Epochenmix an berühmten oder weniger berühmten Schlössern

Dieses Thema im Forum "Kunstgeschichte" wurde erstellt von Brissotin, 22. Januar 2010.

  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Da an der anderen Stelle wirklich OT, mache ich mal ein eigenes Thema daraus.
    Also ich finde ein solches Gebäude oder richtiger einen solchen Gebäudekomplex faszinierend. Natürlich wurde an vielen Schlössern über die Jahrhunderte immer wieder weiter- und Umgebaut, aber besonders beeindruckend fand ich bis jetzt immer wieder, wenn diese Stile der verschiedenen Epochen so augenscheinlich nebeneinander gesetzt wurden. Es geht mir also weniger um Schlösser, deren Hülle bspw. beibehalten wurde, aber nur die Innenarchitekur und -verzierung (Täfelungen, Deckenmalerei...) nach der neuen Mode abgeändert wurde.

    Beim Schloss in Sondershausen, das ich leider noch nie selber gesehen habe, ist das ja sehr augenscheinlich. Schloss Sondershausen – Wikipedia

    Ähnlich empfand ich auch das Schloss der Fürsten von Nassau-Weilburg in Weilburg. Neben mittelalterlichen (und nach außen hin prägenden) Elementen finden sich auch Zeugnisse der Bauphasen der Renaissance (v.a. spätes 16.Jh.) und des Barock (z.B. die Orangerie aus dem frühen 18.Jh.). Die Inneneinrichtung wurde um 1800 teilweise modernisiert, als das Schloss als Residenz wieder zeitweilig an Bedeutung dazugewann.
    Schloss Weilburg – Wikipedia (schöne Bilder dazu :yes: )
     
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  2. Arne

    Arne Premiummitglied

    Interessantes Thema.

    Dieser Baustil-Mix ist ja im Historismus zur Gründerzeit weit verbreitet. Wenn es gut gemacht ist, finde ich das sehr schön, auch wenn sich Kunsthistoriker und Architekten darüber aufregen.

    Das Schloß von Schwerin dürfte dafür ein sehr elegantes Beispiel sein:

    Schloss Schwerin
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Mir ging es weniger um den Historismus als das "ungeplante" Nebeneinander von Baustilen am selben Bauwerk.

    Beim Schweriner Schloss wäre, glaube ich, ein Nebeneinander von Historismus und Resten des Renaissanceschlosses, die in den "Neubau" integriert wurden, erkennbar.
     
  4. Lili

    Lili Neues Mitglied

  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Bei der Hofburg gebe ich Dir unbedingt Recht.

    Wie sieht es bei der Müchener Residenz aus? Der Festsaal(an)bau ist ja eindeutig aus dem 19.Jh.. Ansonsten hatte ich aber den Eindruck zumindest bei der äußeren Hülle, dass diese quasi geschlossen im späten 16. und frühen 17.Jh. hochgezogen wurde.
    Bei den Einbauten schaut es freilich anders aus. Da fallen mir die Kontraste besonders interessant (aber auch reizvoll) zwischen dem Appartement, das Max III. als Kurprinz bewohnte und später behielt und den wirklichen barocken Räumen Max II. Emanuel auf. Die kleineren Räumlichkeiten des Kurfürsten, der ab 1745 regierte, wirken neben den großen, prächtigen Gemächern seines Vorgängers geradezu gemütlich.
    Wie in München hat man es selten, dass es wirkt, als ob spätere Herrscher einen bestimmten Respekt vor den Vorgängern hatten und deren Zeugnisse neben ihren Zutaten stehen ließen.
    Das kann freilich auch mein eigener durch die heutigen Erlebnisse geprägter und möglicherweise falscher Eindruck sein.:winke:
     
  6. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Lili und Brissotin

    An der Hofburg finde ich nicht nur den Ausbau des Schlosses an sich interessant, sondern auch die Erweiterung der barocken Sichtachse durch die beiden Museen und den hypermodernen Abschluß durch die Kunstmuseen. Es geht also auch heute noch, das läßt für das Berliner Stadtschloss hoffen. :winke:

    M.
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Was meinst Du mit hypomodern?

    Du meinst das KHM und Naturhistorische Museum in der Neuen Burg und diese Anfügungen aus dem späten 19. oder frühen 20.Jh.?
    Meinst Du damit, dass dieser Anschluss der Museumskomplexe auch aus heutiger Sicht noch modern wäre?

    Oder meinst Du die südwestlich der Hofburg gelegenen Gebäude, des MuseumsQuartiers, welche sich in den ehemaligen Stallungsgebäuden bzw. den Neubauten in den "Höfen" befinden?
    (Ist allerdings ein tolles architektonisches Meisterwerk, der Komplex von Erlach, Vater und Sohn.)

    Ob das für das Berliner Stadtschloss hoffen ließe, wage ich nicht zu beurteilen, denn das ist doch immer eine Frage des vorherrschenden Geschmacks der politischen Führung, des Architekten, einer geschickten Raumplanung.
    Das Stadtschloss (soll hier nicht Thema sein) ist ja ein Quasineubau mit historisierenden Elementen. Dagegen scheinen mir die Hofstallungen ein erhaltener Komplex, der nur verschiedentlich neuer Funktionen zugeführt wurde. Er spricht aber immernoch von außen komplett seine ursprüngliche (kunst)historische Sprache. (Ich war allerdings bei meinem einzigen Wienbesuch nicht im MuseumsQuartier, da ich in den älteren Museen schon genug beschäftigt war. Daher kann ich nichts weiteres hinsichtlich Änderungen etc. sagen.)
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Januar 2010
  8. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Was ich bei der Hofburg so faszinierend finde - zumindest geht es mir so - man geht durch ein Tor und kommts sich vor wie in einer anderen Welt, so unterschiedlich und stimmig zugleich sind die einzelnen Baustile.

    Soll ich euch mal ein bisschen neidisch machen :D Ich hatte während meines Studiums ein Praxissemester in Wien. Gewohnt habe ich an der Inneren Wienzeile höhe Naschmarkt und mein Praktikum habe ich Nähe Oper gemacht. Ich habe also in Zufußgehweite zu meiner Praktikumsstelle gewohnt und das auch ausschließlich genutzt (im Frühjahr/Sommer 2003 war das Wetter auch sehr einladend zum zu Fuß gehen). Allerdings bin ich nur am ersten Tag den kürzesten Weg - nämlich die Innere Wienzeile entlang zur Arbeit gegangen. Die übrigen 6 Monate bin ich durch eine kleine Steitenstraße zur Mariahilferstraße, von dort über das Museumsquartier und das Natur-/Kunsthistorische Museum, durch die Hofburg und den Burggarten durch zur Arbeit - der Umweg war mir die tägliche architektonische Zeitreise in jedem Fall wert :D

    Nicht ganz, allerdings wirkt der Wikipedialink durchaus so. Hier sieht man es besser: Bayerische Schlösserverwaltung | Residenz München | Residenzhöfe | und hier gibts noch eine detailliertere Erklärung dazu: Bayerische Schlösserverwaltung | Residenz München | Baugeschichte Immer noch erstaunlich für mich: ich war mit Sicherheit schon 10.000 Mal in der Residenz, aber ich verlaufe mich jedes Mal... Ich bin noch nie da rausgekommen wo ich raus will!

    Das geht mir in München ehrlich gesagt auch so. Bei anderen Schlössern vermisse ich die "Zeitreise" auch desöfteren.
     
  9. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Brissotin

    Ja, das KHM und das Naturhistorische Museum, als Erweiterung und das Museums Quartier als Abschluß.

    Das Museums Quartier und die dortigen Museumsbauten finde ich ungeheuer gelungen, als ich 2003 und 2009 in Wien war, habe ich da Stunden über Stunden verbracht.

    Die Verbindung von Museumsinsel, Zeughaus und "Pei-Bau" in Berlin ist doch, aus meiner Sicht, auch gelungen;

    Deutsches Historisches Museum Berlin


    warum sollte das für das Stadtschloss nicht auch gelingen.

    M. :winke:
     
  10. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    1.
    Mein Eindruck kam da eher von Seiten meiner persönlichen Erinnerungen, weniger von Wikipedia.

    2.
    Geht mir auch so und ich ärgere mich vor allem, wenn ich genau diese Kleinigkeiten bei diesem Besuch übersehen habe, da ich mich "verlaufen" habe, welche ich am schönsten finde. Zum Beispiel sind mir einmal erstmalig, obwohl ich bestimmt schon 2-3 mal zuvor dort war, die Horemans-Bilder aufgefallen.:anbetung: (Dummerweise gibt es gerade zu denen keinen Katalog und man trifft sie nur hier und dort auf Kataloge verstreut. :motz: )
    Vielleicht verirrt man sich ja eben wegen der vielen unterschiedlichen Baustile und weil man alles gesehen haben möchte.

    3.
    Manche sind eben nur leblose, verstaubte Museen und dabei bin ich sehr abgehärtet gegenüber langweiligen Museen (nur in dem Museumskomplex am Tiergarten in Berlin (Kunstgewerbe, Gemäldegalerie...) bin ich mal durch diese dröge Stimmung halb eingepennt im Gehen, da eben die karge Architektur Müdigkeit ausstrahlt(wie auch im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg).

    Es kommt aber auch darauf an, was das Schloss noch an Leben ausstrahlt, was auch mit der mehr oder minder gelungenen Entkernung/Umfunktionierung zusammenhängt.
     
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Da kann man sich streiten. Beim DHM finde ich die derzeitige Dauerausstellung an sich gut (man pennt nicht ein, beim 2.-3. Raum, Helligkeit, Aufhängung etc. sind aufmunternd:)), die Überdachung des Innenhofes des Zeughauses - ich weiß, das schützt auch die Bausubstanz - und die zu enge Bebauung mit dem Neubau aber ungelungen. Die Idee mit der unterirdischen Verbindung (war doch so, oder?) finde ich aber generell prima.:yes:

    So ganz verstehe ich aber auch nicht den Sinn von Neubauten. Klar, man will vielerorts die Sammlungen beisammen haben. Auf der anderen Seite werden die Exponate aber auch nicht mehr und im Endeffekt müssen die leergezogenen Gebäude auch erhalten werden (gut wenn es reine Nutzbunker sind, kann man sie auch leichterdings platt machen).

    Aber in Freiburg wird/wurde auch derzeit (scheinbar hat man zuviel Kohle) auch mächtig an den Museen gebaut.

    Aber das ist hier nicht sosehr Thema. Das Zeughaus ist ja kein Schloss und "reiner" Barock außen, entkerntes Gebäude mit modernem Museum innen.

    Vielleicht sollte man entkernte (oder eben nicht innen wiederaufgebaute) Schlösser ganz außenvor lassen.:grübel:
     
  12. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Brissotin

    "Die Idee mit der unterirdischen Verbindung (war doch so, oder?) finde ich aber generell prima."

    Ja, der Tunnel war eine sehr gute Idee, zumal dadurch die Besucher durch den "Schlüterhof" geführt werden. Die Bebauung ("Pei-Bau") entspricht der historischen Straßenführung. Dort wurde die historische Straßengliederung eingehalten, Humboldt-Uni, Preußisches Finanzministerium, Singakademie (Maxim-Gorki-Theater), Neue Wache und Zeughaus. Ich denke, es gibt in Berlin schlimmeres.

    M.
     
  13. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    In Berlin?

    Sicherlich!;)

    Ich rechne immernoch nach, welch ein Pensum und wie oft pro Jahr Lilli in die Residenz gegangen sein muss, wenn sie bis jetzt mindestens 10.000 mal dort war.=)
    Gibt es da sowas wie eine Jahreskarte?
    Denn der Eintritt war schon immer happig und stieg auch immer wieder an.:S
     
  14. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Durch die Höfe natürlich, da verlaufe ich mich dauernd... ist nämlich eine ganz wunderbare Abkürzung durch die Residenz zu laufen, anstelle die überfüllten Straßen außen rum zu nehmen - vorausgesetzt natürlich, man kommt auch da raus wo man raus will (und nein, ich habs noch nicht aufgegeben...)

    Aber um deine Frage zu beantworten: ja, es gibt eine Jahreskarte der bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung und selbstverständlich besitze ich eine :winke:
     
  15. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Also, wenn man interessiert ist an einem kunsthistorischen Epochenmix, nicht aufgrund einer langen aufeinanderfolgenden Bauzeit, sondern aufgrund des damaligen Geschmacks an einem eklektizistischen Kunststil, dann lohnt sich nicht nur ein Blick nach London, mit seinen historisierenden Bauten, sondern auch in den Orient, z.B. nach der derzeitigen Kulturhauptstadt Istanbul:

    Z.B. der letzte Sultanssitz Domabahce Saray direkt am Bosporus:

    :: TBMM Milli Saraylar Daire Baþkanlýðý Dolmabahçe Sarayý ::

    http://www.millisaraylar.gov.tr/sou...ryen&did=DAA757FE-B436-4DC0-B110-7919FDEBE54E
    bzw.:
    Milli Saraylar Daire Baþkanlýðý
    rechts oben auf "english", dort werden auch andere Paläste vorgestellt.

    Dolmabahçe-Palast – Wikipedia

    In früheren Reise-/Kunstführer ließen die Kunsthistoriker kaum ein gutes Haar an diesem Palast, zumindest im Vergleich zum berühmteren Topkapi Palast. Inzwischen sind die Meinungen der Kunsthistoriker aber IMHO etwas milder geworden.
    Bei den Touristen hingegen, findet dieser Stilmix große Begeisterung.
    Naja, Kitsch ist eben oft recht beliebt... ;)
     
  16. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    Mit "weniger berühmten Schlössern" bin ich dabei. :O

    Wobei wohl eher die Stadt Greiz an sich einen regelrechten Epochen-Mix darstellt. (Ich hoffe, dass das auch zählt.)

    Nun, wenn man die tobenden Stromschnellen im eisigen Kühl der mörderischen Weißen Elster am Ende seiner Kräfte bezwungen und sich nebenher eine leckere Forelle gefangen hat, bibbernd über die Wiesen gekeucht ist und die ersten Dschungelwälder des riesigen englischen Parks durchkämpft hat, erblickt man unvermutet das von der hellen Sonne förmlich angelachte Sommerpalais. (Das um 1770 erbaut wurde.) Datei:Sommerpalais Greiz.JPG – Wikipedia
    (Das hier ersichtliche Erdgeschoss beherbergt den Gartensaal, der auch gern als Orangerie genutzt wurde. In der ersten Etage waren die Wohnräume.)
    Doch kaum hat man sich von diesem atemberaubenden Anblick abgewandt, warten die zerrenden Aufgaben des kommenden Weges. Weiter muss das Gebüsch durchstreift werden, auf dessen Pfad man sich vor einigen wilden Tieren arg in Acht nehmen sollte, den Schwänen. Mitten aus dem Nichts kommen sie und versperren uneinsichtig das Weiterkommen. Doch man muss voran, weiter weiter bis man einen riesigen Fels erblickt. Gleich sollte man sich an den unheilvollen Aufstieg wagen, doch was ist das? Es qualmt, es raucht, es leuchtet aus dem Dunkel, die Pfeife schlägt vom anderen Ende her ihr Signal! - Ein rettender Hechter in´s kürzlich verlassene Gestrüpp! Und schon donnert die Lok heraus aus dem Tonschieferfels.
    (Die Bahnunterführung wurde vom letzten älteren Fürsten, Heinrich XXII., angeordnet, der auch den englischen Garten 1878 anlegen lies.)
    Also gilt es von anderer Seite her den Aufstieg zu wagen. Man klettert und klettert mit dem letzten Funken Energie die Höhen hinauf und endlich! findet man sich an einer eierschalenfarbenen Orangerie wieder.
    Verwundert, zu schwach um noch etwas anschmachten zu können, wankt man auf den Kolos von Renaissance-Bau zu, der in seinem tristen Ton sein hohes Alter verkündet. Steht er doch auf den Mauern einer mittelalterlichen Burg aus dem ersten Viertel des 13. Jahrhunderts. Datei:Oberes Schloss Greiz.JPG – Wikipedia
    Man will sich die anmutigen barocken Fürstensääle ansehen, doch man rutscht auf dem letzten schmierigen Pflaster aus und eh man sich versieht, kullert man ungebremst den Schlossberg die andere Seite wieder herunter und während man noch die Gründerzeitenvillen auf diesem unsanften Weg bestaunen will, klatscht man erneut ins eisige Nass. Fertig mit sich selbst und der Welt drängt man sich schließlich nur noch ans begrünte Ufer - und schaut von unten herauf, am Ende aller Gefahren belohnt, auf das klassizistische Untere Schloss. Datei:Unteres Schloss Greiz.JPG – Wikipedia (Das wurde um 1805 nach einem Stadtbrand wieder aufgebaut (linker Teil). 1885 wurde der "Rest" ab dem Wintergarten herauf gezogen.)
     
  17. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Nee, passt nicht in den Thread. (Man kann aber gern einen zum Historismus aufmachen.)

    1.
    Das passt eigentlich nicht so wirklich dazu.

    2.
    Das Obere Schloss schaut ja schon nach einem Epochenmix (Renaissance und Gotik (?), dann sehe ich noch eine barocke Haube auf dem Turm oder nicht?:yes:
    Erinnert ein bisschen an den Sonnenstein bei Pirna oder andere Schlösser der Art. (Ich schau mal danach nochmal in ein Buch, wo man ähnliche auf einem Bergrücken lang gezogene Anlagen sieht.)

    3.
    Das sieht doch auch ziemlich nach einem Mix aus. Links Klassizismus und Rechts ein Turm mit wiederum barocker Haube und einem Bau daneben, der mir nach 17.Jh. aussieht.
     

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