Hat sich das Motiv der Kolonisationen verändert ?

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von Gast, 11. Januar 2006.

  1. Gast

    Gast Gast

    Guten Morgen,

    Ja meine Frage ist, ob sich das Motiv für Kolonien verändert hat ? Angefangen hat es ja mehr oder weniger mit den Kreuzzügen. Damals war es mehr oder weniger doch das Ziel, die nicht christlichen menschen zu missionieren und Handel zu betreiben ( meist auch Ausbeutungen ) Doch jetzt im 19 Jahrhundert, denke ich, sind die Motive für Kolonisationen anders. Der Imperialismus kommt nun und die Kolonien werden doch auch als Zeichen für Macht angesehen und das Überleben der eigenen Rasse soll verbreitet werden. Kann man auch sagen, dass Kolonien jetzt mehr und mehr für militärische Zwecke genutzt wurden ? Damals war der Import von waren das Ziel einer Kolonie. Doch im 19 jahrhundert rückte doch mehr und mehr der Absatzmarkt für die Produkte der Industrialiserung in den Mittelpunkt. Man importierte nun nicht mehr so viel, sondern versuchte seine Produkte auf anderen Märkten abzusetzen. Wäre schön, wenn ihr mich ein wneig bestätigten könnt, oder noch weitere Argumente und Motive hinzufügen würdet. Ich bin dankbar für jede Meinung :)
    Wenn möglich bitte auch mit Link/Quelle !

    Ich bedanke mich ! :)
     
  2. Arne

    Arne Premiummitglied

    Das "jetzt" in deinem Text für das 19.Jahrhundert ist erstmal etwas verwirrend ;) aber nun zu einigen Gründen...

    Die an der Kolonisation beteiligten Gruppen hatten recht unterschiedliche Beweggründe für ihr Tun:

    - Kaufleute wollten ihre Waren in den Gebieten absetzen, der Wunsch nach staatlichem Schutz für den ungestörten Handel, führte zu ihrem Einsatz für die Errichtung von Kolonien. (Export)

    - Kirchen wollten ihren Glauben und die Zivilisation in "unterentwickelte Gebiete" tragen. Die Errichtung offizieller Kolonien war nicht eine primäre Forderung aus dieser Richtung. Sie taten das auch in unbekanntem Gebiet, aber eine staatliche Ordnung durch europäische Kolonisatoren sicherte ihre Arbeit ab und war daher willkommen. (Mission)

    - Industrielle und der Großhandel suchten Rohstoffe für ihre Produkte. Die Ausbeutung konnte natürlich am besten in einer "eigenen" Kolonie organisiert werden. (Import von Rohstoffen)

    - Militär suchte nach Basen in der Welt, zum Beispiel Kohlelager und Häfen für die Marine.

    - Politik und Organisationen suchten Kolonialgründungen zum Prestigegewinn. Teils mit offizieller Begründung der Lenkung der Auswanderung (gelenkte Emigration)
     
  3. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Die Kreuzzüge beziehungsweise die daran angeschlossenen Eroberungen würde ich nicht als Kolonien bezeichnen.
    Die Kreuzfahrerstaaten bildeten sich als eigenständige Feudalstaaten nach europäischem Muster aus. Ebenso war die Missionierung ursprünglich kein Grundmotiv der Kreuzzüge. Grundsätzlich ging es darum, die Heiden zu bekämpfen, im Falle der Kreuzzüge ins Heilige Land noch darum, einen der heiligsten Orte des Christentums, das Grab Jesu, zu besitzen. Freilich war dies von wirtschaftlichen Motiven begleitet.
    Die Missionierung war nur hier und da eine Begleiterscheinung. Im Heiligen Land wurde m.W. nicht missioniert, ebenso bei den Kreuzzügen in Spanien, bei den Prussen-Kreuzzügen in Ostpreußen aber schon.
     
  4. Lizz

    Lizz Neues Mitglied

    Wenn du vom Wandel der Motive der Kolonisation sprichst, kannst du meiner Ansicht nach den Gedanken gang bis zum zweiten Weltkrieg fortführen. Auch Hitler wollte eine Art Kolonialismus betreiben. Er sprach von einer Kolonialpolitik im Osten. Er lehnte zunächst überseeischen Kolonialbesitz ab und hatte vorallem an den Gebieten der SU Interesse. Seine motive waren die Sicherung des Lebensraums für das deutsche Volk und die Garantierung der Ernährungsgrundlage. (dazu findest du sowohl in "Mein Kampf" als auch im "Hoßbachprozokoll").
    Außerdem würde ich nicht so allgemein an die Frage herangehen. Du sprichst davon, dass die Kolonialisten erst im Laufe der Zeit die Kolonien für militärische Zwecke genutzt hätten. Vergleichst du aber ein Mal den spanischen und den portugisischen Kolonialismus in Südamerika, dass beide Kolnialherren zur gleichen Zeit unterschiedliche Motive hatten. Die Spanier kamen vor allem als Eroberer mit militärischen Interessen. Die Portugiesen wollten vor allem Handel betreiben. Und um noch ein wenig Stadtgeografie einzubringen: Dieser Unterschied lässt sich auch an einem Vergleich zwischen kolonial-spanischen und kolonial-portugisischen Städten erkennen.
     
  5. Arne

    Arne Premiummitglied

    Sind nicht aber ganze Expeditionen nur mit dem Ziel des Plünderns losgeschickt worden? So um das sagenhafte El Dorado zu finden? Sind das nicht eher wirtschaftliche, als militärische Gründe?:grübel:
     
  6. mjay

    mjay Neues Mitglied

    Ich muss eigentlich mehr den britischen und den französischen Kolionalismus vergleichen. Kann man nicht verallgemeinert sagen, ob sich die Motive verändert haben ?
     
  7. Arne

    Arne Premiummitglied

    Hmm, du sollst also nur den britischen und französischen Kolonialismus vergleichen und ob sich bei den beiden ihre Beweggründe über die Jahrhunderte verändert haben - vielleicht unterschiedlich entwickelt haben?

    Tja, da ich dort nur recht oberflächliche Kenntnisse habe, kann ich auch nur oberflächlich antworten. Ich würde mal sagen, daß zu Beginn wirtschaftliche, also zumeist Handelsinteressen im Vordergrund standen, begleitet durch den Missionsgedanken. Später wurden die Interessengebiete militärisch gesichert. Als die Welt dann immer mehr verteilt wurde, kam es zur Hochzeit des Imperialismus dazu, daß man Gebiete für sich beanspruchte, die - objektiv betrachtet - keinen wirtschaftlichen Nutzen versprachen. Das erfolgte dann oftmals aus reinem Prestigetrachten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Januar 2006
  8. Arne

    Arne Premiummitglied

    Mir fällt gerade auf, daß es in der Literatur zur Deutschen Kolonialgeschichte kaum Erwähnungen französischer Missionstätigkeit gibt, hingegen vielfach Hinweise auf und Kontakte mit britischen Missionen.
    Haben die Franzosen tatsächlich erheblich weniger missioniert?
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da hätte ich jetzt gerne eine genauere Erklärung zu! Es kommt doch nicht von ungefähr, dass Kuba und Brasilien, also die portugiesische Kolonie in Lateinamerika und die klassische spanische Kolonie bis heute so eklatante kulturelle und wirtschaftliche Ähnlichkeiten aufweisen.
     
  10. mjay

    mjay Neues Mitglied

    Arne ich danke dir ! Ich bin mir sicher, dass es mir einige neue Erkentnisse gegeben hat :)
     
  11. Enkidu

    Enkidu Neues Mitglied

    Wie kommst du darauf?
    Kannst du das irgendwie mit Beispielen belegen?
    Klingt für mich so noch nicht sehr schlüssig.
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Kubas und Brasiliens Wirtschaft basiert traditionell auf den Erzeugnissen ihrer Plantagen (v.a. Zucker) und Plantagen werden mit Sklaven bzw. Billiglöhnern bewirtschaftet. Wenn Du Dir die karibischen und brasilianischen Gesellschaften anschaust, wirst Du sehen, dass die Bevölkerungsmehrheit afrikanische Wurzeln hat, ein Erbe der Kolonialzeit. (Brasilien ist nicht grundlos das Land, in dem die Sklaverei am spätesten offiziell abgeschafft wurde: es lebte von ihr.)
    Diese Bevölkerungsmehrheit hat natürlich auch afrikanische Bräuche mitgebracht, die über Gewohnheiten der Ernährung über religiöse Praktiken bis hin zur Musik gehen.
     
  13. Lizz

    Lizz Neues Mitglied

    @ El Quijote

    Also hast du dir schon mal nen Stadtplan von einer Kolonial-spanischen Stadt angeschaut?? Erst einmal leigen diese Städte meistens im Zentrum des Landes um als Militär- und Verwaltungsstützpunkt zu dienen. Sie sind nach streng gemetrischen Mustern angelegt mit die Plaza in der Mitte. Um diesen Platz findet man sehr viele reprasentative Gebäude um die Macht der Kolonialisten zu demonstratieren. Eine kolonial-portugisische Stadt liegt fast immer am Meer um als Handelsplatz zu dienen. Der Stadtgrundriss musste dem Hinterland angepasst werden und ist deswegen meist nicht so geometrisch. Außerdem gibt es nicht einen großen, zentralen Platz sondern viele kleiner Marktplätze um Waren auszutauschen. Ist dir das erst einmal Erklärung genug?
     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Also erst einmal erklärt sich mir aus dieser Behauptung, die zu überprüfen wäre, warum sich in der beschriebenen Stadtarchitektur die angeblich militärischen Interessen der Spanier bzw. in einer davon abweichenden Stadtarchitektur die angeblich ökonomischen Interessen der Portugiesen widerspeigelten, nicht.
    Die Struktur der spanischen Städte in Lateinamerika ist mir bekannt, der portugiesischen - da bin ich ehrlich - nicht so sehr. Im Prinzip ist die spanische Stadt in Lateinamerika repräsentativer Natur: rund herum um die zentrale Plaza Mayor befinden sich Kathedrale, Gouverneurspalast etc., nach außen hin werden die Häuser immer weniger hübsch und schließlich schäbig. Die Küstenstädte dagegen haben, da hast Du recht, meist einen militärischen Charakter. Aber: sie dienten weniger der Knechtung nach innen, als der Verteidigung gegen Piraten und Freibeuter.

    Was die Geschichte der spanischen ud portugiesischen Kolonien anbelangt, solltest Du eher bedenken, dass es in Brasilien im Hinterland kaum etwas gab, was von Interesse war (und dieses Hinterland nach dem Vertrag von Tordesillas zum größten Teil den Spaniern gehört hätte!!!), während die Spanier sich mit Hochkulturen auseinanderzusetzen hatten, die eine entsprechende Infrastrutur geschaffen hatten (Azteken, Inka). Daher ist es nicht verwunderlich, dass etwa Tenochticlán/Ciudad de México im Inland liegt. Gehst Du aber nach Perú, wirst Du schnell bemerken, dass es Lima war, die sich gegen Cuzco durchgesetzt hat. Und was sind Pánama, Buenos Aires, Vera Cruz, La Habana, Lima anderes, als Küstenstädte
     

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