Drusus als Ortsnamensgeber

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von LEG XVII, 1. September 2014.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Der Dia-bolos ist griech. wörtlich der 'Widersacher'. Eine Lehnübersetzung aus dem Hebräischen.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich nehm's zurück:

     
  3. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Ich denke mal, Widersacher gabs auch schon vor dem Christentum, da gibts also auch einen "Bedeutungswandel" ...
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das Hebräische Sāṭān heißt 'Widersacher' (oder auch 'Ankläger'). Es ist ins Griechische entlehnt (Satanas) und lehnübersetzt (Diabolos) worden. Beide Formen haben sich in den europäischen Sprachen fortgesetzt, dabei aber ihren semantischen Inhalt verändert. Die griechische Lehnübersetzung hat den semantischen Inhalt natürlich im Griechischen noch erhalten, aber spätestens mit der Übernahme ins Lateinische ist dieser auch verloren gegangen und quasi zum Teufel geworden.
     
  5. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    In der griechischen und römischen Mythologie gab es vor dem Christentum keine Gestalt, die man mit dem Teufel gleichsetzen könnte. Ihre Götter hatten alle mehr oder weniger gute und böse Eigenschaften, sodass eine rein negative Gegenfigur nicht gebraucht wurde.
    Pan, der im Mittelalter Pate für die Teufelsfigur stand, war ebenfalls in der Antike keine böse, sondern eine eher etwas wollüstige Gestalt.
     
  6. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Es geht nicht um die Gestalt des Bösen sondern um das Wort, das es bezeichnet. Eine Bedeutungserweiterung mit anschließender Bedeutungsverschiebung.

    Wenn "Dreck (im mythologisch-geistigem Sinn Drus war- erweitert um die Bedeutung Teufel und dann ohne die Bedeutung Dreck zu Teufel
    Wie bei Diabolos=Widersacher- Widersacher Gottes-nur noch Teufel->hin zu Düwel als lateinisches Lehnwort

    Damit hat dann Drusus im germanischen das Geschmäckle der dreckige, widerwärtige ...
    Ohne das da schon der Teufel, Satan oder wer beteiligt ist

    [mod]Drei Beiträge, 11. Sep. 2014, 21:52, 21:54, 22:04, zusammengeführt.

    Galeotto, den Teufel des mittelalterlichen Christentums gabs nicht, aber "böse Geister/verfluchtes, verwunschenes"
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 8. Mai 2021
  7. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    jetzt fehlt nur noch, dass der Drudenfuß auch noch auf den guten alten Drusus zurückzuführen sei... :rofl::still:
     
  8. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    =) Dann wäre Drusus ein wahrer Überdrus(s).
     
  9. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    die Vorstellung vom Teufel scheint im Zuge der Germanenmission durchaus verbreitet worden zu sein, wie das Sächsisches Taufgelöbnis ? Wikipedia aus karolingischer Zeit zeigt.

    interessant nebenbei für das Frühmittelalter ist die Verwendung von hailag und (ge)wiht (zeitweilig war "heilig" als pagan negativ konnotiert in Missionskreisen)
     
  10. LEG XVII

    LEG XVII Aktives Mitglied

    Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil.
    Also, ich hatte Kontakt mit dem Besitzer des Feldes, an der Stelle der Bodenanomalie wurde über einen langen Zeitraum Strauchschnitt abgelagert. Organisches Material wird ja normalerweise nach dem Laserscan aus dem Digitalen Geländemodell herausgerechnet, aber hier hatte sich das Material wohl schon so verdichtet, dass dies nicht mehr möglich war. Auf den Boden als solchen hatte die jahrelange Lagerung wohl auch Auswirkungen, so dass die Stelle auch nach Entfernen des Strauchschnitts noch schwach als Bewuchsmerkmal zu erkennen ist.
    Auch sollen an der Stelle Drusen gefunden worden sein, mangels vulkanischer Aktivität in dieser Gegend dann wohl eher Kalk- oder Braunspatdrusen.
    Die Stadt Drusenheim hat mir trotz zweifacher Anfrage bezgl. des Ursprungs des Ortsnamens nicht geantwortet, vielleicht ist mein Französich zu schlecht, oder sie hielten die Anfrage für zu abstrus. Mittlerweile habe ich aber auch eher Zweifel, dass Drusenheim was mit Drusus zu tun hat.


    OT: Ein schönes Bewuchsmerkmal mit einer banalen Ursache ist auch das folgende:

    https://www.google.de/maps/myplaces...751372&spn=0.006813,0.018915&ctz=-60&t=h&z=17

    Dieser 300 m durchmessende Kreis (an der Kreuzung Via Regia / Herßweg, hatte ich mich natürlich auch für interessiert :)) ist dadurch entstanden, dass der Besitzer die Idee hatte, ein kreisfömiges Klatschmohnfeld anzulegen, dass während der Blüte noch aus großer Höhe (Flugzeug, vielleicht sogar Erdumlaufbahn) als großer roter Punkt sichtbar sein sollte.
     
  11. Naresuan

    Naresuan Aktives Mitglied

    Kürzlich sendete Arte eine Doku über die spannende Nachkriegsgeschichte Eltens an der niederländischen Grenze.
    Spielball der Weltpolitik - Als Elten niederländisch wurde - Die ganze Doku | ARTE
    Darin wurde auch ein Drususbrunnen in Elten erwähnt, was mich dazu inspirierte nach Zusammenhängen zwischen Drusus und dem Niederrhein zu suchen.
    Der Drususbrunnen in Elten ist wohl ein mittelalterlicher Brunnen. Er soll nach Drusus benannt sein. Seit wann, kann ich allerdings nicht herausfinden.
    Ich stieß aber in der Gegend auch auf eine ganze Reihe anderer lokaler Flurnamen mit Drusus :
    Drususquelle (Xanten) – Wikipedia (die könnten wenigstens römischen Ursprungs sein)
    Die Drususgräben von den Lippebögen unterhalb von Wesel bis nach Elten (Fossae Drusinae, Fossa Drusiana – Wikipedia , Fossa Drusina ?)
    Den Drususgräben auf der Spur | Bislich - Dorf am Deich (Wesel am Niederrhein)
    Der Drususdeich in Kleve-Rindern. Dazu finde ich nur die Information: Der Deich hat mit diesem römischen Feldherr allerdings ebenso wenig zu tun, wie der ebenfalls nach ihm benannte Drususbrunnen in Elten.
    https://liemers-niederrhein.eu/wp-c...rtrag-Rees-Geschichte-der-Rheingabelung-1.pdf
    Obwohl mir klar ist, dass alle diese Namen einen anderen Ursprung haben können, sind sie doch irgendwann in Zusammenhang mit Drusus gebracht worden und es scheint mir, dass in dieser Gegend der Feldherr einen bleibenden Eindruck hinterließ. Zufall? Zu Recht? Gab es zu einer bestimmbaren Zeit ein Drusus-Revival?

    Die Frage beschäftigt mich, weil ich in den 1980ern einmal für ein paar Tage in Elten war und mich damals aus unerklärlichen Gründen niemand über die höchst interessante Geschichte der Stadt aufklärte (oder ich mich damals ebenfalls unerklärbar nicht dafür interessierte?).
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du kannst davon ausgehen, dass bis auf die fossa, die Drusus-Namen alle neuzeitliche gelehrte oder semigelehrte Zuweisungen sind.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Mittlerweile wohl nicht mehr, jedenfalls finde ich die Behauptung nicht mehr.
     
  14. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Also wenn es schon um Drusus geht,dann hilft sicher eine Betrachtung des einzigen ihm gewidmeten Bauwerks ,des kurz nach 9 v.Chr. errichteten Drusus-Kenotaph in Mainz. Dieser wird zunächst richtigerweise auch dem Drusus zugeordnet, der Bedeutungszusammenhang geht aber im Verlauf der Mittelaters mehr und mehr verloren .
    Ab Mitte des 13.Jahrhunderts setzt sich die Bezeichnung "Eichel- oder Eigelstein“für das Bauwerk durch. Erst durch die Beschäftigung der Humanisten mit der Antike Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Bezeichnung Drususstein wieder reaktiviert.
    Das ganze spricht m.E. eher gegen die These die Drusus mit dem Teufel im weiteren Sinne gleichsetzt sondern eher dafür, dass ursprünglich die antike Überlieferung und später die humanistische Überformung Grund für entsprechende Namensgebungen war.
    der Drudenfuss wird übrigens eher von den Druiden abgeleitet als von Drusus
     
  15. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Die Bezeichnung "Drususstein" ist neuzeitlich und wurde nicht reaktiviert.
    Die mittelalterliche mit Drusus zusammmenhängende Bezeichnung war *Drusilewe / Trusileh / Truseloch etc., diese war bis in die Neuzeit in Gebrauch:

    Anzeige von Drusus Maior und sein Monument zu Mainz


    ... wurde, nicht "wird".
    DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache
     
    Hannes gefällt das.
  16. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Die exakte Bezeichnung "Drususstein" kam tatsächlich erst jn der Neuzeit auf,aber das Monument wurde bis Mitte des 13.Jahrhunderts dem Drusus zugeordnet,wie ich ja geschrieben habe.
    Mit der Bezeichnung "Truseloch" für den Kenotaph hab ich aber ein Problem
    ,denn der Kenotaph steht in allem anderen als einem Loch, nämlich mit am höchsten Punkt der Stadt ,da ist nix mit Loch
    Möglicherweise ist hier ein anderer Ort gemeint, nämlich das unterhalb in der Nähe liegende römische Theater mit einem Durchmessr von 116 Metern, das im Mittelalter noch in erheblichen Resten vorhanden war und tatsächlich "Lochcharakter "aufweist
    Aufgrund der dortigen Hanglage würde auch der "wingarten" dahin passen
     
  17. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Es wurde auch noch im ganzen 14. Jahrhundert dem Drusus zugeordnet, wie die von mir zitierten Belege zeigen.

    Das hat etymologisch nichts mit einem Loch zu tun, der älteste Beleg lautet ja bekanntlich Trusileh.
    ahd_l

    Und das Ding lag auf einem Berg:
     

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