Geziefer und Ungeziefer

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von Adal-Batturich, 28. Juli 2012.

  1. Sascha

    Sascha Neues Mitglied

    Ich denke die Denke Wotan/ Odin = Germanische Gottheit ist eine späte Geschichte vor allem im Frühmittelalter und in Anfängen In VWZ.
    Nur mit etlichem Biegen bekommt man Tacitus mit dem Odin im Einklang, vor allem wenn man die Indogermanische Argumentation Linie folgt.
    Tacitus zeichnet ein buntes und vor allem regionales Bild der ReligionEN.
    Ich verweise mal nach Mitteldeutschland: http://www.opfermoor.de/ Wer sich mit diesem am besten erforschten, leider nicht publizierten, germ. Opferplatz in Mitteleuropa beschäftigt, sieht viel Kult, leider keinen einzigen Namen.
    Viel mehr Bauerntum als Kriegerkult. Jede Menge anthropomorphe Holzstäbe, Votivschiffe, aber nur ein Schwert.
    Hier sind reichlich Tiere zu finden, soweit ich weiß auch ein Kranich(?), vor allem Rind, ein paar Menschen (ob geopfert oder begraben nicht festzustellen).
    Aber auch ein frühen römischen Einfluß eine Holzfigur der Diana, wie man annimmt vom Germanen im röm. Dienst mitgebracht und nach röm. Vorbild hergestellt.
    Jedenfalls passt das ganze Moor meiner Meinung nach überhaupt nicht ins „Odinraster“ was heute vorherrscht.
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    genau das sorgt dafür, dass mehr Fragen offen als beantwortet sind
     
  3. Adal-Batturich

    Adal-Batturich Neues Mitglied

    Zur Frage, ob Wodan/Odin bei den Ostgermanen bekannt gewesen sei, kann es von Interesse sein, dass man dies in Skandinavien nach der Jahrtausendwende, - als die zuvor mündlich überlieferte Edda niedergeschrieben wurde -, als Selbstverständlichkeit hinnahm.
    Sonst könte der unbekannte Dichter des Eddaliedes "Hlodskvida" (Hunnenschlachlied) dem Gotenkönig "Gizur" nicht folgende Worte in den Mund legen, die er vor der Hunnenschlacht an die Gegner richtet:
    Erschreckt ist euer Volk.
    Fallen wird euer König.
    Hoch ragt unsre Fahne.
    Feind ist euch Odin.
    Entbiet euch zur Dyngia
    und auf die Dunheide,
    jene Walstatt
    bei den Jassarbergen.
    Odin scheuche eure Scharen
    übers Schlachtfeld hin
    und lasse den Wurfspiess fliegen,
    wie mein Wort es heischt.


    (Übertragung F. Genzmer)

    Aber das Thema müsste in einem eigenen Thread behandelt werde.
     
  4. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ...und Guiseppe Verdi (1813-1901) ließ seine Pharaonen-Ägypter ganz selbstverständlich italienisch singen...:winke:
    ...der Hunne Attila wurde problemlos zum mittelalterlichen Ritter...
    ...saperlot: der Ostgotenkönig Theoderich wurde sogar zum Anführer des nächtlichen Heeres...!!...das ist sehr wodanistisch

    dass wandernde Sagenstoffe anverwandelt wurden, also in die eigene kulturelle Sphäre eingebettet wurden und dabei Veränderungen erfuhren, ist ja keine Neuigkeit (so sind die Veränderungen des Niebelungenstoffs von Süd nach Nord ja auch bekannt) -- also diese sehr späte altnordische Quelle vermag ich nicht als Argument für einen Odin bei den Ostgermanen ansehen (es sei denn, die Pharaonen hätten italienisch gekonnt =))

    wie ElQ schon bemerkt hat, ist es ärgerlich, dass zu etlichen Ostgermanen Quellen fehlen - damit können wir einfach nicht entscheiden, ob sie ihn anbeteten oder nicht; obendrein ist unklar, ab wann es Wodan/Odin bei den Germanen als oberste Gottheit gab.

    derzeit bin ich ferienhalber nicht daheim - wenn ich aber wieder daheim bin, werde ich interessehalber mal Mayer und Golther nach Tierofpern filzen: das wird dann aber mit Skepsis zu genießen sein, denn diese Fachliteratur ist doch sehr veraltet und sehr "germanistisch"
     
  5. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Die Verbreitung der Götter sollte man unter einem eigenen Thema erörtern. Er hat mit dem hiesigen nur am Rande zu tun.
     
  6. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ja und nein (schwierig zu entscheiden)

    wenn spezielle Tieropfer bzw. en detail die Praxis solcher Opfer in den german. Religionen diskutiert werden soll, dann benötigt man meiner Ansicht nach auch Kenntnisse über diese Religionen - und letztere sind halt aufgrund der Quellenlage sehr lückenhaft.

    ich hatte spaßeshalber das fiktive Opfern von Viehzeugs aus Wagners Götterdämmerung zitiert: es wäre ja schön, wenn wir Listen darüber hätten, welche Opfer speziell für welche Götter üblich waren.

    interessant ist der Link zu Oberdorla in Saschas Beitrag: dort hat man sich entschieden, eine weibl. Gottheit, welcher Wild geopfert wurde, als "Diana" zu bezeichnen - auf jeden Fall passt das zur Jagdgöttin (nur dass Diana halt bislang keine german. Göttin war)
     
  7. Sascha

    Sascha Neues Mitglied

    Ergänzend; die Ausführengen Idole macht sieht für mich so aus als ob es keine Namen gab, eher nur eine göttliche Kraft, wenn auch manchmal Menschen ähnlich. der christliche Gott ist auch namenslos.
     
  8. Sascha

    Sascha Neues Mitglied

    Der Name ist historisch nicht erwähnt nur die Ähnlichkeiten zu der römisch Diana so stark, das es fasst nicht anders sein kann, wie ein römischer Import.
    Wenn man Rudolf Simek folgt sind viele Naturgottheiten (Flüsse z.B.) in der Zeit vor der VWZ weiblich, im Westen gibt es die Matronen. Nach der VWZ mit Herrschen mänchliche Götter vor. Alles für mich Anzeichen, das sich viel getan hat.
     
    1 Person gefällt das.
  9. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    das würde dafür sprechen, dass sich aus einer zuvor eher bäuerlichen kultur und damit auch Religion (Fruchtbarkeits-, Jagdgötter etc.) später eine kriegerische (Wodan) entwickelte oder hinzukam - sowas ähnliches habe ich in verschiedenen Publikationen zur germanischen Religionsgeschichte gelesen (wobei ich meine Hand nicht dafür ins Feuer legen kann, dass das so war). Wenn es so gewesen sein sollte, dann taucht der kriegerische Wodan erst ungefähr während der RKZ auf - dann ist es möglich, dass die weit weg gewanderten Ostgermanen ihn noch nicht kannten und also nicht im Reisegepäck mit dabei hatten.

    was die Benennung "Diana" betrifft, so berichtet Gregor von Tours davon, dass die Landbevölkerung in der Trierer Umgebung trotz Verbot in einem Tempel einer Diana Opfer brachten bzw. diese anbeteten (quem Dianam appellantur)
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wo berichtet er das (außer in Hist. Fr. VIII, 15)? Ich frage, weil ich die Formulierung so nicht finde.
    Gerade das appellantur würde ja - wenn es historisch ist und nicht von dir kommt - verraten (oder etwas schwächer formuliert: nahelegen), dass es sich hier nicht um eine interpretatio romana handelt sondern um die lateinische Göttin. Sprich die Bevölkerung sprach Latein/Romanisch, was aber durchaus passen würde, hielt sich doch das Moselromanische bis ins hohe Mittelalter.
     
  11. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    sorry, das kann ich dir erst beantworten, wenn ich aus dem Urlaub zurück bin (ich hab hier meine bücher nichtzur Hand) - das latein. Zitat ist aus der Erinnerung. Aber ich werde es nachschauen. Da sich das in der Trierer Umgebung abgespielt haben soll, liegt schon nahe, dass es sich hier um die röm. Göttin handelt.
     
  12. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

  13. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich frage, weil dort das apellantur nicht steht. Schade. Somit ist schwer zu beurteilen, ob es sich hier um romanischsprachige Bevölkerung handelte oder eine interpretatio romana.
     
  15. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    wenn du den lat. Text zur Hand hast (ich kann den Gregor nicht auswendig) - was steht denn da? quem Dianam ... ?
     
  16. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Also, von der Bekehrung des Wulfelaich (wobei dieser der Bekehrer, nicht der Bekehrte ist:

    Kurzzusammenfassung: Uns wird der Langobarde Wulfilaich vorgestellt, der bei Trier auf ein Diana-Heiligtum stößt und der ungläubigen Bevölkerung der Umgebung (populus incredulus, multitudo vicinarum villarum) beständig predigt, dass das Abbild welches sie wie einen Gott (quasi deum) anbeten nichts (nihil) sei und dass sie es nicht wert sei angebetet zu werden, was allein dem alllmächtigen Gott der Himmel und Erde gemacht hat zustehe. Die drei Nennungen der Diana sind die einzigen im Text.
     
  18. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Danke für den Text!
    Sowie ich aus den Ferien daheim bin, werde ich nachschauen, woher ich dieses quem dianam appelantur in Erinnerung habe (da die Gegend um Trier romanisiert war, dürfte es sich um die röm.-kelt. Jagdgöttin gehandelt haben)
     
  19. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Ziegen für Donar und Pferde für Wotan, sofern diese Angaben für das angelsächsische Heidentum des frühen Mittelalters stimmen:
    Angelsächsische Religion ? Wikipedia

    (nach der Diana kann ich erst im September schauen)
     

Diese Seite empfehlen