Hatten Frauen ihren eigenen Wettkampf bei den ersten olympischen Spielen?

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Gast, 11. August 2004.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo Zusammen,

    jetzt vor Olympia werden täglich archäologische Berichte über die ersten Olympischen Spiele im TV gesendet. Fast in jeden Bericht wird betont, das es Frauen unter Todesstrafe verboten war, den Kämpfen beizuwohnen (Ausnahme: die Priesterin von Delphi). Nur ein einziges mal habe ich vernommen, das Frauen ihren eigenen Wettkampf hatten, der auch auf einer Vase dokumentiert wurde. Dies wurde aber nur in einem Nebensatz erwähnt.
    Meine Frage nun: Um was für einen Wettkampf handelte es sich, wie regelmäßig wurde er ausgeführt, und gibt es antike Berichte darüber? Kann mir da jemand weiterhelfen?

    Schöne Grüße und vielen Dank im voraus
    Cassandra
     
  2. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Soviel ich weiss, waren Frauen Tabu. Es drohte sogar die Todesstrafe.

    Allerdings soll die spartanische Prinzessin Kyniska als erste Olympiasiegerin gelten. 400.v.Chr. gewann ihr Pferd beim Wagenrennen. Der Besitzer wurde geehrt, nicht der Lenker des Gespannes.
     
  3. Mercy

    Mercy unvergessen

    So isses!

    Während 1200 Jahren gab es nur ein einziges Hintertürchen, das Frauen die Teilnahme an Wettkämpfen ermöglichte: Als Besitzerin eines Pferdes war einer Frau die Teilnahme an den Pferdewettkämpfen erlaubt.
    Die lebenslustige spartanische Prinzessin Kyniska machte sich die Lücke in den Bestimmungen als erste zunutze und setzte sich selbst lautstark ein Denkmal: «Ein Bildnis setze ich mir hier / und ich verkünde stolz / dass ich von allen Frauen Griechenlands / als erste den olympischen Kranz trug.»


    Die Schenkelentblösserinnen
     
  4. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Sicherlich gab es irgendwo in Griechenland einen Platz, wo sich die Frauen rauften. Offiziell nicht.
    Auch in der Neuzeit der Olympischen Spiele waren Frauen erst mal aussen vor.
     
  5. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Dank Mercys gewohnt sensationellem Link wissen wir auch wo:

     
  6. Marianne

    Marianne Neues Mitglied

    Siehe auch hier:
    http://www.gottwein.de/Hell2000/ol002.htm Punkt V : Der Wettkampf der Frauen daraus zitiert:


    VI.

    Pausan.5,16,2: Jedes fünfte Jahr weben die sechzehn Frauen der Hera einen Peplos; dieselben ordnen auch einen Wettkampf, die Heraien. Der Kampf besteht in einem Wettlauf für Jungfrauen. Nicht alle sind von gleichem Alter, sondern zuest laufen die jüngsten, nach ihnen die dem Alter nach folgenden, zuletzt die ältesten Jungfrauen. (3) Sie laufen aber auf folgende Art: Sie lassen das Haar hängen, der Chiton reicht ihnen wenig über die Knie, die rechte Schulter zeigen sie bis zur Brust. Zum Wettlauf ist auch ihnen das Olympische Stadion zugewiesen, sie ziehen ihnen beim Lauf ungefähr ein Sechstel des Stadions ab. Den Siegerinnen geben sie Olivenkränze und einen Teil der Kuh, die man der Hera opfert. Auch ist es ihnen gestattet, ihr gemaltes Portrait zu weihen. Auch die Dienerinnen der Sechzehn sind, ebenso wie die Festordnerinnen, Frauen. (4) Sie führen den Wettlauf der Jungfrauen auf eine alte Begebenheit zurück, indem sie sagen, Hippodameia habe, um Hera den Dank für ihre Vermählung mit Pelops auszudrücken, die sechzehn Frauen versammelt und mit ihnen zuerst die Heraien gefeiert; sie erzählen auch, Chloris, des Amphion Tochter, habe gesiegt, die einzige, die von diesem Haus noch überig geblieben sei. (Übersetzung nach Schubart)


    Marianne
     
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  7. Gast

    Gast Gast

    Ursprünglichere Spiel

    Hallo

    Ich möchte die Frage noch mal aufwerfen.

    Ich habe neulich ein Buch gelesen "Als die Frauen die Welt erschufen." (Autor hab ich leider grad nicht parat), indem die Theorie vertreten (und auch ganz gut begründet) wird, dass eigentlich alle Kulturen in ihren frühesten Ursprüngen Matriarchate, also von Frauen dominierte Gesellschaften waren.
    Dies klingt für mich logisch, wenn man davon ausgeht, dass in diesen ursprünglichen Kulturen der Schritt zu planmässigem Ackerbau und vor allem zur Viehzucht noch nicht vollzogen war und es somit an vererbbaren Reichtümern vor allem den Frauen zugeordnete Dinge wie Haushaltsgegenstände etc. gab. Um aber eine weibliche Erbfolge zu sichern macht eine weibliche Dominierung der Gesellschaft Sinn.

    In dem Buch wird auf dieser Grundlage ausgeführt, dass man unter oder neben den Ruinen von Olympia weitere, ältere Anlagen gefunden hat, die darauf schließen lassen, dass bereits lange Zeit vor den antiken olympischen Spielen dort Sportwettkämpfe stattfanden, die einer Mutter-, Mond- oder Erdengottheit (weibl.) geweiht waren. Ich glaube, es wurde die Theorie aufgestellt, dass die Hera-Spiele ein Überrest dieser ursprünglichen Sportveranstaltungen waren, die die Frauen über den Verlust ihrer Vormachtstellung hinweghelfen sollte.

    Weiß jemand mehr darüber?
    Gibt es noch andere Quellen, die sich mit diesen Fragen beschäftigen?

    Vielen Dank für weiteren Input!

    Anne
     
  8. Marbod

    Marbod Mitglied

    Hallo Anne,

    die Theorie mit den Matriarchaten ist ja nicht neu und, so meine ich, auch schon durchaus weit verbreitet. Wichtig dabei ist vor allem die frühe Verehrung von Fruchtbarkeitsgöttinen, z.B. die Venus von Willendorf und ähnliche. Über einen Überrestcharakter der Hera-Spiele weiß ich leider nichts, aber ich muß da jetzt etwas Werbung für eine Dozentin machen und dir ein Buch empfehlen: "Olympia. Kult und Spiele in der Antike." von Rosmarie Günther. Die beschäftigt sich viel mit Frauenforschung, da könntest du fündig werden.

    Gruß

    Marbod

    PS: bevor sich hier andere noch echauffieren. Solche Bücher, die du suchst, nennt man nicht Quellen sondern Darstellungen. ;)
     
  9. Mercy

    Mercy unvergessen

    Das Buch ist von Frederik Hetmann und heisst Wie Frauen die Welt erschufen. Kenne ich noch nicht, klingt aber interessant.
     
  10. askan

    askan Neues Mitglied

    F. Hetmann? Ich dachte der schreibt nur irirsche Märchen?
     
  11. Gast

    Gast Gast

    Frauen -Todesstrafe; Mädchen nicht-warum?

    Ich hoffe, es gibt hier ein paar Historiker^^, die mir helfen können, - meine Frage bezieht sich größtenteils auch auf die Cassandras:
    Warum stand für (verheiratete) Frauen die Todesstrafe auf das Betreten des Stadions,
    hatten aber gleichzeitig Mädchen freien Zugang? Da diese Frage in meinem Geschichtskurs aufgeworfen wurde, gibt es min. 15 Interessenten (einschließlich der Lehrkraft), welche diese Frage brennend interessiert...

    Antworten erbitte ich an folgende Adresse: <von Hyokkose entfernt>
    und bedanke mich schon im Voraus, für eure (hoffentlich richtige) Antwort
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 24. August 2004
  12. Gast

    Gast Gast

    Frauen-Todesstrafe, Mädchen nicht-warum?

    Ich habe eine Frage bezüglich der antiken Olympiade: Demnach war es (verheirateten) Frauen unter Todesstrafe untersagt, das Stadion zu betreten, Mädchen aber hatten freien Zutritt.
    Meine Frage (und auch die meines gesamten Geschichtskurs-einschließlich des Lehrers) lautet also: Warum war dies so?

    Dank im Voraus
     
  13. Mercy

    Mercy unvergessen

  14. hyokkose

    hyokkose Gast

    Wenn ich das alles richtig verstanden habe, war es Frauen jeden Alters und Familienstandes verboten, an den Spielen des Zeus teilzunehmen.
     
  15. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Vieleicht lag es daran, das die Athleten völlig nackt waren
     
  16. askan

    askan Neues Mitglied

    Na und? In Sparta zum Beispiel ging man auch alltags "ohne".
     
  17. Der alte Fritz

    Der alte Fritz Neues Mitglied

    Ich glaube die Argumentationskette stimmt andersherum besser. Die waren nackt, damit keien Frauen teilnehmen konnten.
     
  18. Halbblut

    Halbblut Neues Mitglied

    Es gab im Rahmen der olympischen Spiele der Antike Wettkämpfe für Männer, Knaben und Mädchen. Ausserdem waren Prostituierte ein gern gesehener Teil des Rahmenprogramms. Die Todesstrafe drohte verheirateten Frauen, die sich an den Wettkampfstätten blicken ließen. Die wurden von einem Felsen ins Meer geworfen.
    Es ist allerdings ein Gerücht, dass das heutige Turmspringen auf diesen griechischen Männerbrauch zurückgeht...
     
  19. Roven

    Roven Gast

    Ich habe in dem Buch "asterix und seine Zeit" eine sehr interessante Theorie zu der Frage, warum verheiratete Frauen nicht ins Olympiastadion durften, gefunden

    Vorweg ist zu erwähnen das dieses Verbot nur in Olympia galt.
    Die Autoren schreiben auf dem Platz des Stadions früher der Tempel der Demeter stand. Diese plegten den Kult, junge Mädchen unter der Anleitung verheirater Priesterinnen auf die Hochzeit vorzubereiten. Als man der Göttin ihren angestammten platz nahm, um dort die Olympischen spiele zu feiern, wurden gewissermaßen als Entsühnung die alten Tempelregeln beibehalten. Verheirateten Frauen blieb das Stadion tabu. Die Demeterpriesterinnen erhielten einen Ehrenplatz an der Tribüne und an ihrer Seite durften folgerichtig die unverheirateten Mädchen Platz nehmen.

    Klingt zumindest plausiebel, oder?

    Gruß Roven
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 27. Oktober 2004
  20. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Und ein gutes Buch ... bevor jemand da was falsch versteht, die Autoren der einzelnen Aufsätze sind fast allesamt studierte Historiker (Manfred Clauss z.B. ist für mich ein Fachmann bzgl. der Antike ... und den guten Martin Jehne kenne ich sogar persönlich noch aus seiner Zeit als "Assistent" - er wird sich an mich aber wohl nicht erinnern).
     

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