Die Schlacht um Gallipolli

Dieses Thema im Forum "Kriegsschauplätze" wurde erstellt von Seldschuk, 29. Oktober 2005.

  1. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Vor 2 Jahren war ich an dem Ort, wo fast eine halbe Million Mann ihr Leben verloren haben.
    An vielen Gräbern habe ich verweilt! Nicht nur türkische sondern auch z.B. an denen der ANZAC und der Briten.
    Das erste Mal lt. WIKI, dass die "kolonaile Kanonenbootpolitik" nicht stach!
    Und der grösste war ein Deutscher: Liman v. Sanders
     
  2. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Das kann nicht stimmen.
    Dann wäre der 1. WK nämlich schnell aus gewesen.
    Woher hätten die Alliierten und die Türken die vielen Soldaten haben wollen?

    Du hast vermutlich Verluste = Tote gerechnet.
    Als Verluste gelten aber im militärischen Terminus alle Ausfälle. Also Kranke, Verwundete, Vermisste und Tote.

    Grüße Repo
     
  3. shingen

    shingen Neues Mitglied

    habe jetzt gerade gelesen 140 000 entente , 280 000 türken alle zusammen-verwundete,tote ,vermißte .
    Wobei die Türkischen verlußte weit höher sein könnten .
     
  4. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Laut wikipedia:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Gallipoli

    Oben habe ich vergessen: Die Gefangenen sind natürlich auch "Verluste"

    Grüße Repo
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Oktober 2005
  5. Festus621

    Festus621 Neues Mitglied

    Gallipoli 1915

    Es gibt übrigens einen Spielfilm mit dem gleichnamigen Titel "Gallipoli", in dem erzählt wird, wie Australische Freiwillige in Gallipoli von den Briten verheizt wurden. Die Briten haben zunächst die Australier vorgeschickt, die dann reihenweise von der türkischen Abwehr "niedergemäht" wurden.
    Ich weiß nicht, ob der Film authentisch ist. Ich fand ihn jedenfalls ziemlich gut.

    Die Hauptrolle spielt ebenfalls Mel Gibson.
    (An anderer Stelle wird über "Der Patriot" mit Mel Gibson diskutiert)
     
  6. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Hab´ den Film zwar nicht gesehen, aber auf http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Gallipoli

    kannst Du dir ein Bild verschaffen, was geschehen war!

    Wiki sagt 141.000 Tote Aliierte und 251.000 Tote Türken! Das ist aber nur die offizielle Version! Wer weiss! Also doch fast eine halbe Million Mann! Der 1.WK war halt ´ne Materialschlacht, in der Menschen auch als Material betrachtet wurden.

    @shingen
    nicht nur die türkischen könnten höher sein auch die aliierten Verluste könnten erheblicher gewesen sein. Ich glaube nicht das die Befehlshaber die grossen Verluste damals haben einfach zu geben können. Würde mich jedenfalls wundern. Sir Winston ist da ganz schön ins Fettnäpfchen getreten!
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Oktober 2005
  7. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Die hohen Verlustzahlen kommen schon hin und bezeugen das strategisch-taktische Dilemma der Militärs im Ersten Weltkrieg. Die Artillerie und das MG waren die bestimmenden Waffen des Krieges, daher war es für Angreifer überhaupt nur unter hohen Verlusten möglich, eine Stellung zu zerbrechen. Der Ablauf von Gallipoli ist typisch für viele der großen Schlachten des Krieges: Erst landeten - im Vergleich zu später - relativ wenige Truppen. Diesen gelang es nicht, gegen die türkische Front einen Durchbruch zu erzielen. Um die Schlacht zu wenden, schickten die Alliierten mangels anderer Mittel immer mehr Truppen rein - aber um die Schlacht zu gewinnen, war es bereits zu spät, denn die Türken ihrerseits blieben nicht untätig. Ähnlich lief es auch im gleichen Jahr für die Deutschen bei Verdun.
     
  8. Festus621

    Festus621 Neues Mitglied

    Um den größeren Hintergrund der Schlacht zu verstehen, zitiere ich aus "Sebastian Haffner - Churchill Eine Biographie", Seite 69 ff.:

    "Seine strategische Idee war großartig: Die Türkei, seit Oktober 1914 an Deutschlands Seite im Krieg, war relativ schwach. Ihre Hauptstadt, Konstantinopel, lag am Meer, offen für den Zugriff überlegener Seemacht. Wenn sie fiel, konnte man mit dem Zusammenbruch der Türkei rechnen. Dadurch war mindestens eine sichere Seeverbindung mit Russland hergestellt, man konnte massive Waffentransporte nach Russland schicken und seine schon angeschlagene Offensivkraft wiederherstellen. Außerdem aber: Serbien stand noch, Bulgarien war noch kein Verbündeter Deutschlands, in Griechenland und Rumänien waren starke politische Kräfte bereit, mit den Alliierten zu gehen, wenn sie siegreich zu Stelle waren: Der Fall Konstantinopels würde ihnen das erwartete Signal geben. Der Balkan würde auflodern wie ein Waldbrand, von dort aus war Österreich zum Einsturz zu bringen, du dann drohte dem nun völlig isolierten Deutschland nicht mehr ein Zwei-, sonder ein Dreifrontenkrieg! Das war Strategie napoleonischen Stils und Formats; außerdem wie nach Maß gemacht für England mit seiner gewaltigen Seemacht und seiner kleinen, aber feinen Armee – weit passender, als langsam Massenarmeen aufzustellen und auszubilden, um sie dann durch die Knochenmühle statischer Materialschlachten an der Westfront zu drehen.

    Nur: Die Durchführung einer solchen Idee erforderte – im Lichte der Erfahrung des Zweiten Weltkriegs ist das noch klarer zu sehen, als es damals war – amphibische Kriegsführung, also engste Zusammenarbeit von Flotte und Armee. Die schien unerreichbar: Kitchener (Anm. britischer Kriegsminister) „glaubte nicht an die Dardanellen“, er glaubte an die Möglichkeit des Durchbruchs an der Westfront. Churchills erster Fehler war, dass er zu schnell und zu stolz darauf verzichtete, Kitchener umzustimmen – was, wie sich später zeigte, nicht unmöglich gewesen wäre. Auf eine etwas halbherzige Weise erklärte sich Kitchener schließlich sogar von selbst bereit, „der Flotte herauszuhelfen“, wenn sie es allein nicht schaffe. Aber inzwischen hatte sich Churchill schon ungeduldig entschlossen, es mit der Flotte allein zu machen, im Handstreich.

    Das war vielleicht nicht unmöglich, aber ungeheuer kühn: die Art von Unternehmen, die nur gelingen kann, wenn alle Ausführenden mit Überzeugung und Feuereifer mitziehen und dabei ein wenig über sich hinauswachsen. Churchills zweiter Fehler war, dass er es ins Werk setzte, obwohl er alle seine Admirale nur eben mitschleppte. Sie ließen sich zögernd und widerstrebend überreden und fühlten sich klamm dabei. Churchill ging darüber hinweg; vielleicht bemerkte er es gar nicht Die Folgen blieben nicht aus.

    Am 18. März 1915 hatte die Flotte, nicht ohne erhebliche Verluste, die türkischen Forts in den Dardanellen in einem gewaltigen Artillerieduell so ziemlich niedergekämpft. Wenn sie den Handstreich auf Konstantinopel wagen wollte, musste es jetzt oder nie geschehen. Aber den Admiralen war die Sache – vielleicht mit Recht – nun doch gar zu unheimlich geworden, und da Kitchener sich inzwischen dazu verstanden hatte, „der Flotte herauszuhelfen, setzten sie durch, dass nun doch lieber auf die Armee gewartet wurde. Die Armee brauchte viel Zeit. Am 25. April landete sie und errichtete einen Brückenkopf auf der Halbinsel Gallipoli; aber aus dem Brückenkopf kam sie nicht heraus. Der Überraschungsfaktor war verschenkt worden. Die Türken waren inzwischen in voller Stärke da und hielten stand. Mitte Mai war klar, dass Churchills großer kriegsentscheidender Plan nicht mehr erzielt hatte als eine neue Schützengrabenfront in der fernen Türkei.

    Was nun? Churchill war für Durchhalten. Er zeigte jetzt zum erstenmal die bulldoggenhafte Verbissenheit, die bis dahin unter Abenteuerlust und improvisierendem Wagemut verborgen gewesen war. Er war bereit, den Einsatz zu verdoppeln, die modernsten und stärksten Schlachtschiffe in die Pfanne zu hauen, eine zweite Landung im Rücken der Türken zu machen. Er plädierte, vorgereckten Kinns, für eine Strategie des "Nun erst recht".
    Aber: da sagten die Admirale. Nein."
     
  9. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das steht zwar so in der Einführung des Artikels, weiter unten steht dann jedoch eine Tabelle mit ca. 86.692 osmanischen und 44.072 allierten Toten. Zusammen also ca. 90.000 was auch aus anderen Quellen hervorgeht.

    Die eigentliche Anzahl wird vermutlich etwas höher gewesen sein, die oft zitierte halbe Million bezieht sich jedoch auf die Verluste insgesamt, nicht auf die Gefallenen allein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Oktober 2005
  10. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Zustimmung!!!!

    Du hast völlig recht! Sehr gut aufgepasst! :winke:
    Konnte dich leider noch nicht bewerten!
     
  11. Thraker

    Thraker Neues Mitglied

    @festus 621

    Nur schade das Churchill obwohl er eine klare niederlage erlitten hatt, so gut darsteht.Und das die Überweltigenden fähigkeiten von Mustafa Kemal Atatürk nicht. Und sogar garnicht erwähnt wird.

    Übrigens_ Dies war die grösste niederlage der allierten gegen uns. Schliesslich waren die Türken unsere Verbündeten.
     
  12. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Widerspruch:
    Tannenberg 1914, Alpenfront Oktober 1917
    Wenn ich nachdenke fallen mir bestimmt noch ein paar ein.

    Grüße Repo
     
  13. Thraker

    Thraker Neues Mitglied

    Wiederspruch: an mich selber

    Die Schlacht um Gallipoli war eine der blutigsten und brutalsten im Ersten Weltkrieg. Geradezu beispiellos war sie als Schlacht, in der eine Landarmee auf Dauer einem von Heer und Marine zusammen geführten Kampf standhalten konnte. Die Niederlage war ein Schock für Australien und Neuseeland, für die es den ersten großen Konflikt darstellte, an dem sie beteiligt waren. Neben der Schmach, die die Alliierten davon trugen, zog Gallipoli auch Konfrontationen und Streitigkeiten auf politischer Ebene nach sich, die zum Rücktritt Churchills als Marineminister und zum Sturz der Regierung Asquith führten.


    so meinte ich das :rolleyes:.
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Nochmals Widerspruch:
    Verdun war wesentllich verlustreicher für beide Seiten. (Faktor 10 zu den Dardanellen) Falkenhayn musste zurücktreten, wie Churchill.

    Die diversen Somme-Schlachten, überhaupt die Westfront von 1914-1918

    Die größten politischen Umwälzungen hatte die russische Kerenski-Offensive zur Folge, die Oktober-Revolution.

    Interessant in diesem Zusammenhang, die amphibischen Operationen des 1. WK haben samt und sonders nicht geklappt, und die im 2. WK waren so gut wie alle erfolgreich.

    Grüße Repo
     
  15. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Dann ergänze ich auch noch etwas: die höchsten Verlustraten (relativ gesehen) im WK 1 werden mW nicht den bislang genannten Schlachten zugeordnet, sondern der Karpatenschlacht (Dez. 1914 - April 1915), vgl. auch http://www.dhm.de/lemo/html/wk1/kriegsverlauf/karpaten/index.html

    Es kommt also immer auch auf die Sichtweise auf die Zahlen an (absolute Zahlen vs. relativer Anteil) :grübel:

    Außerdem halte ich persönlich von Diskussionen, welche Schlacht nun besonders blutig, brutal, verlustreich etc. war, nicht unbedingt viel. Der 1. Weltkrieg als solcher war blutig, brutal, verlustreich, ... genug - und dafür stehen (wenn wir denn auf die Einzelschlachten blicken) Namen wie Verdun und Gallipoli ebenso wie die Karpaten oder bspw. auch die 3 Brussilov-Offensiven...
     
  16. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

  17. Renard

    Renard Mitglied

    Aus Gallipoli zog das zurückgetretene Kabinettsmitlgied Churchill aber im 2. WK als Premier- und Verteidigungsminster entsprechende Konsequenzen und ließ die Landung in der Normandie jahrelang ausgiebig vorbereiten und planen (Einsendung von Fotos von der Kanalküste von britischen Bürgern [1 Mio. Fotos etwa], Erfassung möglichst aller Befestigungsanlagen an der Küste durch eigene Beobachtungen oder Widerstandsgruppen, Entnahme von Sand am Strand um die Tragfähigkeit für eine Landung schwerer Fahrzeuge zu testen, Strömungen etc.).
    Militärische Fehlschläge aufgrund falscher Lageeinschätzung bzw. Planung gab es wahrscheinlich aber schon immer in der Geschichte der Kriege.

    Zu den Opfern:
    Insbesondere für Frankreich war der 1. WK der Große Krieg was die Anzahl der Toten anging, bedeutender als der furchtbare 2. WK. Eigentlich auch für Großbritannien (Schlachten um Ypern) - dort aber spielt der Luftkrieg und die Bombardierung englischer Städte im 2. WK im Bewußtsein eine noch größere Rolle. So wurde es in Frankreich ganz anders wahr genommen als Mitterrand und Kohl, sich 1984 an den Händen haltend, in Verdun gemeinsam vor den Gräbern der Gefallenen standen.
     
  18. amicus

    amicus Gast

    Gemäß der Enzyklopädie Erster Weltkrieg erlitten die Alliierten etwas 180.000 Mann an Verlusten, die Türken etwas doppelt so viele.

    Tatsächlich hatte die gesamte Operation den Krieg nicht um einen Tag verkürzt. Ihre Voraussetzungen waren ebenso zweifelhaft gewesen wie die Wahrscheinlichkeit ihr Ziel zu erreichen gering war. Die Briten hatten angenommen, dass sich die Türken einer Invasion ihrer Heimat nicht sonderlich erwehren würden. Zudem hatten bei ihren Planungen nicht berücksichtigt, dass das Terrain zur Verteidigung ideal war und den Agreifervor unüberwindliche Probleme stellte. Auch war der Umstand kaum Beachtung geschenkt worden, dass ein Angriff auf die Türkein den strategischen Zielen der Ententenur wenig diente. Britische Kräfte an Fronten zu verschwenden, bedeutete für Großbritannien, die Kosten und die Dauer des eigenen Einsatzes unangemessen zu erhöhen.

    Hier noch zwei interessante Details zu Gallipoli:
    Als die Operation für die Briten und Franzosen zunächst ganz gut anlief und Premierminister Asquith den die Aktion "als gelungenen Beweis britischen Offensivgeistes" bejubelte, blieb Lord Fisher skeptisch. Und diese Skepsis war ja auch durchaus angebracht.
    Deutsche U-Boote, der Kleine Kreuezer Breslau und der Schlachtkreuzer Goeben sorgten dafür, das Durchbruchsversuche starker britscher-französischer Flotteneinheiten zurückgewiesen worden. (Quellen. Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Des Kaiser U-Boote)

    Grüße
    Amicus
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 19. Januar 2007

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