Goebbels' Verhältnis zu "Nürnberger Rassegesetzen"

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von mr. jones, 9. August 2011.

  1. mr. jones

    mr. jones Neues Mitglied

    Hallo User,
    Wie schon im Titel ersichtlich, geht es mir hier um Goebbels' Verhältnis zu den Nürnberger Rassegesetzen vom 19.9.1935. Konkret interessiert die Frage, warum die Umsetzung der Gesetze im "Gau Berlin", dessen Leiter Gobbels gewesen ist, im Vergleich (etwa zu Dresden) nur sehr sporadisch vorangetrieben worden ist, weil es seiner Zuständigkeit oblag. Ihr müsst und sollt diese Frage nicht direkt beantworten, aber es wäre sehr hilfreich, könntet ihr Primärquellen nennen, etwa Passagen aus seinem Tagebuc, da ich leider über keinerlei Material verfüge oder darauf zugreifen kann.
    Ich danke für eure Mühe,
    mr. Jones
     
  2. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Hier ein paar Auszüge:


    Quelle: Joseph Goebbels Tagebücher Band 3 1935 - 1939. Herausgegeben von Ralf Georg Reuth. Piper Taschenbuch. 4. Auflage 2008. S. 886 -890

    Ich empfehle dir aber neben den Tagebücher, die man auch in Bibliothken erhält, dir folgendes Buch zu besorgen:

    Christian T. Barth
    Goebbels und die Juden
    Schönigh 2003
    315 Seiten.

    Zitat aus diesem Buch:

    "Tatsächlich erscheint Goebbels sehr bemüht, sich auch in der Judenfrage weiterhin als enger Berater Hitlers zu präsentieren udn eine aktive Beteiligung an der politischen Willensbildung besonders hervorzuheben, dies gilt insbesondere im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der "Nürnberger Gesetze" am 15. September 1935."

    S. 101

    Dazu müsstest du die Verhandlungen des Reichstages Band 458, 7. Sitzung, 15. September 1935, S. 59 - 62 hinzuziehen.

    http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_w9_bsb00000142_00061.html
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. August 2011
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  3. mr. jones

    mr. jones Neues Mitglied

    Hervorragend!
    Vielen Dank für deine Mühen!
    Gruß,
    mr. jones
     
  4. michaell

    michaell Aktives Mitglied

    In der von Ursi angegeben Quelle heißt es in Fußnote Nr. 54 des Herausgebers zur Eintragung vom 17. Sept. 1935 auf Seite 889:

    "(...) In der Auseinandersetzung um deren (der Rassegesetze) Ausführungsbestimmungen, die Mitte November 1935 in Kraft traten, gehörte Goebbels zu den Radikalsten. Er focht vehement dafür, nicht nur 'Voll-', sondern auch 'Halb-' und 'Vierteljuden' - die also von mindestens einem Eltern- bzw. Großelternteil jüdischer Herkunft abstammten - und die mit ihnen verheirateten Personen aus Deutschland zu vertreiben. Nur widerwillig (siehe dazu Eintrag vom 15.11.1935) trug er schließlich den Kompromiß, wie er es nannte, um die Ausführungsbestimmungen der Nürnberger Gesetze mit, unter die 'Halbjuden' nicht grundsätzlich, 'Vierteljuden' aber gar nicht fielen."

    In dem entsprechenden Eintrag vom 15.11.1935 heißt es dann:

    "(...) Dr. Wagner und Dr. Groß: Ausführung Judengesetze. Ein Kompromiß, aber der bestmögliche. Vierteljuden zu uns herüber, Halbjuden nur in Ausnahme. In Gottes Namen, damit Ruhe kommt. Geschickt und unauffällig in die Presse lancieren. Nicht zuviel Geschrei darum machen. (...) Mittags Führer: Kulturfragen. Die Judengesetze. Nun ist die Entscheidung entgültig. (...)"
    (a.a.O., S. 909)

    Demnach scheint Goebbels zumindest intern in der Frage der Umsetzung der Rassegesetze eher zu den 'Scharfmachern' gehört zu haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. August 2011
  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Bei Longerich kann man diese Einschätzung auch lesen. Die "Kurfürstendamm-Ausschreitung" sind im wesentlichen durch Goebbels in Szene gesetzt worde. Bei Hitler hatte er sich vorher in "Heiligendamm" einen Freifahrtschein besorgt.

    In diesem Zusammenhang formulierte "Der Angriff" am 19.Juli 35: "Berlin gesäubert von Kommune, Reaktion und Juden. Dr. Goebbels räumt in seinem Gau auf."

    Goebbels - Google Bücher

    Stinksauer soll dagegen Göring gewesen sein, der zunächst mal die enormen Kosten betrachtete, die die randalierende SA an den extrem teuren Schaufensterscheiben auf dem Kurfürstendamm verursacht hatte.

    Ob die folgende Eindämmung der anti-jüdischen Ausschreitungen durch Goebbels, auch auf die Intervention von Göring zurück zu führen ist, kann ich nicht bewerten.

    Die negative Reaktion des Auslands hatte sicherlich einen Einfluß auf die Eindämmung.
     
  6. michaell

    michaell Aktives Mitglied

    Hier mögen auch die bevorstehenden Olympischen Spiele 1936 in Berlin eine Rolle gespielt haben, weshalb in der Reichshauptstadt antisemitische Maßnahmen herabgedrosselt wurden, die der Außenwirkung des Regimes hätten abträglich wirken können.
     

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