Die Stellung eines Malers im Rokoko

Dieses Thema im Forum "Kunstgeschichte" wurde erstellt von kskreativ, 15. März 2012.

  1. kskreativ

    kskreativ Neues Mitglied

    Wie gestaltete sich das Arbeitsverhältnis eines Porträtmalers um 1720? Besser gesagt, wie war seine Stellung bei seinem Auftraggeber? Nehmen wir mal an, ein Maler bekommt den Auftrag eine Familie aus der Oberschicht (Adel), zu porträtieren. Stand er dann rangmäßig mit dem Personal auf einer Stufe, oder hatte er eine gesonderte Stellung?

    LG, Karin
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Kommt wohl darauf an, ob der Maler selber geadelt war. Carle van Loo wurde beispielsweise geadelt, war Porträt-, Genre- und Historienmaler, wobei letzteres lange Zeit den höchsten Stellenwert in der Anerkennung einnahm. Manche hatten wohl auch schon Starallüren.

    Recht selbstbewusst scheint mir beispielsweise Boucher gewesen zu sein, der schonmal einen Auftrag von höchster Stelle ablehnte oder nur zum Teil ausführte (wie seinen Zyklus für die Königin Ulrike zu den Tageszeiten).

    Mir scheint es nicht so, als ob die Maler wie Diener behandelt wurden. Sie waren ja unabhängige Personen, im Gegensatz zu den Domestiken. Obendrein hängt das Verhältnis sicherlich bei der Stellung ab, welche der Maler bei Hofe einnahm (z.B. Hofmaler, Günstling des Souveräns).
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. März 2012
  3. kskreativ

    kskreativ Neues Mitglied

    Das bringt mich schon mal ein gutes Stück weiter, danke. Wie sah es da eigentlich mit Frauen aus? Der Werdegang von Angelika Kauffmann ist ja recht interessant, aber wohl eher ein Einzelfall, oder?
     
  4. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    Klar war das kein gewöhnlicher Lebenslauf für eine Frau in dieser Zeit, aber es gab durchaus garnicht so wenige Malerinnen in dieser Zeit.
    Allen mir bekannten Fällen stammen diese Frauen aus Künstlerfamilien und sie wurden früh meist von ihren Vätern gefördert. Es war für sie wohl durchaus kein Nachteil weiblich zu sein, denn damit hatten sie ja auch eine art Exotenstatus was sie für Höfe interessant machte und wohl bisweilen auch mangelndes Talent ausgleichen konnte (wobei es auch genug untalentierte männliche Maler gab bei denen man sich fragen muss, wie sie in die Gunst von Fürsten kamen...)
    Vielfach wurden aber Bilder von Malerinnen unter dem brühmteren Namen des Vaters oder Bruders ausgestellt, das wird erst seit kurzer Zeit von der Kunstgeschichte aufgearbeitet und ist vielfach eben nicht klärbar, da ja Künstler gemeinsam an Bildern arbeiteten bzw. einen zu ähnlichen Stil hatten um alles genau auseinanderklamüsern zu können.

    Ad hoc fallen mir da ein:

    Dorothea Therbusch
    Rosalba Crriera
    Maria Cosway
    Elisabeth Vigée-Lebrun
    und ihre Rivalin
    Adélaide Labille-Guiard

    Maguerite Gérard, sie war die Schwiegertochter von Fragonard und hat eng mit ihm zusammen gearbeitet, das Problem ist, dass bei vielen Bildern nicht klar ist welcher von beiden sie nun gemalt hat, oder wer zumindest mehr Anteil daran hatte.

    Theresa Concordia Mengs, verh. von Maron, deffiniv eine der genialsten Malerinnen ihrer Zeit, sie stand ihrem Bruder und ihrem Ehemann in nichts nach, auch bei ihr wird es wohl eine "Dunkelziffer" an Bildern geben, da sie eben in einem "Familienbetrieb" arbeitete.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. März 2012
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Dorothea Therbusch stammte aus einer großen Künstlerfamilie. Ihre Schwester Anna Rosina de Gasc war auch Malerin, m.E. qualitativ ähnlich wie Frau Therbusch. Dann war die Tochter ihres Bruders Christoph Friedrich Reinhold Liesewski ebenfalls Malerin, wenn auch keine so arg gute. Auch bei Dorothea Therbusch ist anzumerken, dass sie stark mit ihrem Bruder zusammenarbeitete. Dabei übernahm dieser die feiner ausgeführten Partien wie man auch ganz klar aus ihren und seinen eigenständigen Werken erkennen kann.

    Bei vielen Malern wie auch Christoph Friedrich Reinhold Liesewski weiß man leider nicht sehr viel über ihr Verhältnis zu ihren Auftraggebern. So nimmt man bei ihm an, dass seine Beziehung zu seinem Fürsten Leopold III. Friedrich Franz nicht so rosig war, da dieser ihm, seinem Hofmaler, kaum Porträtaufträge gab und sich auch nur einmal von ihm abbilden ließ. Auch wenn das Bildnis ( Datei:LeopoldIIILisiewsky.jpg ? Wikipedia ) heute als ein Meisterwerk gilt, scheint es dem Fürsten nicht sonderlich gefallen zu haben.*

    *
    zu C.F.R. Liesewski und seiner Beziehung zu den fürstlichen Auftraggebern recht detailiert:
    Thomas Weiss (Hrsg.): "Christoph Friedrich Reinhold Lisiewsky (1725–1794)", Deutscher Kunstverlag, Berlin, 2010
     
  6. kskreativ

    kskreativ Neues Mitglied

    Danke euch, dann lag ich ja richtig. Ich schreibe gerade an einem historischen Roman über eine Künstlerin. Da ich selbst auch male, hat mich das aber auch einfach mal so interessiert.
     
  7. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    Ach, da fällt mir noch ein Elisabeth Vigée-Lebrun hat auch Memoiren geschrieben! Da geht es aber glaube ich primär um ihre Abenteuer während der Französischen Revolution, ich hatte sie nur mal vor einigen Jahren quer gelesen.
    Irgendwo im Netz gab es sie auf Englisch zum runterladen.
     
  8. adson

    adson Neues Mitglied

    ...das schlägt sich aber nicht unbedingt überall nieder, wenn man sich z.B. hier umsieht oder auch generell auf Suche geht. Gibt es da eine zuverlässige quantitative Erhebung? Ich befasse mich derzeit auch ein wenig mit dem Thema Malerei in Barock und Rokoko und bin für jeden Hinweis dankbar:D
     
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Mir ist keine solche Erhebung bekannt. Das Problem ist ja bei Malern genauso wie bei Dichtern etc. wieviele damals überhaupt irgendwie erfasst wurden. Bei den Literaten ist mir eine Auflistung der damaligen Schriftsteller in Frankreich aus der Zeit bekannt, aber diese erhebt auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bei Malern wird es ja noch komplizierter. Da sind ja bis ins späte 18.Jh. hinein von vielen selbst die Lebensdaten nur ungenau überliefert (ich meine jetzt nicht Größen wie Vigée-Lebrun oder David).
    Wen wir kennen bei den Malerinnen, das sind welche, die es bis zur Mitgliedschaft in den Akademien brachten. An anderer Stelle habe ich bereits das Verhältnis der Maler zu Malerinnen in der Academie Royale genannt, das bei 4 Frauen zu 70 Männern lag. http://www.geschichtsforum.de/422068-post54.html
    Freilich muss das nicht unbedingt das Verhältnis der damals real praktizierenden Malerinnen zu Malern widerspiegeln.

    Ähnlich rosig bzw. nicht rosig sah das Geschlechterverhältnis auch der Mitglieder der englischen Academy aus. Angelika Kaufmann und Mary Moser waren die zwei einzigen weiblichen Gründungsmitglieder der "Royal Academy of Arts". Wobei ich zugeben muss, dass ich nun auch nicht so arg viele weibliche Malerinnen aus England kenne (liegt aber eher daran, dass ich mich eher mit franz. und deutscher Malerei beschäftige).:winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Januar 2013

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