Goten = Germanen?

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von JohnSteed, 23. September 2011.

Schlagworte:
  1. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Vielen Dank für den Link. Ich muss zu meiner Schande gestehen, den Text sogar schon mal gelesen zu haben. Jetzt muss ich noch die Notiz mit dem Riedgras wiederfinden. Vielleicht habe ich das bei Schmidt, die Ostgermanen gelesen. Ich hasse es, wenn mir solche Dinge entfallen.

    Die 'Maeringe' entschlüsselt jene Notiz übrigens als 'Sagengestalten'.
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ist das derselbe, der - vor langer Zeit :) - ein insgesamt lesenswertes Buch über die Vandalen geschrieben hatte?
     
  3. enrico

    enrico Mitglied

    Wie schon vorher angegeben steht in dem Buch Beowulf -das angelsächsische Heldenepos zweisparchige Ausgabe
    übersetzt ,kommentiert und mit Anmerkungen versehen von Hans Jürgen Riebe ,Marixverlag 2.Auflage von 2012
    Seite 74
    Zitat:" Die Wendung mæenhreð manna (aus Vers 445) gab für viele Deutungen genügend Stoff .Manche lassen hreðmanna und sahen darin die Hreidgoten, die auf dem berühmten schwedischen Runenstein Rökstenen als >>Heim-Goten<< d.h. junge Göten ,die nicht ausgewandert sind ,vorkommen.Volksetymologisch seihen dann Hreðgotan >>Ruhmgoten<< daraus geworden."

    Zur meiner Verwunderung wird in der Übersetzung der Runensteins von Rökstenen nichts davon erwähnt !Auch das der Autor des Buches eine Quelle nutzt ,indem er von Hreðgotan auf Ruhmgoten kommt ist mir dann schleierhaft und nicht nachvollziehbar.
     
  4. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

  5. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Ja, Dekumatland, es ist derselbe Schmidt. Trotz des Alters sind seine Werke immer noch nützlich, da man sich sehr schnell über die ältere Literatur zum Thema informieren kann. Auch kann man oft nur in 'Die Ostgermanen' und 'Die Westgermanen' sehen, auf wie dünnen Beinen manche oft wiederholte 'Tatsache' steht. Als Beispiel sei das Wormser Burgunderreichs genannt.

    Natürlich muss man gewisse Abstriche machen. Er betrachtet die Germanen eben noch als Deutsche. Der Nationalsozialistischen Geschichtsdeutung hat er sich aber verweigert. (Vgl. auch den Wikipedia-Artikel.)

    Wenn man Buno Krüger (Hrsg.): Die Germanen – Geschichte und Kultur der germanischen Stämme in Mitteleuropa. 4. Aufl., 2 Bände, Akademie-Verlag, Berlin 1983, dazu nimmt, drängt sich der Eindruck auf, dass solch' umfangreiche Werke über die 'Germanen' nur in Diktaturen entstehen.

    EDIT: Vielen Dank auch an Enrico für die Angaben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Oktober 2013
  6. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Was ist mit dem Burgunderreich am Rhein?

    Mir ist lediglich bekannt, dass die Lage dieses Reichs von einigen angezweifelt wird, da das in Quellen genannte "Mundiacum" als Orientierungspunkt von manchen nicht mit "Mainz" identifiziert wird. Unumstritten ist aber wohl, dass das Burgunderreich am Rhein gelegen hat.

    Beide Bände befinden sich in meinem Bücherschrank. Reichhaltigere und profundere Werke über die Germanen kann man sich kaum denken, zudem sie vom Zahn der Zeit kaum angenagt sind.
     
  7. ning

    ning Gesperrt

    hallo allerseits, freue mich, dass mein derzeit heißestes suchgebiet hier erneut im schwange ist. bitte euch um dezitierte hilfe: ist via web ein pdf (download) von jordanes (geti) zu kriegen bzw würde einer von euch so lieb sein und mir derlei senden? gewünscht ms. wäre eine übersetzung ins deutsche. calgary hab ich, und mein latein, zugegeben schwaechelt . würde mich wai. erkenntlich zeigen, euer heidebodensuebe (id est freischwebend) ning ( doch, wer außer dieter kennt mich hier noch?)
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter


    Hi Ning,

    mit Calgary meinst du die englische ÜS der Getica auf den Seiten der Uni Calgary? Ich befürchte eine deutsche ÜS musst du dir entweder in einer Bib besorgen oder käuflich erwerben.

    EQ
     
  9. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    z.B. im "Projekt Gutenberg" ist der Iordanes nicht drin
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  11. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Durch Zufall bin ich darüber gestolpert:
    aus Wie die Wikinger wirklich aussahen
    Ob man seriös für Zeiten lange vor der Völkerwanderung (Migrationszeitalter meint wohl diese) schon von "Goten" sprechen kann? ...was da angedeutet aufleuchtet ist "die dna-Forschung weist nach, dass Goten (!) aus dem Südosten nach Skandinavien gewandert sind" - schon seltsam... oder missverstehe ich da was?
     
  12. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Es geht um die Wanderungsbewegungen im "Migrationszeitalter vor der Wikingerzeit" - kompliziert ausgedrückt ist damit sicherlich die Völkerwanderungszeit gemeint.
    Ich kann nur vermuten, dass mit den "Goten" hier eigentlich die Gotländer gemeint sind.

    Hier wurde genetisch anscheinend nachgewiesen, dass während der Völkerwanderungszeit Menschen aus Süd-Ost-Europa nach Gotland und Öland ausgewandert sind.
    Der Nachweis von Turmschädeln auf Gotland liefert ein ähnliches Bild, vgl. Toplak: Künstliche Schädeldeformationen in der Wikingerzeit.

    Die Frage, ob man jene Menschen aus Süd-Ost-Europa jetzt mit den Protobulgaren, den Hunnen oder den Goten identifizieren sollte, ist meines Erachtens ein nicht lösbares Rätsel.

    Jordanes schildert in seiner Gotengeschichte zwar die Auswanderung der Goten von der Insel "Skandinavien" aber eigentlich ist das nur eine Sage.
    Für die umgekehrte Wanderrichtung vom Schwarzen Meer nach Gotland scheint es hingegen archäologische Hinweise zu geben.
     
  13. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    @Maglor die drei Turmschädel-Damen auf Gotland sind aus dem 10./11. Jh., die haben nichts mit dem "Migrationszeitalter vor der Wikingerzeit" zu tun.
    Mich hat die Verwendung von "Goten" und deren genetisch nachgewiesener angeblicher Wanderung nach Skandinavien verblüfft.
     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Unwahrscheinlich. Sikora sagt in dem Interview folgendes:

    Im sogenannten Migrationszeitalter vor der Wikingerzeit gab es in ganz Europa viel Bewegung, von den Stämmen aus dem Südosten haben es einige Stämme – zum Beispiel die Goten – bis nach Skandinavien geschafft. Diesen genetischen Einfluss sehen wir ebenfalls.
    Ich habe von der acientDNA-Forschung keine Ahnung, habe aber manchmal den Eindruck, dass Naturwissenschaftler allzu leichtfertig mit Ethnonymen umgehen. Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass es da Bezüge gibt. Im Grunde genommen, das vergessen wir ja vor unseren Nationalgeschichten gerne, ist Migration der historische Normalfall. Natürlich hat es immer Kontakte mit und zu irgendwem gegeben und die waren natürlich auch immer Mal sexueller Natur (ob liebevoll oder gewaltsam oder irgendetwas dazwischen immer dahingestellt). Im Römischen Reich gab es viel Migration, durch Handel und Militär, aber auch durch Versklavung. Dass diese Migrationen auch einen Einfluss auf die Gebiete jenseits der Grenzen des RR hatten, ist doch klar. Syrische Soldaten, die am Donaulimes ihren Dienst versehen, kommen in hunnische oder ostgotische Kriegsgefangenschaft, werden durchgereicht, leben als Sklaven irgendwo an der Ostsee, zeugen mit einheimischen Frauen Kinder, welche wiederum Kinder zeugen... zweihundert Jahre später treffen arabische und persische Händler auf einem Markt an der Wolga auf slawische und skandinavische Gruppen, man treibt miteinander Handel und teilt die Betten und einige Monate später werden an der Wolga an der Ostsee, in Byzanz und in Damaskus Kinder geboren...

    Ich will auch den Wert der ancientDNA-Forschung nicht in Frage stellen, ich will nur zur Vorsicht mahnen, dass dann evtl. aus den mutmaßlich korrekten genetischen Ergebnissen durch allzu leichtfertige Übernahme von Ethnonymen falsche Schlussfolgerungen gezogen oder falsche Interpretationsanreize geboten werden.
     
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  15. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Die Völkerwanderungszeit heißt auf Englisch migration period, der deutschsprachige Ausdruck scheint dem Genetiker nicht eingefallen zu sein. Vermutlich hat er noch nicht so oft in einem deutschsprachigen Geschichtsbuch geblättert. Er hat in den vergangenen Jahren genetische Studien mitveröffentlicht, in denen es u. a. um die Karibik, um Zentralafrika, Alaska, Südostasien, Sibirien, Japan, Mexiko usw. geht und wird kaum die Zeit finden, sich auch nur halbwegs in die Geschichte der jeweiligen Weltgegenden einzulesen. Es sind ja auch bis zu fünfzig, sechzig, siebzig Koautoren beteiligt, von denen wird sich schon irgendjemand mit den jeweiligen geschichtlichen Grunddaten auskennen.

    Und mit geschichtlichem Viertelwissen im Gepäck kann dann schon auch mal so ein astreiner Stuss entflutschen wie: "von den Stämmen aus dem Südosten haben es einige Stämme – zum Beispiel die Goten – bis nach Skandinavien geschafft"...
     
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  16. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    auch wenn es astreiner Stuss ist, hätte ich aus purem Vergnügen gerne gewusst, wer die anderen Stämme sein sollen (der Stuss enthält ja einen Plural) :D
     
  17. Heine

    Heine Aktives Mitglied

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