Frau im Mittelalter - Vertrauen und weiteres

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von maximiliott, 21. März 2006.

  1. maximiliott

    maximiliott Gesperrt

    Dass die Frau im Mittelalter als minderwertig angesehen wurde, ist bekannt, doch wie war es möglich, zu Hochzeiten der Hexenverfolgung der eigenen Frau zu trauen. Kam es vor, dass Ehemänner nach trivialen Streitigkeiten die eigene Ehefrau der Hexerei oder sonstigem beschuldigt haben, was oft mit dem Tode bestraft wurde?

    Wie war generell überhaupt ein Eheleben möglich, mit einem "Lebewesen", der Frau, dem man aufgrund der ohnehin schlechten Gesinnung jeder Frau, nicht trauen sollte oder durfte?
     
  2. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Mir war das nicht bekannt. Ich bin immer neugierig. Woher weisst du das?
     
  3. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

  4. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    So - und jetzt ich noch... bin leider gerade erst wieder online, deshalb die Verspätung...
    Ich greife mir an der Stelle lediglich zwei Punkte heraus, die mir besonders sauer aufgestoßen sind.

    Erstens lassen sich über die Frau im Mittelalter - zwischen Chlodwig (500) und Columbus (1500) - genausowenig Aussagen treffen wie über die Frau der Neuzeit - zwischen Martin Luther (1500) und Gerhard Schröder...
    Zweites gab es vor dem Mittelalter - wenn überhaupt - nur punktuell bei wenigen Völkern so etwas wie Gleichberechtigung, und diese ist auch in der Neuzeit mW erst ein Produkt der letzten Jahrzehnte.
    Drittens steht der Behauptung zumindest im Hochmittelalter mit der Höfischen Minne ein konkretes Faktum entgegen.

    Die Hexenverfolgung gehört nicht mehr ins Mittelalter, sondern in die Frühe Neuzeit (nach 1500)!
     
  5. Mercy

    Mercy unvergessen

    Da auch Männer in der Hochzeit der Hexenverfolgung, in der Frühen Neuzeit, verfolgt wurden, könnte man auch umgekehrt fragen.
     
  6. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Das ist richtig. (Würd gerne bewerten, geht aber noch nicht :rotwerd: )

    Schon bei der Entwicklung des Eheverhältnisses zeigt sich dies. Im Frühmittelalter war es noch die Muntehe, die gängig war. So geht die Frau durch die Verheiratung von der Munt (Schutz, Herrschaft) ihres Vaters in die ihres Gatten über. Ab 1200 wird das christliche Ehemodell üblich, d.h. es handelt sich um einen Konsens zwischen Mann und Frau. Diese Verbindung wird immernoch vom "Herrn" dominiert, die Stellung der Frau hat sich jedoch um einiges gebessert. Dass die Freiwilligkeit der Heirat nicht in allen Fällen gewährleistet ist, versteht sich von selbst.


    Deine Aussage ist nur bedingt richtig. Die Jungfrau, die treusorgende Ehefrau oder die trauernde Witwe genossen durchaus Achtung in der Gesellschaft. Wie sonst erklärst du dir die huldvolle Marienverehrung, die sich durch die Jahrhunderte des Mittelalters zieht? Maria hatte Vorbildfunktion, ihre Reinheit und Sorge waren das, was jede Frau anstreben solle.
     
  7. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Ich denke, dass die Frau von den Männern im Mittelalter nicht als minderwertiges Wesen gesehen wurde, sondern dass diese Einschätzung eher aus einer Geschichtsbetrachtung "durch die heutige Brille" resultiert.

    Die Rollenverteilung von Männern und Frauen war im Mittelalter sicherlich enger abgesteckt als heute, was aber keinerlei Werturteil beinhaltet.

    Die Frauen hatten auf der unteren sozialen Ebene (Familie) immer die Macht - überließen aber meist dem Mann den Eindruck, dass er sie hätte (das braucht "mann" offenbar für's Ego). Der Mann leistete dafür die "Drecksarbeit" auf dem Feld & im Krieg. Erst im Zuge der Industrialisierung verschob sich das gesellschaftliche und ökonomische Machtzentrum vom Heim in die Arbeitswelt und die Frauen fühlten sich angeschmiert.

    Ein weiterer Aspekt ist die Heiratspolitik in den höheren Ständen (also zahlenmäßig einer Minderheit), die nur bei einem willfährigen Verhalten der jungen Frauen funktionieren konnte. Es war also "nützlich", diese in die entsprechende Richtung zu erziehen, nicht aber, sie als minderwertig zu betrachten.
     
  8. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Die Heiratspolitik des Adels war weitaus vielschichtiger, und es spielten andere Aspekte eine wichtige Rolle...
    Zunächst einmal handelte es sich hier gewöhnlich nicht um Liebesheiraten, sondern um politische Kalküle, ergo Zweckheiraten - und für die Liebe "tobte" man sich oftmals in Liebschaften außerhalb der Ehe "aus". Und da spielte "willfährigkeit" o.ä. eher wenig eine Rolle...
    Natürlich gab es auch auf dieser Ebene Fälle, wo sich die Eheleute wirklich liebten, und in einem solchen Fall war das oben Genannte sowieso obsolet.
     
  9. maximiliott

    maximiliott Gesperrt

    Auch hier wieder:
    Im Jahre 1275 in Toulouse wurde die erste Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Und das war keine Neuzeit.

    Desweiteren wollte ich ja keinen persönlich angreifen, indem ich nur das wiedergab, was man in jedem Geschichtsbuch lesen kann. Die Frau war damals garantiert (Mittelalter) noch nicht dem Mann gleichgestellt.

    Aber wenn sich dadurch einige persönlich beleidigt fühlen, können wir die Frage auch schliessen oder löschen
     
  10. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Ich hab dir im anderen Pfad einen Hinweis hinterlassen.

    Und diese Tatsache hat auch keiner in Abrede gestellt. Niemand fühlt sich hier so schnell beleidigt, wir sind ein Geschichtsforum und da diskutiert man eben. Nicht gleich alles als Angriff werten. ;)
     
  11. maximiliott

    maximiliott Gesperrt

    Zur Hexenverbrennung - alles klar - anderer Thread.

    Ich muss die Links erst suchen, aber ich kann sagen, dass ich gelesen habe, dass man in der Frau das Schlechte sah, sie war in Besitz des Mannes etc. Unter diesen Umständen würde ich frei interpretieren, dass sie teils als wertfrei angesehen wurde und dem Mann unterlegen.

    Seltsam war z.B. die Sache mit dem Fremdgehen. Ging die Frau in der Ehe fremd, so wurde das wesentlich härter beurteilt, wie wenn der Mann fremdging.
     
  12. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Lili hat schon mal was über die Stellung der Frau im Mittelalter geschrieben, das findest du hier:
    http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=1616

    und hier über die Frauenarbeit im 15. Jahrhundert:

    http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=1600
     
  13. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Dies hatte keiner als Angriff gewertet (ich jedenfalls nicht).
    Zu den Büchern: leider haben viele Bücher abseits der Historischen fachliteratur immer noch diese unkorrekte Sichtweise.
    Zur Gleichstellung der Frau bzw. seit wann es die gibt, habe ich bereits weiter oben geschrieben - und auch, daß dies ebenso mit dem Mittelalter nichts zu tun hat!

    Warum?
    Du willst diskutieren, und wir haben uns darauf eingelassen... :fs:
    Ich bspw. kann es aber eben nicht leiden, wenn derartige klischeehafte und plakative Formulierungen ungefiltert wiedergegeben werden.
     
  14. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Dazu ist folgende Fragestellung wichtig: Wer sagt was wann und wo und in welchem Zusammenhang?

    Und das ist ja wohl auch nicht mittelaltertypisch und -spezifisch...
     
  15. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    Zumindest Thomas von Aquin, wie so oft im Fahrwasser von Augustinus sagt, daß der Begriff "Femina" von fe mina kommt, also die Frau einen geringeren Glauben als der Mann aufweist, was sie in gewisser Hinsicht minderwertig macht. Außerdem sah man im Mittelalter in den Spermien des Mannes kleine Homunculi, fertige Menschlein, die praktisch nur noch die richtige Umgebung zum Wachsen brauchten. Deshalb war Masturbation ein schweres Vergehen, eben eine Art Mord, da man vollständige Menschlein tötete. Von der fifty-fifty Teilung wußte man ja noch nichts. Aber somit war auch nur der Mann wirklich zur Weitergabe des Lebens fähig, was ihn ebenfalls über die Frau erhob.

    Aber wie schon erwähnt, genossen andere Frauen hohes Ansehen.
    Zum 12. Jh. gibt es drei interessante Bände von Georges Duby: I: Heloise, Isolde und die anderen, II: Mütter, Witwen, Konkubinen, III: Eva und die Prediger.
    Man muß immer bedenken, daß die meisten Quellen von Männern verfaßt wurden und deren Perspektive widergeben. Genau das versucht Duby zu berücksichtigen.

    Etwas anderes, witzig-erbauliches ist, wie ich finde, das Ehebüchlein des Albrecht von Eyb. Darin werden die Vor- und Nachteile der Ehe erwogen, mitunter sehr modern, so viel anders als heute war manches damals doch nicht.

    LG Kassia
     
  16. Suedwester

    Suedwester Gast

    Tja, anscheinend hab' ich mal wieder so einiges verpasst ... macht nix. Mal abgesehen davon, daß, wie schon erwähnt, die Hexenverfolgung nicht ins Mittelalter gehört, hätte ich zu diesem Thema mal wieder auf eines meiner absoluten Lieblingsbücher zu verweisen:

    Emanuell LeRoy Ladurie: Montaillou

    Die darin ausgewerteten Inquisitionsakten stammen aus den zwanziger Jahren des 14. Jahrhunderts. In der daraus rekonstruierten Soziologie des Ortes ergeben sich auch die Spannungen, die sich in katholisch-katharischen Ehen zu dieser Zeit ergaben. Die kann man sicher als Vorläufer der in der frühen Neuzeit auftretenden Probleme heranziehen.

    Bye
    Suedwester
     

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