Haltung Hindenburgs zur "Reichstagsbrandverordnung""

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Laura123, 11. Januar 2020.

  1. Laura123

    Laura123 Mitglied

    Hallo zusammen,

    ich frage mich, wie Hindenburg zu der "Reichstagsbrandverordnung" stand. Er hat sie ja als Notverordnung auf den Weg gebracht. Aber sah er die Risiken nicht? (Er war ja zunächst nicht angetan von der Idee Hitler zum Reichskanzler zu ernennen)

    Danke im Voraus.
    Laura
     
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Nun hat er aber Hitler zum Reichskanzler ernannt.
    Und schon wenige Tage später erließ er die "Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes", die Eingriffe in die Versammlungs- und Pressefreiheit legitimierte.
     
  3. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Hallo

    Hindenburg hat sie unterzeichnet und somit gebilligt. Das hätte er durchaus nicht tun müssen, zumal ja bis heute nicht klar ist, wer für den Brand im Reichstag verantwortlich war, folglich konnte auch Hindenburg das seiner Zeit nicht wissen.
    Wozu die Regierung Hitler diese Verordnung benutzen würde, musste ihm ebenfalls klar sein.

    Grundsätzlich war Hindenburg einem Schlag gegen die politische Linke nicht abgeneigt und Grundsätzlich war das Konzept einer solchen Maßnahme auch nicht neu, sondern kursierte bereits unter den vorrangegangenen Präsidialregierungen.

    Schau dir dazu mal Beitrag #7 in folgendem Thread:
    Reichstagsbrand 1933

    Als ergänzender Literaturhinweis wäre zu nennen:

    Das ist allerdings etwas differenzierter zu sehen, weil in diesem Punkt bei der späteren Rezeption gerne Hindenburgs persönliche Interessen und sachliche Gründe miteinander vermischt werden.

    Tatsache ist, Hitler und seine Partei waren zu dem Zeitpunkt, als sich die Frage zum ersten mal stellte eine extremistische Vereinigung ohne jegliche Regierungserfahrung, deren schnauzbärtiger Vorturner sogleich außerordentliche Vollmachten forderte.
    Wenn Hindenburg sich demgegenüber zu Beginn sehr reserviert zeigte, hat es auch mit diesem Umstand zu tun, nicht lediglich mit einem persönlichen Misstrauen Hitler gegenüber, wie auch mit Hitlers Weigerung zunächst Abstriche zu machen und sich in einer anderen rechtsgerichteten Regierung zu beteiligen.
    Kommt hinzu, dass zuvor ja Schleichers Versuch vermittels der Einbeziehung des Strasser-Flügels die NSDAP zu spalten noch nicht vom Tisch war.
    Das war zunächst noch eine valide Option, die wenn sie erfolgreich verlaufen wäre Hitlers Position massiv geschwächt und ihn somit kontrollierbarer gemacht hätte.



    Die Reichstagsbrandverordnung wäre in diesem Kontext eine erstaunliche Entwicklung gewesen, hätte das vormalige Ablehnen einer kanzlerschaft Hitlers vollständig auf persönlichem Misstrauen Hindenburgs gegen die Person Hitler und die von diesem angeführte Partei basiert.
    Nimmt man allerdings an, dass dies nur zum Teil der Fall ist und es zu Teil mit den genannten sachlichen Gründen zu tun hatte, wird man davon ausgehen können, dass Hindenburg im verlauf der zweiten Jahreshälfte 1932, begünstigt sicherlich auch durch das Ausscheiden anderer Optionen, Sinne des Scheiterns Schleichers, in dieser Frage zu einer anderen Auffassung kam und dieser Sinneswandel sich bereits an Hitlers Ernennung zum Kanzler feststellen lässt.

    Nimmt man dieses Erklärungsmodell an, ist die billigung der Reichstagsbrandverordnung durch Hindenburg sicherlich nicht so überraschend, wie sie auf den ersten Blick vielleicht scheint.



    Siehe u.a.:

    Pyta, Wolfram: Hindenburg, Berlin, 2007
     
  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Zur Rolle von Hindenburg und zum Fortbestehen einer autokratischen monarchistischen Haltung bei Hindenburg und einem großen Teil der Eliten in der Weimarer Republik.

    https://www.geschichtsforum.de/thema/hindenburgs-rolle-beim-untergang-der-weimarer-republik.48124/

    https://www.geschichtsforum.de/them...lminischen-epoche-oder-neuanfang.42794/page-2
     
  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Das Verhalten von Hindenburg ist nicht überraschend. Eine zentrale Rolle spielte Brüning und das Zentrum (Brüning Memoiren 1918-1934) und Junker (Die deutsche Zentrumspartei und Hitler 1932/33) beschreibt auch die zunehmende Orientierung des "Zentrums" an Hitler.

    Es war der "Rechtsruck" von Teilen der Gesellschaft, die aus durchaus unterschiedlichen Motiven die Karriere von Hitler begünstigt haben. Da die RW in keinen Bürgerkrieg gezogen werden wollte - so z.B. Hammerstein - konnte der Druck der "Straße" auf das politische System primär durch die KP, aus der Sicht der ultra-konservativen Eliten - um Hindenburg - nur durch den Druck von Rechts, also durch die SA von Hitler neutralisiert werden. Dazu kam das Image von Hitler als "über dem Parteiengezänk" stehenden Politikers, der aus einer Position der Stärke die wirtschaftspolitischen Probleme Deutschlands lösen wollte. Das waren wichtige Aspekte für Hindenburg.

    Erstaunlich aus deswegen, weil der Rückgang der Stimmen bei den Wahlen im Jahr 1932 auch innerhalb der NSDAP als ein herber Rückschlag gesehen wurde und man sich - depressiv subjektiv - eher wieder auf dem Weg in die politische Bedeutungslosigkeit wähnte. Nach einem phänomenalen Aufstieg der NSDAP bei den Wahlen (1928, NSDAP: 2.6 % !!!!!)

    https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagswahlen_in_Deutschland#Ergebnisse_1919_bis_1933

    Und noch als Ergänzung zur "Die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat"

    https://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung_des_Reichspräsidenten_zum_Schutz_von_Volk_und_Staat

    und dem damit im Zusammenhang stehenden "Ermächtigungsgesetz"
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ermächtigungsgesetz_vom_24._März_1933

    und "Geschichtslehrerforum", das - immerhin - auf das Geschichtsforum.de sich unter "legal. illegal.." bezieht. Allerdings etwas simplifizierend.

    https://www.geschichtslehrerforum.de/html/ermaechtigung.html
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Januar 2020
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  6. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

     

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