Die Mongolen

Dieses Thema im Forum "Indien | Ferner Osten" wurde erstellt von calgacus, 17. April 2006.

  1. calgacus

    calgacus Neues Mitglied

    Ich hätte ein paar Fragen bezüglich des Mongolischen Reiches:

    Was waren eigentlich die Gründe für den Beginn der Eroberungen? War dafür wirklich nur die Ideologie Dschinghis Khans ausschlag gebend: "Ich bin von Gott auserwählt, die Erde zu erobern" ?

    Warum haben sich die Mongolen nach dem Sieg an der Kalka zurückgezogen (ohne Russland in größerem Ausmaß zu plündern)? Ich habe gehört die zwei tümen wären zu schwach gewesen, die Gebiete langfristig zu halten, außerdem brauchte man Truppen für den Tangutenfeldzug. Trotzdem ist es doch komisch, nach einer gewonnenen Schlacht (die sicher auch gewisse Verluste gebracht hat) sofort wieder in den Steppen zu verschwinden.

    Weiß jemand vielleicht, wie man "yassa" richtig ausspricht? sagt man "josso" oder doch "jassa"?

    Schon mal im vornherein Danke für alle Antworten!!
     
  2. Man spricht es wohl am ehesten Jassa.

    Zum Abzug nach Kalka und zu den Gründen für die Anfänge der Eroberung habe ich hier im Forum bereits Ausführungen gemacht.

    Der Abzug war Befehl, es war Krieg mit den Russen vermutlich nie vorgesehen. Das ganze war nur eine Strafexpedition gegen die Kumanen und Kiptschak. Das es dann zum Kampf gegen die Russen kam war anfänglich sicher nicht vorgesehen.

    Der Grund für den Beginn der Eroberungsfeldzüge liegt schlicht und einfach an der Konstruktion des mongolischen Staates und seiner Entstehung. Das gerade erst durch Chinggis erschaffene mongolische Volk war ohne Krieg überhaupt nicht funktionsfähig.

    Man mußte Krieg führen um den gerade eben geschaffenen Staat aufrecht zu erhalten.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 17. April 2006
  3. Der gerade eben geschaffene mongolische Staat war ja eine extrem totalitärer Staat, indem sehr viele Stämme und Clans mit Gewalt zu einer Einheit zusammen geschlossen worden waren. Nach der Vereinigung der Steppenvölker gab es sofort massivste Innere Spannungen, wie auch Abschnitte der Geheimen Geschichte wie z.B. der vom Kampf der Chongchotai gegen Chasar belegen. Die Chongchotai waren der Stamm eines besonders loyalen Gefolgsmannes von Chinggis, Chasar sein eigener Bruder, das ganze ging hin bis zu Mord und Totschlag.

    Dann war die Ökonomie dieses Staates nicht in Ordnung, der Zerfall vor Chinggis hatte ja auch ökonomische Gründe. Es drohte alles, was so mühsam und über viele Jahre und mit unvorstellbarer Gewalt geschaffen worden war wieder zu zerfallen über kurz oder lang.

    Um ein Volk mit einer derart extrem kriegerischen und agressiven Sozialkultur davon abzubringen, sich wieder selbst zu zerfleischen war ein äußerer Feind nötig, um den Lebensunterhalt zu sichern war nach den Vielen Kriegsjahren die zur Einigung nötig waren Beute nötig, diese sicherte zudem die weitere Loyalität vieler Krieger.

    Daher griffen die Mongolen ununterbrochen alles an auf das sie stießen. Der Offizielle Kriegsgrund war dabei meist Rache. Die damalige Sozialkultur der Mongolen war extrem rachsüchtig, daher war Rache fast immer das offizielle Motiv. Die Mongolen kannten bei der Rache aus kulturellen Gründen keinerlei Mäßigung. Auch bei den Kriegen nach Westen war Rache das offizielle Kriegsmotiv. Inoffiziell stand das mongolische Volk aus kriegerischer Agression derart unter Innerer Spannung, daß die Führenden diese einfach irgendwo hin entladen mussten.

    Einen großen Plan gab es dabei nicht, jeder Erfolg brachte neue Grenzen, neue Feinde und die Mongolen wechselten auch immer wieder mitten im Krieg die Vorstoßrichtung und den Feind, so war China noch nicht besiegt, man brach den Kampf dort weitgehend ab und zog nach Westen. Man besiegte die Russen, griff aber dann nicht Kiew an das gefallen wäre sondern ging in den Krieg gegen die Tanguten usw

    Die Idee, daß die Mongolen dazu auserwählt seien die ganze Welt zu erobern kam wohl erst nach dem Sieg gegen das Choswarem Reich auf. Chinggis selbst hatte vermutlich keine Ideologie dieser Art, dazu war er zu nüchtern und hatte zu lange gekämpft.

    Erst ab seinem Tod wurde das dann langsam offizelle Staatsdoktrin.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 17. April 2006
  4. mangus

    mangus Neues Mitglied

    Ich glaube, Dschingis hatte nie vor nach Westen zu ziehen. Der Chwarezm Shach hat ihn provoziert.

    Gegen Jin hat er aus mehreren Grunden Krieg gefuehrt. Rache spielt auch eine Rolle, denn (ziemlich lange zuvor) Jin Kaiser hat einen mongolischen Khan und einen Adligen(Grossonkel von Dschingis: Barkhag hiess er) von den Tataren ueberliefert bekommen und hingerichtet. Obwohl es vor Dschingis' Geburt geschehen war, war es ein der Hauptgruende fuer Rache. Der selbe Jin Kaiser hat jedes 2.Jahr in Mongolei Truppen geschickt, um auf diese Weise zu schwaechen. Dazu hat Jin mit Tataren verbundet. Dschingis' Urgrossvater Khabul Khan hat mit Erfolg gegen Jin gekaempft.

    Andererseits ist es eine "Tradition" der Nomaden: Wenn sie sich einmal einigen und ein Reich gruenden, dann ziehen sie gegen China :) Die Forderung des neuen Jin Kaisers, dass Dschingis Khan die Botschaft knieend hoeren und empfangen soll, musste ein willkommener Anlass gewesen sein.

    "Ich bin von Gott auserwählt, die Erde zu erobern" war vermutlich nicht seine Ideologie. Seine Nachfolger hatten vermutlich solche.

    Kampf am Kalka Fluss war einerseits ein unbedeutender Sieg fuer Mongolen. Sie wollten eigentlich gegen Russen nicht kaempfen. Aber ein bedeutender russischer Fuerst musste seinem Schwiegervater(er war ein Kyptschak-Tuerke) helfen und gegen Mongolen treten.

    Yassa. Das urspruengliche Wort ist eigentlich Dschassag/Zassag in der geschriebenen Form. Da es in mongolischen und tuerkischen Dialekten haefig Wechsel zwischen "dsch" und "y" gab, wurde es als "Yassa" bekannt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Mai 2006
  5. askan

    askan Neues Mitglied

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