Epochenjahr 1917

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von Lutki, 15. Februar 2014.

  1. Lutki

    Lutki Neues Mitglied

    Hallo liebe Freunde der Geschichte,
    für eine Hausarbeit stürze ich mich gerade in die Thematik des Ersten Weltkrieges.
    Mein Prof möchte, dass ich dabei besonders auf die Systemkrise Deutschlands im Jahr 1917 eingehe. Doch was ist eigentlich die Sytsemkrise Deutschlands im 1. Weltkrieg. Und wie würdet ihr Sytemkrise definieren?

    Viele Grüße und ich hoffe, einige von euch können mir vielleicht etwas helfen. :red::rotwerd:
     
  2. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Systemkrise...
    Wenn das nicht eine Systemkrise war:

    1. Es zeichnete sich eine Niederlage des Krieges für Deutschland ab,
    2. Die Bevölkerung war kriegsmüde und es grassierte der Hunger (Blockade der Entente),
    3. Die Moral war also auf einem Tiefpunkt,
    4. Es knisterte auch in der Bevölkerung betreffs der vorher doch recht populären Monarchie,
    5. Summa summarum, es war eine materielle, moralische und auch staatsrechtliche Krise entstanden.

    Das kann man nun mit vielen Erscheinungen/Fakten belegen.

    So z.B.:
    • Kriegserklärung Deutschlands im April 1917 an Amerika. Man baute auf die Stärke der deutschen U-Boote.
    • Massenstreiks in Deutschland gegen den Krieg.
    • Im August Meuterein der Hochseeflotte (Max Reichpietsch und Albin Köbis).
    • Erstarken der kommunistischen Bewegung (Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg)
    • Oktoberrevolution Russland. Hier sollte man sich auch mal mit der Rolle der deutschen Regierung beschäftigen die es ermöglichte das Lenin aus dem Exil in der Schweiz kam. Verhandlungspartner -> Sozialdemokrat Dr. Parvus.
    • Soldatenverbrüderungen an der Front fanden auch statt.
    • Und v.a.m.
    Es müsste doch eigentlich auch einiges dazu in Deinem Lehrbuch stehen und das Netz ist doch voll, auch mit recht detaillierten Aussagen.
    Links dazu erspare ich mir.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Februar 2014
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Duch die dramatischen Friktionen eines Krieges, der zunehmend zum "Totalen Krieg" geworden ist, haben sich nahzu alle relevanten Subsysteme des DR verändert.

    Das betrifft:
    - den politischen Konsens zwischen Kaiser & Kanzler einerseits und Parlament andererseits
    - die Mobilisierung und auch Destabilisierung der Gesellschaft

    Durch die 3. OHL - Hindenburg & Ludendorff - wurde eine Art geräuschlose ("silent") "Militärdiktatur" eingeführt, die das nahezu uneingeschränkte Primat des Militärs im DR durchsetzte.

    Der Kaiser als "Oberhaupt" des politischen Systems war im Jahr 1917 de Fakto entmachtet und das Instrument der 3. OHL, die unter dem Mantel der totalen Mobilisierung militärische Überlegungen auf genuin politische Aspekte ausgedehnt haben.

    Deutlich wird dieser problematische Prozess der Verschiebung der Gewichte an dem Druck der 3. OHL auf KW II., den Kanzler Bethann Hollweg zu entlassen. In diesem Sinne stürzte die 3. OHL / das Militär den Kanzler!

    Ein eigentlich ungeheurer Vorgang für das politische Machtgewicht in einem bis 1914 semi-absolutistischen Staat, der im Dreiecksverhältnis vom preußischen König zu Bismarck und zu Moltke nahezu nicht denkbar gewesen wäre.

    Parallel wurde der "Burgfrieden", den die wichtigste politische Kraft seit 1912, die Sozialdemokratie, mit getragen hatte, in vielerlei Hinsicht brüchig und führte in den großen Städten teilweise bereits zu verbotenen Streiks etc.

    Dieses beschreibt ansatzweise die gegenläufigen Tendenzen im DR in 1917, die durch die Ereignisse im zaristischen Russland im Februar 1917 und Oktober 1917 zusätzlich an Dramatik gewonnen haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Februar 2014
  4. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Ich finde die Begrifflichkeit - Totaler Krieg - weil im 2. WK von den Nazis ideologisch zelebriert und auch in der Tat umgesetzt, im Zusammenhang mit dem 1. WK nicht korrekt.
    Aus der Sicht der Definition der Art des Krieges, bewegte sich der 1. WK erstmals auf der Ebene eines Volkskrieges.
     
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  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Das Konzept geht aber auf die Vorstellungen von Ludendorff zurück und wurde in der Schlussphase des WW1 m.E. durch ihn bereits implizit praktiziert.

    Insofern halte ich den Begriff weiterhin für absolut gerechtfertigt.

    Der totale Krieg - Erich Ludendorff - Google Books
     
  6. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    :grübel:

    Sicherlich hat er den Begriff aufgegriffen aber bestand der Umstand des Totalen Krieges schon im 1.WK?
    Der einzige Aspekt der an einen Totalen Krieg erinnert, war die totale Mobilisierung und die militärische Umsetzung bzw. die Methoden, wobei hier auch wieder in einzelnen Phasen des Krieges unterschieden werden müsste.
    Wenn der 1.WK auch nur annähernd in der letzten Kriegsjahren Totalen Charakter gehabt haben könnte, wäre die Problematik des Kriegsendes nicht in diese gesellschaftlichen Veränderungen einhergegangen, Ende der Monarchie und Revolution ...
     
  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die Idee des Totalen Krieges bei Ludendorff hat sicherlich eine Vielzahl von Faktoren.

    Wichtig ist aber die Unterordnung aller anderen Aspekt unter die Kriegsführung, indem der Krieg als die zentrale Lebensform betrachtet wird. Die Friedenperiode zwischen Kriegen wird als "abweichende" unnatürliche Phase definiert, die auf den Krieg hinführt.

    In diesem Sinne ist die Herrschaftsform auch eine Militärdiktatur.

    Und unter dieser mentalen Veränderung eines ideologisch auf die Spitze getriebenen Sozialdarwinismus war die Periode der 3. OHL der Einstieg in ein Konzept des Totalen Krieges.

    Ansonsten geht es um die Systemkrise und nicht um das KOnzept des "Totalen Krieges".

    Wenn es Dir wichtig ist, mach ein Thread auf, bzw. m.E. haben wir bereits dazu einen Thread.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Februar 2014
  8. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Du, in dem Fall geht es nicht um meine Empfindung, sondern um eine historische korrekte Bewertung des Sachverhaltes.

    Wenn der 1. WK als Totaler Krieg bewertet oder auch genannt werden kann, was ist dann mit der Meuterei in der Flotte 1917, oder den politischen Aktivitäten der linker Sozialisten oder Gewerkschaften und der Werftarbeiter bis zum Nov 1918, oder der militärischen Aufgabe der OHL Sept. 1918 usw. ... das sind keine Anzeichen für einen Totalen Krieg!
    War Ludendorff nicht einer von den führenden Kräften des OHL, die die Dolchstoßlegende verbreiteten. Ich möchte das hier nicht weiter ausführen .... aber der 1.WK, ein "Totaler Krieg" Nein, niemals.
     
  9. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    zu 1: Wo genau zeichnete sich die Niederlage des Deutschen Reichs im Jahre 1917 ab? Frankreich war mindestens genaus am Ende seiner Kräfte. Siehe hierzu die Meutereien der französischen Truppen. Der sogenannte uneungeschränkte U-Bootkrieg hatte zunächst "gewaltige Erfolge". An den Fronten zu lande tat sich nichts weltbewegendes, außer das die deutschen Truppen immer noch "tief in Feindesland" standen. Der Kriegseintritt der USA machte sich 1917 noch nicht fühlbar an den Fronten bemerkbar.


    zu 2: Kriegsmüde waren sämtlich Bevölkerungen der kriegführenden Nationen, insbesondere die Russlands.

    Das Deutsche Reich hat den USA den Krieg erklärt? Du schreibst gerade die Geschichte um. Die USA haben am 06.April 1917 dem Deutschen Reich den Krieg erklärt. Am 07.Dezember 1917 folgte die Kriegserklärung an Österreich-Ungarn.
     
  10. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Ich seh das ähnlich wie Köbis: Natürlich steht jede kriegführende Gesellschaft unter dem Primat des Militärs, aber ein totaler Krieg setzt eine völlige Unterordnung des gesamten Gemeinwesens unter die Erfordernisse des Krieges voraus und das war selbst im DR während des 1.weltkrieges nicht gegeben.Die Tätigkeit des interfraktionellen Ausschusses ,die Friedensresolution 1917 und die Oktoberreformen 1918 zeigen, daß es neben dem Militär und der OHL eine zivile Politik gab ,die auch handlungsfähig war.-das spricht eindeutig gegen den totalen Krieg..
     
  11. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Es ist anekdotisch aber m.M.n. ein guter Beispiel dafür dass es kein Totaler Krieg war: Anliegend der Schriftverkehr zwischen einen Amtsvorsteher und der Feldzeugmeisterei der Artillerie bezüglich der Genehmigung einer Fabrik für Zünder.

    Man stelle sich mal diesen Schriftverkehr im 3. Reich vor.
     

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    Zuletzt bearbeitet: 23. Februar 2014
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  12. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Waren eigentlich nur als ein paar Gedankenanstöße für den Fragesteller (Zweck Hausarbeit) gedacht.
    Es ist keinesfalls eine umfassende Abhandlung zum Epochenjahr 1917!
    Wenn diese Gedankenanstöße allerdings falsch sind, ich habe damit kein Problem wenn diese gelöscht werden.
     
  13. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Militärisch konnten die Deutschen 1917 einige beachtliche Defensiverfolge verbuchen. Nachdem die Briten Ostern 1917 den Vimyrücken erobern konnten, wurde die größte Offensive der Franzosen zurückgeschlagen, und auch Haigs Lieblingsprojekt die Offensive in Flandern und die Bereinigung des Ypernbogens ersoff im November 1917 hinter Paschendaele. Am 20. November 1917 griffen die Briten bei Cambrai mit Tanks an und erzielten gewinne, so dass die Glockjen von St. Pauls zum Sieg läuteten. Etwas vorschnell wie sich herausstellte, denn bis Dezember 1917 konnten die Deutschen fast das gesamte Gelände bei Cambrai zurückerobern. Im Osten konnte nach der Einnahme Rigas und Gewinnen in Galizien Russland zum Waffenstillstand und Anfang 1918 zum vertrag von Brest- Litowsk gezwungen werden. In Italien brachte eine Entlastungsoffensive ungeahnte Erfolge, und die Italiener wurden über den Tagliamento und bis zur Piave zurückgeschlagen werden.

    Bei Beginn der Frühjahrsoffensiven waren die Deutschen durch die in Russland abgezogenen Truppen erstmals an der Westfront zahlenmäßig leicht überlegen
     
  14. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Ich lese gerade bei Hirschfeld/Krumeich, Deutschland im Ersten Weltkrieg, Seite 180, dass man im Deutschen Reich um die französischen Meutereien wusste. Leider gibt es hierzu aber keine Angabe einer Quelle. Dass das geheim gehalten wurde, führen Hirschfeld und Krumeich darauf zurück, dass deutsche Soldaten sich daran ein Beispiel nehmen könnten.
    Was haltet ihr davon?
     
  15. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Klingt plausibel, aber an der Front wurde das ohnehin "bemerkt".

    Herwig, The First World War, Germany and Austria 1914-1918, geht davon aus, dass die Aufstände nicht in der vollen Tragweite in Deutschland bekannt waren:
    "Fortunately for France, the Germans did not get wind of the mutinies as only two reliable regiments stood between Soissons and Paris in June 1917."

    Ebenso Keegan, First World War:
    "The Germans, who had had inexplicably failed to detect the crisis of discipline on the other side of no man’s land, were content to accept their enemy’s passivity, having business of their own elsewhere, in Russia, in Italy and against the British."

    Leonhard, Die Büchse der Pandora, erwähnt dagegen, dass das an der Front durchaus bemerkt wurde, unter anderem durch die 20.000 desertierten französischen Soldaten, führt aber dazu nichts weiter aus.
     
  16. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Und weshalb wurde diese Situaton vom Deutschen Reich nicht entsprechend ausgenutzt?
    Reichten Personal und Material nicht aus?
     
  17. juli-kri

    juli-kri Neues Mitglied

    David Stevenson (Stevenson, David, 1914-1918, The History of the First World War, London 2004/2012, p. 327ff) hält sie, die Meutereien, für zwar wichtig, aber nicht elementar. Es waren zwar zwei-drittel der Divisionen betroffen, doch muss man differenzieren, in welchem Ausmaß. Es ging den Soldaten nur selten darum, grundsätzliche Forderungen zu stellen, nur in Einzelfällen wurden Soldatenräte gewählt oder darüber spekuliert, auf Paris zu marschieren. Meistens ging es um bessere Behandlung, längere Ruhepausen etc, auch fühlten sich die Franzosen, im Gegensatz zu den Russen im gleichen Jahr, grundsätzlich weiterhin ihrem land verpflichtet. Die Linie wurde gehalten, man verweigerte lediglich sinnlose Angriffe, wollte sich nicht verheizen lassen, Offiziere wurden weiterhin respektiert. Tiefer verwickelt in die Meutereien waren so ca 30-40.000 Soldaten, das ist nicht wenig, aber auch nicht exorbitant hoch. Ob hier, jetzt mal wertfrei analysiert (dass der Krieg besser ganz unterblieben wurde, darüber dürfte Einigkeit herrschen), für die Deutschen wirklich Chancen bestanden – insbesondere, wenn Stevenson mit seiner Schilderung recht hat „Verteidigung ja, sinnloser Angriff nein“ (wie es ansatzweise übrigens auch im bekannten Kubrick-Film zum Ausdruck kommt) – möchte ich mal bezweifeln. Stevenson weist mE völlig zutreffend darauf hin, dass es 1917 auch um die deutsce Kampfmoral nicht mehr zum besten bestellt war. Jetzt mal Stevenson auf die Schnelle und ins Unreine zusammengefasst.
     
  18. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die wohl wichtigste Quelle stellen die Briefe dar, die von der Front nach Hause und von zu Hause an die Soldaten geschickt worden sind. Sowohl auf deutscher [1] wie auch auf französischer Seite [2] wurde diese Briefe gelesen, zensiert und und eventuell nicht zugestellt. Teilweise wohl auch als Grundlage für weitere militärrechtliche Verfolgungen herangezogen, sofern relevante Ereignisse geschildert worden sind.

    Insgesamt ist für die deutsche und die französische Seite interessant zu sehen, dass das Feindbild in Bezug auf den Gegner im Schützengraber nicht so ausgeprägt war. Relevanter war für die deutschen und die französichen Soldaten die distanzierte Wahrnehmung der Ereignisse in der Heimat.

    Von Hobohm (Schüler von Delbrück) wurde für die Armee in 1929 im Rahmen des parlamentarischen Untersuchungsausschuss über "Die Ursachen des deutschen Zusammenbruchs" die zentralen Erkenntnisse formuliert.

    Insgesamt zeichnete sich eine generelle Erschöpfung ab, die über die Jahre zugenommen hatte. Gleichzeitig betont Ziemann einen zweiten Aspekt, dass die Moral der deutschen Soldaten, neben diesem generellen Trend, situativen Einflüssen unterworfen war [1, S. 167/168]

    Vor diesem Hintergrund hatte die Kriegsmüdigkeit der Soldaten im Verlauf des Jahres 1917 eine bisher nicht gekannte Intensität erhalten. Ein Aspekt, der auch auf der französichen Seite zu intensiven Befürchtungen führte, dass die Fronteinheiten in 1917 zur "Franternisierung" neigen würde [2, S. 205]. Ein Verhalten, das wohla an der Tagesordnung war, allerdings unter strenge Bestrafung gestellt wurde.

    Mit dem Ausscheiden von Russland Ende 1917 veränderte sich diese Bewertung und man ging davon aus, dass es in 1918 einen finalen Kraftakt geben würde, der den "Sieg-Frieden" bringen würde [1, S. 169].

    Vor diesem Hintergrund lehnten die deutschen Soldaten an der Front die "Januarstreiks" im Jahr 1918 wohl überwiegend ab, da sie in diesen Aktionen lediglich eine Verlängerung ihres Krieges sahen.

    In dieser Ablehnung der Aktionen an der Heimatfront kommt zum einen die nach wie vor hohe Disziplin der Soldaten zum Ausdruck, die auch von den SPD-Mitgliedern aktiv formuliert wurde, und zum anderen erkennt man rudimentär die Ansätze für die Formulierung der "Dolchstosslegende" [1, 170]

    In Erwartung der Frühjahrsoffensive, "Michael", ging eine starke Mobilisierung der psychischen Reserven einher. Am 4. April 1918 wurde jedoch die Offensive abgebrochen, nachdem sie sehr deutliche Landgewinne erbracht hatte, allerdings auch die letzten kampfkräftigen Einheiten "ausgeblutet" hatte.

    Der militärische Mißerfolg von Ludendorff strategischer Planung führte dann in der Folge zu einer noch schnelleren Motivationskrise innerhalb der Armee.

    Insgesamt, so der Tenor von Ziemann, gab es abgesehen von kleinen Gruppen von USPD-Anhängern in der Armee keine aktive Agitation, die auf die aktive Zersetzung hinauslief.

    "Insgesamt führten also nicht ein gebündelter Protest oder eine revolutionäre Politisierung, sondern in erster Linie eine enttäuschte Erwartung und die kollektive Erschöpfung im Herbst 1918 zum Zusammenbruch des Herrschaftssystems in der deutschen Armee an der Westfront". [1, 181]

    [1] B. Ziemann: Enttäuschte Erwartungen und kollektive Erschöpfung. in: Duppler & Groß (Hrsg) Kriegsende 1918, S. 165 ff
    [2] A. Bach: Die Stimmungslage der an der französischen Front 1917 bis 1918 eingesetzten Soldaten nach den Unterlagen der Briefzensur. in: Duppler & Groß (Hrsg) Kriegsende 1918, S. 201 ff
     
  19. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Hätte die Situation überhaupt ausgenutzt werden können? Und wenn ja, wie groß war das Zeitfenster?
     
  20. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Das ist genau die Frage. Ich weiß das ab Ende 1917 die Planungen für "Michael" begonnen wurden, aber ob vorher etwas entscheidenes hätte erreicht werden können, da bin ich mir unsicher. Aber komisch ist, das gar nichts unernommen wurde.
     

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