Frage zu Flötenspiel und Frauen

Dieses Thema im Forum "Kunstgeschichte" wurde erstellt von Brissotin, 25. Juli 2007.

  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Mehrfach habe ich in der Literatur gelesen, dass das Flötenspiel bspw. im 18.Jh. eine männliche Domäne war, wegen gewisser Anzüglichkeiten, die man an einem Spiel durch eine Frau hätte. Kennt jemand gegensätzliche oder in die selbe Richtung weisende Aussagen? Am besten wären Zitate von Zeitgenossen.
     
  2. Soleil Royal

    Soleil Royal Neues Mitglied

    Da ich gerade nicht zu Hause bin, kann ich nicht direkt aus meinen Quellen zitieren.

    Aber Henriette de France die Tochter Louis XV liebte die Gambe. Doch das Frauen Gambe oder Cello spielten wurde als unschicklich angesehen, da sie das Instrument zwischen den Beinen halten mussten.
    Den "Stachel" den heutige Violoncelli aufweisen um sie damit auf den Boden zu stützen, gab es damals noch nicht.

    Dennoch setzte sich Henriette darüber hinweg und spielte Gambe - um ihre Begeisterung zu untermauern, ließ sie sich von Nattier ja mit Gambe malen, ein regelrechtes Staatsportrait.
    Jean Baptiste Forqueray der Sohn des berühmten Antoine Forqueray (der neben Marin Marais als der beste Gambenvirtuose Frankreichs galt) vermachte ihr das gesamte Werk seines Vaters.
    Und viele andere Gambenvirtuosen widmeten der königlichen Tochter ihre Werke, das sie durch ihren Geschmack und ihr Können mehr als nur eine Gönnerin war.


    Dennoch sollten Damen aus Schicklichen Gründen lieber die Diskant-Gambe erlernen.
    Dieses Instrument ist etwas so groß wie eine Bratsche, wird aber auf dem Knie abgestützt.

    In der Niederländischen Malerei (z.B. Netscher) findet man auch häufig Abbildungen von Damen die Gambe spielen - in Holland bzw. im 17. Jh. scheint das wohl noch in Ordnung gewesen sein.
     
  3. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Seit unseren Vorfahren/Urahnen war die Flöte ein männliches Musikinstument (Phallussymbol). Damit die Frauen in tiefster Urzeit nicht nur so ums Lagerfeuer bei kultischen Tänzen rumsaßen, wurde das Tamburin als weibliches Musikinstrument (Symbol) erfunden.
    Ok, das war gemein, hier die seriöse Darstellung: den Rhythmus klatschte man auf Körperteile oder stampfte mit den Füßen. Um das zu erleichtern und zu verbessern, wurde das Tamburin erfunden.
    Später nahm man den Frauen auch das Schlaginstrument weg.

    Erst mit dem Siegeszug der Querflöte ab 1750 (die es allerdings schon früher gab) konnten auch Frauen ohne Anzüglichkeiten Flöte spielen.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 25. Juli 2007
  4. florian17160

    florian17160 unvergessen


    Du kleines Ferkel, du.

    Unsere jugendlichen Mitleser kreieren da ganz andere Gedankengänge draus.
     
  5. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    @flori
    du glaubst nicht was ich geschrieben habe.
    Dann gebe ich dir die nächsten 20 Jahre Zeit Bilder aus der Menschheitsgeschichte vor 1750 zu suchen, auf denen eine Frau mit einer lotrecht gehaltenen Flöte (Blockflöte oder dergleichen) abgebildet ist oder historische Texte desselben dies belegen.
     
  6. florian17160

    florian17160 unvergessen


    Keine Sorge. Ich glaube dir unbesehen fast alles.

    Nur wie du es geschrieben hast.:friends:
     
  7. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Muss man denn Geschichte hölzern nüchtern darstellen?
    Übrigens mit der Flöte wurden allerhand Tiere gefangen oder angelockt. Nicht nur Vögel.
    Flötenspiel wirkt noch heute bei Frauen. Kannst einem Tin-Whistle-Spieler glauben.
     
  8. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Kennst Du demnach Querflötenspielerinnen aus der zweiten Hälfte des 18.Jh.?:confused:
     
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    So wie Mrs. Thickness, welche dafür etwas berühmt war, aber aus moralischen Gründen dennoch von Thomas Gainsborough eine Laute (oder Guitarrenlaute?) in die Arme gelegt bekam, während im Hintergrund des Gemäldes von 1760 deutlich noch ihr Lieblingsinstrument zu erkennen ist. Image:Thomas Gainsborough 013.jpg - Wikimedia Commons

    Um die Frage mit der Flöte hast Du Dich aber geschickt herum gedrückt!:devil:
     
  10. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    kennen tue ich sie nicht :), aber die Ospedale della Pieta aus Venedig haben unter Vivaldi schon Anfang des 18.Jhd. Block- und Querflöte gespielt. Allerdings in der Kirche hinter einem Gitter.
    Fachforum Sexualität
     
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Vielen Dank, das scheint mir ein sehr interessanter Text zu der Thematik.
     
  12. florian17160

    florian17160 unvergessen


    Als ich Anzüglichkeiten las, dachte ich sofort an den Rattenfänger von Hameln, der die Ratten und später dann die Kinder durch sein Flötenspiel anzog.
     
  13. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Schön harmlos diese Hintergedanken!
     
  14. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Er hat die Kinder angezogen? Welch edler Spender er doch war.
     
  15. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Es kann ja wohl in diesem Falle nicht schwer sein, zu begreifen, was ich vor ein paar Tagen meinte.
    Ich bin es leid mich immer rechtfertigen für meine posts zu müssen.
     
  16. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Du wölltest müssen. Ich nie angedeutet, dass du rechtfertigen musst. :)
     
  17. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Bis A. Servais Mitte d. 19. Jahrh. den Cellostachel etablierte, haben sich vom Violoncellspiel nicht abzubringende Frauenzimmer im "Damensitz " hinter das Cello gesetzt, was sicher unpraktisch und anstrengend war....

    "Ich zitiere aus der 1783 erschienen Abhandlung "Vom Kostüm des Frauenzimmer Spielens" des Philologen und Komponisten Carl Ludwig Junker (1748-1797):

    Spielt ein Frauenzimmer das Violoncell, kann sie hiebey zwey Übelstände nicht vermeiden. Das Überhangen des Oberleibes, wenn sie hoch (nahe am Steg) spielt, und also das Pressen der Brust, und denn eine solche Lage der Füße, die für tausende Bilder erwecken, die sie nicht erwecken sollten; sed sapienti sat " (aber genug für den Wissenden).......

    "...Wenn wir ein Frauenzimmer die Violin, das Horn oder den Bass spielen sehen, so empfinden wir ein gewisses Gefühl des Unschicklichen, das ...den Eindruck des vorgetragenen Stücks selbst schwächt. Es entstehet aus Verbindung der Ideen zwischen körperlicher Bewegung und der eigenen Kleidertracht des zweyten Geschlechtes; und ich behaupte, es giebt Instrumente, die sich für jene eigenen Moden nicht schicken. Es kommt uns lächerlich für, wenn wir ein Frauenzimmer in großen, hin und her fliegenden Manschetten am Violon - lächerlich, wenn wir sie in hoher Fontange das Horn blasen sehen... ...Dies Gefühl des Unschicklichen kann ferner dann entstehen, wenn die Natur des Instrumentes mit dem anerkannten Charakter der weiblichen Schwäche nicht in Verbindung steht. Zum Beispiel Trompeten, Pauken - sind sie nicht eigentlich Kriegsinstrumente? Können sie also nicht sehr natürlich beym Gefühl ihres Schalls, die Nebenidee derselben erwecken? Und wenn sie das können, muß denn die Seele nicht die Unschicklichkeit fühlen, die zwischen der Natur des Instrumentes und der Spielenden herrscht? ... So möchte es freylich spitzfindig erscheinen, wenn wir schon vom bloßen Ton des Waldhornes behaupten, das es sich nicht gut in Beziehung auf die feinere, weichlichere Stimmung des zweyten Geschlechtes denken lasse....
    Zuletzt, das Gefühl der Unschicklichkeit kann entspringen aus der Dißproportion, die zwischen der lokalen Stellung des Körpers und dem eigentlichen Dekorum herrscht. Gewisse Instrumente erfordern eine solche Stellung und Lage des Körpers, die sich mit den Begriffen, des sittlichen Anstandes nicht verträgt. Denn sie erwecken... in der Seele gewisse Bilder und Nebenideen, die den Wohlstand nicht begünstigen.


    Ausnahmen
    Adelige Frauen standen - in gewissem Masse - über den gesellschaftlichen Zwängen und konnten sich im eigenen Kreis exzentrische Launen leisten.
    Wilhelmine, Markgräfin von Bayreuth (1709-1058) an ihren Bruder, Friedrich den Großen: "...Seit acht Tagen lerne ich Violine spielen und extemporiere schon. Die Marwitz spielt die zweite Violine und die Grumbkow lernt die Bassgeige, die Base des Herrn von Brandt das Cello. Es ist der reinste Hexensabbat! Wir machen unsere Sache bereits so gut, dass alles entflieht, wenn wir unsere Konzerte beginnen...."
    Und ganz selbstverständlich wird 1789 vom Wiener Hof Joseph, des Zweiten berichtet: "...Der Prinz spielte die Violin, die Prinzessin strich den Baß. Die Gräfin von Chanclos schlug die Pauken und die anderen von der Gesellschaft hatten gleichfalls ihre ausgetheilten Instrumente. Dieser musikalische Spaß ergötzte die höchsten Herrschaften ungemein...."



    Fachforum Sexualität
     

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