Frankreichs Bild der Kolonialära gerät ins Wanken

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von Arne, 16. Dezember 2005.

  1. Arne

    Arne Premiummitglied

    Interessanter Artikel in der WELT. Angestossen durch die Rassenunruhen der letzten Wochen, kommt es zum Streit um ein Gesetz, das die positive Darstellung der eigenen Kolonialgeschichte festschreiben sollte.

    "Am 23. Februar verabschiedete die Pariser Nationalversammlung mit ihrer konservativen Mehrheit ein Gesetz, das die "positive Rolle" der Kolonisation in der Geschichte Frankreichs festschreibt. Universitäten wie Schulen haben den Kolonialismus als eine Erfolgsgeschichte darzustellen und den französischen Gefallenen der Kolonialkriege ein ehrendes Andenken zu bewahren.

    Aufgeschreckt durch die Vorstadt-Unruhen, verlangten die Sozialisten, den Kolonialismus-Paragraphen zu streichen. Sie sahen darin einen "historischen Anachronismus" und einen "politischen Irrtum", der die Fehlentwicklungen der aktuellen Integrationspolitik noch verschärfen würde."

    Kompletter Artikel: "Das Gesetz der Schande": http://www.welt.de/data/2005/12/16/818159.html
     
  2. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Hier ist wohl eindeutig, dass der positive Aspekt, der Kolonisation, lediglich auf die "alten" Franzosen angewendet werden kann. Was die "neuen" Franzosen davon halten, haben wir ja gesehen.
    Und noch etwas, es gibt eben doch nicht die Freiheit, Brüderlichkeit und die Gleichheit. Aber wir wissen ja, dass manche gleicher sind als die anderen =)

    Herr Orwell lässt grüssen.
     
  3. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Wenn man sich genötigt sieht, die Geschichte per Gesetz festzuschreiben, ist es offensichtlich, dass es erfolgt, weil man sich dieser nicht all zu sicher ist.

    Was passiert in Zukunft wenn jemand mit unbequemen Fakten ankommt? Ein Prozess so wie in der Turkei gegen Orhan Parmuk? Wegen "Verunglimpfung des Franzosentums"?
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dabei wird das in neueren französischen Filmen durchaus thematisiert. In Die Frau des Leuchtturmwärters (lief dieses Jahr in D in den Kinos) schimpft eine bretonische Tischgesellschaft auf die Deutschen (der Film spielt in den 50ern während des Algerienkrieges, und die Deutschen sind in den Augen der Farnzosen eben immer noch hauptsächlich Nazis), woraufhin der Protagonist des Films, eigentlich ein ganz sympathischer Mann, widerspricht: Die Franzosen seien genau so zu Greueltaten fähig, wie die Deutschen. Dann beschreibt er, wie Berber zum Reden gezwungen wurden, nämlich indem man ihnen die Hände in einer Ölmühle zerquetscht habe (er selber hat auch eine verkrüppelte Hand). Als Zweifel aufkommen, sagt er, dass er selbst einer der französischen Soldaten gewesen sei, die bei solchen Folterkommandos gewesen wären. Nur er habe sich schließlich selber seine Hand zerquetscht, um wieder nach Hause zu kommen. Es scheint also in der französischen Öffentlichkeit durchaus mit diesen Themen umgegangen zu werden. Für den Film Die Frau des Leuchtturmwärters hätte diese kurze Episode jedenfalls keine dramatische Notwendigkeit gehabt.
     
  5. olivier

    olivier Gast

    Ich glaube vor allem, als Franzose, daß die koloniale Geschichte von den Franzosen nicht angelegt serainement noch sein kann. Einige Sachen können nicht gesagt sein, ohne daß einige Teile der Meinung sich dort unterscheidet.
    So ist es objektiv wahr, daß die Kolonisation negative Aspekt gehabt hat: die Ausnutzung(Betrieb) der Völker und der Vermögen dieser Länder, des Weiterbestehens der Eingeborenen in einem niedrigeren Status....
    Aber er bedeutet ebenso wahr alles, wie die Kolonisation positive Aspekt gehabt hat: allgemeine Verbesserung der Gesundheit, der modernen Wirtschaftstätigkeiten, der Infrastrukturschaffung...
    Obwohl er etwa oder die positiven oder negativen Ergebnisse der Kolonisation ist, ist diese moralisch verdammungswürdig, weil sie die Herrschaft eines Volkes auf anderer verwickelt.
     
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  6. BOIORIX

    BOIORIX Neues Mitglied

    Moral ist etwas individuelles:Ich bin für meine Taten ver
     

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