Es waldet im waldigen Wald, oder nicht?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von El Quijote, 3. Oktober 2021.

  1. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Wobei es in diesem Zusammenhang (vornehmlich bezogen auf Pinhal de Leiria – Wikipédia, a enciclopédia livre ) nicht um die Erosion von Ackerflächen ging, sondern vielmehr um das Verhindern einer Versandung derselben infolge windbedingter Dünenverlagerungsprozesse.
    Es scheint auch nicht ganz klar zu sein, ob nicht schon mit Sancho II. (1223-48) und Afonso III. (1248-79) die beiden Vorgänger von Dinis I. diese küstennahen Aufforstungen mit vornehmlich der Seekiefer (pinus pinaster) initiierten.

    Forest Context and Policies in Portugal (S. 11)

    Letztlich dürften als Auslöser für diese Aufforstungen natürlich vorangegangene Rodungen im Dünenstreifen in Betracht zu ziehen sein, die das Versandungsproblem erst aufwarfen.
     
    Pardela_cenicienta und dekumatland gefällt das.
  2. Pardela_cenicienta

    Pardela_cenicienta Aktives Mitglied

    Was die Waldordnungen anbetrifft: sie trugen erheblich zum Rechtsfrieden bei.
    Ich kenne Allmende im Siegerland noch bis zum 20. Jahrhundert.
    Eine Sache die mich sehr beeindruckt hat: die Haubergsordnungen, die ein durch Los oder turnusmäßigen Wechsel die Zuteilung eines Waldbereichs für einige Jahrzehnte bedeutete. Man hatte also Anteile an der Haubergsgenossenschaft, war aber nicht Eigner eines bestimmten Grundstücks.
    Aus heutiger Sicht ist der Haubergswald mit seiner Streifenwaldwirtschaft ein ökologisch sehr bedeutender Wald. Tiere wie Haselhuhn oder Ziegenmelker haben dort einen Lebensraum. Zugleich brachte die Waldweide mit Schafen, Schweinen und Kühen auch eine Stickstoffdüngung der Wälder. Der turnusmäßige Holzeinschlag kleiner Waldflächen verhinderte nachhaltig die Erosion. Zugleich ermöglichte das Schälen der Birkenrinde die Lohgerberei, also die Lederproduktion für Treibriemen in Handwerk, Industrie und Bergbau, für Schuhe und vor allem auch für Schutzbekleidung in Verhüttung und Bergbau. Das waren überregionale Handelsprodukte, weit jenseits der Subsistenzwirtschaft.

    Zurück zu den Römern: Meine Arbeitshypothese ist dass der Rückgang der keltischen Stahlproduktion durch den Wegfall der gallischen und italischen Absatzmärkte zu einer Wirtschaftskrise im nicht-römischen Teil Deutschlands führte, wieder zu einer Subsistenzwirtschaft.

    Das kann auch andere Wirtschaftsbereiche betreffen: warum war die keltische Salzgewinnung z.B. in Bad Nauheim so erfolgreich, was trat im 5. - 7. Jahrhundert andernorts an ihre Stelle? Brauchte man weniger Salz, weil weniger überregional handelbare Produkte hergestellt wurden?
    Landschaftsgeographie und Wirtschaftsgeographie sind nicht von einander zu trennen.
     
    El Quijote, Ugh Valencia und Clemens64 gefällt das.

Diese Seite empfehlen