Emigration der Juden im 3.Reich

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von MARIEANTOINETTE, 26. Februar 2010.

  1. MARIEANTOINETTE

    MARIEANTOINETTE Neues Mitglied

    Hallo:winke:

    ich muss eine Semesterarbeit zum Thema "Emigration der Juden zur Zeit der faschistischen Diktatur" schreiben.
    Nun komme ich aber an einem Punkt nicht weiter und hoffe auf eure Hilfe.
    ______________________________________________________
    Wie erfolgte die Emigration ?
    Gab es bestimmt Voraussetzungen z.B. ausfüllen von Protokollen oder Geldbeträge ?

    Danke schonmal im voraus :yes:
     
  2. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Die Emigratin erfolgte unterschiedlich, kommt auf den Zeitpunkt an und wohin man gehen wollte.

    Im August1933 wurde das Haavara-Abkommen unterzeichnet. Chaim Arlosoroff führt zusammen mit der Zionistischen Vereinigung Deutschland Verhandlungen mit dem Reichswirtschaftsministerium. Dabei ging es um die Auswanderung nach Palästina.

    Aus shoa.de:

    1938 wurde in Wien die Zentralstelle für jüdische Auswanderung gegründet, in Berlin 1939.

    Hier wurden die Auswanderer abgefertigt. Wie das genau vor sich ging steht ganz schön bei Wiki:

    Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien – Wikipedia

    Die Reichszentrale für jüdische Auswanderung

    Die Reichszentrale für jüdische Auswanderung
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Februar 2010
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  3. Gast

    Gast Gast

    Statistik Emigration der Deutschen Juden ab 1933

    Ich muss ein Referat über die Emigration der Deutschen Juden ab 1933 in Geschichte halten und suche eine Statistik an der man ablesen kann, wann wie viele Juden ausgewandert sind. Am besten wäre ein Kurvendiagramm von 1933 bis 1945.

    Weiß einer wo ich so etwas im Internet finden kann?

    Danke schonmal im Vorraus.
     
  4. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ich habe einmal die Statistischen Jahrbücher bis 1939/40 daraufhin durchgesehen.

    1933 werden (in den Reichsgrenzen inkl. Saarland) 499.682 Juden erfaßt. Diese Angabe ist höher als für die damals von der NS-Regierung so bezeichneten "Glaubensjuden". Die Erfassung richtete sich allerdings nach Staatsangehörigkeit, (davon 46 T in den "abgetrennten" Reichsgebieten, 73 T im Ausland plus 3T im Saarland).

    Zieht man die 119T von den rund 500T ab, ergibt sich rd. 384T nach der Volkszählung 1935 mit Stand 1933 (StatJB 1937, S. 18)

    Für 1939 werden im Zuge der Volkszählung 330.892 erfaßt, davon 98T in Österreich. Zieht man diese ab, da sie nicht in der Statistik 1933 enthalten sind, verbleiben 233T für das übrige (alte) Reichsgebiet vor der Annexion Österreich. Die Auswanderung 1933-1939 müßte demnach rund 150.000 Personen umfaßt haben.

    Als weitere Einzelangabe ist nur die "überseeische" Auswanderung verzeichnet (StatJB 1939/40, S. 69):
    1937: 7.155
    1938: 16.561
    1939: 22.383
    Auswanderungen nach Kriegsbeginn wird es kaum gegeben haben. Diese Statistik erfaßt nicht die sog. "Mischlinge 1. Grades" und "2. Grades"
     
  6. naty

    naty Neues Mitglied

    Jüdische Emigration aus Deutschland

    Hallo zusammen!

    Ich habe eine Tabelle mit der Anzahl der Juden, die aus Deutschland emigriert wurden (mit Jahreszahlen).

    Ich habe mir zu jedem Jahr mehrere Ereignisse gemerkt, doch bei einer Stelle komme ich nicht nach:

    1939-1942 wurde ja im Wannseeprotokoll schriftlich festgehalten, dass die Juden (sowie Behinderte, Roma, Sinti, Homosexuelle) vernichten werden sollten.

    Bis 1942 war ja die Vernichtung der Juden.

    Bei den Jahreszahlen sieht dies so aus:

    1940: 17 000
    1941: 8 000
    1942: 8 500

    Ich komme nach, warum es einen Sprung von 17 000 nach unten zu 8 000 gab - die Juden waren ja in dieser Zeit systemathisch verfolgt und konnten nicht einfach fliehen. Doch warum gibt es 1942 wieder diese kleine Erhöhung von 500 - die meisten Juden waren ja in den Vernichtungslagern?!

    Vielleicht kann mir das jemand erklären - das wäre super.

    Liebe Grüsse
     
  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Von 1933- 1941/42 war vorrangiges Ziel der Nazis die Vertreibung, Ausbeutung und Entrechtung der Juden. Nach dem Anschluss Österreichs forcierte Eichmann die Ausreise der Juden, arbeitete mit Reisebüros zusammen, und gegen reichliche Zahlungen wurde Juden die Ausreise erleichtert, doch es stellte sich das Problem, das immer mehr Neutrale Juden gar nicht mehr ins Land ließen. Die Schweiz, Schweden und die USA ließen gar nicht alle Juden einreisen. Nachdem der Plan eines "Judenreservates" auf Madagaskar sich als undurchführbar erwies und ein "Judenstaat" bei Krakau den Protest von Generalgouverneur Hans Frank erregte, begann mit dem Unternehmen Barbarrossa die planmäßige Ermordung von Juden, die bei der Wannseekonferenz organisiert und koordiniert wurde. Dabei machte Heydrich klar, dass es keine weitere Ausreise von Juden mehr geben solle. Gleichzeitig sollten Juden als lukrative Geiseln behandelt werden, und es ist anzunehmen, dass man wie es Eichmann später noch öfter tat, jüdische Organisationen und Neutrale erpresste und gegen Zahlung von Devisen weiteren Personen die Ausreise erlaubte.
     
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  8. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Die Wannseekonferenz fand nicht zwischen 1939 - 1942 statt. Sondern am 20. Januar 1942. Bei der Wannseekonferenz wurde nicht festgelegt, dass die Juden vernichtet werden sollten. Diese Konferenz diente dazu logistische und andere Probleme zu lösen.

    Hier kannst du über die Konferenz nachlesen:

    http://www.geschichtsforum.de/209871-post9.html



    Und was war danach?

    Die Vernichtung der europäischen Juden begann im grossen Stil ca. 1940/41 und endete mit der Auflösung der Vernichtungslager 1944/45.

    Woher hast du denn diese Zahlen.

    Hier findest du Opferzahlen des Holocaust:

    Opferzahlen des Holocaust

    Vielleicht solltest du mal diese Seiten durchlesen:

    http://shoa.de/holocaust.html

    http://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust

    Entschuldige du meintest die Emigration der Juden aus Deutschland, dazu hier mehr:

    http://shoa.de/holocaust/juedische-emigration.html

    http://de.wikipedia.org/wiki/Reichszentrale_für_jüdische_Auswanderung

    http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/365/gehen_oder_bleiben.html
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Juni 2010
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  9. naty

    naty Neues Mitglied

    Hallo Ursi

    Die Zahlen habe ich aus meinem Geschichtsbuch und sie sollten stimmen.

    LG
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Zahl von 8500 betrifft jüdische Flüchtlinge, die sich im Deutschen Reich aufhielten, und denen zwischen 1942 und Kriegsende 1945 die Flucht gelang.

    Das sollte man von "Emigration" trennen,
    link siehe hier mit Verweis auf Mühlen, S. 24.
     
  11. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Emigration 1933 - 1938

    Mit der Machtübernahme Hitlers am 31. Januar 1933 setzte eine Fluchtbewegung ein, die bis 1945 nach Schätzungen allein im deutschsprachigen Raum nahezu eine halbe Million Menschen betraf. Weit über 90 Prozent von ihnen waren jüdischer Herkunft.

    Die Menschen verschlug es in dieser Zeit weltweit in etwa 80 Länder. Zuerst in die Nachbarländer des Deutschen Reiches, dann auf den amerikanischen Kontinent, nach Afrika, Asien und Australien. Ab 1937 begann in grösserem Umfang die Einwanderung in die USA, die mit 132 000 die meisten Juden aus Deutschland aufnahmen. In Europa war es Grossbritannien, das mit 75 000 der grössten Zahl von Juden aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei auf Dauer oder zumindest vorübergehend Asyl gewährte. Etwa gleichviel wanderten nach Palästina, bis zum endgültigen Verbot jeglicher Auswanderung im Oktober 1941, aus. 80 000 bis 90 000 flüchteten nach Lateinamerika und der letzte Fluchtpunkt war dann noch Shanghai, ca. 13 000 Juden aus dem deutsprachigen Raum fanden in hier Zuflucht.

    Während die Zahl derer, die fliehen mussten, immer grösser wurde, verringerte sich die Zahl der Länder in Europa, die nicht im deutschen Einfluss- und Machtbereicht lagen, ständig. Es gibt häufiges Unverständnis darüber, das die deutschen Juden nicht „rechtzeitig“ die Flucht ergriffen hätten, sondern viele bis zu einem Zeitpunkt warteten, bis sich die Auswanderungsbedingungen erheblich verschlechtert hatten und es dann für viele Menschen nicht mehr möglich war das Deutsche Reich zu verlassen. Hier wird gerne übersehen, dass der Emigration eine Vielzahl von wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten, von praktischen und nicht zuletzt psychologischen Problemen entgegenstand.

    In den ersten Jahren des NS-Regimes spielt die Selbstverständlichkeit der deutschen Juden eine entscheidende Rolle. Sie sahen sich als deutsche Patrioten, fühlten sich als Teil der deutschen Kultur und der Geschichte, viele von ihnen waren deutsch-national eingestellt. Hatten Kriegsauszeichnungen und vertraten den Standpunkt, der der Herr Hitler einen Offizier des Kaisers nicht aus Deutschland vertreiben könne. Viele der deutschen Juden gaben sich auch der Illusion hin, sie seien gar nicht gemeint, sondern nur die eingewanderten osteuropäischen Juden. Denn von denen wurden bereits 1933 ca. 12 000 zur Rückwanderung in ihre Heimatländer genötigt. Besonders unfassbar waren die Ereignisse für die Menschen die sich nicht mehr mit dem Judentum verbunden fühlten. Die jüngere Generation erfuhr zum Teil erst jetzt, dass ihre Eltern oder ein Elternteil jüdischer Ursprung war.

    Mit jeder neuen Massnahme die gegen die Juden gerichtet wurden, glaubten sie dies sei nun die letzte, denn das Mass des Vorstellbaren und Erträglichen schien voll. Es gab immer wieder Hoffnungsschimmer, wie zum Beispiel die Olympischen Spiele 1936. Erst mit den Novemberpogrom 1938 brachte das Ende der Illusionen. Im Gegensatz zur Entwicklung in Deutschland traf die 190 000 österreichischen Juden das ganze Ausmass der Entrechtung und Verfolgung innerhalb weniger Wochen und Monate.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Juni 2010
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  12. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Über die Flüchtlingspolitik der Schweiz gibt es hier eine Zusammenfassung:

    http://www.geschichtsforum.de/269987-post5.html
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ruth Andreas-Friedrich: Der Schattenmann. Tagebuchaufzeichnungen 1938-1945

    Tagebucheintrag vom 13. November 1938:

    Die Gestapo hat ausgetobt, die Verhaftungswelle scheint beendet zu sein. Dafür erläßt die Regierung eine Verordnung nach der anderen. […] Entfernung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben. Ab 1. Januar 1939 keine jüdischen Geschäfte, Handwerker und Betriebsführer mehr. Sühneleistung aller Juden deutscher Staatsangehörigkeit durch Zahlung von einer Milliarde Reichsmark.
    […]
    Am selben Tage wird Ernst vom Rath - seine Eltern schämen sich qualvoll dieses Schaustücks - zum Staatsbegräbnis nach Düsseldorf überführt, rollen Tausende schuldloser Juden einem unbekannten Martyrium entgegen. Von den meisten wissen wir noch nichts. Nur der kleine Schwarz, Bratschist im Xschen Kammerorchester, ist zurückgekommen. […] »Vierzehn Stunden haben sie uns eingesperrt gehalten [.…] Hundertfünfzig Mann in einem Raum. Schließlich wurden wir in den Hof geführt, mußten dort Aufstellung nehmen - immer fünfzig in einer Reihe. Keiner ahnte, ob sie uns erschießen oder freilassen wollten. Wir standen und warteten. Hacken zusammen, Hände an der Hosennaht. Endlich erschien irgendein Uniformierter, Scharführer, Gruppenführer oder so etwas. Klirrt die Reihen entlang und brüllt ›Weltkriegsoffiziere raustreten!‹ Dreizehn von uns treten vor. Wieder Reih und Glied, wieder Hacken zusammen. Welches Regiment, Verwundungen, Auszeichnungen? Neun trugen das EKI. […] ›Die ersten sieben abtreten, raus, aber schleunigst! Die letzten zurück ins Glied!‹ Ich war der Siebente. Wir wagten einander nicht anzusehen. Wir warfen keinen Blick zurück. Wir schlichen davon wie Verräter. Sieben von Hundertfünfzig.« Der kleine Schwarz sieht aus, als ob er weinen will. […] »Man hätte dableiben müssen.« - »Damit helfen Sie den anderen auch nicht«, trösten wir ihn. Aber er schüttelt den Kopf. »Darauf kommt es nicht an. Es kommt nur darauf an, wie man vor sich selbst besteht.« - »Und vor seiner Frau und seinem Kind«, ergänzt Andrik [Klarname: Leo Borchard, Lebensgefährte von Ruth Andreas-Friedrich]. »Die haben schließlich auch ein Recht darauf, daß Sie leben.« Schwarz ist jung verheiratet. Vor neun Wochen wurde ihm eine Tochter geboren. »Sie soll Catherine heißen«, sagte er damals. »Catherine, das läßt sich in allen Weltsprachen aussprechen« Seine Auswanderungspapiere sind fix und fertig. Nur der Mut zur Abreise hat ihm bisher gefehlt. Es gibt eben Menschen, die erst den Umweg über die Gestapo brauchen, um ihre unerwünschte Heimatliebe loszuwerden.
     
  14. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied


    Ergänzend dazu nochmals der Hinweis, dass die jüdischen bzw. als Juden bezeichneten Deutschen i.d.R. fast verarmt, verarmt oder regelrecht ausgeplündert das Land verlassen mussten (von jenen zionistischen Palästina-Emigranten abgesehen) - und mit ihrer zunehmenden Anzahl die möglichen Zufluchtsländer auch deswegen die Restriktionen für die Einwanderungen dieses inkriminierten Personenkreises aus Deutschland erhöhten.
     

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