Galakleidung im 18.Jh.

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Brissotin, 6. Oktober 2011.

Schlagworte:
  1. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Danke.

    M.
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Galakleidung für Bürgerliche?

    Der Titel "Galakleidung für Bürgerliche" ist wohl übertrieben.

    Es war allerdings so, dass auch die Untertanen und andere Leute bis hin zur städtischen Unterschicht in Festivitäten des Adels einbezogen wurden. Hier hatte ich dazu bereits Ausführungen zu Vorgängen in Regensburg eingestellt: http://www.geschichtsforum.de/382041-post48.html

    Als eigentlich integriert kann man die Bürgerlichen nicht in die Festivitäten des engeren hochherrschaftlichen Kreises bezeichnen. Sie bildeten dazu ein Rahmenprogramm.*

    In den Tagebuchaufzeichnungen des Fürsten Ludwig Günther II. von Schwarzburg-Rudolstadt (reg. 1767-1790) begegnen uns Bürgerliche zweierlei Art. Am Galatag anlässlich der Rückkehr des Erbprinzenpaares, Friedrich Carl (1736-1793) und Auguste Louise Friederike aus dem Hause Sachsen-Gotha-Altenburg (1752-1805), von ihrer Hochzeit wurde ein Ball am 10. Januar 1781 auf dem Residenzschloss Heidecksburg veranstaltet. Vor dem Ball war die adelige Hofgesellschaft unter sich geblieben.
    1) Dann wurden Frauen aus der Bürgerschaft der Stadt für den Ball begrüßt. Über die Bekleidung dieser Damen kenne ich leider keine Aussagen.
    2) Über die Vertreter der Innungen und die Bürgerschaft, scheinbar die Bürgerschaft von Rang, ist aber bekannt, dass sie ausdrücklich schwarze Mäntel trugen, bis auf die Fahnenträger der Innungen. Die Funktion der Vertreter der Innungen war eine Art Vorstellung mit dem Herzeigen der Fahnen. Danach zogen sie nochmal einen Kreis im Schlosshof und gingen dann wieder hinunter in die Stadt, wo sie verköstigt wurden, was der Fürst bezahlte. **

    * Ausgenommen wie oben gesagt bürgerliche Bediente etc..
    ** Tagebuch des Fürsten Ludwig Günther II. in:
    Horst Fleischer: "Vom Leben in der Residenz - Rudolstadt 1646-1816" Thüringisches Landesmuseum Heidecksburg, Rudolstadt, 1996
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Hofuniform und Livrée

    Innerhalb der Bekleidung der Hofbedienten gab es an den meisten Höfen eine Abstufung von Gala- und alltäglicher Kleidung.

    A) Livrée beim Prince de Condé
    Eine typische Einteilung dürfte die der Livrée beim Prince de Condé gewesen sein, die hier einmal als ein Beispiel für eine Livrée bei einem nicht souveränen Fürsten gelten darf.
    Zwei Aquarelle von 1776 stellen die zwei Arten der Livrée dar:
    1.
    Der Habit für die Lakaien, Kutscher und andere Bediente scheint die offizielle Kleidung zu sein.
    Der Rock ist mit Borten in Wappenfarbe der Condé (rot) gehalten, während der Rock in einem orange-fliderfarbenen Ton ist. Die Weste, die ebenfalls in Rot ist, hat silberne Borten.
    2.
    Der Surtout ist nicht bortenverziert. Die rote Weste hat aber immerhin silberne Knopflöcher. Wie bei einem Justaucorps gehen Knöpfe und Knopflöcher vorn und hinten bis ganz nach unten. Die Aufschläge sind ebenso wie die Weste rot. *
    Insgesamt ist der Schnitt sehr altmodisch. Es gibt weite Schöße, große Aufschläge, alles sieht eher nach der Mode um 1755 aus. Wahrscheinlich sollte dies zur Abgrenzung von der modischer gekleideten Herrschaft dienen.

    B) Hofuniformen und Livrée beim Großherzog de Toskana
    1764 wurde Joseph II. in Frankfurt zum König gekrönt. Entsprechend übernahm sein Bruder Peter Leopold als Großherzog die Toskana. Eine der ersten Maßnahmen war die Einführung einer Hofuniform für den Hof und zwar aus ökonomischen Gründen wie damals angegeben wurde.
    So haben sich zeitgenössiche Abbildungen von um 1765 in Florenz erhalten, welche verschiedene Livréen von den diversen Hofbedienten zeigen. Lakaien und Läufer etc. hatten dabei unterschiedliche Livréen, aber alle waren in Dunkelblau.
    Interessant ist die Kleidung der Pagen am Hof zu Florenz, welche unterteilt ist in:
    Es handelt sich im Detail um:
    1.
    Das Gala-"Kleith" ist rot mit breiten, geschwungenen Goldborten besetzt. Der rote Seidensamt stammt aus Florenz, die Borte und die ebenfalls goldenen Knöpfe aus Frankreich.
    2.
    Diese alltägliche Kleidung der Pagen besteht aus einem Surtout mit z.B. nur drei Knopflöchern hinten am Schlitz, Weste und Hose. Knopflöcher sind in Gold, das Tuch ist grau.
    3.
    Diese Demi-Gala-Kleidung ist von rotem Tuch, anstelle von Zierknopflöchern etc. sieht man goldene, geschlungene Litzen. **

    1764 gab es in Wien ähnliche Überlegungen, was aus folgenden Zeilen hervorgeht:
    ***
    Hier taucht als das bereits bekannte Schwarz für die Galakleidung am Habsburgerhof für die gewöhnlichen Hofränge auf.
    Der Mantel des Spanischen Mantelkleides wurde scheinbar auf die Gala begrenzt.

    C) Livréen und Hofuniformen in Schwarzburg-Rudolstadt
    Die Livrée der gewöhnlichen Dienstboten in Schwarzburg-Rudolstadt ähnelte sehr derjenigen der Pagen am florentinischen Hof. Im gewöhnlichen Dienst wurden schlichte graue Anzüge getragen. Bei Anlässen, welche anderswo Demi-Gala gehießen hätten, z.B. weniger pompös begangene Geburtstage, wurde die graue Livrée mit den besseren Westen der Galalivrée angelegt. Bei der großen Gala wurde eine rote Livrée getragen.

    Die Hofkavaliere und überhaupt der gesamte Hof von Rang und Stand trug an Gala seit 1769 Hofuniformen.
    Ein beispielhafter Anlass war der Besuch der Markgräfin Frederike Karoline von Ansbach-Bayreuth am Hof zu Rudolstadt, der vom 19. Januar bis 7. Februar 1786 währte.
    ****
    Am 30. Mai 1769 wurde diese Hofuniform eingeführt. Zuvor trug man scheinbar unterschiedlich, entweder wie zum Dankgottesdienst anlässlich der Geburt des Prinzen Ludwig Friedrich 1767 Schwarz oder an Galatagen bunt.
    Zur Einführung der Hofuniformen am 30. Mai 1769 geht aus dem Tagebuch des Fürsten hervor:
    *****

    Auf einem Gemälde von F.W.C. Morgenstern auf der Heidecksburg von nach 1771, das die fürstliche Familie zeigt, ist an den Familienmitgliedern wahrscheinlich sehr detailiert die Hofuniform zu erkennen. Der Erbprinz (1736-1793) und sein ältester Sohn (1767-1807) tragen die gleiche Uniform. Die Umlegekrägen, die Weste und die Hose, sowie die Aufschläge sind in Seladon, was eher nach Blau aussieht, gehalten. Der Rock ist rot. Es gibt reichlich silberne Verzierungen an Schulter, Weste etc..
    Der Fürst (1708-1790) selbst trägt hingegen einen roten Rock ohne irgendwelche Elemente der Uniform, statt der silbernen Borten hat er eine schöne goldene Stickerei und einen Orden, übrigens ähnlich einem Porträt des Fürsten Datei:Ludwig Günther IV von Schwarzburg -Rudolstadt.PNG ? Wikipedia und einem Selbstporträt zu Pferde (er war begeisterter Pferdemaler und Reiter bis ins hohe Alter).
    Der jüngste Sohn des Erbprinzen namens Karl Günther (1771-1825) wird an den Pauken, offenbar seine Lieblingsinstrumente (er führte auch selbst vor dem Hof Konzerte mit Pauken auf), gezeigt. Er hat eine ähnliche Uniform wie sein Bruder und sein Vater angezogen. Allerdings hat er auch Rabatten in Meergrün.

    Quellen:
    *
    Gorquet-Ballesteros u.a.: "Fastes de cour et cérémonies royales : Le costumes de cour en Europe (1650-1800)" RMN, 2009
    S. 163
    Die Aquarelle befinden sich in: Paris, Bibliothèque nationale, cabinet des Estampes
    **
    Gorquet-Ballesteros u.a.: "Fastes de cour et cérémonies royales : Le costumes de cour en Europe (1650-1800)" RMN, 2009
    daraus der Abschnitt: "Livrées et uniformes de la cour du grand-duc de Toscane, Pierre Léopold"
    S. 164-170
    ***
    ebenda
    S. 170
    das Zitat stammt aus dem Archivo di Stato de Florence (ASF) N.4 département du Grand Maître
    ****
    Horst Fleischer: "Vom Leben in der Residenz - Rudolstadt 1646-1816" Thüringisches Landesmuseum Heidecksburg, Rudolstadt, 1996
    entnommen aus den Tagebüchern des Fürsten Ludwig Günther II. und des späteren Fürsten Ludwig Friedrich II. (damals Sohn des Erbprinzen Friedrich Karl) von 1786
    *****
    ebenda
    S. 165
    Zusammenfassung nach dem Tagebuch des Fürsten Ludwig Günther II. von Schwarzburg-Rudolstadt von 1769
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Oktober 2011
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  4. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Brissotin

    Beim mitlesen dieses Threads ist mir aufgefallen, wenn ich das so richtig interpretiere, das Hofuniformen so ca. Mitte des 18. Jh. an offensichtlich vielen Höfen eingeführt wurden. Könnte das nicht auch u.a. soziologische Gründe haben, nämlich die Hofuniform als äußeres Zeichen des Abschlußes der Disziplinierung des Adels, durch den jeweiligen Landesherren?

    M.
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Bild vom Kaiserhof mit Livréen wie in der Toskana

    Kann man nicht so sagen.

    Die Bestrebungen waren auch schon vorher vorhanden. So gibt es eine Streitigkeit um die Einführung von Uniformen für den gesamten Adel Kursachsens anlässlich der Vermählungsfeierlichkeiten des Kurprinzen Friedrich August (II.) 1719 in Dresden.
    Als Gründe gegen diese Maßnahme 1719 wurden unterschiedliche Aspekte angebracht. Viele empfanden die Uniform als Schikane, v.a. da sie angeblich zu teuer war, weshalb sich viele vom Adel davor drücken wollten, indem sie sich entschuldigten. Das ließ Friedrich August I. aber nicht durchgehen, sondern forderte als einzige Entschuldigungen glaubhafte ärztliche Atteste.
    (Hatte ich auch schonmal woanders angeführt.)

    Hier sieht man übrigens sehr schön, dass die in der Toskana 1765 eingeführten Hofuniformen schon sehr ähnlich vorher in Wien eingeführt waren:
    Gemälde (Mitte 18.Jh.) "Damenkarussell in der Winterreitschule der Hofburg anlässlich der Wiedereroberung Prags", Schule Martin van Meytens
    Die Welt der Habsburger - Martin van Meytens (Werkstatt): Damenkarussell in der Winterreitschule der Hofburg anlässlich der Wiedereroberung Prags, Ölgemälde, 18. Jahrhundert
    Die Kleider der Pagen sind auch mit goldenen Borten oder silbernen Borten besetzt wie bei mir oben zum Hof in der Toskana beschrieben. Ich nehme an, dass "Gold" oder "Silber" verschiedene Ränge innerhalb der höfischen Hierachie anzeigten.

    Der Aspekt der Ökonomie
    leuchtet mir persönlich ein. Wenn etwas die vorgeschriebene Uniform war, dann war es nicht so wahrscheinlich, dass sich der Adel, evtl. auch wenn er es sich nicht leisten konnte, gegenseitig bei gewissen Anlässen mit der Kleidung überbot und sich mit den Kosten für teure Kleidung ruinierte. Neben dem gegenseitigen Überbieten in der Kleidertracht spielte möglicherweise noch eine Rolle, dass man, wenn die und die Uniform vorgeschrieben für diesen oder jenen Anlass (Gala oder Demi-Gala) war, nicht immer wieder neue Kleider kaufen musste. Hatte man einmal die entsprechende Hofuniform erworben, scheint man sie problemlos über Jahre zu den wichtigen Anlässen getragen zu haben. Sonst wäre bspw. in den Rudolstädter Quellen, bei der recht guten und dichten Quellenlage, die Einführung neuer Uniformen bis 1786 erwähnt worden.

    Man kann das freilich nicht absolutieren.
    Aber es gab schon ähnliche Bestrebungen und Gemälde von Hofleuten in Uniformen auch in England Mitte 18.Jh..
    In Frankreich gab es auf jeden Fall spezielle Jagduniformen für die königlichen Jagden (Originale, die im Besitz von Gustaf III. von Schweden bzw. Christian 7. von Dänemark waren, haben sich in den jeweiligen Sammlungen erhalten!).
    In Schweden wurde mit der Revolution von 1772 eine neue schwedische Nationaltracht für den Hof eingeführt. (Hier höfische Nationaltracht: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hillestr%C3%B6m_slottsinteri%C3%B6r.jpg?uselang=de )
    Die Einführung solcher Uniformen hängt jedenfalls nicht unbedingt mit einer Staatsumwälzung (Revolution von oben) zusammen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Oktober 2011
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Der Kaiserhof und das Ende des Mantelkleides

    Hier nun eine Zusammenfassung dazu, zumindest was den Kaiserhof anbelangt.

    Laut Moser (1755) soll Karl VI. geäußert haben:
    Allerdings bekräftigte Karl VI. die Mantelkleiderordnung andererseits 1715 nochmals. An besonderen Festtagen sollte Schwarze oder Goldene Gala getragen werden, wie befohlen wurde. Das schwarze Galagewand ähnelte der üblichen normalen Hoftracht, abgesehen von jenem bunten Campagnen-Kleid, das ich oben bereits angesprochen hatte und das am kaiserlichen Hofe während des Aufenthalts in der Sommerresidenz getragen werden durfte. Durch die recht einheitliche Hofkleidung in Schwarz an bestimmten Tagen, wurden die Grenzen innerhalb des Adels verschwommen, abgesehen von Niederadeligen, die kein Geschmeide tragen durften.
    Für die Wahrung und Ausrufung der Kleiderordnung bei Hofe war der Hoffourier zuständig.

    Mitte des 18.Jh., nach dem Tode Karl VI., wurde das Mantelkleid und das modischere rote Hofgewand, das mit Goldstickerei versehen war (ich kenne eigentlich vorwiegend Borte) von der militärischen Uniform im höfischen Erscheinungsbild zusehends abgelöst. 1751 erließ Franz I. Stephan, dass Offiziere als Auszeichnung bei Hofe in ihrer militärischen Uniform erscheinen durften. 1770 wurde durch Joseph II. per Dekret das Mantelkleid abgeschafft, "womit die militärische Uniform die übliche Hoftracht wurde."
    *

    Der obigen Darstellung von Kerstin Knebel möchte ich allerdings hinzufügen, dass bei weitem nicht alle männlichen Adeligen auch Regimentsinhaber oder dergl. waren, weshalb der Hof sicherlich auch reichlich zivile Hofkleidung zeigte.
    Zumindest kann man sagen, dass der Kaiser Joseph II. wohl das Tragen von Uniformen vormachte. Er trug in der Regel zu den Porträts ab einem gewissen Zeitpunkt entweder seine grüne Uniform seines Chevauxlegerregiments oder eine weiße der Infanterie. Als typisch darf die Kleidung auf dem Doppelporträt von Batoni gelten, worauf Joseph II. und sein Bruder Leopold (II.) zu erkennen sind.

    Auf den offiziellen Staatsporträts der Kaiser, in ihrer Funktion als Kaiser, sieht man allerdings sowohl Leopold II. als auch Franz II. noch im goldenen spanischen Mantelkleid, das demnach scheinbar noch bis zum Ende des HRR nicht gänzlich obsolet gewesen sein kann.

    Die Abschaffung des Mantelkleides ist gewiss Joseph II. Ansichten über das Zeremoniell verschuldet. Er hatte dafür ebenso wenig Verständnis wie für Pomp. Die Bedeutung als Mittel der Herrschaft war scheinbar für ihn wie schon für seinem Vater verschwommen. Karl VI. hingegen nutzte die Kleidung und das Zeremoniell noch als deutlich erkennbare Instrumente.

    *
    Kristin Knebel: "Die Herrenperücke als Kleidungsstück mit besonderer Bedeutung im späten 17. und 18. Jahrhundert"
    in: Regine Marth u.a.: "Lockenpracht und Herrschermacht" Koehler & Amelang, 2006
    S. 14
     
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  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Skizzen aus Schwerin, London und Dresden

    Ich bin in den letzten Tagen auf ein paar Hinweise zur Hofkleidung am Ende des 18.Jh. gestoßen.

    So trugen die Damen am Hof von Mecklenburg-Schwerin 1787 zur Gala weiße Kleider des Typs Robe à la Francaise.*
    Dazu ist zu sagen, dass die Robe à la Francaise zu der Zeit langsam aus der Mode kam, was die Alltagsmode betrifft.

    Im August 1787 wurden zum Geburtstag der Königin von England Charlotte vom Hof, besonders von den Prinzessinnen und der Königin prächtige Roben getragen, da Gala angesagt war. Die Kleider waren mit Gold- und Silberverzierungen besetzt. Der König selbst hingegen trug allerdings ein schlichtes Negligé (siehe oben im Thread!), sein einziger Zierrat war der Hosenbandorden.**
    Bei den Kleidern handelte es sich sicherlich um die für den englischen Hof typischen Hofkleider (Mantuas). Vgl.: http://www.geschichtsforum.de/608993-post6.html

    Interessante Darstellungen von sächsischer Hofkleidung liefern die Uniformtafeln von Reinhold. Sie entstanden zwischen 1791 und 1806, zeigen aber m.E. in den Fällen der kursächsischen Hofkleidung Beispiele von vor 1800. So erkennt man auf einer Abbildung einen kurfürstlichen Kammerherren dessen Rock, Weste und Hose in rot gehalten sind. Die Kleider sind mit gold bestickt, Knopflöcher in Gold und mit Goldborte m.E. besetzt. ***
    Auf einer anderen Tafel ist ein Kammerjunker ebenfalls in Rot, jedoch mit weniger üppiger goldener Verzierung, zu erkennen.
    Ein Silberpage in Galalivree trägt auf der selben Tafel einen gelben Rock mit blauer Weste und Hose, die Kleidung ist silbern verziert, ein silberner Achseldragoner mit Fangschnur sitzt auf der rechten Schulter.****

    *
    F.J. Bertuch (Hrsg.): "Journal des Luxus und der Moden" Septemberausgabe 1787
    **
    ebenda
    August 1787
    ***
    R. Müller (u.a.): "Die kurfürstlich-sächsische Armee um 1791." Militärverlag, 1990
    S. 47
    ****
    ebenda
    S. 44
     
  8. Queenie

    Queenie Neues Mitglied

    Hallo Brissotin, ich weiß nicht ob der Einwurf schon kam (habe nicht alle Beiträge gelesen), aber es gibt ja auch so Oberbegriffe wie Parure und Grand Parure, die nochmal von Robes de cour unterschieden werden. Wobei Grand Parure sich vermutlich eher mit dem deckt, was du als Demi-Gala bezeichnest. Deshalb wäre "Parure" vielleicht adäquat für "Höfische Alltagskleidung". (?)
     
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Französische Hofmode, auch Galakleidung

    Da kannst Du Recht haben.
    Leider ist für mich die französische Hofkleidung noch ein Buch mit sieben Siegeln, da ich dazu noch keine genügend erhellenden deutschsprachigen Veröffentlichungen kenne.

    Hier habe ich eine Reihe von Abbildungen französischer Hofkleidung, die leider in der mir vorliegenden Quelle nicht genauer als Demi oder Grand Gala verfiziert wurden.
    Dafür müsste ich wohl den Text der "Gallerie des Modes..." vorliegend haben.
    Aber der Reihe nach.

    1. Das dürfte m.E. höfische Alltagsmode eines Herzogs sein:
    http://zoom.mfa.org/fif=sc1/sc116477.fpx&obj=iip,1.0&wid=960&cvt=jpeg

    2. Das könnte das weibliche Pendant sein:
    http://zoom.mfa.org/fif=sc1/sc164569.fpx&obj=iip,1.0&wid=960&cvt=jpeg
    Allerdings ist hier von einer "Grande Robe de Cour" die Rede. Auffällig für mich ist der wenige Schmuck/Verzierung. Das kann natürlich auch an der Abbildung liegen, die als Modestich vereinfacht.

    3. Eine ähnliche Robe wie 2. allerdings im Winter. http://zoom.mfa.org/fif=sc1/sc164568.fpx&obj=iip,1.0&wid=960&cvt=jpeg

    4. Das scheint die Alltagskleidung des französischen Königs zu sein, was die Bezeichnung "Vétu simplement de l'habit Francais..." unterstreicht. Als positive Betonung würde ich den Titel des Stiches "MONARQUE JUSTE ET BIENFAISANT" herausheben. http://zoom.mfa.org/fif=sc1/sc113938.fpx&obj=iip,1.0&wid=960&cvt=jpeg

    5. Höfische Winterkleidung. Seltsamerweise wird hier von einem "moyen panier" gesprochen, was für mich auf alltägliche Hofkleidung hindeutet. Seltsam, weil mir das Panier an der Stelle nicht kleiner aussieht als bei Beispiel Nr. 2.. http://zoom.mfa.org/fif=sc1/sc113938.fpx&obj=iip,1.0&wid=960&cvt=jpeg

    6. Bei dem Kleid ist im Begleittext nicht davon die Rede, dass es sich um Hofkleidung handelt. Das ausladende Panier deutet für mich aber dahin. Es ist von einer "grande Robe" die Rede: http://zoom.mfa.org/fif=sc1/sc113544.fpx&obj=iip,1.0&wid=960&cvt=jpeg

    7. Bei dieser Dame mit einer "Robe de Cour sur le grand panier" ist ein etwas größeres Panier als bei Nr. 2. zu erahnen. Es dürfte sich wohl um Galakleidung handeln. http://zoom.mfa.org/fif=sc1/sc115003.fpx&obj=iip,1.0&wid=960&cvt=jpeg

    8. Die Königin in "ses Habits royaux". Das bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung. Dargestellt dürfte Galakleidung sein. Das Pendant dazu zeigt übrigens den König in Krönungsornat. http://zoom.mfa.org/fif=sc1/sc116474.fpx&obj=iip,1.0&wid=960&cvt=jpeg

    9. Eine Herzogin mit einer Robe, die als "habit de Cour sur le Grand panier" bezeichnet wird und wohl auch Galakleidung meint. Es wird betont, dass diese Herzogin dem engeren Umkreis der Königin angehört. Der Stich dürfte porträthaften Charakter haben. http://zoom.mfa.org/fif=sc1/sc116478.fpx&obj=iip,1.0&wid=960&cvt=jpeg

    10. Hier sieht man einen jungen Mann und eine Dame in Hofkleidung. Interessanterweise heißt es bei ihm "habit de Gros de Naples", eine Bezeichnung die auch für Damenkleider, die ich oben bereits anführte, zu lesen ist. Das Panier der Dame scheint mir nicht sehr groß. http://zoom.mfa.org/fif=sc1/sc115248.fpx&obj=iip,1.0&wid=960&cvt=jpeg

    11. Wieder ein Pärchen. Die Dame trägt eine große Robe, wie aber auch oben teilweise schon zu sehen über einem mittleren ("moyen") Panier. Die Kleidung des Begleiters der Dame scheint mir recht schlicht, mag aber auch an dem Stich bzw. der Kolorierung liegen. http://zoom.mfa.org/fif=sc1/sc115063.fpx&obj=iip,1.0&wid=960&cvt=jpeg

    12. Wieder ein "Habit de Cour". Es dürfte sich, man beachte den Sitzplatz im Hintergrund um die Königin handeln. Ist das richtig? Wenn ja scheint mir ihr Gesicht etwas geschönt (v.a. um die Nasenpartie, aber auch den Hals, sie wirkt auf den Gemälden oftmals eher stämmiger). Ich denke, dass es sich um höfische Alltagskleidung handelt. Man erkennt nicht viel Schmuck, nichtmal welchen um den Hals und das Panier sieht moderat aus.
    http://zoom.mfa.org/fif=sc1/sc115000.fpx&obj=iip,1.0&wid=960&cvt=jpeg

    Die Stiche zeigen französische Vertreter des Hofes zwischen 1778 und 1787. An den Frisuren ist teilweise abzulesen, ob es sich um einen Stich aus den 1780ern oder 1770ern handelt.
    Hier kann man die jeweiligen Datierungen bei Interesse an Details nachschauen: Collections Search | Museum of Fine Arts, Boston
     
  10. Queenie

    Queenie Neues Mitglied

    Leider sind die Links von Nr. 4 und 5 die gleichen.

    Puh, es ist echt schwierig, die Alltagskleidung zu identifizieren, da auf den Stichen fast alles wie Galakleidung auf mich wirkt, angesichts der überlieferten Originale, die oft so viel schlichter wirken. Aber von der am Hof getragenen Kleidung ist vermutlich nicht mehr viel übrig. Die ganzen Rüschen und Riesenschleifen erschlagen einen ja förmlich. =)

    Zum Beispiel die Darstellungen 6,7 und 8: Mir scheint, die erste Abbildung geht eher in die Richtung Demi-Gala, sie wirkt sehr "modern". Alles in allem kommen mir sämtliche Abbildungen wenig alltäglich vor.
    Aber bei Abbildung 12 denke ich auch, dass es eher ein alltägliches Kleid der Königin ist. Der Stich ist mir im Zusammenhang mit Marie Antoinette auch schon mal begegnet. Nur der Umhang macht einen stutzig.
     
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  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Vielen Dank für den aufmerksamen Blick in meine Links!

    1) Ich hoffe, ich liefere jetzt den richtigen Link zu 5. nach: http://zoom.mfa.org/fif=sc1/sc115002.fpx&obj=iip,1.0&wid=960&cvt=jpeg

    2) Erhaltene Gewänder von Louis XVI kenne ich z.B. garkeine. Ich vermute mal, dass alles während der Revolution vernichtet wurde.

    Vom Prince de Ligne, der sich im näheren Umkreis der Königin befand, hat sich ein Anzug (Habit) erhalten, welcher auch in der Versailler Sonderausstellung "Fastes de cour et cérémonies royales : Le costumes de cour en Europe (1650-1800)" zu sehen war. Ob es sich dabei um alltägliche Hofmode oder Galakleidung handelt kann ich aber genauso wenig sagen, wie ob der Prince de Ligne diesen Habit auch in Versailles trug.


    Ich finde auch gerade am französischen Hof die Einteilung in Galakleidung und normaler Hofmode schwierig. Wahrscheinlich liegt das zum einen daran, dass ich keine zeitgenössische Literatur kenne, welche da deutlich differenziert.
    Zum anderen fehlen mir Abbildungen festlicher Anlässe vom Hof von Versailles. Hat da jemand etwas? Mir geht es um Gemälde, worauf möglichst ein größerer Teil der Hofgesellschaft zu sehen ist und wozu es eine hieb- und stichfeste Zuordnung zu einem historischen Ereignis gibt.

    Leider sind wohl die großformatigen Gemälde der Schule des Martin van Meytens, die ja greifbare Anlässe festhielten, seltene Zeugnisse und Bildquellen, wie es an Galatagen an einem bedeutenden europäischen Hof aussah.

    In den schriftlichen Quellen von anderen Höfen, gerade in den Tagebüchern sind Hervorhebungen hinsichtlich der Mode ja auch selten. Es mag sein, dass diese Aspekte für die Zeitgenossen einfach zu alltäglich waren, weshalb man evtl. es nicht für nötig befand, etwas aufzuzeichnen. Gerade die Adeligen, die praktisch permanent am Hof waren, erlebten ja immer wieder Festlichkeiten und prächtige Kleidung. Am brauchbarsten sind da noch Außenstehende wie Gesandte. Oben habe ich ja aus solch einem Gesandtenbericht zitiert.
     
  12. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    Dem muss ich wiedersprechen! Als wirklich alltägliche Kleider hatte die Königin ja noch Unmassen von Robes à l'Anglaise, Chemisenkleider etc.!

    Es gibt einen Nachdruck eines Garderobenbuches von ihr, leider besitze ich den nicht, aber darin waren Kleider aufgelistet, nebst einer Stoffprobe des Kleides. In dieses Buch steckte die Königin morgens Stecknadeln in die entsprechenden Stoffe der Kleider die sie an dem selben Tag zu tragen gedachte, damit die Kammerfrauen (bzw. die Dienstbotinnen, die die Sachen herbeischaffen mussten) bescheid wussten.
    Die meisten dort aufgelisteten Kleider sind Anglaisen etc. nur bei den wenigsten stand was von Gala oder so.

    Wie gesagt, ich hab das Buch leider nicht zur Hand :(
     
  13. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Fragen zur französischen Hofkleidung in den 1770ern/80ern

    Da wäre für mich die Frage, ob diese Anglaisen, Chemisenkleider in Versailles bei Hofe getragen wurden, z.B. wenn die Königin zur Messe ging oder ob diese Kleider für Anlässe wie dem Aufenthalt in ihren privaten Gemächern oder dem Petit Trianon vorbehalten waren, wo eben nicht der ganze Hof anwesend war?
    Ich hatte mal gelesen, dass es beispielsweise für die Töchter von Louis XV immer sehr enervierend war, sich ständig umzuziehen, weil sie in den privaten Appartements ihre gewöhnliche, sozusagen "normale Oberschichts-"kleidung tragen durften und dann für bestimmte tägliche Anlässe die Hofroben anlegen mussten.
    Wäre ja interessant wie da die Quellenlage bezüglich Marie Antoinette ausschaut.
    Mir ist ja nichtmal ein Gemälde eines öffentlichen Essens des Königspaares erinnerlich.

    Es könnte natürlich auch sein, dass selbst in Versailles das Zeremoniell schon soweit aufgeweicht war, dass die Königin rund um die Uhr Anglaisen trug und dann die Hofkleider nur zu wichtigen Anlässen anlegte.
    Bei allen repräsentativen Funktionen einer Königin scheint mir doch der Großteil des Tages im privaten Umfeld verbracht worden zu sein, wo die Hofmode evtl. nicht vonnöten war.

    Da fällt mir auf, dass ja Louis XVI eigentlich auch einfache Kleidung hätte getragen haben können. Fragt sich nur noch wann. Für die Jagd gab es ja die französische Jagduniform. Beim Lever wird er wohl bestickte Kleider angelegt haben. Auf Gemälden, die ihn beim Regieren, also in Staatsgeschäften, zeigen, trägt er auch immer Orden und bestickte Kleidung.
    Hier Datei:Marie Antoinette Adult7.jpg ? Wikipedia sieht man die Königin in einem schlichten, wohl alltäglichen Kleid. Der König trägt einen bestickten, wenngleich keineswegs prächtigen, Anzug mit Orden und Ordensbändern. Diese Kleidung ist bestimmt dem Umstand zu verdanken, dass der Erzherzog, der auf dem Bild zu sehen ist, gewiss inkognito anreiste. Der Erzherzog ist ja extrem schlicht gekleidet.

    Auf dem Gemälde von 1777 File:Marie Antoinette Young7.jpg ? Wikimedia Commons , das die Königin scheinbar bei einer alltäglichen Szene beim Musizieren darstellt, hat sie einen Pudermantel (?) über einem schlichten Kleid angelegt. Die gesamte Gesellschaft wirkt ausgesprochen ungezwungen und leger. Während sie auf der Harfe spielt, wird sie auch von einem Künstler im Vordergrund gemalt. (Nebenbei bemerkt wirkt es seltsam, dass die unbemalte Leinwand schon gerahmt ist.) Die Herren tragen bestickte Röcke, die noch keine Krägen haben. Einer hat auch das blaue Band des Saint-Esprit-Ordens. Man sieht, dass die Damen Fichus oder sowas tragen, was unterstreicht, dass es in den königlichen Gemächern kühl war. Sie könnten Francaisen oder Anglaisen tragen. Leider sind die Rückenpartien entweder verdeckt oder nicht dem Betrachter zugewendet. Auf der rechten Seite erkennt man das Bett und an der Decke kann man auch ablesen, dass das Gemälde wohl das Schlafzimmer der Königin im Hauptschloss von Versailles zeigt; freilich sieht es noch anders aus als es uns heute erscheint, weil der heutige Zustand einer Renovierung und Veränderung der späten 1780er entspricht.

    Interessant bei diesem Gemälde und anderen Abbildungen ist, dass die höfische Herrenkleidung durchweg sehr ähnlich ist, egal ob im privaten oder offiziellen Rahmen, den bspw. Staatsporträts oder Anlassgemälde zeigen. Die Unterschiede in der Kleidung entsprechend den Anlässen scheinen also bei den Herren eher unauffällig für den heutigen Betrachter gewesen zu sein. Da sind die Unterschiede in Pracht und Material bei den Damenroben m.E. weitaus signifikanter.

    Bin mal gespannt, ob wir dazu noch zuverlässigere Angaben in der Literatur finden.
    Auffällig für mich ist, dass Anlässe, sozusagen im Umkehrschluss, auch reichlich leichter anhand der Kleidung ablesbar sind, wenn an einem Hof gerade bestimmte herausgehobene Kleidung wie das Spanische Mantelkleid am Kaiserhof oder bestimmte Galauniformen für alle Höflinge eingeführt waren.
     
  14. Queenie

    Queenie Neues Mitglied

    @Brissotin & Cécile: Ich meinte es auch so, dass dieser Stich nach höfischer Alltagskleidung, wie von Brissotin beschrieben - also ein Kleidungsstück zwischen Negligée und Gala/Demi-Galakleidung - aussieht. Aber ich bin hier sowieso nur am mutmaßen und mitraten.

    Ich habe hier ein paar Darstellungen des Königspaares in informeller Kleidung, wie ich annehme:

    http://img116.imageshack.us/img116/9907/attachments14.jpg
    Le Tapis Vert au moment de l'abattage des arbres", hiver 1774-1775, dans les jardins de Versailles (Hubert Robert)

    http://upload.wikimedia.org/wikiped..._Young7.jpg/440px-Marie_Antoinette_Young7.jpg
    Aus 1777 von Jean-Baptiste Dagoty

    Und hier ein paar bei zeremoniellen Anlässen:

    http://www.picbutler.de/bild/78207/attachments33p7t4p.jpg
    Hier ein Gemäldeauszug, der das Königspaar bei der Versammlung der Nationalstände zeigt.

    http://www.allposters.com/IMAGES/SSPOD/SuperStock_1443-299.jpg
    Angeblich aus 1790, wohl eher mythologisch inspiriert, das Königspaar schwört den Eid auf die Nation.

    Hier gibt es mehrere Darstellungen zur Hochzeit Marie Antoinettes mit Louis Auguste, zumindest die oberen vermutlich zeitgenössisch. Allerdings kann man garderobetechnisch wenig darauf erkennen.
    La dernière Reine de France
     
  15. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Französische Hofmode 1770-89

    1.
    Gibt es eine Zuschreibung in einem Buch von einem Fachmann, welche die Dargestellten als das Königspaar ausweist?
    Nebenbei: Die Männer sehen im Vergleich zu der Frau ziemlich klein aus. :rofl:
    Bei dem dickeren Mann in Braun glaube ich noch den König erahnen zu können, wenn mir jemand sagt, dass er es sein soll. bei der Dame mit den Kindern, fällt mir das schon schwerer.
    Leider erkennt man ja gerade bei den Herren keine Details.
    Die Dame trägt wohl eine Francaise, die hoch gerafft ist.

    Es ist natürlich klar, dass bei Staffagefiguren kaum individuelle Züge auszumachen sind. Kenne sowas auch von Bellotto, wo man den König von Polen auf den Dresdenansichten auch einfach nur daran erkennt, dass er dick ist und eine große Entourage um sich hat.

    2.
    Das Gemälde hatte ich ja auch schon oben angeführt.

    3.
    Sehr schön. Die Königin trägt eine ziemlich schlichte Anglaise, eigentlich typischer, modischer Schnitt für um 1789.
    Der König trägt m.E. einen etwas altmodischen Rock mit verhältnismäßig großen Aufschlägen. Seltsam wirken seine irgendwie gestauchten Beine, die vom Künstler zu kurz gemalt wurden.

    4.
    Dummerweise fehlen Angaben zu Künstlern und Entstehungszeit, ja selbst ob es sich um einen Stich oder Holzschnitt handelt.

    Das oberste Bild (das kolorierte) scheint mir für unsere Belange noch am brauchbarsten. Schön sind die breiten Hofkleider zu erkennen. Sind da irgendwelche Bänder hinten an den Kleidern angebracht?
    Louis Auguste trägt offenbar eine Manteltracht. Vielleicht gehört das ja zum Ordre de Saint-Esprit. Komischerweise ist er aber der einzige Herr in dieser Ordenskleidung, wenn es denn eine ist. Oder gab es in Frankreich eine offizielle Hochzeitstracht für das Herrscherhaus?
    Die anderen Herren tragen Justaucorps durchweg mit Knöpfen und Knopflöchern bis ganz nach unten - eine Mode, die 1770 längst passé war. Ich hielte es aber für möglich, dass vielleicht die Galakleidung bei den Herren in versailles einfach vom Schnitt her sehr konservativ war. Andererseits erklären sich Ungereimtheiten auch damit, dass der Künstler evtl. auf ältere graphische Vorlagen zurückgriff und nur ein wenig die Figuren variierte. Porträthafte Züge sind ja eh nicht zu erkennen.

    Das Bild darunter scheint sehr naiv gemacht. Auffällig ist aber, dass Louis Auguste ebenso wie oben eine etwas altmodisch amutende Perücke ohne Zopf trägt. Die männliche Person hinter ihm hat den Degen auf der falschen Seite, ebenso das Ordensband, während der Dauphin beides auf der richtigen Seite trägt. Der Herr hinter dem Dauphin müsste wohl der König (Louis XV) sein.


    Vielen Dank für die Beispiele! :yes:
     
  16. Queenie

    Queenie Neues Mitglied

    Dann übernehme ich mal die Sache mit den Nummerierungen und sage

    1. Die Roben sehen irgendwie wie die englischen Mantuas aus, wo der manteau komplett nach hinten gerafft wird. Man sieht ja hier praktischerweise fast alle Damen von hinten. Allerdings kenne ich mich da zu wenig aus, kann auch sein, dass es nur eine "einfache" Schleppe ist.
    Der Stich ist, glaube ich, zeitgenössisch, er war auch auf der Marie-Antoinette-Ausstellung in Paris vor drei Jahren zu sehen. Aber auch hier gibts leider keine Garantie. Da frag ich nochmal im MA Forum nach.

    edit: Zu dem Stich heißt es im MA Forum: "1770, graveur anonyme d'après Claude Louis Desrais"

    2. Da nicht für. ;)
    Ich kann sogar noch einen nachlegen.
    Louis XVI and Marie Antoinette in wedding costumes. Mary Evans - Prints Online

    Jetzt steht hier natürlich wieder nicht, von wann der Stich ist, aber sieht durchaus zeitgenössisch aus, meine ich. Zumindest die Robe von Marie Antoinette ähnelt sehr deutlich auch der Darstellung auf dem bunten Stich.

    Hier sind übrigens noch zwei Skizzen, die ich von oben genanntem Desrais gefunden habe:

    http://www.artvalue.com/photos/auct...16-portrait-presume-de-la-famille-2497605.jpg
    Portrait présumé de la famille royale

    http://www.muzeocollection.com/data...ans-jardin-tuileries-desrais-claude-louis.jpg
    La Promenade du Dauphin dans le jardin de Tuileries
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. November 2011
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  17. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Französische Mode am Hof unter Louis XVI

    1.
    Sehr schön. Also mir sieht das Kleid von der Dauphine auf dem Stich nach einem üblichen französischen Hofkleid aus.
    Vgl.:
    Prinzessin Adélaide File:Jean-Marc Nattier, Madame Adélaïde de France faisant des n?uds (1756).jpg - Wikimedia Commons
    Königin Maria Karolina Leszczyńska File:Maria Leszczynska2.jpg ? Wikimedia Commons

    Zum Gewand des Dauphin. Da muss ich mich ein bisschen revidieren. Die Hosen beim Ordre de Saint Esprit sahen anders aus.
    Siehe hier: File:La remise de l'Ordre du Saint-Esprit dans la chapelle de Versailles.jpg ? Wikimedia Commons Ganz links erkennt man gut das Ordensgewand.
    Oder auch hier beim Maréchal de Richelieu: Datei:Le Marechal duc de Richelieu.jpg ? Wikipedia

    2.
    Da erkennt man ja an der Königin im Zentrum der Darstellung sehr gut, dass sie schlichte Kleidung trägt. Bei dem Mann neben ihr fällt auf, dass er sehr dünn ist. Ich tippe mal darauf, dass es sich um reine Kompositionsstudien hält. Sowohl Louis XVIII als auch der Comte de Provence waren ja recht "gut beieinander", wie man im Alemannischen sagt. Der schlanke Mann mit den Epaulettes hinter dem Königspaar (?) könnte vielleicht der Comte de Provence (später Charles X) sein, wenn man ihn mit einem Jugendbildnis vergleicht: Datei:1757 Charles.jpg ? Wikipedia

    3.
    Das Bild ist leider sehr klein.
    Die Königin wirkt zu dünn, vielleicht sollte ihr auch geschmeichelt werden (?). Ich gehe doch richtig in der Annahme, dass die Dame mit dem Jungen vor sich Marie Antoinette sein soll?
    Wenn man sich die Porträts der Königin von Hauzinger und Wertmüller anschaut, scheint sie da eher füllig und mit Hang zum Doppelkinn. Z.B. wenn man Marie Antoinette von dem Bild von Wertmüller File:Marie Antoinette Adult8.jpg ? Wikimedia Commons einmal mit der Zeichnung von Desrais vergleicht.

    Zur Mode: Ist bei der Zeichnung ja schwer zu erkennen. Marie Antoinette scheint mir alltägliche Mode, keine dezidierte Hofkleidung zu tragen. Die Kopfbedeckung ähnelt derjenigen auf dem Porträt der Königin mit ihren Kindern von 1787, gemalt von Vigée-Lebrun: File:Lebr04.jpg ? Wikimedia Commons
    Wenn ich die zeitgenössischen Modestiche recht in der Erinnerung habe, war die Königin immer sehr modisch. Sie gilt ja als modisches Vorbild (wie der Name Chemise-à-la-Reine schon andeutet).
    Naja, gewissermaßen ist es ja logisch, dass man bei einem Spaziergang im Park keine Hofkleidung in dem Sinne trug.
     
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  18. Queenie

    Queenie Neues Mitglied

    Gerade wurde ich noch auf folgendes Bild aufmerksam gemacht:

    http://text.habsburger.net/module-e...kaiserkinder/MB-ST_K3-MOD7-03.jpg/image_large

    Der Link ist leider etwas lang. Das Gemälde von Johann Franz Geipel zeigt die Aufführung der Gluck'schen Oper Il parnasso confuso in Schönbrunn in 1765. Anlässlich der Hochzeit des späteren Kaisers Joseph II. mit Maria Josepha von Bayern.
    Auffällig ist ja hier, dass die männlichen und weiblichen Mitglieder der kaiserlichen Familie jeweils gleich gekleidet sind. Ich weiß nicht, ob das am Wiener Hof so üblich war, oder ob es dem Umstand geschuldet war, dass vier der Töchter auf der Bühne zugange waren und man irgendwie einen Kontrast zwischen denen auf der Bühne und denen im Publikum herstellen wollte.
     
  19. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Galakleidung am Kaiserhof um 1765

    Das Bild hatte ich ganz vergessen, kenne ich aber natürlich.

    Es stimmt, dass es seltsam wirkt. Grün kenne ich eigentlich garnicht als typisch habsburgische Farbe. Mir scheinen die Mitglieder der kaiserlichen Familie eine Art Uniform zu tragen. Auch der eine Herr am Tastenisntrument im Orchestergraben trägt eine ähnliche Kleidung. Kann das Joseph II. selbst sein?
    Ähnlich uniformähnliche Damenkleider, die sich an den Farben der Herrenkleidung orientierten kenne ich vom preußischen Hof. File:Georg Wenzelaus von Knobelsdorff; Queen Sophia -Dorothea von Preussen.jpg ? Wikimedia Commons
    Datei:Koningin elisabeth christine.jpg ? Wikipedia
    Die Kleider der preußischen Königinnen und Prinzessinnen waren nicht nur oft in der Farbe der preußischen Uniformen, also preußisch-blau, sondern auch noch mit Litzen etc. ähnlich denen der Eliteregimenter besetzt.

    Schön zu erkennen auf dem Gemälde von Geipel ist bei den Damen m.E. die winterliche Kleidung durch Pelzbesätze - es war ja Januar. Die Damen hinter der Reihe der kaiserlichen Familie scheinen Hofkleider zu tragen, was man an den spitzenbesetzten Ärmeln ausmachen kann.


    Ein anderes Beispiel für Galakleidung in Deutschland scheint mir das Gemälde des Krönungsmahls des frisch gewählten deutschen Königs Joseph II. von 1764 zu sein.
    Datei:Krönungsmahl Joseph II.jpg ? Wikipedia
    Die Welt der Habsburger - Werkstatt des Hofmalers Martin van Meytens: Krönungsmahl Josephs II. im Frankfurter Römer, Ölgemälde, nach 1764
    Schön erkennt man die schwarz gekleideten kaiserlichen Höflinge direkt im Umkreis des Kaisers Franz I. und des Königs Joseph II.. Sie scheinen mir spanische Manteltracht zu tragen.
    Drei Kurfürsten stehen den sitzenden Majestäten gegenüber. Sie tragen alle die offizielle kurfürstliche Kleidung mit Hermelin, aber ohne Kurhut. M.E. dürfte es sich um die Kurfürsten von Köln, Trier und Mainz handeln, weil die weltlichen Kurfürsten, ausgenommen dem böhmischen ( ;) ), normalerweise nicht anreisten, sondern Gesandte schickten.
    Seitlich der Majestäten bedienen ein paar kaiserliche Hofchargen, die gut an ihren roten Röcken mit den goldenen Borten erkennbar sind (vgl. das Gemälde mit der Hofreitschule und andere Beiträge hier im Thread zu der Kleidung!).
    Die meisten Adeligen im Vordergrund tragen übliche Galakleidung dieser Zeit, die sich durch üppige goldene Stickerei oder Borten auszeichnet. Manche scheinen auch die goldene Variante des spanischen Mantelkleides zu tragen.
    Weiß jemand die Funktion der Herren, die seitlich an den hohen Stühlen unter den roten Baldachinen stehen? Ich nehme an, dass unter den Baldachinen normalerweise die Kurfürsten während des Mahls sitzen sollten. Es sind ja 8 Baldachine (es gab damals 8 Kurfürsten exkl. dem böhmischen: der Kurfürst von Mainz, Trier, Köln, Bayern, der Pfalz, Brandenburg, Sachsen, Braunschweig-Lüneburg).

    PS:
    Weißt Du zufällig, warum die Hochzeit in Schönbrunn begangen wurde? Die Hochzeit war ja am 23. Januar. Normalerweise war aber der Hof im Winter in der Hofburg.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. November 2011
  20. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Französische Galakleidung 1. Hälfte 18.Jh.

    Datei:Drawing of the marriage of Don Felipe, Infante of Spain with Louise Élisabeth of France at Versailles on 26 August 1739 in the presence of the King, Queen, Dauphin and Princes of the Blood and the court.jpg ? Wikipedia
    Diese Darstellung zeigt die Vermählung der ältesten Tochter von Louis XV mit dem Infanten Don Felipe von Spanien 1739.
    Marie Louise Élisabeth de Bourbon trägt ein altmodisches Kleid, das nach der Zeit um 1700 aussieht. Der noch recht junge König von Frankreich, keine 30, trug offenbar modische Kleidung der Zeit, während der Vertreter des Infanten, der seine Gattin erst Monate später in Alcalá de Henares ehelichen sollte, in einer Art Rheingrafenmode gewandet war. Man erkennt schön die Pluderhosen und eine Art Bäffchen am Hals.

    Kann es sein, dass die Hofmode wirklich immer so rückständig war? Wenn es sich bei dem Vertreter um eine Ordensgewandung oder sowas handelt, kann ich es ja noch verstehen. Aber die Kleider der Hofdamen scheinen ja wirklich so garnicht zu den Kleidern auf den zeitgenössischen Gemälden zu passen. Man erkennt bspw. garkeine breiten Paniers etc..
    Die Ärmel der Kleider sehen übrigens auch ganz anders aus als auf diesem Doppelporträt der Königin mit ihrem Sohn, dem Dauphin, von 1730: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:MariaLeszczynska05.jpg?uselang=de Dabei erkennt man auf diesem Bild ganz gut die stark mit Spitzen besetzten Ärmel, welche eigentlich für französische Hofkleider typisch waren.
    Nebenbei: Ein Gemälde übrigens worauf die Königin recht füllig aussieht, wie ich es noch nicht auf einem anderen, späteren Gemälde von van Loo oder Nattier gesehen habe. Es scheint fast, als wäre sie seit dem Bildnis von Belle eher hübscher geworden. Oder aber Nattier und van Loo schmeichelten mehr.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. November 2011

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