Gefangen! Über die intellektuelle Leistungen in Gefangenschaft

....und da oft die Erfahrung gemacht, dass andere genau die gleichen Erfahrungen machten, dass die Erinnerung sie stark emotionalisierte. In der Gefangenschaft selbst hat man dazu einfach noch nicht die nötige Distanz, das Schreiben war da für viele eher Belastung als Befreiung.

Aus den genannten Gründen ist es häufig bei Gefangenschafts-Literatur so, dass Gefangene diese erst schreiben können, wenn sie schon wieder frei sind, einfach weil sie Zeit und Veränderung brauchen, um die nötige Distanz zu bekommen.
Gerade heute wurde auf WDR5 in der WestArt ein Buch mit dem Titel Entzug! vorgestellt, ein autobiographisches Buch des Schriftstellers Christoph Peters, worin dieser - eben ein autiobiographisches Buch - seinen eigenen Entzug beschreibt, die Kritik bei WestArt war begeistert. Es habe etwa 20 Jahre gedauert, bis Peters sich an den Stoff herangewagt habe, weil er die Distanz brauchte.
 
Werner von Siemens wurde 1842 zu 5 Jahren Festungshaft in der Zitadelle von Magdeburg verurteilt, weil er als Sekundant an einem Duell teilgenommen hatte.
Er organisierte sich in seiner Zelle ein kleines Chemielabor, wo er ein galvanisches Verfahren entwickelte, das ihm noch in Haft zu seinem ersten Patent verhalf.
Ganz zu seinem Missfallen wurde er aber schon nach wenigen Wochen begnadigt.
"Es war wirklich hart für mich, meiner erfolgreichen Tätigkeit so plötzlich entrissen zu werden."
Sein Gesuch um Verlängerung der Haft wurde abgewiesen und er musste mitternächtlich durch die Wache aus der Zitadelle "entfernt" werden.

Werner von Siemens, Lebenserinnerungen, Hsg. Wilfried Feldenkirchen, 2008, Seiten 65-69
 
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