Entstehung der Sklaverei in SPARTA

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Niiru, 2. November 2010.

  1. Niiru

    Niiru Neues Mitglied

    Ich habe eine Frage:
    Wie und wieso hat sich Sparta in der Antike zu einer Sklavenhaltergesellschaft entwickelt?
    Also wieso hat Sparta angefangen Sklaven zu halten. Und wie? Was sind die Gründe, dass Sparta mit dem Sklavenhandel angefangen hat?

    Danke im Voraus ;)
     
  2. Sasaki

    Sasaki Neues Mitglied

    Ich weiß nicht viel, aber vielleicht reichts:

    Als die Dorer (oder Dorier) in Griechenland eingewandert sind (war glaub ich im 8Jh) ließen sie sich unter anderem in der Pelopennes nieder. Sie versklavten die damals dort ansässige Urbevölkerung, was ihenen erheblich mehr Freiheiten, z.B. "Militärausbildung" (in " weil sie Waffentraining und Taktik nicht trainierten) ließ. Das heißt, die versklavten Heloten machten den Großteil des Ackerbaus und die Spartiaten fröhnten ein recht angenehmes Leben, dass sie später, in klassischer Zeit, immer mehr dem Krieg widmeten.
     
  3. Luziv

    Luziv Neues Mitglied

    Na ja, so ganz würde ich das nicht unterschreiben. Die Dorer sind, wenn überhaupt, schon früher eingewandert. Ob die unterworfene Bevölkerung von Lakonien helotenähnliche Sklaven wurden, ist wohl umstritten. Sparta unterwarf jedenfalls im 7. Jhd. Messenien und hielt deren Bewohner in einer besonderen Form von Sklaverei (Heloten). Die Notwendigkeit der beständigen Unterdrückung der Bevölkerung großer Landstriche (die erst im 4. Jhd. v. Chr. wieder eigenständig wurden) mit immer wiederkehrenden Aufständen führte u.a. zu der Entstehung dieses besonderen Militärstaats der Lakedaimonier.

    Sklaven zu halten war in der Antike (und vielfach auch im Mittelalter) allerdings keine besonders bemerkenswerte Ausnahme. In so gut wie allen Gesellschaften war die Sklaverei üblich. Sparta unterschied sich nur etwas in der Form der Sklaverei. In Athen z.B. gab es eine etwas "normalere" Form der Sklaverei mit Haussklaven, Sklaven im Handwerk und in der Landwirtschaft und den besonders bedauernswerten Leuten, die in den Bergwerken schuften mußten. Meist waren die Sklaven Kriegsgefangene, Schuldsklaven oder die Kinder von Sklaven.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. November 2010
  4. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    Luziv hat Dir schon gut geantwortet.

    Man muss das praktisch sehen: Sklaverei war meist günstiger, als Taglöhner oder Festangestellte zu bezahlen (man musste sie "nur" ernähren). Wer damals in der Stärkeposition war und Leute versklaven konnte und wollte, tat dies damals in der Antike. Voraussetzung war aber in "funktionierendes System", d.h. es musste gewährleistet sein, dass der Sklave nicht einfach ins Nachbardorf (oder halt weiter) abhauen konnte und dort in Freiheit weiterleben konnte; in der Praxis funktionierte dies meist insoweit, dass der Staat von Amtes wegen ausgerissene Sklaven verfolgte und/oder (direkt oder indirekt) tolerierte, dass Private mit eigener Truppe ausgerissene Sklaven verfolgten.

    Man muss bei Sklaven vielleicht noch etwas differenzieren:
    - Haussklaven hatten es manchmal sogar ziemlich schön
    - Tendentiell am schlimmsten hatten es Bergbau-Sklaven
     
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    "Ziemlich schön" ist wohl etwas übertrieben. Klar ging es Haussklaven besser als denen in den Bergwerken, aber trotzdem waren auch sie unfrei, wurden sexuell missbraucht etc.

    Eine interessante Frage ist, ob die Spartaner tatsächlich, wie von Luziv angedeutet, wegen der Unterdrückung der Heloten so eine Kriegergesellschaft entwickelten. Es gab nämlich auch auf Kreta dorische Stadtstaaten mit ähnlichen Gesellschaftssystemen, aber leider weiß man über die Geschichte Kretas kaum etwas. Das würde darauf schließen lassen, dass die Dorer schon so "veranlagt" waren. Andererseits war Sparta anfangs ein ziemlich normaler Stadtstaat, in dem mit Tyrtaios ein Dichter seinen Platz fand und der mit Tarent eine Kolonie gründete (die nicht das spartanische System hatte). Das spricht wieder für die Theorie mit den Heloten.
     
  6. Jürgen

    Jürgen Neues Mitglied

    Hier ein bewegender Artikel über die Entstehung der Sklaverei in Sparta durch die Gesetzgebung des Lykurg von Friedrich Schiller.

    Vielleicht nicht der neueste Stand der Erkenntniss, dafür umso eindringlicher.

    Projekt Gutenberg-DE - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. November 2010
  7. Niiru

    Niiru Neues Mitglied

    Danke für eure Informationen :)
     
  8. Luziv

    Luziv Neues Mitglied

    Ja, die Frage ist interessant. Ein bißchen weiß man schon über die kretischen Gesellschaften. Es gab wirklich einige starke Ähnlichkeiten zu Sparta, z.B. die Existenz von Männergemeinschaften, die gemeinsam aßen und teils auch wohnten. Allerdings war die Finanzierung geschickter geregelt als in Sparta. Es gab institutionalisierte Jugendgruppen mit militärischem Anklang sowie eine starke homoerotische Komponente unter den Kriegergruppen. Die Kreter waren auch militärisch sehr aktiv, entweder gegeneinander (es gab dutzende von verschiedenen poleis), als Piraten oder Söldner. Die totale Konzentration auf das militärische und die extreme Härte der Ausbildung findet man in Kreta aber nicht. Ich glaube, viele Grundformen der spartanischen Lebensweise kamen allgemein aus dem dorischen Erbe, aber das, was Sparta so besonders (unsympathisch, sry ;)) macht, lag in der speziellen historischen Situation ab dem 7. Jhd. begründet.
     
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