Frauenarbeiten in hessischen Dörfern im 15. Jahrhundert

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von ursi, 5. August 2004.

  1. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    In den hessischen Dörfern des 15. Jahrhunderts gab es genau so wie heute die Frau oder die Frauenarbeit. Vielmehr bewirkten soziale Stellung, Familienstand und Alter gravierende Unterschiede in Art und Umfang der Arbeiten, Abhängigkeit oder Selbständigkeit, Rechten und Autorität. Es gab in den hessischen Dörfern drei Hauptgruppen an Einwohnern mit eigenem Haus; die Bauern und Bäuerinnen als Inhaber grösserer Höfe, die Kötner und Kötnerinnen, die wenig Land besassen und die landlosen Häusler. Ausserhalb dieses Gefüges gab es noch das Gesinde. Für die selbständige Frauenarbeit gehe ich in der folge auf die Bäuerinnen, für die Lohnarbeit auf die Kötnerinnen und Häuslerinnen und für das Gesinde auf die Mägde ein. Es gibt noch eine Gruppe von Frauen, auf die ich nicht näher eingehe, da erst aus der frühen Neuzeit Quellen dazu gibt, das sind die Hebammen.

    Bäuerinnen

    Die Höfe auf denen die Bäuerin lebte bestand aus einem Wohnhaus mit angrenzenden Stallungen, es hatte mindestens einen Garten, Äcker und Wiesen. Die Höfe waren meistens gepachtet und wurden an Mann und Frau übergeben, in der Regel konnte die Frau nach dem Tode ihres Mannes den Hof weiterführen. Wenn sie zu ihren Lebzeiten den Hof an ihre Kinder übergab, behielt sie zumeist einen Teil zur eigenen Versorgung, den sie bis an ihr Lebensende nutzen konnte. Wie sah ihre Arbeit nun im Einzelnen aus? Die wichtigste Aufgabe war zusammen mit dem Bauern die Leitung des Hofes. Grundsätzlich machte die Frau alles auf dem Hof, der Schwerpunkt lag aber im Bereich der Garten-, Milch-, Käse- und Viehwirtschaft und der Herstellung von Textilien, während sich der Bauer stärker um Feld- und Ackerbau kümmerte. Bei der Getreideernte schnitten aber Männer wie Frauen mit der Sichel das Korn (die Sense wurde erst in späteren Jahrhunderten verwendet). Nachdem Schnitt banden die Frauen die Graben zusammen. Bei der Heuernte beteiligte sie sich ebenfalls mit der Sichel am Schnitt und wendete das Heu, lud es auf Wagen oder trug es mit dem Rücken zum Hof. Im Allgemeinen spielte die Körperkraft keine Rolle bei der Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern. In den schriftlichen Zeugnissen aus dieser Zeit wird vor allem die Milch- und Käsewirtschaft hervorgehoben. Neben diesen Arbeiten war es die Aufgabe der Frau Sammel- und Lesetätigkeiten zu erledigen. Dies bestand aus sammeln von Beeren oder Pilzen.
    Männer wie Frauen verkauften die Resultate ihrer Arbeit an die Grundherren oder auf dem Markt. Dazu geben alte Rechnungen Auskunft, die genaue auflisten was die Frauen auf dem Markt verkauft haben. Was bedeutete die Verkaufstätigkeit für die Frauen? Die Frauen verfügten über Bargeld das für den bäuerlichen Haushalt von grosser Bedeutung war. Denn damit musste ein Teil der Pacht zurückbezahlt werden, sowie Steuern mussten bezahlt werden oder Waren wurden dazu gekauft, vor allem Salz. Das Gesinde wurde von der Bäuerin ausbezahlt. Dass Frauen auch eine Kasse führten, macht der auf Abbildungen um 1500 immer wieder gezeichnete Geldbeutel an ihrem Gürtel deutlich. Nachweislich bezahlten Frauen gelegentlich für ihre Kinder und für ihren Mann Bussgelder an den Gerichtsherren.
    Die Verkaufstätigkeit der Frauen schaffte auch Aussenkontakte zu den Vertretern der Klöster oder des Landgrafen. Der Blick der Bäuerinnen reichte deutlich über die Kirchturmspitze des Dorfes hinaus.

    Kötnerinnen und Häuslerinnen

    Gegen Ende des 15. Jahrhunderts bildeten Bauernhöfe die Minderzahl der dörflichen Stellen. Es gab immer mehr kleine Hofstellen und Häuser ohne Ackerland und gleichzeitig wuchs die Polarisierung im Dorf zu einer kleinen Oberschicht und einer grösser werden klein- und unterbäuerlichen Bevölkerungsgruppe. Es ist Auffallend das viele dieser kleinen Haushalte von Frauen gleitet wurden, die in Lohnarbeit standen. Diese Frauen waren meistens mit Handwerker oder Hirten verheiratet. Ihre Taglohnarbeit bestand aus Schafschur, Hacken, Jäten, Setzen, Schnitt von Gras und Getreide, Wenden und Laden von Heu, Laden von Mist und häuslicher Reinigungsarbeiten. Manche dieser Arbeiten wurden ausschliesslich von Frauen ausgeführt, z.B. die Schafschur oder die Gartenpflege, andere Arbeiten wurden in gleicher Weise oder überwiegend von Männern ausgeführt.

    Bei gleicher Arbeit wurden Frauen und Männer genau gleich bezahlt. Allerdings wurde Handwerkliches ausschliesslich von Männern durchgeführt und diese Arbeit wurde am besten bezahlt.

    Mägde

    An einen Hof gab es in etwa die gleich grosse Zahl von Knechten und Mägden die untereinander in einer Hierarchie nach Alter und Dienstzeit standen. Das so genannte Gesinde gehörte im Allgemeinen der Jungendphase an, erst später wurde es zur Lebensarbeit. Der Gesindedienst diente dazu sich etwas Anzusparen um später einen eigenen Hausstand zu leisten. Die Arbeit der Mägde entsprach im Grossen und Ganzen denen der Bäuerinnen, Kötnerinnen und Häuslerinnen.

    Literatur:

    Anke Wolf Graaf, Frauenarbeit im Abseits.
    Edith Ennen, Die Frau in der Landwirtschaft vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit
     
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