Erbfolge im Osmanischen Reich

Dieses Thema im Forum "Das Osmanische Reich" wurde erstellt von Sachsenross, 16. Januar 2009.

  1. Sachsenross

    Sachsenross Neues Mitglied

    Ich lese derzeit das Buch "Geschichte des Osmanischen Reiches" von Suraiya Faroqhi und mir sind dabei einige Fragen bezüglich der Erbgole im Osmanischen Reich gekommen.
    Jeder Sohn wurde mit seiner Mutter in eine Provinz geschickt, um Erfahrung zu sammeln. Jedoch konnte nur ein Sohn später Sultan werden und sollte seine Brüder nach der Thronbesteigung umbringen.
    Nun zu meiner Frage: Da jeder Sohn gleichermaßen nachfolgebrechtigt war, entstand eine Konkurenz unter den Brüdern und es wurde derjenige zum Sultan erhoben, der die meisten Bundesgenossen auf seiner Seite hatte.
    Entspricht dieses Erbfolgerecht dadurch nicht in gewisser Hinsicht einer Wahlmonarchie wie beispielsweise im Heiligen Römischen Reich?

    Außerdem wäre ich sehr dankbar, wenn jemand noch etwas über die Verwaltung der timare erzählen könnte, da die Leibeigenschaft im Osmanischen Reich weitgehend unbekannt war und es auch keine Lehenspflichtigen unter den Inhabern der Timare gab.

    Mfg
     
  2. Erbfolge

    Guten Abend!

    Schoen daß du dich für die Osmanische Geschichte interessierst
    Wie du bereits eventuell gelesen hast, bin ich ein Mitglied der Dynastie Osmanoglu

    Die Schilderungen in dem Buch das du liest, sind nur zum Teil richtig
    Der lezte Padisah der noch auf sein Amt sorgfältig vorbereitet wurde, war
    Mehmed III.((* 26. Mai 1566; † 22. Dezember 1603) Er regierte das Osmanische Reich von 1595 bis 1603.

    Und nach dem er an die Macht gekommen war, hat er nach dem alten Gesetz der Sultane seine neunzehn jüngeren Brüder ermordet, die meisten noch im Kindesalter.

    Diese nach heutigen Maßstäben grausame Regelung sollte künftige Thronstreitigkeiten unter den in der Regel zahlreichen männlichen Thronfolgern eines Sultans vermeiden, wurde jedoch von seinen Nachfolgern nicht mehr praktiziert. Statt sie zu ermorden, stellten künftige Thronfolger ihre jüngeren Brüder in der Regel lebenslang unter strengen Hausarrest. Teilweise wurden sie auch auf die deshalb sogenannten Prinzeninseln (Demonesinseln, türkisch Adalar) verbannt, eine Inselgruppe im Marmrameer vor den heutigen Stadtteilen Istanbuls Bostanci, Maltepe, Kartal und Pendik.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 5. Februar 2009
  3. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

  4. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

  5. Das ist richtig, ich habe es von WIKI kopiert
     
  6. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Das "Erbfolgerecht" stammt von Mehmet dem Eroberer. Demnach war es alleine die Staatsräson, die einen Bruderkampf verhindern sollte und nicht wie früher häufig angenommen die angeborene Barberei der Osmanen.

    Übrigens der erste Sultan, der seine Brüder umbringen ließ war Bayezit I.

    Selim der Gestrenge soll sogar einige seiner eigenen Söhne und erreichbare Neffen umgebracht haben, um die Thronfolge seinem Lieblingssohn, Süleyman zu sichern.

    Das ab Anfang dem 17. Jhdt. der Brudermord nicht mehr angewand wurde ist hier schon richtig gesagt worden, denn die Sultansanwärter wurden ja nicht mehr in geeigneter Form - jedem Sultan davor wurde ein Sandschak zur Verfügung gestellt, um die Kunst des Regierens zu erlernen - ausgebildet. Also setzte auch nicht mit dem Ableben des Sultans der Wettlauf um den Thron ein.

    Wahlmonarchie ist, denke ich der falsche Ausdruck. Sicher ist nur, das u.a. die Janitscharen maßgebend waren, wer der nächste Sultan wurde, meistens jedenfalls. Bayezit II., z.B. gelangte 1481 auf den Sultansthron, obgleich der tüchtigere Bruder Cem viel besser in die Staatskonzeption der Osmanen passte, als der bigotte Bayezit II. Demzufolge soll der Großwesir Karamani Mehmet Pascha den Tod Mehmets II. verschleiert haben und mit einer Nachricht an Bayezid II. auch eine geheime Botschaft an Cem gesand haben und Cem, der eigentlich näher zu Istanbul die Kunst des Regierens erlernte hatte, wäre wohl früher als Bayezid II. in Istanbul eingetroffen, aber Bayezid´s Anhänger sollen die Nachricht an Cem abgefangen haben. Die Janitscharen erfuhren vom Doppelspiel des Großwesirs und meuterten, was den Tod des Großwesirs zur Folge hatte.

    Also waren es letzten Endes die Janitscharen, die sich allmählich als ein Staat im Staate herausbildeten und so die "Königsmacher" waren.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Februar 2009
    3 Person(en) gefällt das.
  7. rufulus

    rufulus Neues Mitglied

    Seit dem 17. Jahrhundert galt das Prinzip des Seniorats (ekberiyet), d.h. der jeweils älteste lebende Prinz wurde Sultan.
     
    1 Person gefällt das.
  8. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Hatte Bajazit mehr Brüder als Jakuv.

    Das Murat von seinem Bruder umgebracht wurde ist ja mehr oder weniger auch wacklig.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Februar 2009
  9. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Stimmt Zoki! Savci wurde bereits von seinem Vater hingerichtet, da er sich schon zu Lebzeiten gegen den Sultan erhob.

    Wie ein Prinzenkrieg aussehen kann, hat uns das Interregnum von 1402-1413 vor Augen geführt, indem sich die Söhne Bayezids I., um die verbliebenen Teile des OR bemühten. Aber nicht nur das, auch unter den wieder hergestellten Kleinemiraten kam es untereinander zu neuen Kämpfen, denn vor der Schlacht bei Ankara 1402 hatten sich viele enteignete Herrscher anderer Duodezfürstentümer zu Timur begeben, die nun ihre Fürstentümer von Timur zurück bekamen. Auch dreien der Söhne wurden Teile des Staates zur Verwaltung übergeben.

    Prinz Süleyman erhielt die europäischen Teile, Isa das Stammland, um Sögüt und BUrsa und Mehmet - der als Sultan Mehmet I. in die Geschichte eingehen sollte - Zentralanatolien. Süleyman Verfechter des bestehenden Zentralismus und Anhänger der islamischen Orthodoxie, pflegte freundschaftliche Beziehungen zu seinen christlichen Untertanen, die ihn auch als Sultan anerkannten.

    Isa und die anderen Brüder waren Verfechter der Dezentralisation und Anhänger des heterodoxen Islam, bis auf Mehmet der sich dazwischen ansiedelte. Diese Brüder waren Anhänger der alten Ghasi-Tradition.

    Als Timur 1405 starb, war niemand mehr da, der die Prinzenkriege hätte unterbinden können. Isa wurde von Mehmet 1405 besiegt, trotz der Unterstützung Süleymans. 1410 soll dann ein weiterer Sohn Bayezids, Musa, auf den Schlachtfeldern in Anatolien erschienen sein, welcher Süleyman beseitigen konnte.

    Jetzt sollte sich auch heraus kristalisieren, welcher Konfession das OR folgen würde, denn Musa war ein extremer Ghasi-Kämpfer, der ohne Rücksicht auf die christlichen Balkanstaaten vorging. 1413 dann soll Mehmet Musa mit Hilfe der Römer und Serben besiegt haben und somit das OR wieder unter einer Persönlichkeit vereint haben.

    Noch 1419 erschien ein weiterer bei der Schlacht von Ankara vermisster Sohn Bayezids auf dem Plan, der als "Düzme Mustafa", d.h. der falsche Mustafa in die Geschichte einging. Dieser falsche Mustafa, war aber wohl tatsächlich ein Bruder Mehmets, der ihn nur als falschen Mustafa tituilieren ließ, um mit ihm leichter fertig zu werden. Der falsche Mustafa ließ in seinem Namen Münzen in Edirne prägen, womit eines der Insignien auf den Thron gegeben war. Murat II., der Nachfolger Mehmet I., übernahm das Problem seines Vaters, welches erst 1422 durch die Erhängung Mustafas beendet wurde. Also erst 1422 war der Kampf, welcher 1403 nach Timurs Abzug aus Anatolien begann, beendet.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Februar 2009
    1 Person gefällt das.
  10. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Mit meinen Ausführungen oben geht dann wohl die Maßnahme Murats II., 1444 nach dem Friedensschluss in Szeget, abzudanken und den späteren Eroberer Mehmet II. zum neuen Sultan zu erklären, konform. Murat II. wollte wohl von vornherein alles zu Gunsten seines Favoriten Mehmet II unternehmen, um eine spätere Auseinandersetzung unter Brüdern zu verhindern.


    In diesem Sinne ist auch die Gesetzgebung Mehmet II zu sehen. „Zur Wahrung der Weltordnung ist es zweckmäßig, wenn derjenige meiner Nachkommen, der das Sultanat erlangt, seine Brüder töten lässt.“

    Denn auch Mehmet II. war mit dem Problem mit Brüdern vertraut. Orhan hatte sich wohl nach der Thronbesteigung Mehmet II. nach Konstantinopel gerettet und der letzte Kaiser von Ostrom erhielt Alimente zum Unterhalt des Prinzen. In Wirklichkeit aber, damit er in Gewahrsam bleibt und Mehmet II. den Thron nicht streitig machen kann.

    Als sich Mehmet II auf einem Feldzug gegen die Karamanen befanden, war die Zeit für den römischen Kaiser gekommen die Alimentenforderungen drastisch zu erhöhen. Mehmet II waren die negativen Folgen eines Bruderkriegs durchaus bekannt. So wurde die Affäre Orhan letzten Endes, die letzte Affäre Ostroms.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Februar 2009
    1 Person gefällt das.
  11. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Wunderlich find ich es schon das Ungarn diesen schwachen Moment des Osmanischen Reichs genutzt hat sich dem Gegner zu endledigen.

    Später sollte sich das für Ungarn ja bitter rechen.
     
  12. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Na ja, die Ungarn, d.h. die Könige von Ungarn und Kroatien waren zu sehr mit ihrer "Westpolitik" beschäftigt, um den Osmanen wirksamen Widerstand zu leisten. Der deutsch-römische König und König von Ungarn und Kroatien Sigismund, der spätere Kaiser Sigismund hatte dann ja auch genug mit seinem Reich zu tun, als das er Gebiete der Osmanen in Besitz hätte nehmen können. Zudem war er seit 1415 mit den Hussiten voll auf beschäftigt.

    Erst Murad II konnte die offensive Poltik in Europa wieder gegen die Ungarn aufnehmen. Und nach der Schlacht bei Warna 1444 wurde augenscheinlich, dass die Osmanen aus Europa nicht mehr verdrängt werden konnten.
     
  13. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Trotzdem ist es ziemlich idiotisch der Ungarn gewesen immer Verteidigung nie Angriff. Außer das die serbischen Fürsten Vasallen Ungarns und nicht mehr Vasall der Osmanen wurde konnte man nach der Schlacht von Angora nichts geschafft.

    Immerhin war das Ziel der Osmanen an Anfangszeit ein großes Reich zu errichten.

    ein Apfel nach dem anderen wurde gefunden Konstantinopel, Rom dann Wien.
     
  14. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Wie die Ungarn zur Zeit des Interregnums des Osmanischen Reiches, waren den Osmanen die Hände im europäischen Dreißigjährigen Krieg gebunden. Denn es wäre ja die Chance gewesen den Habsburgern Gebiete abzunehmen. Aber innere Revolten und Kriege im Osten mit Persien machten ein Eingreifen des Hauses Osman auf dem europäischen Schauplatz unmöglich.
     
  15. Eohan

    Eohan Gast

    Wo du es gerade erwähnst...
    Der Sultan hatte wohl zusätzlich noch Einfluss auf die Thronfolge zu nehmen versucht, indem er seinen favorisierten Sohn rein räumlich näher an Istanbul platzierte. So hatte dieser es einfacher im Falle einer Thronfolge zur Pforte zu gelangen und sich entsprechend Einfluss zu sichern.
     
  16. HannibalBarkas

    HannibalBarkas Neues Mitglied

    In Memorien eines Janitscharen von Constantin Konstantinovic einen Raize aus Ostrovica steht drin, das auch sein Bruder in der Schlacht vom Amselfeld gefallen ist (1389), wie weit die der Wahrheit entspricht weiss ich nicht da er noch nicht Geboren war. Wobei er auch vieles Verwechselt oder sich auf Hören und Sagen von Damals beruht. Aber so weit Ich weiss wurde Sultan Murat Han I durch den Serben Oblic getötet, während der Sultan sich auf den Schlachtfeld nach der Schlacht um sah, darauf hin wurde Beyazid Sultan,ohne seinen Bruder töten zu müssen. Gerade aufgrund des Interegum ab 1402, wollte man verhindern das so etwas noch einmal passiert und der jenige der es einführte war Mehmet der Eroberer...

    richtig ? oder habe ich etwas übersehen
     

Diese Seite empfehlen