Erster Weltkrieg - Kriegsverlauffrage

Dieses Thema im Forum "Sonstiges in der Neuzeit" wurde erstellt von TurtokDerFette, 22. Mai 2014.

  1. TurtokDerFette

    TurtokDerFette Gesperrt

    Nabend,

    ich habe eine Frage zum Ersten Weltkrieg, welche ich mir nach einer längeren Recherche nicht beantworten kann:

    Wie war genau das Verhältnis von West-Ost im Krieg?

    Ich weiß, dass am Anfang nur ein Großverband im Osten von Deutschland stationiert war. Man hat sich natürlich auf den Westen konzentriert. Aber wie ging es dann weiter? Scheiterte die Westoffensive, weil vor dem Besiegen Frankreichs schon Truppen in den Osten abgesetzt werden mussten? Oder konnte sich der Osten bis zur Niederlage an der Marne mit dem einen Großverband halten? Wurde dann umstationiert?

    Ich fände es ein bisschen komisch, wenn Deutschland im Osten nur mit einem Großverband gewinnt. Liegt das vielleicht daran, dass Deutschland im Osten von Österreich unterstützt wurde, im Westen aber alleine kämpfen musste?

    Danke für die Aufklärung!

    MfG
     
  2. Rodriguez

    Rodriguez Aktives Mitglied

    Hier eine kurze Darstellung des Gesamt-Kriegsverlaufs, die Deine Frage beantworten dürfte: Kriegsverlauf
     
  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    In Ostpreußen stand nur die 8. deutsche Armee. Österreich-Ungarische Verbände waren in Galizien konzentriert, wo die Russen nach österreichischen Teilerfolgen bei Krasnik und Komarow große Erfolge verbuchen konnten und bis zum Jahresende ganz Galizien eroberten und bis zu den Karpaten vorstießen. Von der Westfront wurden im Verlauf der Schlacht von Tannenberg streitkräfte abgezogen, doch war das nicht der Grund für das Scheitern der Marneschlacht.

    Als der Kommandeur der 8. Armee von Prittwitz sich bis hinter die Weichsel zurückziehen wolllte und Ostpreußen räumen wollte, wurde er durch Hindenburg ersetzt. Ausschlaggebend für den erfolg der deutschen bei Tannenberg waren weder österreichische Verstärkungen noch Truppen, die aus dem Westen abgezogen wurden. Die beiden russischen armeen, die Narew und die Njemen Armee waren durch die masurische Seenplatte voneinander getrennt, dazu kam hinzu, dass die Kommandeure Paul von Rennenkamp (Njemen Armee) und Alexander Samsonow verfeindet waren, so dass die Deutschen davon ausgingen, dass Rennenkamp Samsonow nicht zu Hilfe kommen würde. Mit dem gut ausgebauten Eisenbahnnetz verlegten die Deutschen ein ganzes Armeekorps (I. Korps unter von Francois), um es gegen die Narew Armee einzusetzten, während rennenkamp langsam in Richtung auf Königsberg vorrückte. Dazu profitierten die deutschen davon, dass sie den russischen Funkverkehr abhörten. Die Russen hatten keinen Code, so dass sie Nachrichten unverschlüsselt funkten.
     
  4. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Was ich in dem Zusammenhang nie verstanden habe:
    Wie kommt es, dass es im Osten einen fortlaufenden Bewegungskrieg gab, wæhrend im Westen alles zu einer ueber Jahre mehr oder weniger unverænderten Front im Grabenkrieg erstarrte?

    Ist es allein durch die theoretische Længe der Front begruendet, fuer die man gar nicht genuegend Einheiten gehabt hætte, um sie "durchbruchssicher" zu gestalten? Bewegung also als Notwendigkeit, als Ausgleich fuer mangelnde Armeeeinheiten?
    Oder war es im taktischen Bereich begruendet, also das russische und østerreichische Einheiten nicht fæhig genug waren, sich fest einzugraben?
    Oder ist es ein logistisches Problem gewesen?

    Gruss, muheijo
     
  5. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Es ist ja immer wieder auch im Osten zum Stellungskrieg gekommen. Aber die Ausdehnung der Front war zu groß um Durchbrüche komplett zu vermeiden. Im Westen konnten Offensiven immer nur die Stellungen eindrücken.
     
  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Vom Herbst 1915 bis Ende 1917 verlief nach "dem großen Rückzug" in 1915 auch an der Ostfront die Front ziemlich stationär. Sowohl das Zarenreich wie auch die Donaumonarchie waren auf einen langen Krieg nicht vorbereitet. Dank Lieferungen von Frankreich und Großbritannien konnte zwar die Munitionsknappheit beseitigt werden, an Lebensmitteln herrschte aber Mangel, und es war Russland nicht in der Lage, die Front von der Ostsee bis zu den Karpaten mit Stacheldraht zu versehen. Die Frontlänge war gut viermal so lang wie die Westfront. Erfahrungen für den Grabenkrieg fehlten allen Armeen, bzw es dauerte lange, bis Erkenntnisse der Gesetzmäßigkeiten dieser Kriegsführung durchsetzten. Man hielt an der Vorstellung fest, die erste Linie um jeden Preis zu halten, statt die Verteidigung zu staffeln wie es die Deutschen gegen Ende der Sommeschlacht praktizierten, und man hielt daran fest, dass Artillerie erobert und Infanterie besetzt.

    Der größte Erfolg der Russen im Sommer 1916 bei der Brussilow- Offensive war eigentlich ein Improvisorium. Brussilow verfügte gar nicht über die menge an schweren Geschützen und infanteristischer Überlegenheit, die man für einen Erfolg zu benötigen glaubte. Brussilow startete daher mit nur einem kurzen Trommelfeuer. Der Erfolg überraschte die Russen und übertraf alle Erwartungen.
    Die Österreicher fühlten sich völlig sicher, mit einem Frontdurchbruch rechnete keiner, und Conrad war bereits mit seinem lieblingskind, einer Offensive gegen Italien im Raum der 7 Gemeinden beschäftigt, als das Debakel von Luzk hereinbrach. der Kommandeur, Erzherzog Eugen befand sich auf der Jagd. Die Reserve- und Versorgungsgräben der Österreicher waren zu dicht hintereinander angelegt und die ersten Gräben zu stark besetzt. Ganze Bataillione wurden von den Russen gefangen genommen, bevor sie einen Gegenstoß unternehmen konnten.

    An der mangelnden Fähigkeit der Russen, sich fest einzugraben, kann es eigentlich nicht gelegen haben. Einschätzungen deutscher und österreichischer Militärs betonen, dass die russischen Soldaten im Umgang mit Spitzhacke und Spaten sehr geübt waren und Schanzarbeiten sorgfältig und motiviert durchgeführt wurden und die Bereitschaft der russischen Soldaten dazu sogar für vorbildhaft gehalten wurden.
     
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  7. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied



    Gleich vorweg, es ist keine erschöpfende Antwort. Die deutsche militärische Führung war der russischen um einiges überlegen. Brussilow war so ziemlich der einzige wirklich fähige General der Russen. Der russischen Soldat hingegen war von einer ganz anderen Gewichtsklasse als das eigene Offizierkorps. Dann ist sicher auch der Umstand erwähneswert, das im ersten Kriegsjahr die Russen nicht einmal in der Lage waren sämtlichen Soldaten mit Gewehren auszustatten und an Munition haperte es ebenfalls.

    Und wie konnte die russische Militärführung nach Ostpreusse zwei Generäle, Rennenkampf und Samsonow, schicken, die sich gegenseitig nicht aussstehen konnten. Im Krieg gegen Japan wären es zwischen den beiden fast zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen. So konnte die deutsche 8.Armee die beiden russischen Armeen nacheinander erledigen. Selbstverständlich spielten auch andere Aspekte eine nicht unwesentliche Rolle, aber der Umstand verdient durchaus Erwähnung.
     
  8. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Könnte der anonyme Bewerter etwas zu seinem "Stellungskrieg, soso" ausführen? Ich verstehe es nämlich nicht.
     
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  9. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Es gab an der Ostfront definitiv längere Phasen des Stellungkrieges und gut ausgebaute Stellungen auf beiden Seiten, wobei es wie oben bereits erwähnt, auf russischer Seite an Material, z.B. Stacheldraht fehlte. Eine durchgängige und geschlossene Front von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer wurde zwar nicht errichtet, war auch nicht erforderlich da z.B. die Pripjetsümpfe ein mit damaligen Mitteln praktisch unüberwindbares Hindernis darstellte. Flussfronten und zeitweilig die Gebirgszüge der Karpaten bildeten weitere Unterbrechungen.

    Die Stellungen waren jedoch teilweise so solide gebaut, dass sie im Polnisch-sowjetischen Krieg an einigen Frontabschnitten nochmals kurzzeitig in Gebrauch kamen.
     

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