Ein Glück, daß wir sie los sind!(?)

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von Arne, 8. Februar 2006.

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Ist es gut, daß wir bereits ab 1919 keine Kolonien mehr haben?

  1. Ein Glück, daß wir sie so früh losgeworden sind!

    32 Stimme(n)
    78,0%
  2. Weiß nicht. Hat alles Vor- und Nachteile...

    6 Stimme(n)
    14,6%
  3. Schade, daß wir sie so früh verloren haben. Da hätte man mehr mit machen können.

    3 Stimme(n)
    7,3%
  1. Hellas

    Hellas Neues Mitglied

    Wirklich ein Glück das wir sie losgeworden sind und zwar nach dem ersten Weltkrieg der ja für das untergehende Kaiserreich im Desaster endete.
    Die Zeit der Kolonialreiche war doch schon vor dem ersten Weltkrieg vorbei.Die deutschen Kolonien warten ein reines Zuschussgebiet und wenig ertragreich ,es galt doch nur die damalige Meinung ''Wer in der Welt etwas darstelle der benötige Kolonien''.Andere Kolonialreiche wie England,Frankreich,Portugal haben doch später schmerzhaft erfahren müssen, Völker kann man nicht ewig unterdrücken und für seine Zwecke missbrauchen.Die Spuren der Kolonialgeschichte sind doch in diesen Ländern heute noch sichtbar mit all ihren Auswirkungen auf die heutige Zeit.
     
  2. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Ich bringe das mal auf vier banale Punkte:
    (1) Hinterher ist man immer klüger
    (2) Unser Verhalten wird zu 99% vom Wunschdenken und zu ca 1% von realistischen Einschätzungen bestimmt.
    (3) Ein auf einen Konkurrenten oder Opponenten hin ausgerichtetes Verhalten ist i.d. R. nicht Kosten/Nutzen-optimal (Beispiel: "Wettrüsten")
    (4) Es gibt immer wichtige "sekundäre Effekte" (Beispiel: Friedrich d.Gr. hat zwar den 1. Schlesischen Krieg nicht wirklich gewonnen, aber ohne ihn wäre er nie der "Alte Fritz" geworden :) )
     
  3. Hellas

    Hellas Neues Mitglied

    Friedrich hat mit seinem Krieg Landgewinne für Preußen erreicht Preußen zur wirtschaftlichen und militärischen Großmacht in Europa gemacht.Und was haben die Kolonien für Deutschland gebracht ?
     
  4. Tekker

    Tekker Gast

    Auch die umgekehrte Frage ist berechtigt: Was brachte das Reich den Schutzgebieten?

    Man beachte auch genau die Formulierung des letzten o.g. Punktes:
    Was also, um deine Frage darauf auszurichten, hätten die Kolonien bringen können. Sicher eine müßige Waswärewennfrage... :fs:

    Auch impliziert die letztgenannte Antwortmöglichkeit keineswegs, man wünsche sich heute die Kolonien zurück oder meinte, sie bis heute hätte behalten zu können. Deutschland hätte sich einem allgemeinen Dekolonialisierungsprozeß sicherlich nicht enthalten können.

    Ein Hauptaugenmerk wird bei der antikolonialen Argumentation gern auf die wirtschaftliche Rentabilität gelegt, mehr noch als - was eigentlich erstaunlich ist - auf Unterdrückung oder Ausbeutung der Einheimischen. Dieses "Zuschußgeschäft" kann imho allerdings dem berechtigten Vergleich mit Entwicklungshilfe durchaus standhalten. :)
     
  5. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Die ersten Kolonien hatte schon der brandburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm I. mit Besitzungen in Westafrika ( Groß Friedrichsburg) von 1683 bis 1717.

    Die Kolonien, ob nun zur Zeit Friedrich Wilhelms I oder Kaiser Wilhelm II, waren immer eine wichtige Handelsquelle auf dem "Weltmarkt".
    Kolonien waren für den Staat kostenintensiv, vor allem deren Schutz benötigte man u.a. eine starke Flotte.
    Nach der Zeit Napoleons 1815 bekam der Welthandel einen neuen Schub und Kolonien waren für die "alten" Länder Europas ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor, vor allen für Großbritannien.
    Auch in Preußen der 1860iger Jahre knüpfte man erste Kontakte in Ostasien in Form von Handelsverträgen. Da nun aber auch der Schutz der deutschen Firmen im Ausland garantiert werden sollte, ging man auch in Preußen und später in Deutschland dazu über, Stationen für Kriegschiffe zu suchen und anzulegen. Dazu wurde eigenes Land gesucht, was gekauft, erobert oder sonstwie angeeignet wurde.
    Nach der Gründung Deutschlands 1871 begann der Weg im größeren Stil, Kolonien zu zulegen. Die Wirtschaft in Deutschland verlangte dannach, und da konnte auch kein Bismarck gegenhalten. Somit waren die Kolonien für Deutschland rein aus wirtschaftlichen Gründen zur damaligen Zeit wichtig und auch notwendig. Aussenpolitisch hätte man dies anders nutzen können, aber die Isolationspolitik des Kaiserreiches unter Kaiser Wilhelm II führte dazu, das es gerade durch die Kolonien immer wieder zu Spannungen im politischen Weltgefüge jener Jahre führte.
     
  6. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Der poly-kausale Charakter der "Kolonialisierung" erschwert natürlich solche Diskussionen. Es kommt eben eins zum anderen.

    Ein seltener genannter Punkt sind die "Kohlestützpunkte", gerade gegen Ende des 19. Jh. Ein die Welt befahrendes Dampfschiff muss irgendwo Kohle bunkern; erst recht Kriegsschiffe. Es gibt aber nicht überall Kohle. Also muss man sie vorher (per Segelschiff meist) dort hinbringen. Dies sollte möglichst auch politische abgesichert sein. Also Stützpunkte Welt weit. Die sich zu Siedlungskolonien entwickeln können.
     
  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Apologeten der deutschen Kolonialisierung wiesen ja gerne auf Deutsch- Ostafrika als Musterkolonie hin, die sich wirtschaftlich entwickelte und, wenn nicht der 1. Weltkrieg dazwischengekommen wäre, Erträge abgeworfen hätte.

    Britisch- Indien spielte, sozusagen als "Kronjuwel" des 2. Empires eine gewisse Sonderrolle, denn Indien war sehr reich an Rohstoffen. Eine ganze Reihe von Kolonien entstand, um den Seeweg nach Indien zu sichern. Jahrelang war Indien eine Privatkolonie der East India Company, erst nach dem Sepoy Aufstand von 1858 waren die Briten gezwungen, selbst die Administration in die Hand zu nehmen. In Indien haben die Briten in viktorianischer Zeit ebenfalls viel investiert und Colleges und Universitäten nach britischem Vorbild gegründet, dennoch hat Großbritannien insgesamt mehr von Indien profitiert, als umgekehrt, da hier ein Absatzmarkt für britische Produkte von Millionen existierte.
     
  8. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Man wird das nie ausrechnen können... Indien ist für mich das Musterbeispiel für "Sekundäre Effekte".... Man sagt gerne, England habe seine Elite zur Regierung Indiens verschlissen. Wenn die englische Krone nicht die Herrschaft übernommen hätte, dann würde es 100 Jahre lang gar kein Indien (mehr) gegeben haben, sondern einen Vulkan von sich bekämpfenden Kleinfürstentümern unter heimlicher Lenkung verschiedener europäischer Großmächte. Die religiösen Spannungen, die dann erst 1949 aufrissen, hätten noch das ihrige getan.

    o.k. ich bin vielleicht zu sehr von Kipling beeinflusst...
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    Edit: Bei Absatzmarkt fällt mir gerade Baumwolle ein. Hätte es eine so erfolgreiche Ausweitung der ganzen "Industrialisierung" im 19. Jh. gegeben (Amerikanische Baumwolle -> englische Textilindistrie = "King Cotton") , wenn nicht ein Massenmarkt dafür in Indien geschaffen (!) worden wäre?
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. April 2008
  9. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Wenn man die gegenwärtig in vielen Gebieten Afrikas herrschenden Zustände ansieht, kann man Gott sei Dank sagen, dass wir keiner direkten administrativen Verantwortung mehr unterliegen. Dagegen sind die eigenen Probleme ja rein gar nichts.

    Das spricht Europa natürlich nicht von moralischer Verpflichtung zur Hilfe frei, schließlich haben wir eine schwere Schuld (Sklavenhandel, Kolonialismus) abzutragen. Europa aber die Alleinschuld an Afrikas Problemen zu geben, greift zu kurz - jedenfalls solange sich vielfach dort einheimische Kleptokraten und Cliquen große Teile der Hilfen und Zuwendungen lieber in die eigene Tasche stecken.

    Einziger Vorteil von Kolonien für Deutschland: Wir hätten bessere Fußballspieler im Nationalteam. :ironie:
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. April 2008

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