber das letzte Wort hatte immer der Sultan, der auch nicht selten Mitglieder des Rates zum Tode verurteilte. Auch das unterscheidet die osmanischen Herrscher von Präsidenten.
     
  20. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Beanspruchen kann man viel, inwieweit das alles mit der historischen Realität übereinstimmt, ist eine andere Sache. Besonders spaßig finde ich die Titelusurpation eines "Kaisers von Byzanz", also eines christlichen Herrschers und eines Herrschertitels, der tief in der abendländischen Tradition verankert ist. Erheiternd auch der "oberste Herr von Europa" oder der "mächtige König von Persien", alles Länder, die der Herr Sultan sicher gern komplett beherrscht hätte.
     

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