Fragen zu Britisch-Indien

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von shisou, 25. Mai 2008.

  1. shisou

    shisou Neues Mitglied

    Hallo:winke:,
    wie der Titel schon sagt habe ich Fragen zu "Britisch-Indien". In einigen Tagen muss ich nämlich einen ca. 20 Minütigen Referat darüber halten, ich weiß 20 Minuten sind schnell um, aber ich würde auch gern selber das Thema so gut wie möglich verstehen.
    Das wären die Fragen, die ich gern beantwortet haben würde:
    -Wie war es in Großbritannien zu dem Zeitpunkt (bevor sie die Kolonialisierung Idiens als Ausweg nahmen)?
    -Warum Indien?
    -Wie wurde Indien beherrscht?
    -Welche Folgen hatte das für die beiden Länder (speziell für Indien bis zum heutigen Tag)?

    Ich habe einige Beiträge zu diesem Thema gefunden (wie z.B. den von Ursi Link:nono:), leider wurde nicht so spezifisch auf diese Fragen eingegangen bzw. hatte ich Schwierigkeiten die Antworten abzuleiten.

    Ich hoffe jemand von euch hat noch die Geduld es einem Leihen wie mir kurz zu erklären :).
     
  2. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

  3. shisou

    shisou Neues Mitglied

    Danke für die schnelle Antwort!
    ja, aber leider habe ich dort nicht alles beantwortet bekommen.
     
  4. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Welche Zeit meinst Du? Nach der "Mutinity" 1857?
    Da war England das zivilisierteste und reichste Land der Welt (bis auf einige Auswüchse des Kapitalismus, die man bei Dickens nachlesen kann)

    Die systematische Kolonialisierung begann etwa 100 Jahre früher nach dem Britisch-Französischen Kolonialkrieg. In diesen 100 Jahren wurde Indien ein wichtiger Absatzmarkt für englische Massenprodukte (z.B. Baumwollbekleidung) Englische Großkaufleute und Industrielle verdienten immens. Nach 1850 wurde insbesondere in Ceylon große Teeplantagen angelegt.
    England selbst hatte nicht direkt Probleme, die es dringend zu lösen galt. Trotz teilweiser unfähiger Regierungen war es reich genug geworden, Napoleon zu besiegen.


    Im 16. Jh. hatten sich Spanien und Portugal die Welt geteilt. Die Nachkömmlinge Holland, Frankreich und England setzten sich per Handelsposten an die noch freien Stellen. In Australien und Nordamerika gab es nicht einmal spanische Konkurrenz. Danach begann eine vorsichtige und nicht immer erfolgreiche Verdrängung. Der größter Teil Nordamerikas ging verloren, Australien war damals wirtschaftlich nicht attraktiv. Durch einen Glücksfall führte der Britisch-Französische Krieg (der bei uns "7-jähriger" heißt) zur Verdrängung der Franzosen aus Vorderindien (Frankreich kompensierte das viel später durch Kolonien in Hinterindien und Nordafrika). Letztlich also ein bisschen Zufall: Hätte man den Britisch-Französischen Krieg verloren und den Nordamerika-Krieg gewonnen, wäre es Amerika gewesen...
    Teilweise direkt durch einen Gouverneur, teilweise indirekt in den "abhängigen Reichen". Nach 1857 wurde Indien "anglifiziert". Lies mal Kiplings "Kim" (oder auch anderes..)
    Indien ist kein Land sondern ein Kontinent. Auch vor der Zeit des weißen Mannes war es politisch und religiös heillos zersplittern. M.M. war Indien nicht wirklich ausgebeutet als es 1947 unabhängig wurde.
    Was England betrifft sind die meinungen auch sehr verschieden: Indien war - wie fast alle Kolonien im 20.Jh .- eher ein "Klotz am Bein". Auf der anderen Seite hat es die Briten psychologisch scher getroffen, dieses "Kronjuwel" zu verlieren. Und eine Konsequenz ganz am Rande: Nirgendwo gibt es so viele Indische restaurants wie in Großbritannien - höchstens noch in Inden...
     
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Indien war ein ungeheuer reicher Subkontinent, wo Kolonialwaren wie Indigo, Kaffee, Baumwolle, Tee und Opium produziert wurden, die höchste Preise brachten.

    In der Kolonialgeschichte Indiens ist zu unterscheiden zwischen der Zeit vor dem Sepoy Aufstand 1858 und danach. Seit dem Siebenjährigen Krieg hatten die Briten vor allem in Bengalen Fuß gefasst. Indien wurde sozusagen zum Kronjuwel des 2. Britischen Empires. Etliche Kolonien wurden sozusagen nebenbei erworben beim Versuch, den Seeweg nach Indien zu sichern. Indien war bis 1858 eine Art Privatkolonie der East India Company. Die Briten zerschlugen dort die hochentwickelte Textilindustrie, so daß Indien zum Abnehmer britischer Textilien und zum Rohstoffliferanten wurde. Nicht umsonst ist das Spinnrad heute noch auf der indischen Nationalflagge zu sehen. Der Sepoy Aufstand zwang die Briten selbst die Administration zu übernehmen. Indien erhielt eine straffe Verwaltung unter einem Vizekönig, und Queen Victoria nahm 1877 den Titel einer "Emperess of India" an, womit allerdings die dürftige staatsrechtliche Legitimation der Briten kaschiert wurde, die wie schon zuvor die EIC, an Herrschaftsrechte der Moguln anknüpften.

    Die Briten haben sehr viel in Indien investiert und Colleges und Universitäten als Pflanzstätten der Eliten gegründet und Straßen und Eisenbahnlinien gebaut. Insgesamt profitierte aber Großbritanniens Wirtschaft vom riesigen indischen Absatzmarkt.
     

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