Friedrich II. - Kartoffelanbau

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von emma9707, 19. November 2011.

  1. emma9707

    emma9707 Neues Mitglied

    wie versuchte friedrich den kartoffelanbau durchzusetzen?
    bitte helfen:)
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ist nun wirklich eine Geschichte, die sich sehr leicht im Internet recherchieren lässt. Da die Internetrecherche eine wichtige Kompetenz ist, die man heute als Schüler erwerben muss, wäre es wirklich besser, wenn du dir das selbst zusammensuchst. Verständnisfragen kannst du hier natürlich gerne stellen. Dann aber bitte in korrekter Rechtschreibung mit Groß- und Kleinschreibung, ja?
     
  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Bei meinem letzten Besuch in Sanssoucci, es muss so 2006 gewesen sein, fiel mir auf, dass ein Zeitgenosse am Grab des Preußenkönigs eine Kartoffeln dort niedergelegt hat. Günther Grass, selbst begeisterter Hobbykoch, sagte einmal, die Einführung der Kartoffel nach dem siebenjährigen Krieg, sei bedeutsamer in ihren Nachwirkungen gewesen, als der ganze Siebenjährige Krieg. Die Provinzen, um die Friedrich einst drei Waffengänge riskiert hat, sind längst an Polen gefallen und Preußen ist von der Landkarte getilgt.

    Legenden berichten, der Preußenkönig habe Kartoffelfelder von Soldaten bewachen lassen, um der Bevölkerung zu suggerieren, es handele sich um etwas ganz besonderes, um sie zum Anbau der Kartoffel zu bewegen.

    Wie so viele Urban legends ist nicht viel Wahres dran: Tatsächlich hat Friedrich keine Überzeugungsarbeit geleistet, sondern einfach den Anbau der Knolle, mit Androhungen von Strafen, angeordnet und befohlen.

    Manche Reichsfürsten versuchten schon früher, den Kartoffelanbau zu forcieren, darunter die Landgrafen Moritz und Karl. Das obskure Nachtschattengewächs aus Amerika galt als Schweinefutter, und letztlich war es weder ein König, noch ein Reichsfürst, Landgraf, Professor oder Bauer dem die flächendeckende Einführung des Kartoffelanbaus in Deutschland zu verdanken war, sondern die Hungersnot von 1770/71.
    Das war die letzte große Agrarkatastrophe alteuropäischen Ausmaßes, und es wurden Landstriche wie Württemberg davon befallen, die durch unmittelbare Kriegsfolgen nicht betroffen waren.

    Die Kartoffel gedieh auch auf kargen Böden und versprach höhere Erträge als Getreide. In Irland lebte um die Mitte des 19. Jhds ein Großteil der Bevölkerung von der Kartoffel. Eine Kartoffelfäule vernichtete Ende der 1840er Jahre die gesamte Ernte mit verheerenden und weitreichenden sozialen Folgen für Irland und indirekt auch für die USA.
     
    1 Person gefällt das.
  4. UMEY

    UMEY Neues Mitglied

    ZEITreisen

    Sehr geehrte Gemeinde,
    "Kartoffel" lies mich Sie finden. Eher "Grundnahrungsmittel" führte zu "Kaffe" in Ihrer erquickenden "Gesellschaft." Und dann fand ich meine Kartoffel.
    Ja, ich hänge mich hier einfach ran.
    Weil ein Teil meiner Fragen schon beantwortet wurde.
    Wikipedia ist ja manchmal sehr "sparsam". Die ZEIT-online albert gerade mit Rätseln zur Weltentdeckung rum
    Südamerika (die neue Welt) brachte dem "Osten" Tomaten, Bohnen und Kartoffeln.
    200 Jahre bis zum effektiven Einsatz.
    Davor eine Art Weizen oder Reis.
    Als Kind (1966) habe ich Runkeln (die rote Hülle) ernten müssen (damit ich auf dem Trecker mitfahren darf). Keine Steckrüben. Keine Zuckerrüben.
    Die Bezeichnung ist sicherlich auch vom Landstrich abhängig.
    Meine Frage: "Was war in der Zeit, bis zur Zwangseinführung der Kartoffel Grundlage der täglichen Ernährung".
    Es gab grosse Städte. Gewürze, Salz und Pfeffer werden immer genannt.
    Aber wie hat der Bürger (im Sinne des Wortes) sein Überleben gesichert.
    Kräuter und Sammeln im Wald reicht nicht.
    Weizenanbau? Ohne die Körner zu mahlen.
    Hirse? Das reicht doch nicht.
    Haben die Kreuzritter ihre Grundnahrungsmittel mitgenommen?
    Oder war der Weizen in Vorderasien der Gleich wie in Europa?

    Vielen Dank für Antworten.
     
  5. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Grundnahrungsmittel waren in Europa, wie in Nahost iW die Getreide, Roggen, Gerste, Weizen, Hafer zu unterschiedlichen Anteilen. Als Brei oder zum Brot, Fladen gebacken. Gemahlen von Hand oder per Mühle.
    Desweiteren die Hülsenfrüchte Erbsen, Linsen und Ackerbohnen, die außer Kohlehydraten auch Protein enthalten. Ergänzt um Obst und Gemüse wie Rüben, Haferwurzeln und diverse Blätter und manchmal Fleisch und Fisch.

    Der Weizen war in Vorderasien der gleiche wie in Europa, denn dort stammt er her.
     
  6. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Es gab davor auch schon Roggen und Hafer. Wobei der Hafer meist als Viehfutter verwendet wurde.
    Das Getreide wurde vom Müller gemahlen. Wobei die Mühlen meist dem Grundherren gehörten.
    Zum anderen wurde sehr viel mehr "saisonal" gekocht, weil den Leuten nichts anderes übrig blieb. Fleisch wurde auch nicht in dem menge gegessen wie heute.
    Weißkohl und Bohnen wurden zum Teil Milchsäure vergoren. Sauerkraut und Saure Bohnen. Damit war es haltbar. Zum anderen wurde viele Sachen sauer eingelegt. Oder getrocknet wie zum Teil Bohnen und die anderen Hülsenfrüchte.
    Obst wurde auch getrocknet oder mit Honig behandelt.
    Fleisch wurde getrocknet oder geräuchert oder zu Wurst verarbeitet. Fisch kam getrocknet von den Lofoten.
    In Salz wurde Fleisch (gepökelt) und Fisch eingelegten damit haltbar gemacht.
    Das als nur kleine Beispiele.

    Apvar
     
    1 Person gefällt das.
  7. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Der Einfache Mann aß im Mittelalter und der frühen Neuzeit meistens Mehl- oder Milchsuppe. Gewürze waren sehr Teuer und für die meisten Menschen nicht leistbar. Dazu gab es Brot und alles was man selbst anbaute. Fleisch gab es, aus eigener Schlachtung, meistens nur im Herbst und Winter, weil die Lagermöglichkeiten nicht all zu gut waren. Rüben (als Knollen) hingegen sind nicht viel länger als die Kartoffel in den gemäßigten Zonen Europas unterwegs. Zunächst wurden primär die Blätter gegessen, erst später (im 16. Jhd.) wurden die Rüben dann so gezüchtet, dass die Wurzel zur Nahrung wurde.
     
    1 Person gefällt das.
  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied



    Roggen, Weizen Hafer und Gerste wurden bereits im Mittelalter kultiviert. Um Lebensmittel haltbar zu machen, wurden sie eingesalzen oder in Essig eingelegt, wofür große Mengen an Salz benötigt wurden. Fisch oder seltener noch Fleisch konnte durch Räuchern haltbar gemacht werden und gab dem Lebensmittel zugleich Aromastoffe. Einen wesentlich bedeutenderen Anteil als Feldfrucht spielte bis ins 18. Jahrhundert hinein die Hirse, die zu Brei oder Grütze verarbeitet wurde. Grimms Märchen vom süßen Brei erinnert noch daran, ebenso wie das Gemälde "Bauernhochzeit" von Pieter Breughel.
     

    Anhänge:

  9. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    naja, Hafer als Viehfutter?? Es gibt da ein altes Gericht, heißt "Porridge" ein nicht nur in Schottland begehrtes Essen ;-)
     
  10. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Nicht manche - viele.
    Preußen war einfach eher ein Nachzügler. Kartoffelanbau gab es zuvor bereits in der Pfalz, im Fränkischen, in Sachsen, Luxemburg, Oberharz, Bayern und vielen anderen Gegenden Deutschlands.
    Nennenswert wäre vielmehr, dass die Kartoffel in Frankreich beispielsweise spät und schwierig heimisch wurde. Erst nach 1769 scheint v.a. durch Antoine Augustin Parmentier die Kartoffel auf dem Vormarsch gewesen zu sein. Derweil verspeiste man allerdings schon Gerichte mit Kartoffeln bei Hofe.
     
  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Hatten wir im Forum nicht schon einmal das Thema der Rekonstruktion der frühen landwirtschaftlichen Erträge, speziell bzgl. des Kartoffelanbaus?

    Ich finde das nicht wieder, bin aber der Meinung, es gab dazu schon einige Statistiken nach Regionen. Interessant sind natürlich die Bemerkungen zu den Verzehrgewohnheiten an den Höfen, die auch die Ausweitung des Anbaus widerspiegeln können (nicht müssen?).
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Kartoffel war zwar im breiten Anbau nicht beliebt (wegen ihre Anfälligkeit und schwankenden Ernten?), galt aber bereits vor FdGr als Delikatesse: Schlesische Accife-Ordnung von 1705: unter der entsprechenden Rubrik Delikatesse, Tartuffoli, Steuersatz 6 Kreuzer pro Taler aus dem Erlös. Das erklärt vielleicht auch etwas den Verzehr an den Höfen, von dem oben Brissotin berichtet hat.

    Von Friedrich Wilhelm I. wurden der Berliner Charite 1728 Felder geschenkt mit der Maßgabe, dort für Kranke und Arme Kartoffeln anzubauen (Quelle: Allgemeine Zeitung für den deutschen Haus- und Landwirt, 1840). In Pommern gab es bereits 1740 Zwangsregeln zum Anbau. Nach der Hungersnot 1745 ließ Friedrich der Große Wagenladungen von Saatknollen zum Anbau verteilen, aber ohne entsprechenden Erfolg. 1756 sind Zwangsmaßnahmen der Breslauer Kriegs- und Domänenkammer zum Anbau ergangen. Etwa in dieser Zeit wurde durch Dragoner, die ins Land geschickt wurden, auch der Kartoffelanbau kontrolliert.

    Es scheint einen massiven Widerstand der Landwirte gegeben zu haben, beachtliche Erfolge gab es wohl erst in den 1770ern (zeitlich ähnlich zu Frankreich, wo Turgot die Durchsetzung betrieb).

    Als Vorteil wurde den Bauern in Preußen, Frankreich und Österreich "verkauft", dass der Anbau "ohne Zugvieh" zu betreiben sei. Das war dann wohl eher auf die Gartenwirtschaft bezogen, nicht auf Felderwirtschaft im großen Umfang. Entscheidend waren bezogen auf die genutzten Flächen eben die größeren Hektarerträge, wenn die Ernte gelang. Statistische Aufzeichnungen für das Gebiet des späteren deutschen Reiches habe ich erst im Hoffmann ab 1846 gefunden: da die genutzten Flächen nicht bekannt waren, und die Hektarerträge geschätzt wurden, ergab sich für 1846 in der Ernte etwa ein Gleichstand von Kartoffeln und Getreide (je etwa 7 Mio. to. geschätzt, Hoffmann, S. 282ff.)
     
  13. UMEY

    UMEY Neues Mitglied

    Aber dieses Salz war doch teuer? Salzstraßen. Lüneburg. Die Hanse. Salz aus der Sahara. Damit war wohl auch das damit Haltbargemachte sehr teuer.
    Essig ist nicht teuer? Weintrauben?
    Hirse. Damit muß ich mich beschäftigen. Die habe ich noch nie gegessen.
    Auch die genannte "Milchsuppe" finde ich spannend. Milch ist je sehr schnell sauer. Natürlich essbar, und wird heutzutage als Joghurt vermarktet.
    Aber süßen Brei damit machen? War Zucker nicht auch ein Produkt aus dem Ausland? Honig gab es, war aber auch teuer.
    Wurde "sauer Bier" auch zum Einlegen genutzt?
    Blöde "wenn Fragen Fragen machen".

    Ich bedanke mich, für die bisher sehr aufschlussreichen Antworten.
    Ich habe einen alten Folianten "hieronymus bosch" ehemals vom 2001 Verlag.
    Auch einen Breughel Bildband. Leider kann man den "Essern" nicht ansehen, was sie gerade essen.

    Mit freundlichem Gruß
    UMEY
     
  14. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Damals wurde sehr viel mit Honig gemacht. Zum Beispiel wurde dem Nachbier Honig und Brot beigemischt, was als Kofent ausgegeben wurde. Ist eine widerliche Pampe und auch schon Ulrich Bräker mochte das Zeug nicht.

    Richtig ist, dass das Haltbarmachen aufwändig war. Sauerkraut wurde auf jeden Fall im Winter verzehrt. Andererseits gibt es ja auch Wintergemüse wie Rosenkohl oder Feldsalat.

    Milch brauchte man nicht haltbar machen, weil die meisten Menschen auf dem Land eh dran kamen. Selbst Städter hielten sich bisweilen Kühe, wohl zur Selstversorgung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. November 2011
  15. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Kunst des räucherns gab Fleisch auch ohne teure Gewürze Aroma, und es konnten auch minderwertige Fleischstücke schmackhaft gemacht werden, da Collagen in gelatine umgewandelt wird. Diese Tatsache machte Barbecue im Süden der USA wo es zudem zahlreiche verwilderte Schweine gab so erfolgreich, wobei aber in Kentucky Lamm und Hammel, in Texas rind geräuchert wird.

    Im Grunde genommen gleicht die Zubereitung Techniken die Kariben schon vor Columbus entwickelten und die später Glücksritter auf Hispaniola übernahmen. Barbacoa hießen Gruben und Boukan Gestelle aus grünem Holz, in denen bei mäßiger temperatur Fleisch heißgeräuchert wurde, was heute im Barbecuesmoker funktioniert.

    Dem Bukan verdankte eine eigenartige Mischung aus abenteurern und Glücksrittern aus ganz Europa ihren Namen, die sich auf Hispaniola der Schweinejagd widmeten, nachdem die Spanier sie zu vertreiben versucht hatten, aber der Piraterie widmeten.
     
  16. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das Salz der Hanse stammte neben der Lüneburger Saline (oberflächennaher Abbau) aus Frankreich und Portugal. Lübeck verdangt dem Fang und Pökeln der Heringe seinen Aufstieg.
     

Diese Seite empfehlen