Guanchen

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von heinz, 14. März 2004.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Mit Festland meinst du Nordafrika und dort die berbersprachlich sozialisierte Bevölkerung?
     
  2. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    In Frankreich gab es Nachnamen schon seit dem MA (11. / 12. Jahrhundert)

    Nom de famille en France — Wikipédia

    Béthencourt ist anscheinend von einem Ortsnamen abgeleitet, von einem Ort, aus dem wohl einer der Vorfahren von Jean de B. stammte oder dessen Feudalherr er war. Da gibt es in Nordfrankreich einige Orte mit diesem Namen.

    Seit wann in Spanien Nachnamen Usus waren, habe ich nicht nachgeschaut.

    Möglich oder auch nicht. Ich weiß aber auch nicht, nach welchem System den authochtonen Kanariern nach Christianisierung Nachnamen angenommen haben.
     
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  3. Pardela_cenicienta

    Pardela_cenicienta Aktives Mitglied

    Béthencourt war ein Nachname der Oberschicht.

    Das Vorkommen des Namens in Süd- und Zentralamerika geht mit großer Wahrscheinlichkeit auf den spanisch-kanarischen Einfluss zurück, nicht auf primäre Einwanderung aus Nordfrankreich.

    Viele denken dass die Musik und Kultur der Kanaren primär südamerikanisch geprägt sei.

    Vielfach ist es aber genau umgekehrt: die Kanaren waren ja sowohl Umschlagplatz für den Südamerikahandel, als auch eine Stelle der kulturellen Transformation.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. September 2022
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nur, dass wir uns nicht missverstehen: ich habe mich nicht dagegen gewandt, dass der Name Béthencourt in Südamerika auf kanarische Träger dieses Namens zurückgeht, sondern gegen die Absolutheit dieser Aussage.

    Von ihnen stammen alle kanarischen, portugiesischen und lateinamerikanischen Bethenencourts und Perdomos ab.​
     
  5. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Von spezieller eigenständiger kanarischer Musik habe ich bislang noch nicht gehört - wenn allerdings, wie du andeutest, ein kanarischer Einfluß auf die lateinamerikanische Musik vorhanden sein soll, würde mich interessieren, wie sich das bei Villa-Lobos oder Ginastera zeigen ließe.
     
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  6. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Waren sie das? In der Casa de Contratación (spanische "Handelskammer") war Sevilla, später Cadiz, als Monopolhafen für Fahrten nach und aus den spanischen Kolonien festgelegt. Dieses Monopol galt bis in die Mitte des 18.Jahrhunderts. Die Kanaren wurden eventuell angesteuert, um Wasser und Vorräte der Schiffe aufzufrischen. Amerikanische Handelsgüter mussten aber erst in Sevilla bzw. Cadiz entladen werden, bevor sie auf die Kanaren weitertransportiert werden konnten, sofern einzelne Handelsschiffe diese Vorschrift nicht durch Schmuggel umgingen.
     
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  7. Mfelix

    Mfelix Mitglied

    Ja, wenn man sich bedeutende Persönlichkeiten in der Chronik ansieht haben die alle vom 8 jhdt.-19jhdt. durchgehend eine Kunja ab dann findet man auch Nachnamen.
    Ein wenig zur archaischen Musik der Kanaren findest du hier.
    Kanarische Tänze und Volksmusik | Geschichtsforum.de - Forum für Geschichte
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. September 2022
  8. Pardela_cenicienta

    Pardela_cenicienta Aktives Mitglied

    Nein, amerikanische Handelsgüter durften in Santa Cruz de La Palma entladen werden, der Hafen und die Stadt hatten als erste der Kanarischen Inseln das königliche Privileg (meines Wissens ab 1564) Handel mit Amerika zu treiben, als dritte Stadt nach Antwerpen und Sevilla.

    Der Verlust des Privilegs an Teneriffa führte dann zum wirtschaftlichen Niedergang, letzten Endes aber zum Erhalt der historischen Stadt.
     
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  9. Pardela_cenicienta

    Pardela_cenicienta Aktives Mitglied

    Von spezieller kanarischer Musik habe ich gar nicht gesprochen, sondern von kultureller Transformation.

    Wenn also z.B. auf dem spanischen Festland ein Musikinstrument vom Typ A existiert, auf den Inseln in der Ausprägung A', in Lateinamerika in den Ausprägungen A'' oder A''', und es angenommen werden kann dass A'' und A''' nicht direkt von A abgeleitet sind.

    Anekdotisch nur: Vor Jahren sah ich einen Fernsehbericht über eine Inselprozession auf El Hierro, in einer sehr langen Einstellung vom Zug über die Berge der Insel. Die archaisch wirkende Musik mit Trommeln, Pfeifen, Tanz und Gesang hätten genau so im Hochland von Peru sein können, auch das Federkleid der Tänzer. Es ist aber keine Musik der Guanchen, sondern ein Import vom Festland, der sich in ähnlicher Form in Lateinamerika wiederfindet.
     
  10. Mfelix

    Mfelix Mitglied

    Zurück zum Tagoror

    ,einer der beeindrucksten Versammlungsorte ist auf La Fortaleza (La Gomera) – Wikipedia ,der Wikiartikel schreibt das dort Reste eines Weidetierferch gefunden sind, was m.E. nach wahrscheinlich aber eher unwahrscheinlich ist(wer schon mal auf dem Tafelberg war ,weiß wie erschwerlich der Weg dorthin ist)daher sind es wohl Überbleibsel eines Tagoror obwohl ja der Tafelberg selbst als ein Versamlungort gelten kann.

    Dort traf man sich wohl mehrere Male im Jahr denn wie wir wissen haben sie 9 Tage gefeiert und da war bestimmt Zeit mit anderen "Debatten" zu halten.

    Zitat Sepiola

    "... acababan su año a el fin del quarto mes; esto es su año comensaban por el equinocio de la primauera i a el quarto mes qe. era quando habian acauado la sementera qe. era por fines de iunio hacian grandes fiestas por nuebe dias continuos"
    =
    "Sie bendeten ihr Jahr am Ende des vierten Monats, das heißt sie begannen ihr Jahr Jahr mit der Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche und im vierten Monat, das war, wenn sie die Aussaat beendet hatten, das war am Ende des Juni, machten sie große Feste an neun aufeinanderfolgenden Tagen."

    Die Frage ist ob sich auch zum Herbst 9 Tage gefeiert haben; zur Wintersonnenwende habe ich eine Qeulle gelesen ,die aber noch nicht verifizierbar ist.

    So geblieben würden die Guanchen mit dem Beñnesmen 33 Tage im Jahr feiern ,was man in den drei dreischenkligen Pintaderas und auch in Höhlengravuren wiederfindet.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wie kommst du von 9 bzw. hypothetisch 18 auf 33? Und wie von der 33 auf die Pintaderas?
     
  12. Mfelix

    Mfelix Mitglied

    Die Sommersonnenwende feierten die Guanchen am 20/21,Juni und den Fruhlings-Equinox auch 20/21.März ,jeweils 9 Tage ,liegt wohl an deren Monat mit 29 Tagen.

    Benesmen wurde aber 15 Tage lang gefeiert ,was zusammen 33 Tage (vorausgesetzt sie haben den Herbst equinox und bzw.WSWende nicht gefeiert)ergibt.

    Und dazu die Pintadera die ich Meine die diese Feiertage m.E. symbolisiert Museo Canario,Gran Canaria, – Wikipediaes soll auch eine Höhle geben,mit geometrischen gemalten Zeichen die Jahreszeiten darstellt,(der Name fällt mir grad nicht ein).
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. September 2022
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Und warum sollte man 9+9+15 als gleichseitiges Dreieck darstellen? Mal abgesehen davon, dass es viele Pintaderas gibt, deren Bedeutung nicht ganz unumstritten ist, die aber als Besitzmarken gedeutet werden?
     
  14. Mfelix

    Mfelix Mitglied

    Ich dachte ja das diese Pintaderas als Körperschmuck dienten,,in dem mit Farbpigmenten das Muster aufgetragen wurde, bei den Feierlichkeiten hat man sich bestimmt besonders Schick gemacht.

    Das dieses Pintadera Dreieck die Höhepunkte des Jahres darstellen soll ist nur eine Vermutung ;wie gesagt bin ich durch diese Höhle deren Name tatsächlichCueva Pintada – Wikipedia ist inspiriert und von den Interpretationen dieser Malereien war eine Hypothese ,dass es kalendarische Besonderheiten wie Equinox und SsWende/WsWende darstellt.

    Ich finde gerade nicht die Quelle aber den Vorgang ,die Jahrezeiten darzustellen nannten die Guanchen "Tara" was in den Amazighsprachen "schreiben" bedeutet.

    Ähnliches Muster findet sich in Sabratha im Oceanus Mosaik,welchen kulturellen Bezug genau es darstellt ,weiss ich nicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. September 2022
  15. Mfelix

    Mfelix Mitglied

    “ Contaban el año llamado acano por las lunas, de veinte i nuebe soles, ajustábanlo por el stío onde en la primera luna hacían nuebe días de fiestas i regocijos a el recojer sus cementeras, pintaban en unas tablas de drago i en piedras, i en paredes de las cuebas, con almagra, i rayas, i otros caracteres llamados tara, i onde los ponían tarja a modo de scudos de armas, decían que su origen era de la parte de el sur de África i también señalaban a el oriente; y según decían era mui antigua la población de yslas.” (Marín de Cubas, (1687).Historia de la Conquista de las Siete Islas de Canaria.)

    Ein Schriftstück hat die selben Wurzel tira - AmawalAmawal



    ps.:
    Dort findet man auch Abbildungen von Sandalen ,was ja den archaischen Podomorfos ähnelt und der Verdacht kommt wieder auf,dass es was mit der Jahreszeit zu tun haben könnte ,wie einst vermutet.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. September 2022
  16. Mfelix

    Mfelix Mitglied

    Das Jahr nannten Sie aber "Acano" bzw. das Kalenderjahr ,das Ritual das Jahr in Stein zu meißeln war den Guanchen wichtig und kann in verschiedener Form gefunden werden.

    Das die Höhle s.oben das Jahr wiedergibt, wird auch durch dieses Felsbild gestützt:
    IMG_6544.jpg Bild v. :wildcanaries.com
    Das "Era" das Ausdrücken soll ,scheint mir auch durch die linguale Ähnlichkeit auf dem Festland zu bestätigen :dazu etwas aus wiki
    Aorist Präteritum negiertesPräteritum Durativ
    „finden“ yaf yufa ur yufi ar ittaf
    „schreiben“ yara yura ur yuri ar ittar

    Inwiefern „schreiben“ yara was mit Erinnerung ,Jaherszahl,gravieren ,in Stein meißeln ...zu tun hat müsste sich ein Mazighist(sagt man das so?) wie Ahmed Sabir mal beschäftigen.
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Könntest du noch mal deine Gedanken ordnen? Es ist nämlich leider völlig unverständlich, was du mit deinem Beitrag sagen möchtest.
     
  18. Mfelix

    Mfelix Mitglied

    Der prähistorische Mensch hat den Himmel beobachtet und eine wiederkehr von Phänomenen,die im Zusammenhang mit Klima und Vegetationsperioden standen.

    Das Bewustsein von Zeit entstand und vom Jahr, die Besonderheiten wie Sonnenwenden/äquinoktien wurden gefeiert .Diese Zyklen sahen sie auch am Dasein des Menschen daher wurden Geburten sowie Verstorbenen gefeiert/geehrt.

    Gedanken über das Jenseits und einer ewigen Schöpferkraft wurden sicherlich angestellt und es entstand vermutlich eine Demut und Dankbarkeit des eigenen begrenzten Lebens.

    Mit diesen Aspekten im Hintergrund hat man jedes überstandene Jahr festhalten wollten ,manche Ritzten einfach nur Linien anderen machten/malten aus den Linien geometrische Muster oder auch abstrakte Fußabdrücke auch Podomorphos genannt.

    Was ich also sagen will ist,es gab eine Kultur ein vergangenes Jahr das man überlebt hat (was zu der Zeit nicht selbstverständlich war) festzuahlten.
     
  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dass die Menschen das Jahr beobachteten ist wohl unzweifelhaft. Dass du immer in irgendwelchen Linien, Spiralen und Podomorphen etc. Spuren davon sehen willst dagegen nicht.
     
  20. Pardela_cenicienta

    Pardela_cenicienta Aktives Mitglied

    Bei dem Quadrat auf dem von MFelix verlinkten Foto erhält man vielleicht 4 Jahreszeiten. Dann also 4 Quadrate die jeweils 2 Dreiecke enthalten. 4 x 2 = 8. Und daraus ergeben sich keine 12 Monate.

    Die Dreiecke haben ganz sicher eine Bedeutung, aber sie ist für uns nicht zu entschlüsseln. Sie sind vor allem auf Gran Canaria in rot und weiß oder ocker dekoratives Element der Höhlenmalereien.
     

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