Falkonerie

Dieses Thema im Forum "Sonstiges in der Neuzeit" wurde erstellt von BernardoUi, 1. Januar 2018.

  1. BernardoUi

    BernardoUi Neues Mitglied

    Hallo, ich bin gerade bei der Recherche nach einem Deutschen, der in den 1560er-Jahren in spanischen Diensten war. In der Quelle heißt es, dass er bei der "Falkonerie" des spanischen Königs war. Wie verstehe ich das Wort Falkonerie? War er jetzt bei der Falknerei? Oder hat das etwas mit Kanonen zu tun?

    Gruß, Bernhard
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wieso sollte das etwas mit der Artillerie zu tun haben?
    Falknerei ist auf Spanisch halconería (in anderen iberoromanischen Dialekten falconería) bzw. die Beizjagd cetrería.
     
  3. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Vermutlich rührt BernardoUis Gedanke daher, da in der betreffenden Epoche eine Feldschlangen-Version kleineren Kalibers als Falkonett (span. falconete) bezeichnet wurde.

    Falconet (cannon) - Wikipedia

    Wäre zu fragen, ob sich aus dem Kontext der betreffenden Stelle der Quelle weiteres zu “Falkonerie“ erschließen lässt?
     
  4. BernardoUi

    BernardoUi Neues Mitglied

    Das Buch aus dem die Quelle ist, ist aus dem Jahre 1790. Konkret heißt es: "..... Vorher war er in Diensten des Königs von Spanien bey der Falkonerie. Er starb zu Madrit in einem Alter von 75 Jahren ....." Meine Frage bezog sich eben wirklich darauf ob es sich um die Falknerei handelt oder ob es eben etwas mit der Artillerie zu tun haben könnte. Das Falkonett ist ein leichtes Geschütz, auch Feldschlange genannt.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Um wen geht es denn konkret?
     
  6. BernardoUi

    BernardoUi Neues Mitglied

    Der Mann hieß Hans Heher. Er hat geschichtlich betrachtet keinerlei Bedeutung. Er stammt jedoch aus meiner Gegend und ist deshalb regionalgeschichtlich gesehen sehr interessant. Kann ich also davon ausgehen, dass er anscheinend tatsächlich in der Falknerei tätig war?
     
  7. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Der Quelle* ist zu entnehmen, dass der Oberpfälzer Hans Heher, nachdem er “bey der Falkonerie“ des spanischen Königs in Diensten gestanden hatte, von “Nicol. Bassaraba, Fürsten von Siebenbürgen und der großen Walachey, das Marggrafthum Jalonitz oder Jalenitz, deme er, nachdem er von Land und Leuten vertrieben war, als eine reiche und ledige Person, alles sein Vermögen angehängt hatte“ erhalten hat. Irgendwann muss es Hans Heher dann wieder nach Spanien verschlagen haben, wo er verstarb. (S. 131ff)
    Interessant im Zusammenhang mit “Falkonerie“ könnte sein, dass Hans Heher für sich und seinen Bruder Hermann 1569 vom Kaiser ein Wappen verliehen bekam, “nämlich 3 Heher in einem goldnen Schild, auf welchem 2 Flügel gesetzt waren“ (S. 134). Das Geschlecht der Heher scheint demnach zumindest einen Bezug zu Vögeln, speziell Eichelhähern gehabt zu haben.

    * Neue Beyträge zur Geschichte der Stadt Nürnberg

    Da mein Internetzugang grad heftig rumzickt, konnte ich weder erfolgreich nach dem Wappen googeln, noch folgenden Link öffnen, der sich wohl auf die Übertragung der Grafschaft Jalonitz an Hans Heher gleichfalls wie der Erhalt des Wappens im Jahr 1569 bezieht, öffnen:

    Geschichte des Ungrischen Reichs und seiner Nebenländer
     
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  8. BernardoUi

    BernardoUi Neues Mitglied

    Genau um den geht es. Wobei sein Bruder es im Nürnberger Patriziat weit brachte. Ein Nachfahr war sogar bei den Friedensverhandlungen 1648 mit dabei. Für mich ist aber Hans Heher interessanter. Mit der obigen Urkunde wurde er theoretisch Markgraf in einem Teil der Walachei. Wobei er meiner Meinung nach dort niemals persönlich war. 1569 dürfte dieser Landstrich türkisch gewesen sein. Hans Heher scheint recht wohlhabend gewesen zu sein. Brachte man es in der Falknerei des spanischen Königs zu Wohlstand? Die Herkunft Hehers war zwar nicht ärmlich, aber wahrscheinlich auch nicht besonders reich.
     
  9. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Hier wird erwähnt, dass die Posten eine Oberfalken- und Jägermeisters um 1720 in Spanien meistens in Personalunion besetzt waren. In Anbetracht der umfangreichen Aufgaben kann ich mir vorstellen, dass der Job auch ganz gut bezahlt war. Inwiefern das auch auf die 1560er zutrifft, kann ich nicht beurteilen.
     
  10. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Zudem war es ein wichtiger Posten, den wohl selbst in Spanien nur erhielt, wem der König vertraute. Auf der Jagd kam es bekanntlich schnell zu Unfällen. Und man betrachte nur die Biographie Ludwig des XIII. in Frankreich. Auf der Jagd könnten Begegnungen arrangiert werden, die offiziell nicht möglich waren. Und bei dem berüchtigten abmetzeln gefangener Tiere handelte es sich um die Organisation von Festen. Dabei war die Position als Falkner hoch angesehen. Ob nun durch Freundschaft des Königs oder die in jener Zeit normalen Bestechungsgelder, muss das ein einträglicher Posten gewesen sein.

    Kanonen hingegen möchte der König zwar eingelagert haben, aber Artilleristen galten als Handwerker, die von Fall zu Fall engagiert und bezahlt wurden. Aber wohl kaum geeignet, um eine Markgrafschaft zu gewinnen, selbst wenn es nur um den Titel und den Rang ging.

    (Allerdings habe ich noch Fieber.)
     

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