Erich Ludendorff, Schicksalsfigur der Deutschen

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von Diskursant, 2. Februar 2014.

  1. Diskursant

    Diskursant Mitglied

    Wenn wir nach einem Weichensteller in der jüngeren deutschen Unheilsgeschichte suchen, werden wir unvermeidlich auf einen der höchst angesehenen deutschen Militärs stoßen: Erich Ludendorff.Seine biografischen Daten kann sich jeder wunschgemäß herbei googeln.Die Liste seiner Untaten und verhängisvollen Weichenstellungen sei hier kurz aufgestellt:I. Der maßgebliche Anteil am alternativlosen Verfolg und der Planung des Schlieffenschen Präventivkonzeptes bis hin zur forcierten Kriegsherbeiführung.II.Seit Sommer 1916 als treibende Kraft hinter Hindenburg die bedingungslose Weiterbetreibung des Weltkriegs mit dem aussichtslosen Anspruch auf einen 'Siegfrieden', um Reichs-Alldeutsche Weltmachtkonzepte zu verfolgen bis hin zur mutwilligen Herausforderung der USA zum Kriegseintrittper uneingeschränktem U-Bootkrieg.III. Die finanzielle Ausstattung und Einschleußung Lenins ins Krisen geschüttelte Russland und somit Wegbereitung der bolschewistischen Revolution sammt ihren Folgeerscheinungen, wie Stalinismus.IV. Die Befehligung der deutschen 'Michael-Offensive' ab März '18mit unzureichenden Mitteln und deren Ausdehnung bis hin zur völligen Erschöpfung der deutschen Reserven bis Sommer '18.V. Die für alle Deutschen höchst überraschende Waffenstillstandsforderung für das Heer am 29. September '18, nachdem Dank der Heerespropaganda die allermeisten Reichsbewohner vom unmittelbar bevorstehenden Endsieg überzeugt waren.Gleichzeitig forderte Ludendorff die Abdankung der Monarchieund die Republikanisierung des Reiches womit er die Voraussetzungfür die Dolchstoßlegende schuf und spätere Radikalisierungen.VI. Die maßgebliche Unterstützung Hitlers bei dessen Putschversuch '23. Dank der Protektion Ludendorffs entkam Hitler einer Todesstrafe bzw einer schweren Haft und konnte wenig später seine politische Karriere fortsetzen.Fürwahr kein anderer Reichsdeutscher vor Hitler hat je soviel Unheilvolles Zum Schicksal der Deutschen beigesteuert wie dieser unseelige Ludendorff. Zu einem gerüttelten Maße lässt sich auch Hitler als Ludendorffsche Kreatur bezeichnen.Die Wirkungsmacht dieses Erich Ludendorff ist meines Wissens in der neueren Geschichtsschreibung noch kaum erörtert worden.D
     
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  2. hatl

    hatl Premiummitglied

    Köstlich!
    Völlig unbekannt der Mann.

    Elich Rudendorff?
    kennt doch keine alte Sau..
    Selbst Opa Hoppenstedt nicht..
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 2. Februar 2014
  3. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Eine Infektionskrankheit ist recht schmerzhaft. Darin liegt auch der Sinn einer Lektion.
    Ich will nicht sagen, der U-Boot-Krieg wäre falsch gewesen, die USA bewiesen im WK II gegen Japan das Gegenteil, aber man muss auch das industrielle Potential besitzen.
     
  4. Diskursant

    Diskursant Mitglied

    ','

    zum Gruße
    ihr überstürzt euch ja in Humoresken ~ sapperlott!

    Keine Frage die Wirkungsmacht Ludendorffs kam noch selten genug unters Licht verglichen mit den KWIIs, B.Hollws, Moltke d Js, Falkenhayns, , ,& weiteren.

    Geschichte bildet uns doch Alle
    philohistorrisch

    D

    "es ist in einem Fall wie diesem
    von Nennwert nicht unangewiesen
    daß er empfänd mans gleich als Bürde
    bis auf den Grund durchleuchtet würde, , ,"
    CH.Morgenstern
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Februar 2014
  5. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    "Daß sie von dem Sauerkohle
    Eine Portion sich hole,
    Wofür sie besonders schwärmt,
    Wenn er wieder aufgewärmt"
    (Wilhelm Busch)

    Was war die Dolschstoßlegende, zu welchem Zweck wurde sie geschaffen? (Dolschstoßlegende, Geschichte allgemein)
     
  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    2011 erschien eine Ludendorffbiographie von Manfred Nebelin, dem "N. gelingt eine detaillierte und lesenswerte Studie, die mit vielen neuen Interpretationen im Einzelnen aufwartet und Ludendorff als Menschen und Feldherrn in den historischen Kontext und die forschungspolitische Perspektive des letzten Jahrhuinderts stellt." (Rez. von Olaf Zachau Berlin 2011.
     
  7. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Kann ich nur unterstreichen!
     
  8. Diskursant

    Diskursant Mitglied

    `^´

    Sepiola zum Gruße

    Stimmt habe jenen Text (leicht verändert) herangezogen.
    Er stammt aus eigener Taste vor 7 Jahren aus einem anderen Forum wo ich noch 'Klaaro' hieß. . .
    Lese grad Manfred Nebelin:'Ludendorff' und finde meine obigen Thesen wesentlich bestätigt. Ausnahme punkt VI.

    Die sog Dolchstoß'legende' muss eigentlich Dolchstoßlüge heißen,
    denn sie war tatsächlich eine Erfindung reaktionärer Kreise im Gefolge von Ludendorff: "Novemberverbrecher", um von der Verantwortlichkeit der Militärs abzulenken.
    In keinem der Berichte seitens der Kommandeure der zurückziehenden Armeeen, wurden Widersetzlichkeiten gemeldet, welche das übliche Maß übertrafen.

    filohistorisch

    D


    >> Der Eine fährt Mist der Andere spazieren
    das kann doch zu nichts Gutem führen
    Das führt wie man wohl sagen muss
    zu immer mehr und mehr Verdruß. . .<<
    WB
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Februar 2014
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  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Ludendorff stieß mit seinen Verschwörungstheorien und dem gar zu abenteuerlichen verschwörungstheoretischen Garn, dass er und seine 2. Frau spannen, selbst extrem konmservative und reaktionäre Gesinnungsgenossen vor den Kopf und war bei seinem Tod mit fast allen im Clinch. Über das Duumvirat Hindenburg/ Ludendorff äußerte sich deren Adjutant Max Hofmann vernichtend: "Niemals ist ein Mann (Hindenburg) mit weniger körperlichem und geistigem Einsatz berühmt geworden:".

    Ludendorff hielt selbst die Nazis für eine 5. Kolonne der katholischen Kirche und witterte hinter allem eine Verschwörung der Juden und Freimaurer und führte eine Dauerfehde mit den Kirchen. Seine Frau Mathilde gründete eine eigene Religion, die gewissen Einfluss auf rechts-esoterische neopaganistische Gruppierungen hatte. Der von den Ludendorffs gegründete Zirkel, Vorläufer war der 1933 verbotene Tannenbergbund, der 1937 wieder zugelassen wurde als Bund für deutsche Gotterkenntnis. Eine von mathilde Ludendorff herausgegebene Zeitschrift erreichte 1937 eine Auflage von 86.000. Der Zirkel existiert übrigens noch heute, kein Spässli, und mit dem Kapital vermögender Spender wurden neopaganistische, esoterische Gruppierungen unterstützt. Der Verein pflegt Kontakt mit militanten Neonazis wie Steffen Hubka.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Bund_für_Deutsche_Gotterkenntnis
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 2. Februar 2014
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  10. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Der Begriff Dolchstoßlegende tauchte zum ersten Male am 18.Dezember 1918 in der Neuen Züricher Zeitung auf. Die Zeitung bezog auf eine Artikelreihe des britischen Generals Maurice, in denen nach Worten einen namentlich ungenannten Schweizer Kommentators die Auffassung deutlich geworden sei, dass die deutsche Armee von der Zivilbevölkerung von hinten erdolcht wurde. (1)

    Bremm, Propaganda im Ersten Weltkrieg, S.162
     
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  11. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Eigentlich erstaunlich, dass eine so offensichtliche Verschwörungstheorie so hingenommen wurde, denn nach dem Scheitern der Frühjahrsoffensiven und dem Debakel 1918 bei Amiens war klar, dass die militärische Schlagkraft der deutschen Armee gebrochen war, zumal Ende September Bulgarien um Waffenstillstand ersuchen musste. Ludendorff, der sich mokierte, dass ganze (unterernährte) Divisionen sich in britischen Etappenorten "festgefressen" hatten, erlitt einen Nervenzusammenbruch, und die OHL, die noch 1917 eine Friedensresolution des Reichsttags für einen Frieden ohne Annexionen abgeschmettert hatte, schmiss den Kram hin, nachdem die Briten Ende September die Siegfriedlinie durchbrachen, beriefen sich auf Wilsons 14 Punkte Plan und ließen die Parlamentarier mit der Verantwortung zurück.
     
  12. Diskursant

    Diskursant Mitglied



    Der Glaube an die Dolchstoßlegende trug ganz offensichtlich Verdrängungscharakter.Der Großteil der deutschen Bevölkerung war ja der festen Überzeugung, das DR sei vom 'schurkischen Feinde' überfallen worden und der Krieg diene der Selbstverteidigung in höchster Not.Sie wurde den Krieg über von der zensierten Presse mit flammenden Erfolgsmeldungen beliefert, während Rückschläge verschwiegen, bagatellisiert oder als Frontbegradigungen beschönigt wurden.So wurden die Deutschen im Glauben gehalten, der endgültige Durchbruch stünde kurz bevor.Der Schock der tatsächlichen Niederlage wurde für sehr viele zur unerträglichen Wahrheit:All die erbrachte Entbehrung und treue Gefolgschaft sollte vergeblich gewesen sein,das Volk an der Nase geführt worden?Das durfte nicht sein! Der Widerspruch zwischen Glaube und Realität, diese 'Kognitive Dissonanz', löste in den vorherrschend 'Autoritären Charakteren' ein starkes Verdrängungsbedürfnis aus. Der Strohhalm von 'Ausrede' welche die Dolchstoßlegende bot, wurde begierig ergriffen und inbrünstig geglaubt. Ließ er doch den alten Glauben erhalten und die Empörung gegen das Versagen der Obrigkeit kanalisieren auf die 'Novemberverbrecher',Bolschewisten und andere 'vaterlandslose Gesellen'.Der ganz banale Alltag zeigt uns welche Mächtigkeit diesem Verdrängungstrieb innewohnt, wenn wir zB bei 'Rechthabern' beobachten, wie jene lieber ein Zerwürfnis riskieren als einen Fehler einzugestehen.D
     
  13. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Der Vorsitzende im Hitler Prozess schrieb sich Neithardt, und das milde Urteil gegen die Teilnehmer des Hitler Putsches 1923 war nur eines von politischen Urteilen, die belegen, dass die Justiz tatsächlich auf dem rechten Auge blind war. Graf Arco, der Kurt Eisner ermordete, wurde von Neidhardt nur zu Festungshaft verurteilt.
     
  14. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Tucholsky hat sich genau aus diesem Grund in den vielen seiner Kolumnen, die sich mit der Rolle des Militärs vor dem Waffenstillstand und in der frühen Republik befassten, gerade Ludendorff sehr attackiert. Dabei ging es um dessen Flucht nach Schweden unter Pseudonym.

    Ich finde auch den von dir im vorigen Beitrag erwähnten Umgang mit den Ludendorffs im Dritten Reich sehr interessant. Hitler hasste wohl besonders Mathilde Ludendorff innig und zog unter NS-Funktionären immer wieder über sie her. Ich denke aber, dass die Ludendorffs aufgrund Erich Ludendorffs Rolle im Ersten Weltkrieg unantastbar waren und ihnen so das Schicksal vieler rechter Kritiker erspart blieb, die im Röhm-Putsch ermordet wurden. Trotz der Rivalitäten bekam er auch ein Staatsbegräbnis. Dazu kam freilich auch, dass von ihrer Art der Opposition keine Gefahr für das Regime drohte.
     
  15. hatl

    hatl Premiummitglied

    Nach der Machtergreifung 1933 wurde er prompt zum Präsidenten des bayerischen Oberlandesgerichts befördert und durfte sich anlässlich seiner Pensionierung 1937 über ein persönliches Dankesschreiben Hitlers freuen.
     
  16. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Wie viele Semester Jura hatte Ludendorff denn studiert gehabt?
     
  17. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Hatl meint Georg Neithardt, der als Richter mit der rechtsextremen Gewalt in der Weimarer Republik "befasst" war und ein Beispiel für das Versagen der Justiz darstellt.
     
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wieso wird Ludendorff eigentlich in der ÜS als Schicksalsfigur apostrophiert?
     
  19. hatl

    hatl Premiummitglied

    Was ich suchte aber nicht fand:
    Zu dem Urteil im Hitler/Ludendorff-Prozess muss es doch eine schriftliche Urteilsbegründung geben.
     
  20. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Wo hast Du denn gesucht?:winke:
     

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