Geburtenkontolle und Zwangssterilisation in China der 1980´er Jahre

Dieses Thema im Forum "Indien | Ferner Osten" wurde erstellt von SRuehlow, 10. Januar 2006.

  1. SRuehlow

    SRuehlow Neues Mitglied

    Hier möchte ich eine kleine Zusammenfassung über die Geburtenkontrolle und Zwangssterilisation in den 1980´er Jahren schreiben, wie sie in China besonders unter den Minderheitenvölkern praktiziert wird. Die beschriebenen Quellen und Zeugenaussagen sind wahrheitsgetreu wiedergegeben. Ich hoffe, dass sich niemand auf den Schlips getreten fühlt, aber bei der Recherche zu diesem Thema habe ich festgestellt, dass auch solche Maßnahmen durchaus wert sind, in einem Forum veröffentlicht zu werden. Ich möchte die sich an den Text anschließende Frage vorausschicken, ob man angesichts dieser Ereignisse eine solche Politik weiterverfolgen sollte und ob ihr andere Vergleiche in der Geschichte kennt.

    Geburtenkontrolle, Zwangssterilisation und Abtreibung während der 1980´er Jahren in Tibet, Qinghai und den westlichen Provinzen Chinas

    Im Jahre 1980 wurde in China die allgemeine „Ein-Kind“-Politik eingeführt. Die kommunistische Partei rechtfertigte das durch ein zu rasantes Ansteigen des Bevölkerungswachstums, und dem damit verbundenen Stagnieren der Wirtschaft.
    Den nationalen Minderheiten wurden zwei Kinder gestattet, jedoch denjenigen, die sich im Staatsdienst befanden, mussten sich ebenso wie die Han-Chinesen an das neue Gesetz halten. Man brauchte eine Erlaubnis der Partei, um eine Familie zu gründen, also ein legitimes Kind zu zeugen. Es wurde ein so genannter Geburtenpass ausgestellt, jedoch wurde dieser nur an ca. 1% der tibetischen Ehefrauen verteilt. Um ein Kind bekommen zu dürfen, musste eine Frau zwischen 25 und 35 Jahre alt ein und legitim verheiratet sein. Nach dem ersten Kind müssen vier Jahre vergangen sein, bevor das Ehepaar ein zweites Kind zeugen darf[1].

    Ab 1983 wurde die Ein-Kind-Politik in Tibet radikal umgesetzt. Auf ländlichem Sektor wurden Zentren zur Geburtenkontrolle eingerichtet und Beauftragte in die Dörfer und Städte entsendet, die die Frauen zur Geburtenkontrolle anhalten sollten. Bekam eine Frau mehr als zwei Kinder, hatte das dritte Kind ab dem sechsten Lebensjahr keinen Anspruch auf Schulbildung und Lebensmittelkarten. Die, ohnehin schon knappe, Ration musste mit dem Kind geteilt werden. Verweigerten sich die tibetischen Frauen einer Sterilisation, wurden sie gewaltsam in die Kliniken geschleppt und gegen ihren Willen „operiert“. Der Hausrat an Vieh und Lebensmitteln wurde von den Geburten-Kontrollören zwangsrequiriert und dem Zentrum für Geburtenkontrolle zur Verfügung gestellt[2]. Viele chinesische Beamte der Geburtenkontrollteams stehen nach eigenen Aussagen unter dem Druck, dass sie ihre Sollzahlen nicht erfüllen können. Deshalb sei ihnen jedes Mittel recht, die Statistiken zu erfüllen. Tibetische Ärzte, die in den Teams mitarbeiten, werden meist dazu gezwungen. Man droht ihnen an, dass sie ihre Stelle verlieren oder dass es weit reichende Konsequenzen für sie und ihre Familien haben wird.
    Um Kosten zu sparen setzte man Ende der 80ziger Jahre Medizinstudenten ein, die noch nicht einmal eine ausreichende Praxis hatten oder gar Kenntnisse in der Anatomie vorweisen konnten. Tibetische Kader dürfen nur in den Kliniken von Lhasa „behandelt“ werden, hingegen die Landbevölkerung meist nur ein Team von chinesischen Wanderärzten zu Gesicht bekommt. Alle Frauen müssen sich melden, sobald die chinesischen Teams vor Ort auftauchen. Wenn die Frauen sich freiwillig einer Operation unterziehen, bekommen sie anschließend medizinische Hilfe, ansonsten werden sie sich selbst überlassen.

    Ende der 80ziger Jahre kam es gelegentlich vor, dass ein ganzer Landstrich Zwangssterilisiert wurde, also alle gebärfähigen Tibeterinnen jeglicher Altersstufen. Es spielt dabei keine Rolle, ob eine Frau noch minderjährig ist oder ob sie schon das Rentenalter erreicht hat[3].

    Abtreibungen werden und wurden in jedem Schwangerschaftsmonat vorgenommen. Es wird sogar berichtet, dass die Neugeborenen vor den Augen der Mutter getötet werden. Der postnatale Tod dient der Kommunistischen Partei als legitimes Mittel zur Geburtenkontrolle der nationalen Minderheiten[4]. Den Frauen wird meist erzählt, dass ihr Kind bei der Geburt gestorben sei. Die Kinder werden nach der Geburt ertränkt. Augenzeugen berichteten, dass sie abgetriebene Föten und Säuglinge in den Mülltonnen um die Krankenhäuser gefunden hätten. In einigen Fällen lebte das Kind noch. Tibetisches Krankenhauspersonal berichten von Kindstötungen mittels Giftinjektion.

    Im Mai 1989 wurde von den chinesischen Behörden mitgeteilt, dass sich 16000 von 600000 tibetische Frauen im gebärfähigen Alter freiwillig zur Sterilisation gemeldet hätten. Tibetische Mönche aus Amdo hatten diese „freiwilligen“ Aktionen beobachten können und berichteten, nach dem sie ins Exil gegangen waren, dass oftmals 13- und 14-jährige Mädchen gewaltsam mittels Lastwagen zu den Sterilisationszentren entführt wurden. In späteren Zeugenaussagen heißt es, dass wohl ein Anreiz für die chinesischen Sterilisationspeziallisten eine hohe finanzielle Provision war, die hochgestockt wurde, wenn sie höhere Zahlen an Sterilisationen vorweisen konnten. Ebenso die Ambulanzen und fahrenden Wanderärzte wurden durch diesen Umstand gelockt und so musste die Zahl der Frauen auch notfalls mit Mädchen gefüllt werden, die noch minderjährig waren oder sich noch nicht einmal im gebärfähigen Alter befanden[5].
    Oftmals berichten die Opfer, dass ihnen während des Eingriffs keine Betäubungsmittel verabreicht wurden und sie mit den primitivsten Werkzeugen operiert wurden. Bei den Abtreibungen wurden sie mittels Strom „behandelt“, der ihrem Uterus zugeführt wurde. Anschließend wurde der Fötus mit einem Spachtel ausgekratzt. Viele Frauen starben nach dem Eingriff an Verbluten oder Infektionen, da die Instrumente nicht hinreichend sterilisiert waren. Meistens wurden die Frauen zwei bis drei Stunden nach dem Eingriff zum Verlassen der Klinik genötigt. Viele Opfer der Sterilisationen haben nach dem Eingriff bleibende körperliche Defekte davongetragen, sei es Lähmungen der unteren Körperpartien oder Störungen der Blase[6].
    Nicht nur Frauen wurden zwangssterilisiert, sondern auch Ehemänner wurden gezwungen, sich neben ihrer Ehefrau operieren zu lassen, aus reiner Schikane. Bei ihnen reichte es nicht aus, dass man die Samenstränge durchtrennt, sondern man entfernt gleich die ganzen Hoden.

    Ab 1987 wurde die Geburtenkontrolle in der Autonomen Region Tibet durch die Kommunistische Partei verschärft. Offizielle Zahlen gibt es kaum, wie viele Frauen zu Abtreibungen gezwungen wurden. Ebenfalls gibt es nur wage Vermutungen, wie viele Zwangssterilisationen an Tibeterinnen durchgeführt wurden. Die Dunkelziffer beläuft sich weit höher, als es offizielle Zahlen der Regierung belegen könnten, da niemand weis, wie viele Mütter oder Eltern sich aus Gram und Schande selbst getötet haben. 1989 wurde alleine in der Provinz Qinghai 87000 Sterilisationen vorgenommen[7].

    [1] Schmidt-Glintzer, Helwig: Das neue China; München 1999; S. 98-99.

    [2] Craig, Mary: Tränen über Tibet; München 1993; S. 239-42.

    [3] tid Stuttgart: Informationen zu Tibet, Stuttgart 1987.

    [4] tid Stuttgart: Informationen zu Tibet, Stuttgart 1987.

    [5] tid Bonn: Menschenrechtsverletzungen, Bonn 1995.

    [6]Craig, Mary: Tränen über Tibet; München 1993; S. 143.

    [7] tid Bonn: Menschenrechtsverletzungen, Bonn 1995.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Januar 2006
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  2. Mercy

    Mercy unvergessen

    In einem Forum für Geschichte ist dieser Beitrag deplaziert.
    Die überwiegende Anzahl deiner Quellenhinweise beziehen sich auf eine - sicher ehrenwerte - Aktionsgruppe.

    http://www.tid-freiburg.de/
     
  3. SRuehlow

    SRuehlow Neues Mitglied

    Stimmt, weil es keine offiziellen Angaben der chinesischen Regierung gibt und auch nie geben wird. tid arbeitet eng mit amnesty zusammen.
    Man könnte einbringen, dass sich der Beitrag auf die "Ein-Klind-Politik" bezieht?!
     

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