Extrem lange Pfeile bei Amazonasindiandern

Dieses Thema im Forum "Lateinamerika | Altamerikanische Kulturen" wurde erstellt von Wsjr, 18. August 2013.

  1. Wsjr

    Wsjr Aktives Mitglied

    Ich weiß nicht ob ihr letztens die Meldung mitbekommen habt wo ein Forscherteam ausversehen eine Gruppe isoliert lebender Indianer aus dem Amazonasregenwald abgelichtet hat, falls nicht hier mal das Video:

    Kawahiva-Stamm in Brasilien: Forscher filmen Amazonas-Ureinwohner -Video - SPIEGEL ONLINE

    Was mir hier zum vermehrten mal aufgefallen ist sind sehr langen Langbögen und vor allem auch Pfeile der Ureinwohner. Auch bei Berichten über andere Stämme konnte ich das immer wieder bemerken. Wie etwa den Yanomami.
    Solch lange Bögen findet man zwar in der alten Welt immer wieder, wie etwa bei Yumi oder auch englischen Langbögen, aber die Pfeile waren dabei deutlich kürzer.
    Die Pfeile der Amazonasindianer allerdings sind so lang wie Wurfspeere und auch ausserordentlich dick. Für die Fischjagd macht sowas ja noch Sinn, ich nutze auch sehr lange Harpunenpfeile, aber die Indianer nutzen diese Pfeile offenbar auch für die Landjagd und das bemerkenswerte, so wie ich zumindest aus Bildern entnehmen konnte, ist dass der Auszug meist nicht unfassbar weit ist höchstens wie beim europäischen Bogen mit dem Kinn oder Kopf als Ankerpunkt, keinesfalls wie beim Yumi viel weiter dahinter, was bei so langen Bögen und Pfeilen mehr als Sinn machen würde.

    Es muss einen Sinn für diese Pfeilkonstruktionen geben sonst wären sie nicht so verbreitet in der Region. Wer weiß vielleicht etwas mehr darüber?

    edit: an die Mods, ich hab nen Tippfehler in der überschrift. Es sollte heissen "Extrem lange Pfeile bei Amazonasindianern" kann das vielleicht jemand ändern?
     
  2. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ich könnte mir vorstellen, dass das etwas mit der Umgebung zu tun hat, also dem Regenwald. Ich meine gesehen zu haben, dass die Urwaldvölker in Südostasien auch so große Pfeile haben, während die Indigenen Völker in offeneren Umgebungen, sei es in Nordamerika oder in Patagonien, kleinere und leichtere Pfeile verwendeten.

    Im Dschungel gibt es keine großen Schussweiten, der Pfeil muss aber leicht auffindbar bleiben. Leichtere kürzere Geschosse fliegen zwar weiter sind dann jedoch schwerer zu finden.

    P.S.: Pfeile mit Längen bis 1,65 m aus Südostasien:

    http://anthromuseum.missouri.edu/grayson/tribalarchery/1992-0302arrows.shtml
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. August 2013
  3. Wsjr

    Wsjr Aktives Mitglied

    Hab mich eben mit meinem Vater beraten. Er meinte dass ein langer Pfeil weit weniger vom Blattwerk durch dass man schiessen muss abgelenkt wird und wenn man hauptsächlich auf Affen und Vögel in den Bäumen schießt würde das schon Sinn machen.

    Theoretisch hätten solche Pfeile im einst dicht bewaldeten Europa eigentlich auch Sinn gemacht, aber mir ist nixhts dergleichen bekannt.
     
  4. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Der überwiegende Teil des Waldes in Europa war durch Wild und Viehweidung nie so dicht wie im Regenwald.

    Und wenn man sich die steinzeitlichen Höhlenmalereien ansieht auf denen Bogenschützen erscheinen, sind gelegentlich auch welche mit sehr langen Pfeilen dargestellt.
     
  5. Wsjr

    Wsjr Aktives Mitglied

    Hoi, ja das hatten wir schonmal bei der Megaherbivorentheorie.

    Bin jetzt in einigen Urwäldern Europas gewesen, vor allem Bergurwälder. Die kann man sicherlich nicht mit Regenwäldern vergleichen aber haben doch im Sommer teilweise dichten Unterwuchs vor allem aus Schösslingen und je nach Boden und Lichteinfall im Sommer auch durch Stauden und bei Lichtungen Sträucher. Jedenfalls ist es manchmal echt schwer in diesen unaufgeräumten Wäldern ohne Geästkontakt zu schiessen.
    Aber die Höhlenmalereien sind eine gute Idee. Die langen Pfeile sind mir früher immer nur als vielleicht schlecht oder einfach bewusst überzeichnet aufgefallen. Ich weiß nicht mehr welche Höhle das gewesen ist in Spanien, dort gibt es eine ziemlich detailgetraue Silhouettenabbildung von einem Jäger mit Bogen und langen Pfeilen, wobei er ein paar davon auch mit dem Bogenarm festhält.

    Jedenfalls hab ich noch einiges an Krempel im Keller stehen und dann könnte man mal ein paar Tests bezüglich langer vs. kurzer Pfeile durchführen.
     
  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ich habe mal einen verhältnismäßig großen Pfeil für meinen Langbogen gebaut. Der Flog zwar nicht sehr weit, hatte aber einen enormen Wumms drauf. Er ist dann, bei einem versehentlichen Treffer auf einen Stein so zersplittert, dass die Teile in alle Richtungen flogen. Bei leichteren Pfeilen habe ich so etwas nicht erlebt, da diese zurückfedern und abprallen ohne zu brechen.
     
  7. Wsjr

    Wsjr Aktives Mitglied

    Wie war denn die Präzision auf kurzer Distanz verglichen mit den normalen Pfeilen?
     
  8. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ich habe keinen Nachteil bemerkt.
     
  9. Pakal

    Pakal Neues Mitglied

    Es hat mit der Masse des Pfeiles zu tun. Wie du selber sagst. Im regenwald ist sehr viel Gestrüpp. Das lenkt kleinere Pfeile leichter ab. Je länger, dicker der Pfeil ist desto günstiger ist sein Verhalten im flug. Kollissionen mit Blättern, Zweigen haben kleinere Auswirkungen auf die Flugbahn.
     

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