Gab es jemals wirklich eine Weltmacht "Nummer 1"?

Dieses Thema im Forum "Kriegsschauplätze" wurde erstellt von Gast, 21. September 2008.

  1. elysian

    elysian Neues Mitglied

    Und wozu soll so eine Definition gut sein? Was gewinnt man an Erkenntnis oder Einsicht, wenn man auf die völlig hypothetische Größe abstellt, wer wen militärisch hätte besiegen können, wenn sich diese beiden Mächte im luftleeren Raum begegnet wären? Wie zweifelhaft solche Einschätzungen sind, präsentierst Du ja im folgenden selbst:
    Nur Behauptungen, keine Argumente. Nirgends Zahlen oder gar Quellen.
    Jede Aussage eine von den historischen Zusammenhängen völlig losgelöste Betrachtung.


    Es erscheint mir sinnvoller, auf den nachweisbaren Einfluss der Großmächte abzustellen. Diejenige Weltmacht mit dem größten Einfluss im Zeitpunkt X war zu diesem Zeitpunkt folglich Weltmacht Nr.1.
     
  2. Gast

    Gast Gast

    Wenn man Weltmacht nach dem Einfluss deffiniert, gab es eine Weltmacht Nummer 1, aber nie ein "stärkstes Land". Denn ich glaube, dass es nie einen Staat gab, der jedes andere beliebiege Land x militärisch (auch bei Anwendung des gesammten Wirtschaftspotenzials) besiegen konnte. Es gibt zwar keine genauen Fakten, es ist aber äußerst unwahrscheinlich, dass z.B. das Britische Imperium alleine eine Landmacht wie das Zarenreich besiegen hätte können und umgekehrt auch, daher kann man sagen das es z.B. im 19.J.h. keinen stärksten Staat gab. Der Krimkrieg zeigte welche Schwierigkeiten die Briten und Franzosen in Russland hatten.
     
  3. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Natürlich gab es das.
    "Stärkstes Land" heißt - wenn man das aufs Militärische verengen will - stärker zu sein als jedes andere Land.
    Das heißt NICHT, daß man in der Lage sein muß, jedes andere Land per Invasion besiegen zu können.
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Der These von R.A. pflichte ich bei. Das britische Empire war zweifellos im 19. Jahrhundert die dominante Weltmacht, hatte aber in verschiedenen Kolonialkriegen Niederlagen einzustecken. Die USA und die Sowjetunion waren die Supermächte nach Ende des 2. Weltkriegs. Dennoch haben beide die Erfahrung machen müssen, dass sie in Vietnam, bzw. in Afghanistan an die Grenzen ihrer militärischen Macht stießen wie das die Briten bereits im 19. Jahrhundert erlebt hatten.

    Das napoleonische Frankreich war allen seinen Gegnern militärisch überlegen, doch in Spanien, der zerrüttesten Monarchie Europas, stieß Napoleon an seine Grenzen.
     
  5. gregory

    gregory Neues Mitglied

    Das medo-persische Reich der Achämeniden.,welches einen Großteil er damals bekannten Welt auf drei Kontinenten umfaßte, sowie das Reich Dschingis Khans
    kann man für die damaligen Zeiten als Weltmächte Nr.1 betrachten....
     
  6. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das fiel aber wie ein Kartenhaus zusammen, als Alexander kam. Auch zuvor gab es herbe Schlappen -siehe Kyros.
    Dschingis Khan gründete m.E. kein Weltreich, sondern einen Stammesbund, der bald wieder zerfiel. Somit blieb es eine Episode.
     
  7. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Ich lese öfters (bei Historikern) vom Osmanischen Reich als mächtigstem Reich seiner Zeit. Was könnte die Begründung sein?
    Dass beinahe alles erobert wurde, alle Reiche unterworfen wurden, was zu Land im Umkreis vom Herrlager bei Istanbul erreichbar war? siehe Karte: Seminar für Arabistik, Islamwissenschaft, Semitistik - Institut für Orientalistik - MLU Halle-Wittenberg
    Zumindest mit ihrer damaligen Logistik? In der (Hochsee-)Schifffahrt wurden sie ja trotz Expeditionen nach Indonesien, Indien und Kenia bald abgehängt, bzw. sie verloren ihr Interesse.
    Wieso diese Beurteilung?
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. September 2008
  8. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ein Weltreich, so sagt es der Name schon, dominiert global. Also können wir alles vergessen, was vor den Entdeckungsfahrten existierte und ohne überlegene Seemacht ist es auch nicht denkbar. Das einzige was mir da einfällt, wäre das Britische Empire unter Queen Victoria, da schließe ich mich @Köbi an. Keine andere Macht wäre jemals vergleichbar in der Lage gewesen, seine Interessen weltweit so durchzusetzen - auch die USA im späten 20.Jahrhundert nicht.
     
  9. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Ich weiß nicht ob sich dein Post auf meines bezog, ich fragte ja nach der Begründung, warum Historiker das Osm. Reich als mächtigstes Reich bezeichnen. Ein richtiges Weltreich braucht eine Hochseeflotte, klaro.
     
  10. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Nein @lynxxx, es bezog sich nicht auf deinen Beitrag. Aber wenn wir schon den Orient aufsuchen, passt das "Weltreich" doch eher zum Kalifat als zu den Osmanen. Ich weiß nicht, auf welche Historiker du dich berufst. Die verlinkte Karte entstammt jedenfalls einer Fakultät, die nicht unbedingt völlig unvoreingenommen ist.
     
  11. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Ich sprach nicht von Weltreich, sondern vom mächtigsten Reich. Die verlinkte Karte und die Fakultät sind zwei paar Schuhe, weil die Karte aus einem Standardwerk stammt, welches nicht von Profs der dortigen Fakultät verfasst wurde.
    PS: Wieso voreingenommen? Weißt du von Interna?
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. September 2008
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    In Europa endete das osmanische Reich kurz vor Wien und in Afrika kurz hinter Algier. Es regierte alles, was dazwischen lag, die europäische Schwarzmeerküste ein Stück weit hoch, den Einzugsbereich der wichtigsten Flüsse, Euphrat-Tigris und Nil.
    Ottoman Empire 1300-1922
    Der interaktive Atlas funzt mit Firefox leider nicht. Allerdings mit dem Explorer,
     
  13. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Bei dieser Bewertung fehlt der "Weltmacht"-Anspruch, daher halte ich diese Einschätzung für plausibel.
    Die Osmanen auf ihrem Höhepunkt waren wohl jeder Macht in ihrer Reichweite überlegen - was wie bei anderen hier genannten Beispielen nicht heißt, daß sie jede Schlacht und jeden Krieg automatisch gewannen.

    Ich weiß aber nicht, ob außerhalb dieser direkten Reichweite, d.h. in Indien oder China, zu dieser Zeit mächtigere Reiche existiert haben, das ist nicht so mein Gebiet. Wenn man das noch vergleicht, könnte man das mit den Osmanen glauben.
     
  14. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    @Lynxxx, der Threadtitel lautet aber auf Weltmacht Nr.1.
    Betr. deiner Nachfrage: Ich weiß dass manche dieser Fakultäten zu 2/3 aus deutschstämmigen (meist weiblichen) Konvertiten bestehen, die anders als die meisten hier lehrenden und studierenden Orientalen oft eine relativ unkritische Sicht auf ihr Fachgebiet haben.
    @RA, die "Reichweite" der Portugiesen und Spanier war ungleich höher. Diese verfolgten im östlichen Mittelmeer jedoch keine Primärinteressen - nach Wien 1529, Lepanto und Malta war die "osmanische Gefahr" nicht mehr so vordergründig. Und spätestens nach der Zweiten Wiener Belagerung war der Sultan des Osmanischen Reichs, bei aller Ausdehnung und Pracht, schon der "kranke Mann am Bosporus". Ohne ausgleichende Diplomatie wäre es vermutlich schon im 18. Jahrhundert zur Zerschlagung gekommen und Russland hätte sich in den Besitz der Dardanellen gesetzt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. September 2008
  15. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Das sehe ich völlig genauso.

    Bis zu den Entdeckungsreisen gibt es nur Hypothesen über mächtigste Reiche, aber ohne Weltmachtanspruch (d.h. die haben den Anspruch schon erhoben, aber nur wegen ihres beschränkten Information).
    Und es können nur Hypothesen bleiben, weil einige Reiche zu unvergleichbar sind, typisches Beispiel Römer vs. Chinesen.

    Das ist natürlich das Musterbeispiel - aber die Spanier vorher (und vielleicht die Franzosen, das wurde ja schon diskutiert) waren auf jeden Fall auch "Weltmacht Nr. 1".

    Ich sehe keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Briten des 19. und den Amis des 20. Jahrhunderts.

    Die Briten waren mit Abstand Nummer Eins, aber dann kamen eben gleich einige andere Weltmächte, mit denen England rechnen mußte.

    Die USA mußten lange Zeit die SU als zweite Weltmacht (aber auch mit Abstand) sehr ernst nehmen, seit 1990 ist das aber auch weggefallen. Die weiteren Mächte sind deutlich schwächer und alle keine echten Weltmächte mehr.
     
  16. elysian

    elysian Neues Mitglied

    @balticbirdy

    Weltmacht bedeutet nicht zwingend global.
    Bei der Bewertung der antiken Mächte ist es durchaus angebracht, auf die jeweilige antike Welt abzustellen.
    Weltmacht ist also in verschiedener Hinsicht zu verstehen.
    Im modernen Sinne würde ich Dir allerdings zustimmen.
     
  17. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Sorry, du vergisst da einen neuen Global Player mit 1,3 Mrd. Einwohnern. Und Russland hat sich unter Putin wieder hochgerappelt. Aber hier geht es ja um gewesene Geschichte. :still:
     
  18. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Ja ist dann die Welt nur der Teil, der einen gewissen Teil der Welt oder Erde bezeichnet? Aber dann wäre ja auch den Teil der Welt betrachtet wieder jeder eine Weltmacht, denn es ist die Welt desjeneigen, der in seiner Welt steht, oder so.....:grübel:
     
  19. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Für mich schon.
    Daß diverse alte Staaten ihren direkten Umkreis mit der ganzen Welt gleichsetzten, und sich eine Reihe Staaten gleichzeitig für Weltmacht Nr. 1 hielten, weil sie den Rest nicht kannten - das zählt doch nicht wirklich.
    Das sind halt Regionalmächte.
     
  20. elysian

    elysian Neues Mitglied

    @Köbis17

    Lies Dir doch einfach die zwei Seiten dieses Themas noch einmal durch. ;)
    Was bezeichnen wir typischerweise als antike Welt, auch wenn das zugegeben sehr auf das Mittelmeer fixiert ist?
    Die "antike Welt" war nun einmal "kleiner". ;)
    Ich denke, man darf bei der Bewertung ruhig das jeweilige Weltbild zugrunde legen. Dieses korrespondiert mit dem Wissen um die Welt und den technischen Möglichkeiten ihrer Beherrschung.
    Gerade darin liegt ja die Bedeutung der Moderne, dass sie das von der Antike über das Mittelalter überkommene Weltbild radikal änderte und althergebrachte Rahmen sprengte.
    Auch daraus resultiert die verbreitete Ansicht, das Mittelalter sei nicht eine Zeit des Fortschritts gewesen.
     

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