Geocaching

Dieses Thema im Forum "Ausstellungen | Historische Sehenswürdigkeiten" wurde erstellt von El Quijote, 17. Januar 2020.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Vorweg mal die Frage: Gibt es hier (aktive) Geocacher?

    Ich bin zwar bereits vor einigen Jahren mit dem Geocaching in Berührung gekommen, habe mir aber damals gedacht „was soll das, Schnitzeljagd für Erwachsene mit GPS-Gerät? Das ist doch was für Nerds...“ Vor zwei Jahren war ich in Jordanien mit einem Geocacher unterwegs, ich wollte in Petra zu zwei, drei von den meisten Touris nicht so angelaufenen Punkten, er wollte Geocaches finden und das hat zusammen ganz gut gepasst. Ein Cache sollte sich nämlich, wenn ich mich recht erinnere, auf der Kreuzfahrerburg in Petra befinden.

    Aber erst jetzt, in diesem noch jungen 2020, habe ich das Geocaching für mich selbst entdeckt. Besonders populär ist das Geocaching in den USA, Kanada und Europa. Das merkt man auch an der Dichte der Caches.

    Was ist ein Cache?
    Es gibt verschiedene Arten von Caches. Der Virtual Cache z.B. ist ein Cache, der nur digital bzw. virtuell existiert. Man macht ein Foto von sich oder einem individuellen Gegenstand, den man immer mit sich führt und belegt, dass man dort war. Die Virtual Caches sind meistens bei Sehenswürdigkeiten eingerichtet.

    Die ursprüngliche Form des Cashes (traditional oder trade) ist ein verstecktes Gefäß (Döschen), in dem sich a) ein „Logbuch“ und ggf. ein Stift sowie b) vielleicht ein Gegenstand befinden.
    Was mache ich, wenn ich einen Cache gefunden habe?
    1.) Ich passe auf, dass mich niemand („Muggle“) beobachtet und hebe den Cache.
    2.) Ich trage mich ins Logbuch ein und logge auch virtuell in meinem Caching-Programm (es gibt mehrere, ich z.B. bin bei Geocaching.com, das scheint mir auch ich das verbreitetste zu sein)
    Wenn ich den Cache nicht gefunden habe oder aber der Cache in einem schlechten Zustand ist (Dose kaputt, Logbuch voll oder nass), dann logge ich das auch. Habe ich den Cache gefunden, wird er mit einem gelben, habe ich ihn nicht gefunden mit einem blauen Smilie markiert. Ein Cache der von vielen Cachern hintereinander nicht gefunden wurde, ist womöglich nicht mehr am Ort.
    3.) Ich entnehme den Gegenstand und lege etwas gleichwertiges hinein (Trade) - wenn mich der Gegenstand nicht interessiert oder ich nichts gleichwertiges bzw. kein Interesse am „traden“ habe, dann lasse ich den Trade halt liegen.
    4.) Ich verstecke den Cache wieder und passe dabei auf, dass keine Muggle in der Nähe sind. Ich bin dabei weder nachlässig noch ein „Besserverstecker“.

    Es gibt noch weiter Sorten von Caches, wie den EarthCache, der auf geologische Besonderheiten aufmerksam machen soll bzw. den Mysterycache, wo das GPS einen nicht an den Zielort führt, sondern Rätsel aufgibt, die man lösen muss, um die Koordinaten vom Zielort zu finden.

    Warum komme ich damit im Geschichtsforum?
    Weil ich mir gedacht habe, dass das Geocaching eine Form für die Kommunikation untereinander ist, die uns Potatoes auch mal von der Couch herunterlockt ;)
    Viele Geocaches befinden sich z.B. an historisch bedeutsamen Orten. Über solche Caches könnten wir uns hier austauschen. Oder wir verstecken selber welche, extra für andere Geschichtsforianer (aber Achtung, jeder andere Geocacher kann die natürlich auch aufsuchen).

    Was ist bei Geocaches (wenn man sie selber versteckt) zu beachten?
    - Sie sollen nicht jedem sofort ins Auge springen. Auch dem Geocacher selbst nicht, die Suche soll spannend bleiben. Ich bin z.B. vorige Tage sicherlich 20 Minuten um einen Baum gekreist, es war klar, dass der Cache sich am Baum befinden musste, der Baum war voller Löcher etc. Der Cache war eine alte Vitamintablettendose, auf deren Deckel ein Stück Rinde von eben diesem Baum klebt und die in eines der Löcher geschoben war. Vor allem soll sie aber niemand entdecken, der nicht eh auf der Suche nach einem Cache ist („Muggle“)
    - Die Regel ist, dass der Cache nicht-invasiv versteckt sein soll. Ihn mit Laub zu bedecken ist okay, ihn zu vergraben nicht.
    - Bevorzugte Verstecke sind präexistente Hohlräume.
    - Achte auf die Natur. Schütze (seltene) Tiere und Pflanzen. Caches sollten nah an Wegen angebracht sein, in Schutzgebieten so, dass man den Weg nicht verlassen muss (sprich, dass man das seltene lila-getupfte Gesäßritzenveilchen nicht zertrampelt, weil man gerade den wichtigen Geocache sucht, der eigentlich genau auf dieses zarte Pflänzchen hinweisen sollte).
    - viele, gerade für uns Geschichtsinteressierte interessante Caches befinden sich in der Nähe von Friedhöfen. Sie wollen damit auf die letzte Ruhestätte einer bestimmten Person aufmerksam machen. Sie befinden sich aber, um die Totenruhe zu respektieren, außerhalb der Friedhöfe.

    Wenn sich hier Geocacher finden sollten, die auch Caches verstecken wollen mit dem Ziel, dass speziell andere Forianer sie finden, dann werden das ja bevorzugt historische Orte sein. Auch hier muss die Regel gelten: Nichtinvasiv, die Integrität des Ortes muss gewahrt bleiben.
    Speziell für uns muss die Regel gelten: Unpublizierte archäologische Fundplätze werden nicht mit einem Cache versehen, um Raubgräber nicht auf die Spur zu bringen.

    Ich persönlich bevorzuge im Übrigen Caches, die über Pinkelhöhe von Hunden oder unfeinen Zeitgenossen versteckt sind. ;) Neben seinem GPS-Empfänger (praktischerweise dem Handy mit der Geocaching-App) sollte man immer einen Stift in der Tasche haben, da Caches nicht immer mit BYOP (Bring your own pen) markiert sind.

    Da ich selber Anfänger bin, können mich erfahrene Cacher, so es die in diesem Forum geben sollte, gerne korrigieren und/oder ergänzen.
     
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  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Verstecken eines Caches in einer (Burg)Ruine:
    Im Prinzip gelten dieselben Regeln, wie in der Natur: Nichtinvasiv und der Cache muss so angebracht sein, dass er einerseits gut versteckt, aber andererseits für den Cacher zerstörungsfrei zu erreichen ist. Z.B., dass er nicht auf eine Bruchsteinmauer ohne zementierte Mauerkrone steigen muss und womöglich Steine löst.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Kleine Beobachtung am Rande: Die zwei aktiven User, die ich am ehesten als Geocacher in Verdacht hatte, haben den Thread schon gelesen und nicht drauf reagiert.
     
  4. Divico

    Divico Aktives Mitglied

    Hehe. Kann sich hier noch jemand an das Millenniums-Rätsel der Zeitschrift Geo erinnern? Damals war ich Teil eines Viererteams auf der Suche nach der irgendwo in Deutschland versteckten 3 kg Goldkugel. So bald uns dämmerte wo die Suche vor Ort weiterzugehen hätte, fuhren wir Hunderte Kilometer bis nach Eisenach, fanden schließlich auf der Wartburg die entscheidenden Hinweise zum Peilen — um dann festzustellen, dass der Schnee viel zu hoch lag um den angepeilten Ort über unwegsames Gelände zu erreichen, geschweige denn dort irgendetwas zu finden. Eine Woche später bei günstigeren Wetterbedingungen war dann ein Team von Münchner Mathematikern erfolgreich. Grr.

    Seitdem löse ich Spaßrätsel nur noch vom Schreibtisch aus. ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Januar 2020
  5. Divico

    Divico Aktives Mitglied

  6. Alfirin

    Alfirin Aktives Mitglied

    Mein aktive Geoching-Zeit liegt lange zurück. Aktuell bin ich bestenfalls im Urlaub noch auf Dosensuche, wobei ich den Cache dabei sogar eher nur als Beifang mitnehme, stattdessen den Ort rund um das Versteck (hoffentlich) genieße - Geocache-Verstecke von ortsansässigen Leuten sind gern an interessanten Plätzen, die in keinem Reiseführer stehen und von Pauschaltouristen auf Bustour großzügig umfahren werden. Wobei "interessant" in der Tat gar nicht selten auch "historisch irgendwie bedeutsam" heißen kann.

    Keine Ahnung, ob es den noch gibt, aber einer der ersten Geocaches meiner Laufbahn führte mich auf einen aufgelassenen Truppenübungsplatz. Der wurde irgendwann im 19. Jhd. eingerichtet für ein in der Nähe stationiertes königlich-bayerisches Artillerieregiment. Davon übrig geblieben ist ein Beobachterturm, vielleicht zehn Meter hoch, aus Bruchstein massiv aufgemauert, an dem außen eiserne Leitersprossen zur Beobachterplattform oben führen. Der Turm steht heute mitten in einem dichten Wald, vom Forstweg, vielleicht 60, 70m entfernt, ist er durch die Bäume nicht zu sehen. Wenn man's nicht weiß oder eben von z.B. einem Geocacher darauf aufmerksam gemacht wird, findet man den schlicht nicht.*

    Zu ElQs Ausführungen oben: Keine Ahnung, ob die Regeln inzwischen laxer gehandhabt werden. Beim Verstecken ist aber noch einiges mehr zu beachten, insbesondere
    - Verstecke auf Privatgrundstücken erfordern eine explizite Erlaubnis des Eigentümers,
    - Verstecke, die nur gegen Entrichten eines Eintrittsgeldes erreichbar sind, werden mindestens nicht gern gesehen, abhängig von Land/ Region jedenfalls,
    - Verstecke an Bahnlinien gehen gar nicht, da gilt ein nicht unerheblicher Mindestabstand; warum andererseits Verstecke direkt am Straßenrand ok sind, hab' ich nie wirklich verstanden,
    - wer einen Geocache versteckt, sollte sich auch um die "Wartung" kümmern. Die Dosen werden schon mal undicht, oder der Deckel bricht, wenn ein Besucher mit zwei linken Händen nicht die nötige Sorgfalt hat walten lassen. Gelegentlich verschwinden die Dosen auch, wenn ein sogenannter Muggel, ein Nicht-Geocacher, darüber stolpert und den Müll wegräumt...

    Es gibt verschiedene Online-Plattformen mit Datenbanken für Geocaches. Marktführer ist ein kommerzieller amerikanischer Dienstleister, der manche seiner komfortableren Features nur gegen Geld zur Verfügung stellt. Insbesondere wenn einen die "Dosensucht" wirklich packt, kommt man um ein Abo dort kaum herum, um über einen wirklich nerdigen Workflow möglichst schnell und effizient Geocaches nach den gewünschten Kriterien filtern und die notwendigen Informationen aus der Datenbank herunterladen zu können.

    * Edit: War ja klar, Tante Wiki weiß alles. Der Tum ist keineswegs so alt, wie ich das aus der Beschreibung des Caches in Erinnerung hatte, erst 1936 errichtet. Und die Eisensprossen gibt's nicht mehr :-/
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Januar 2020
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Mein Fehler, ich setze trotz meiner mittlerweile 40+ Jahre und 25 Jahren Erfahrung im Internet immer noch den gesunden Menschenverstand voraus.
     
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  8. Auch nach über 3000 "Found" und bestimmt 1000 DNF,- immer noch ein geniales Hobby
     
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  9. Alfirin

    Alfirin Aktives Mitglied

    Jo, die Hoffnung stirbt zuletzt :) Ich hatte nur kurz die Befürchtung, Dein Thread könnte einen regelrechten Hype hier auslösen, so manch gestandener Bücherwurm würde gleich aufspringen und eine Dose verstecken an/ in/ rund um seine liebste historische Stätte. Da wollte ich den womöglich aufkeimenden Enthusiasmus nur ein wenig einbremsen mit meinen mahnenden Worten.

    Im Ernst: Wenn sich das nicht grundlegend geändert hat, durchlaufen neu angemeldete Geocaches bei besagtem Marktführer aus USA vor Veröffentlichung einen strikten Review-Prozess. Da wird dann z.B. eben schlicht in Google Maps die Luftlinie zur benachbarten Bahnstrecke gemessen und der Eintrag gleich mal rejected bei Unterschreiten des vorgegebenen Mindestabstands, selbst wenn die Topographie jegliche Gefährdungssituation ausschließt (weil z.B. eine hohe Mauer zwischen Bahngleisen und Dosenversteck steht, die in Google Maps aber nicht erkennbar ist). Freizeitvergnügen will schon ordentlich reglementiert sein, scheint es.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Januar 2020
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da fehlt mir noch die Erfahrung. Einschränkungen in der App (Geocaches für zahlende Mitglieder) lassen sich im Browser manchmal umgehen. Hast du eine bessere Plattform als die von mir erwähnte? Also ich bin dort kein zahlendes Mitglied und habe auch nicht vor, ein solches zu werden, sehe aber manchmal schon die damit verbundenen Einschränkungen.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    So, ich wollte mit euch ja über Geocaches reden, die einen historischen Bezug haben - was nicht selten ist.
    Ich habe letzte Woche eine Geocache in Burgsteinfurt aufgesucht, der beim Friedhof der Grafenfamilie von Bentheim und Steinfurt liegt. Nicht auf dem Friedhof liegt Alexis, der wohl Titelerbe des Hauses geworden wäre. Er wurde aber 1943 über dem Mittelmeer abgeschossen (er war selber Jagdflieger). Sein Flugzeugüberreste wurden bei ihrer Entdeckung zunächst mit denen des ungleich bekannteren französischen Postpiloten Antoine de Saint-Exupéry verwechselt, der vermutlich ebenfalls abgeschossen wurde.
     
  12. Alfirin

    Alfirin Aktives Mitglied

    Die von Dir erwähnte Plattform ist schon die beste, wenn es um die schiere Quantität verzeichneter Geocaches geht. Wenn wir als Beispiel mal die Gegend nehmen, in der Du letzte Woche unterwegs warst, sieht das Angebot dort so aus:
    gccom.png
    Zum Vergleich der in etwa gleiche Kartenausschnitt mit den beim nicht-kommerziellen opencaching.de verzeichneten Dosen - signifikant weniger:
    ocde Kopie.jpg
    Das ist aber von Region zu Region, mehr noch von Land zu Land unterschiedlich. Hier in Deutschland hängt es davon ab, ob das Rudel der ortsansässigen Dosenverstecker den Open-Source- und Open-Data-Gedanken hinter opencaching.de unterstützen, ob sie sich die Mühe machen, zur selben Dose Einträge auf zwei verschiedenen Plattformen aktuell zu halten usw. Ableger dieser Plattform gibt es in verschiedenen Ländern, dort teilweise deutlich erfolgreicher. In Deutschland sind etwa 10% aller Geocaches bei opencaching.de gelistet.
    Ein Spezialfall ist noch das Geocachen in Frankreich und im französischsprachigen Teil der Schweiz. Lange bevor die Amerikaner mit ihrem GPS daher kamen, gab es dort cistes. Das sind im Prinzip genau die selben Dosen, versteckt auf genau die selbe Art. Nur um sie zu finden, bekommst Du nicht einfach Geokoordinaten, sondern textliche Beschreibungen, wo Du starten sollst, nach welchen Wegmarken Du Ausschau halten sollst und wo schließlich die Dose versteckt ist. Soweit ich weiß, listet die Plattform cistes.net inzwischen auch diese neumodischen Dosen mit schnöden Koordinatenangaben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Januar 2020
  13. Marcia

    Marcia Aktives Mitglied

    Hier hätte ich so ein Thema nicht erwartet (es lesen doch Muggel mit ;)).
    Wir suchen auch nur bei Gelegenheit, beim Wandern oder im Urlaub mal ein paar Dosen. Es stimmt, dass an historischen Orten auch Caches zu finden sind. Bei geocaching.com finden sich meist auch interessante Beschreibungen zu den Orten, wo die Caches versteckt sind.
    Ich kann mich an einen kleinen historischen Friedhof in einer Ortschaft nördlich der Dresdner Heide erinnern. Ohne Geocache wären wir dort nicht hingekommen, er liegt relativ versteckt.
    Bei Italica (dem archäologischen Park) haben wir auch so zwei bis drei gefunden.
     
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  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nach noch nicht ganz 100 gefunden Caches (aber ich bin nah dran!) - bei den Mysteries habe ich manchmal meine Probleme, wenn mir der Lösungsweg klar ist, dann löse ich, aber häufig ist der mir einfach nicht klar, da fehlt mir der Schlüssel - bin ich jetzt dabei, meine eigenen Caches zu entwickeln. Ein paar Mysteries (um genau zu sein, bisher 3) habe ich mir schon ausgedacht, sie basieren auf den Chronogrammen. Die Cacher müssen für die Lösung zum Ausgangsort und dann via Mathematik zum Zielort und lernen dabei eben die besondere Quellengattung des Chronogramms zu enträtseln und achten vielleicht in Zukunft mehr auf diese seltsamen Inschriften barocker Häuser. Ich muss allerdings noch die genauen Standort der Caches festlegen, dazu muss ich ein paar Kilometerchen fahren... Außerdem habe ich gelesen, dass wegen der Pandemie im Moment das Reviewing der Caches und damit ihre schnelle Veröffentlichung hängt.
     
  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Also ich habe bisher 85 einfache (Tradis), zwei virtuelle, fünf Mysteries und zwei Earthcaches gefunden, vier oder fünf gelöste Mysteries warten auf Hebung, den einen habe ich gelöst als Vorbereitung auf eine Fortbildung, aber die Fortbildung wurde aufgrund der Pandemie abgesagt, also liegt der Rätselcache seit Wochen gelöst aber ungehoben da. Earthcaches und Virtuals finde ich ein wenig nervig. "Welche Farbe hat das Gestein zwischen dem silbrig glänzenden Granit und dem blaubraunen Gneiss?" "Mach ein Foto von dir oder deinem Endgerät."
    Und Multis ohne gesicherten Internetempfang sind irgendwie auch doof.
     
  16. Alfirin

    Alfirin Aktives Mitglied

    Wie gesagt, lange her, daß ich Geocaching als Hobby intensiv betrieben habe. Als ich das eingeschränkt habe, waren Smartphones und mobiles Internet noch arg exotisch. Ich kann mich an die Diskussionen damals erinnern, weil die Smartphone-Nerds in der Tat häufiger solche Probleme hatten (plus Schwierigkeiten mit damals noch eher bescheidener GPS-Implementierung) und deshalb unbedingt mindestens eine passende Attributierung von Caches eingefordert haben in Richtung "Smartphone-only geeignet". Der Geocacher von Welt war damals noch mit GPS-Handempfänger von Garmin, Magellan etc. unterwegs und absolvierte Multis mit Papierausdrucken.

    Zu jener Zeit gab's tatsächlich einen Versuch, Multis mit digitalen Mitteln aufzuwerten/ leichter zu gestalten. Geocaching.com und Garmin hatten dazu ein Ding sich einfallen lassen, das auf den schönen Namen "Where-I-go" hörte. Das waren im Prinzip gescriptete Inhalts-Container, die bei Erreichen einer per Geokoordinaten definierten Zwischenstation automatisch den nächsten Informationsbrocken am GPS-Empfänger angezeigt haben; neben reinem Text waren da auch einfache Multimedia-Inhalte möglich, also Bilder und Sound-Schnipsel. Das hat wiederum aber nur auf ganz neuen (und recht teuren) Garmin-Empfängern funktioniert und sich deshalb nicht so recht durchsetzen können, selbst als dann Drittanbieterlösungen und sogar die ersten passenden Smartphone-Apps dazu erschienen.

    Soll heißen: Schau mal auf das Veröffentlichungsdatum dieser Multis ohne Internetempfang, das sind womöglich Cache-Fossile aus jener guten alten Zeit. Bei neueren Caches würde mich überraschen, wenn die Smartphone-Tauglichkeit nicht berücksichtigt wäre.
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du sprichst mit einer technischen Wildsau bzw. mit einem Keiler ;)
    Geocaching ist für mich eines von den Hobbies, die - außer natürlich Zeit - nichts kosten dürfen. Ich kaufe keine Premium-Mitgliedschaft, ich kaufe keine Cache-Behälter und ich kaufe kein Zubehör. Sie müssen mit dem zu machen sein, was ich sowieso habe: Telefon, zu Fuß/Fahrrad (wenn's auf dem Arbeitsweg ist auch Auto), Internet. Alles darüber hinaus ist mir für dieses Hobby zu viel.
     
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Im Übrigen kann man mit Geocaching de ganzen Don Quijote lesen, jeder Cache ein Kapitel:

    un lugar de la mancha.jpg

    Ich habe nur noch nicht ganz verstanden, wie man an die Geo-Daten der Caches herankommt, da es sich jeweils um Mysteries handelt. Laut Urheber der 600(!) Caches muss man mit der Maus über die Unterschrift von Cervantes fahren, aber da passiert bei mir nichts. Aber vielleicht ist das Absicht, da der oder die Urheber die Caches für die Corona-Krise deaktiviert haben.
     
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  19. Alfirin

    Alfirin Aktives Mitglied

    So ändern sich die Zeiten :). Als ich mit dieser Dosensucherei angefangen hab', war das ganze ein riesiger Spaß für Nerds mit ohnehin vorhandenem technischem Spielzeug, die auf diesem Weg mal aus der dusteren Bude hinaus in die Natur sich locken ließen. Und ganz speziell für Nerds, die sich jedes noch so teure Spielzeug geleistet haben, solange der praktische Nutzwert mindestens höchst fraglich war :) - was damals tatsächlich noch für das heute allgegenwärtige GPS galt.
    Ich hab' mir den ersten Cache der Serie mal angesehen, GC7AMTP. Der Trick besteht schlicht darin, genau die richtige Stelle in dem Bild mit der Unterschrift zu treffen mit der Maus. Die Lösung ist andererseits recht simpel, wenn man halbwegs HTML lesen kann. Die einschlägige Zeichenfolge in diesem Fall ist
    Code:
    img alt="39.941938 -3.484482" title="39.941938 -3.484482" src=...
    in Koordinaten also 39.941938 -3.484482 bzw. N 39.941938 W 3.484482. Bei den übrigen 599 Dosen kannst Du nach dem Bildaufruf nach diesem Muster gucken, wenn der Mausellbogen schmerzt :)
     
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  20. Alfirin

    Alfirin Aktives Mitglied

    Zwar OT, aber rentiert sich nicht als eigenständiger Thread unter Technikgeschichte:

    In den Anfangstagen des Geocachings zeigten gängige GPS-Handempfänger die Koordinaten nur mit zwei Nachkommastellen in der Minutendezimale an. Selbst bei scheinbar genaueren Geräten mit drei Nachkommastellen waren nur die ersten beiden verlässlich, die dritte pures Marketing, jedenfalls bei Consumer-Geräten im Preissegment unterhalb eines Kleinwagens. In der Praxis hieß das, der GPS-Empänger führte einen nur auf etwa +/- 25m an die Dose heran. Da die Dose zudem von jemandem versteckt wurde, der die dann veröffentlichten Koordinaten höchst wahrscheinlich mit einem ähnlich präzisen Gerät eingemessen hatte und die Abweichungen sich im worst case addieren konnten, schließlich das Wetter eine nicht unwesentliche Rolle spielte (für Kenner: GPS-Empfang von alten Garmin-Geräten unter dichtem Blätterdach nach Regen - blind mit dem Finger auf eine Weltkarte pieken war genauso genau), waren Suchradien von 30 bis 40m keineswegs ungewöhnlich.

    Das limitierte bzw. bremste natürlich praktische Anwendungen für den Alltag. Ich hab' hier noch funktionstüchtig einen batteriebetriebenen PDA mit einer der ersten damals erhältlichen Navigationslösungen von einer holländischen Software-Schmiede, die heute TomTom heißt und immer noch in diesem Bereich tätig ist. Die "Karte" bestand damals aus einer Ansammlung von Punkten, die größere Ansiedlungen (>1.000 Einwohner etwa) repräsentierten. Wenn es zwischen zweien dieser Punkte eine Verbindungsstraße gab, wurde das als gerade Vektorlinie dargestellt, wobei die Vektorlänge die tatsächliche Distanz zwischen den beiden Orten widergab. Das entstandene Vektornetz erlaubte eine rudimentäre Navigation mit ungefährer Reisezeitschätzung nicht unähnlich dem, was die tabula peutingeriana den alten Römern schon ermöglichte. Der Fortschritt in den knapp 2000 Jahren bis dahin: ein angeschlossener GPS-Empfänger plazierte einen automatisch auf dem nächstgelegenen Punkt des Vektornetzes.

    Und das alles ist jetzt gerade mal 20 Jahre her, Wahnsinn...
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. April 2020

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