Erster Opiumkrieg

Dieses Thema im Forum "Indien | Ferner Osten" wurde erstellt von Ostgote, 21. April 2012.

  1. Ostgote

    Ostgote Neues Mitglied

    Wie war es möglich, dass Großbritannien China im ersten Opiumkrieg besiegen konnte?
    China hatte ja damals nicht nur viel mehr Einwohner, sondern war zu diesem Zeitpunkt noch wirtschaftlich überlegen.
    Natürlich hatten die Briten bessere Waffen, aber die Chinesen hatten ja auch Gewehre (zwar etwas schlechtere) und waren Zahlenmäßig weit überlegen.
    Wurde jemand bestochen oder gab es da eine Kriegslist?

    Danke!
     
  2. Warmonger

    Warmonger Neues Mitglied

    Ich kann dir leider aus dem Kopf keine genauen Quellen nennen, die habe ich jedoch in Form von Büchern irgendwo vorliegen, falls du für irgendeine Arbeit oder ähnliches etwas benötigen solltest.
    Meiner Einschätzung nach liegen die Gründe für Chinas Unterlegenheit zum Einen in der bereits von dir angesprochenen technischen Überlegenheit der Briten, vorallem aber durch die suboptimale Struktur des chinesischen Staates und Militärs. Die chinesische Regierung wies schon zu dieser Zeit deutliche Schwächen in puncto Organisation und Präsenz auf, so dass auf den britischen Erstschlag nur sehr schwer reagiert werden konnte.
     
  3. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Eine interessante Frage, ueber die ich mir in letzter Zeit ein wenig Gedanken gemacht habe. Ich denke es ist etwas weit hergeholt, von "Niederlage" zu sprechen; in diesem Fall.
    Es ist viel mehr so, dass das Qing-Reich auf die Friedensbedingungen der Englaender eingegangen ist und somit einen Praezedenzfall geschaffen hat, der im Folgenden ub der Etablierung des "Vertragshaefensystems" mundete.

    Aber warum? Sicherlich waren die Briten technisch ueberlegen, aber ihr Einflussbereich beschraenkte sich auf die Kuestengewaesser und Flussmuendungen. Eine offene Feldschlacht oder gar Eroberungen von Teilen Chinas waren militaerisch und administrativ nicht zu bewaeltigen (China-affines Personal war immer knapp). Es bestand fuer China keine Notwendigkeit, den britischen Forderungen nachzugeben.

    Meiner Auffassung nach liegen die Gruende dafuer im Staatsaufbau. Das Qing-Reich war von Anfang an kein zentral regiertes Gebilde, sondern eine Raum, indem eine sich selbst so wahrnehmende Zentralmacht im Gebiet um Peking und zahlreiche Provinzen - und innerhalb derer wiederum weitere, kleinere Gebieteseinheiten,
    - um die Macht konkurrierten.
    Deutlich wird das mit dem Fall des Kaiserreichs, als China in die Zeit der Kriegsherren eintrat; also nichts weiter als eine Zeit gepraegt von einem Flickenteppich lokaler Machtbereiche.
    Viel mehr befand sich das Reich seit je her in einem Zustand fein ausbalancierter Machtverteilung. Der Thron, die Regierung (insbesondere das Board of Revenue, wie es so schoen heisst im Englischen) und die Provinzgouverneure rangen auf Staatsseite um die Macht. Gleichzeitig "rangen" die staatlichen Akteure schon immer mit privatem Adel, insbesondere der Klasse der Adelskaufleute und mit den Gilden, Kaufmannshaeusern und, im weitesten Sinne, Banken, um Zugestaendnisse. Denn das Reich war zu gross und zu inhomogen um es staatlicherseits zu regieren, dafuer fehlte es an allen Ecken und Enden an Geld und ausgebildetem Personal. Der Staat verliess sich bei der Aufrechterhaltung der Ordnung deshalb auf zuvor erwaehnte lokalen Eliten.
    Nun haben wir aber zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Situation, dass Aufstaendische immer mehr fuer Aerger sorgen, was schliesslich in den Taping-Krieg muendet. Der Unmut der Bevoelkerung und die Staerkung der Rebbellen ist erstmals zu spueren. D.h. der Staat muss seine Ressourcen darauf konzentrieren, was wiederum bedeutet, dass die Zentralregierung den Provinzen und der Staat den privaten Gruppen Zugestaendnisse machen muss, damit diese weiterhin in seinem Sinne vor Ort aktiv sind. (Lokale Adelshaeuser uebernahmen etwa Funktionen wie Infrastrukturausbau, Arbeitslosenhilfe; Gilden und Kaufmannshaeuser kuemmerten sich um die Berechnung und Einsammlung von Steuern, Marktregulierung. Lokale Fuersten bekaempften mit soeldnerarmeen kleinere aufstaende etc.)
    Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass China den Briten technologisch nicht gewachsen ist und auch wenn eine Niederlage fuer die Buerokraten (d.h. die Regierenden) gar nicht im Raum stand, so waere eine Aufrechterhaltung des Kriegszustands gegen die Barbaren sehr kostspielig geworden und zwar sowohl finanziell, als auch was die Reputation des Staates anging, denn Tote Landeskinder die in einem aus damaliger Sicht hoechstens sekundaer wichtigen Krieg gegen Europaer gefallen waeren, das haette nicht zur Harmonie im Reich beigetragen. Denn gleichzeitig gab es auch Anhaenger einer Oeffnung des Landes gen Westen, die sich Profit aus Handel und die Staerkung des Reiches durch westliche Technik und Wissenschaft versprachen.
    Um das ganze zu verdeutlichen, eigentlich ging es in diesem Krieg um die Opiumeinfuhren englischer Haendler, die einerseits kostbares Silber, das als Waehrung bedeutend war, aus dem Land zog und andererseits die Bevoelkerung, vor allem in den Kuestenregionen, zu einer Bande unzuverlaessiger Abhaengiger machte. Ignoriert werden konnte das natuerlich nicht, aber es war nunmal nicht so wichtig, dass man einen ausgewachsenen Krieg gegen die Englaenger haette fuehren wollen.
    Auch die Englaender hatten nicht auf einen langen Feldzug spekuliert, sondern geplant China mit einer Mischung aus Drohung und Blitschschlaegen zu beeindrucken, ein zweites Indien wuerde China nicht werden.

    Im Nachhinein ist es selbstverstaendlich einfach zu urteilen, dass China sich besser nicht auf die britischen Bedingungen eingelassen haette. Aus damaliger Sicht, oder besser gesagt, das was ich mir als damalige Sicht zusammengelesen und -interpretiert habe, ist es durchaus nachvollziehbar gewesen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Juni 2012
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  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das sind gewichtige Argumente, um zu erklären, wieso eine fehlgeschlagene Frühjahrsoffensive, und ein paar lokale Niederlagen zum Einlenken zwangen.

    Auf dem von JetLeechan skizzierten Kontext aufbauend, bei schlechter Informationslage und umlaufenden Gerüchten über alle möglichen Verschwörungen, kann man das Einlenken erklären. "Gesicherte" chinesische Erfahrung war, dass Dynastien über Verschwörungen, Rebellionen und 5. Kolonnen stürzen. Das galt es im Keim schon zu ersticken bzw. zu vermeiden. Die lokalen Rückschläge bzw. die britischen Erfolge entlang der Küste erklärte man sich in Peking mit Rebellion und Verrat. m Juli 1842 muss sich die Auffassung in Peking durchgesetzt haben, dass man diesen Verlauf der Ereignisse kurzfristig beenden müsse, um die Stabilität des Reiches nicht zu gefährden. Das bedeutet temporäres Appeasement, vorläufige Regelung der Beziehungen zu Großbritannien, um einen Flächenbrand im Inneren zu vermeiden. Wie realistisch diese Befürchtung war, lässt sich schwer einschätzen. Wenn sie jedoch dogmatisch erklärt wurde, und die rudimentäre Informationslage dafür sprach, sind die Folgen plausibel.

    So zB Cambrigde History of China 10/I, S. 200 ff.
     
  5. wikinson

    wikinson Neues Mitglied

    brittische übrlegenheit

    soweit ich weis gab es nie ein kriegserklärung weshalb es auch keine niederlagen gegebenhat
    die britische überlegenheit lag vor allem in ihren neuen kriegsschiffe (mit maschinen betrieben)
    nach dem abschluss soll man in china auch entwürfe ähnlicher maschinenschiffe gefunden haben
    diese schiffe konnten auch ohne wind die anderen ziehen weiter ans land und so die landeinheiten mit kanonen unterstützen wurden fast nicht beschädigt von den chinesen konnten dies aber vernichtend schlagen
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wärest du bitte so nett, Sinneinheiten und Lesepausen irgendwie mit Zeichen zu markieren? Das muss ja nicht gleich der aktuell gültigen Rechtschreibung mit Kommata und Punkten entsprechen. Mit / oder | gäbe ich mich auch zufrieden.

    Ich meine das wirklich nicht böse | aber ich bin der Auffassung | dass du bei der Beachtung der Rechtschreibung und Satzzeichen selber auch profitieren würdest | Schließlich ist der Sinn und Zweck der schriftlichen Kommunikation der | verstanden zu werden | Wer seinen Text also so organisieren will | dass andere ihn verstehen | der benutzt die Mittel | eben Groß- und Kleinschreibung und Satzzeichen | die er zu benutzen gelernt hat | um seinen Text zu strukturieren | das hält auch die Leser länger am Text
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. September 2012

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