Frage zu Nachteilen der Hochindustrialisierung

Dieses Thema im Forum "Die Industrielle Revolution" wurde erstellt von sowiso, 6. Juli 2008.

  1. sowiso

    sowiso Neues Mitglied

    Hallo!

    Ich habe auf folgender Seite diesen Nachteil der Hochindustrialisierung gefunden
    Hochindustrialisierung in Deutschland

    Nun würde ich gern wissen wie sich das entladen auf den I Weltkrieg direkt ausgeköst hat. Kann das vielleicht einer erklären?

    Danke für die Hilfe
     
  2. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Der Schreiber meint vielleicht Folgendes:
    Um die Jahrhundertwende formte sich ein "Zeitgeist", den man in vielerlei Hinsicht als "modern" (was immer das GENAU sein mag) bezeichnen könnte. Das sind natürlich weiterhin die Gedanken der französischen und der 1848-Revolution (warum man die eine immer gescheitert nennt und die andere nicht, weiß ich auch nicht...)

    Dann gibt es aber inzwischen auch: Abstrakte Malerei, 12-Tonmusik , Nacktbaden, Psychoanalyse, Relativitätstheorie, Flugzeuge, Kino, Schallplatten, Autos, Röntgenstrahlen, Telefon. Alles Dinge,mit denen sich ein preußischer Regierungsrat möglichst nicht abgeben sollte!
    Politische Forderungen lauteten z.B.:
    - allgemeines und gleiches Wahlrecht
    - Gleichstellung der Frauen, beginnend mit dem Wahlrecht
    - Pressefreiheit
    - Abschaffung von "Privilegien" (Adliger)
    - Verbesserung sozialer Absicherung

    Alles in allem ist da nach heutigem Verständnis wenig "Revolutionäres" bei. Die Lage in Deutschland war auch keinesfalls bedrückend oder diktatorisch. Der Staat war nur - ja, eben konservativ. Am 1.WK nahm noch Reiterei mit Säbeln und Lanzen teil!

    Der 1. WK zerstörte diese alten politischen Strukturen und Kräfte großteils (manche sagen auch: nur teilweise) und ermöglichte ein modernes politisches System. Bei den "Siegermächten" (Frankreich,Großbritannien) war die innenpolitische Veränderung vielleicht nicht so groß, aber auf der Weltkarte änderte sich viel: Die Türkei, die UdSSR...

    Das neue Lebensgefühl äußerte sich dann konzentriert im Berlin der 20er Jahre.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Juli 2008
  3. sowiso

    sowiso Neues Mitglied

    Ok danke für die Antwort.

    Es ist also nicht genau zu sagen, dass es durch den Unmut der Bürger zum 1. Weltkrieg kam. Der Autor muss dabei über komplizierte Gedanken gegangen sein. Denn eigentlich soweit ich das noch weiß war das Volk ja auch mehr oder weniger für den Krieg.
     
  4. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Ich habe den Bereich "Industrialisierung" etwas außen vor gelassen...
    Was sich Ende des 19.Jh abzeichnete war eine "industrielle Internationalisierung". Es wurde wenn möglich für einen Weltmarkt produziert. Staaten (mit Ausnahme Englands) dachten aber eher national: Eisenbahn, Post, Kriegsschiffe; das war natürlich "High-Tech", aber eben auf nationaler Ebene. Internationale Abstimmungen waren schwierig. Die DIN war erst mal eine Deutsche Norm....

    Inwieweit der Staat vor dem 1. WK die beginnende Globalisierung behinderte, und nach dem 1. WK weniger, kann ich allerdings nicht wirklich sagen...
     
  5. sowiso

    sowiso Neues Mitglied

    ik! Mal sehen ob noch jemand mehr weiß wenn nicht ist die Antwort aner auch schon sehr gut.
     
  6. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Der 1. WK war ein seltsamer Krieg.... Man stellt Europa zu der Zeit gerne als "Pulverfass" dar. Ein Funke - und ......
    Die Staaten waren hoch gerüstet (auch als Ergebnis der Industrialisierung), die Regierenden dachten aber in Begriffen der "alten Zeit": Ehre, Nation, Kaiser, Vaterland,...
     
  7. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Aber warum brach all dies im ersten WK aus? Wie hängen gesellschaftliche Umbrüche (und solche im Denken) mit einer erstmal militärischen Angelegenheit zusammen? Fühlten sich die modernen Kräfte gestärkt, als das die konservativen Pläne versagten?
     
  8. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Ich denke mal, dass der Krieg und der Umbuch im Denken nicht URSÄCHLICH zusammenhing. Es gibt immer mal wieder große Kriege - ein bis zwei pro Jahrhundert, in denen es nicht so richtig einen definierten Gewinner gibt, sondern einfach nur alles "umgerührt" wird (wie etwa im 30-jährigen). Danach kann man manches anders machen, wenn man denn die Ideen dazu hat (die vorher schon gut ausgedacht sein mussten) und die Akzeptanz wenigstens der "Intelligenz". Die Pariser "Kommune" 1871 war nicht so gut ausgedacht.... Die Weimarer Republik hatte viel "Pech", was hier ja auch von Fall zu Fall diskutiert wird.

    Der große gesellschaftlich-kulturelle Umbruch (der üblicherweise NACH den 1. WK datiert wird) war in jeder Hinsicht schon 1910 vorgebahnt. Diese latenten Kräfte wollten natürlich keinen Krieg! Sie wollten nur die verschiedensten Arten Freiheit: politisch, handels-wirtschaftlich, kulturell,...
     
  9. Gil-galad

    Gil-galad Aktives Mitglied

    Ich habe mir nochmal Gedanken um den Kommentar gemacht, den du eingestellt hast. Vielleicht ist damit ja auch nicht der Krieg an sich, sondern eher dessen Ende mit dem Matrosenaufstand gemeint, der dann in die deutsche Revolution von 1918/19 überging. Denn erst diese "Revolution" hat einschneidende soziale Änderungen wie das Frauenwahlrecht und andere staatliche Reformen gebracht. Man hat ja auch versucht einen demokratischen deutschen Staat aufzubauen.

    In den Schützengräben des ersten Weltkrieges verwischten sich die Standesunterschiede zusehends. Obwohl es immer noch so war, dass die Offiziere oft adliger Abstammung waren (zumindest die Stabsoffiziere), starben diese genauso wie die einfachen Soldaten. Soldaten rücken im allgemeinen enger zusammen (um ein Bild zu gebrauchen), vielleicht hat auch diese Entwicklung zu einem partiellen Umdenken geführt.

    Was haltet ihr davon?
     
  10. Gil-galad

    Gil-galad Aktives Mitglied

    Du hast schon recht, dass das Volk sehr kriegsbegeistert war. Aber mit dem Unmut der Arbeiter über die mangelnde soziale Gerechtigkeit und die politischen Probleme hängt es mit Sicherheit nicht zusammen.

    Der 1. WK wurde von dem ausufernden Nationalismus (später werden die Nazis sich "Herrenrasse" nennen, hier war es nicht ganz so schlimm, aber man hat sich schon sehr überlegen gefühlt, allerdings auch anderen "weißen" Nationen) und den unglaublich hochgerüsteten Militärsystemen (wie bereits erwähnt, eine Folge der Industrialisierung) begünstigt, wenn nicht sogar ausgelöst.

    Die Kriegsbegeisterung der Bevölkerung läßt sich zwar auch mit dem Nationalismus und dem damit einhergehenden Überlegenheitsgefühl erklären, aber nicht nur. Es gab in Europe seit fast 300 Jahren keinen großen Krieg mehr, mit den entsprechend hohen Verlustzahlen. Der Dreißigjährige Krieg war wohl aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden, die Verluste wieder ausgeglichen. Alle späteren Kriege waren zeitlich doch recht begrenzt, das gleich gilt für die Verlustzahlen. Auch der letzte Krieg gegen Frankreich war sehr günstig verlaufen. Die Deutschen waren überzeugt davon Weihnachten wieder siegreich heimzukehren. So lehrte es ja auch die Erfahrung. Nur vorher hatte ja auch noch nieman deinen industriellen und technisch hochgrüsteten Krieg geführt. Niemand hat berücksichtigt, dass die Waffentechnik sein 1870/71 einen gewaltigen Sprung gemacht hat. Die Begeistung ließ dann, mit dem schwindenden Kriegsglück auch recht schnell nach. Ich denke die Ursachen für den Ausbruch des I. WK im sozialen und politischen Gefüge zu suchen, ist so nicht richtig.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dass der Krieg populär gewesen sei, ist ein moderner Mythos. Die besser situierten Kreise und die Intellektuellen, also die meinungsmachenden Schichten waren kriegsbegeistert, nicht aber die Mehrheit der Bevölkerung. (Wenn man sich mal die Bilder von den "begeisterten Massen" der letzten Vorkriegstage und ersten Kriegstage anschaut, dann sind das alles Zylinder- und Frack aber nicht Schiebermützenträger!)
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Juli 2008
  12. Gil-galad

    Gil-galad Aktives Mitglied

    Einverstanden, dann lass es uns einfach als Siegesgewissheit bei den Soldaten formulieren. Ich denke, wer davon überzeugt ist, in kurzer Zeit einen Krieg siegreich beenden zu können, der wird ihm kaum ablehnend gegenüberstehen, da man sich ja ähnliche Vorteile wie 1870/71 erhoffte. Obwohl wir ja heute auch wissen, dass der von den Reparationen ausgelöste Boom (heute würde er wohl Blase heißen), auch schnell wieder zusammengebrochen ist. Aber das würde auch deinen Kommentar bestätigen, da das einfach Volk ja nichts davon hätte.

    Waren dann eigentlich die Bilder von Blumen streuenden Frauen inszeniert? Bei der Berichtserstattung in Kriegsfällen ist ja in aller Regel kritisches Hinterfragen angebracht.
     
  13. Artorius

    Artorius Aktives Mitglied

    Dazu habe ich noch folgenden, interessanten Link gefunden:
    Alltagsleben
    (v.a. im ersten Absatz, nach der Einleitung)
     

Diese Seite empfehlen